Nürnberg verliert 1:5 - Ein unwürdiger Abschied - Süddeutsche.de
5:1 – Freiburg feiert furiosen Saisonabschluss
Während die Freiburger den 5:1-Sieg ihrer Mannschaft feiern, verabschiedet sich Nürnberg mit einem “Scheißtag” aus der ersten Bundesliga.

Der 1. FC Nürnberg unterliegt in Freiburg und wird am Sonntag den neuen Trainer präsentieren, dem der direkte Wiederaufstieg gelingen soll. Wichtige Spieler wollen bleiben.

Die Saison endete für den 1. FC Nürnberg mit ein wenig Mitleid. Die Zuschauer in Freiburg jubelten und applaudierten dem 5:1-Sieg ihrer Mannschaft, als der Stadionsprecher sie dazu aufforderte, den bedröppelten Gegner nicht auch noch zu verspotten: “Wir wissen alle, wie sich das anfühlt, wenn man absteigt.” Worauf von allen vier Tribünenseiten respektvoller Abschiedsapplaus für eine Mannschaft aufkam, die das erkennbar berührte.

Torhüter Mathenia flattert sich den Waldschmidt-Schuss geradezu selbst rein. Es war bereits sein 21. Weitschuss-Gegentor in seinem 93. Bundesliga-Spiel. Mathenia (Der Abstieg mit Nürnberg ist brutal emotional) stieg bereits letzte Saison mit dem HSV ab.

FCN-Trainer Boris Schommers war dankbar für die Respektbezeugungen: “Das habe ich auch noch nie erlebt.” Er fand aber ebenso wie seine Spieler, dass diese 90 Minuten für sich gesehen eigentlich keinen Applaus gerechtfertigt hatten. “Wenn du hier so einen Mist spielst, ist das kein würdiger Abschied aus der Liga”, sagte Mittelfeldspieler Eduard Löwen, der den willenlosen Auftritt seiner Elf nicht damit entschuldigen wollte, dass der seit vergangenem Wochenende feststehende Abstieg zu einem Spannungsabfall geführt habe. “Da muss sich schon jeder fragen, ob er alles investiert hat.” Der Applaus, den auch die voll besetzte Nürnberger Kurve der Mannschaft zollte, habe dem Saisonverlauf gegolten, nicht den eher unwürdigen 90 Minuten von Freiburg. “Über die Saison haben wir alles gegeben, aber heute war ein Scheißtag.”

Lethargische Nürnberger hatten Freiburg den notwendigen Raum zur Verfügung gestellt, um sich “herspielen” zu lassen, wie Löwen sagte. Die logische Folge waren fünf Freiburger Treffer durch Marco Terrazzino (7.), Luca Waldschmidt (34.), Petersen (54./56.) und Vincenzo Grifo (61.). Den einzigen Club-Treffer schoss Löwen (69.), der fand, dass Freiburg “noch ein paar Tore mehr hätte schießen können.”

Für den SC war ein Sieg aus übergeordneten Gründen wichtig. Zum einen, um die Katastrophenbilanz von zuletzt nur drei Punkten aus acht Spielen wenigstens noch ein bisschen aufzuhübschen. Sonst, sagte Torjäger Nils Petersen, “verlieren wir zu Beginn der nächsten Saison die ersten zwei Spiele und es wird uns vorgerechnet, dass wir seit elf Partien nicht mehr gewonnen haben.” Die Spielzeit 2018/2019 wird als eine der sorgenfreieren in der Freiburger Bundesligageschichte eingehen.

Löwen (69.) gelingt wenigstens das Ehrentor. Der Club schafft drei Saisonsiege, nur Wuppertal (1975) und Tasmania (1966/beide zwei Saisonsiege) waren in der ewigen Bundesliga-Historie erfolgloser.

Auch die Nürnberger Bundesligageschichte ist um eine Geschichte reicher, und sie hat einen Protagonisten hinzugewonnen. Schommers war der Trainer, der als Nachfolger von Michael Köllner aus einer von Vorneherein relativ aussichtslosen Mission immerhin noch so viel gemacht hat, dass Mannschaft und Fans in diesem Sommer versöhnlich auseinandergehen. Wie es für ihn persönlich weitergeht, weiß Schommers derweil noch nicht, wie er am Samstag erklärte: “Ich habe bis jetzt nur an das Spiel in Freiburg gedacht. Ab Montag werde ich mich mit meiner Zukunft beschäftigen.”

Streich liegt mit allen Änderungen richtig. Auch Terrazzino und Waldschmidt durften wieder von Beginn an ran.

