1:1 des FC Bayern in Nürnberg - Das Pech der Kleinen ist das Glück der Großen - Süddeutsche Zeitung
Bundesliga im Liveticker: 1. FC Nürnberg – FC Bayern München
Sebastian Fischer, Jahrgang 1989, ist Sport-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Studium in Köln und Tennessee – Letzteres vor allem, um College-Soccer zu spielen. Erste Texte für das Magazin Rheinfussball, später für den Kölner Stadt-Anzeiger. Bei der SZ seit 2014, von 2015 bis 2017 Volontär. Zuständig für die Digitalausgabe “Sport am Wochenende”, schreibt vor allem über Fußball und paralympischen Sport. Verlässt München für ein paar Tage, wenn et Trömmelche jeht.

Als die Protagonisten des Abends besungen wurden, waren die Spieler des FC Bayern schon verschwunden. “Eff-zeh-enn! Liebe, Glaube, Leidenschaft”, sangen die Anhänger des 1. FC Nürnberg, es ist ein kitschiges Fan-Lied der schöneren Sorte, es hallte laut durchs Stadion. All die berühmten Münchner Fußballer, die am Sonntagabend in Nürnberg den wohl vorentscheidenden Sieg zur Meisterschaft hätten einfahren können – sie hatten nur 1:1 beim Tabellenvorletzten gespielt, sie saßen schon in der Kabine. Stattdessen waren die Nürnberger noch da, alle.

Zum heutigen Spiel meinte er noch: „Es wird ein Schweres Spiel, sehr körperlich. Ich bin überzeugt, dass wir gut drauf sind und eine gute Leistung zeigen werden.“ Ein kurzes Update zum verletzten Boateng haute er dann auch noch raus. Demnach sei die Knieverletzung „nicht schlimm – man muss von Tag zu Tag schauen.“ Und was ist mit den Spekulationen rund um Schalke-Keeper Nübel ließ sich Brazzo nicht in die Karten schauen: „Wir haben mit Neuer den besten Torhüter der Welt und dahinter Sven Ulreich – für uns kein Thema.“ 

1. FC Nürnberg – FC Bayern im Ticker: Bayern holen nach wilder Schlussphase Remis beim Club – Meisterschaft bleibt spannend | FC Bayern

Der mit den Tränen kämpfende Tim Leibold, der aus der Nase blutende Patrick Erras, der müde gedribbelte Matheus Pereira, der tapfere Torwart Christian Mathenia, der doch eigentlich nicht schon wieder absteigen will. Minutenlang standen sie da und hörten zu.

Ein verschossener Elfer kurz vor Abpfiff sichert den Münchnern in einem spektakulären Derby zumindest ein 1:1 beim 1. FC Nürnberg. Besonderes Drama liefern Tim Leibold und Kingsley Coman.   Von Benedikt Warmburnn

Fazit: Sollten sich die Bayern jetzt freuen oder doch ärgern, weil durch die Mega-Chance ganz am Schluss sogar noch der Sieg drin war? Zwar muss den Coman eigentlich machen, dennoch darf man sich auf Seiten der Roten wegen dem Punkt nicht beschweren, da der Club mit dem Elfmeter in der Nachspielzeit eigentlich in Führung gehen muss. Die Bayern machen die Meisterschaft mit diesem Remis jedenfalls nochmal spannend und können den Ausrutscher der Dortmunder nicht entscheidend nutzen. 

Der FC Bayern, das sind die Fakten, dürfte nach dem 31. Bundesliga-Spieltag immer noch zum siebten Mal nacheinander deutscher Meister werden, das ist nun noch wahrscheinlicher geworden. Nach der Niederlage des einzigen Verfolgers Borussia Dortmund gegen Schalke 04 haben die Münchner mit dem Remis einen Punkt Vorsprung gewonnen. “Wir müssen sieben Punkte holen, um Meister werden”, sagte Mats Hummels nach dem Spiel, und tatsächlich reicht nun bei zwei Punkten Vorsprung und dem klar besseren Torverhältnis auch ein Unentschieden bei der schwierigen Partie in Leipzig in zwei Wochen.

35. Minute: Und jetzt der Club mit zwei Chancen in Folge! Zunächst der agile Pereira mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze – der Schuss geht aber vier Meter am Kasten von Ulreich vorbei. Ebenjener Ulreich ist jedoch in der anschließenden Szene wieder im Mittelpunkt, als er einen Rückpass von Hummels falsch einschätzt und Ishak den Pass fast abfängt. Diese Unsicherheit wäre beinahe bestraft worden – Glück für die Bayern.    

Doch jenseits der Fakten wird man sich vielleicht auch noch an die Bilder erinnern, an von kämpfenden Nürnbergern beinahe geschlagene