Wie es für den Club weitergeht, das steht hingegen in weiten Teilen schon fest, es ist nur noch nicht öffentlich. Dass Schommers Nürnberg nicht weiter trainieren wird, ist seit der vergangenen Woche klar. Wer ihm nachfolgt, das will der FCN am Sonntagbekanntgeben. “Wir haben mit dem Trainer Einigung erzielt”, sagte Sportvorstand Robert Palikuca schon vor dem Spiel. Dem neuen Trainer soll der direkte Wiederaufstieg gelingen. Als aussichtsreichster Kandidat gilt seit Wochen der Österreicher Damir Canadi vom griechischen Erstligisten Atromitos Athen. Und ihm werden dafür mehr Spieler zur Verfügung stehen als zwischenzeitlich befürchtet. Stürmer Mikael Ishak und Kapitän Hanno Behrens bekräftigten am Samstag, in Nürnberg bleiben zu wollen. “Es müsste schon etwas Außergewöhnliches passieren, dass ich mir ernsthaft Gedanken mache, wegzugehen”, sagte Behrens.

Nach acht sieglosen Partien in Folge hat der SC Freiburg zum Saisonausklang noch einmal einen Dreier eingefahren und den 1. FC Nürnberg mit 5:1 besiegt. Während der Club bei seiner Abschiedsvorstellung aus Liga eins enttäuschte, zeigten sich die Breisgauer über die gesamte Partie spielfreudig und gewannen auch in der Höhe hochverdient.

Freiburgs Coach Christian Streich wechselte im Vergleich zum 0:3 in Hannover auf drei Positionen: Ersatzkeeper Flekken, Terrazzino und Waldschmidt durften von Beginn an ran, dafür mussten Torhüter Schwolow, Niederlechner (beide Bank) sowie Schlotterbeck weichen.

Nürnbergs Trainer Boris Schommers brachte nach dem 0:4 gegen Gladbach, das in der Vorwoche das Schicksal der Franken besiegelte, einen neuen Akteur: Geburtstagskind Rhein verdrängte Misidjan auf die Bank.

Von Beginn an waren die Gastgeber die spielbestimmende Mannschaft auf dem Feld. Freiburg drängte und zwang den Club zu vielen Fehlern. Die Überlegenheit der Breisgauer sollte sich auch schnell im Ergebnis widerspiegeln: Fehlte Heintz nach einem Günter-Freistoß noch die letzte Präzision (2.), machte es Terrazzino in der siebten Minute besser und vollstreckte aus 16 Metern. Vom FCN kam auch nach dem Rückstand nicht viel. Im Spiel nach vorne zeigten sich die Franken – wie schon in der gesamten Saison – zu harmlos. Einzig nach einem Standard versprühte der Absteiger Gefahr, doch Erras köpfte nach einem Freistoß von Bauer knapp vorbei (21.).

Im Gegensatz dazu bot Freiburg zum Saisonabschluss noch einmal eine starke Leistung: Vor allem über die linke Seite um Günter und Grifo machte Freiburg viel Dampf, doch auch das zweite Tor des Tages hatte seinen Ursprung auf dem rechten Flügel: Petersen war nach rechts ausgewichen und setzte mit einer Flanke Waldschmidt in Szene. Der bezwang den unglücklich aussehenden Mathenia mit einem von Margreitter noch abgefälschten Vollspannschuss – 2:0 für den SCF (34.).

Nach dem Seitenwechsel legte Freiburg weiterhin Spielfreude an den Tag – und Tore nach. Nürnberg brachte einen Eckball nicht endgültig aus der Gefahrenzone, sodass sich Petersen über Umwege als Nutznießer erwies und das Spielgerät aus 16 Metern in die Maschen bugsierte (54.). Beim Club hingen nun endgültig die Köpfe – die Gegenwehr war erloschen. Nur zwei Minuten später ließ Petersen mit einem sehenswerten Seitfallzieher das 4:0 folgen (56.), Grifo besorgte in der 61. Minute Treffer Nummer fünf.

Nach einigen Minuten Leerlauf auf beiden Seiten war es dann einmal die Nürnberger Offensivabteilung, die für ein Ausrufezeichen sorgte. Löwen führte den Ball in Strafraumnähe und hielt aus 22 Metern einfach drauf und erzielte den Ehrentreffer – 1:5 (69.). Nur eine Zeigerumdrehung später hätte Freiburg um ein Haar das halbe Dutzend vollgemacht, doch sowohl Terrazzino als auch Waldschmidt scheiterten am stark reagierenden Mathenia (70.).

In der Schlussphase schaltete Freiburg einige Gänge zurück und ließ es locker ausklingen. Fast hätte Stenzel in der 89. Minute noch den Schlusspunkt besorgt, der Querbalken verhinderte jedoch den sechsten Freiburger Treffer.

Kurz darauf war die Partie vorbei. Der SCF gewann hochverdient mit 5:1, schloss die Saison als Tabellen-13. ab und feierte den Klassenerhalt. Nürnberg muss als Schlusslicht den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

Kontakt | Jobs | Impressum | Links | Nutzungsbedingungen | Datenschutzhinweis | Nutzungsbasierte Online-Werbung | zur mobilen Ansicht wechseln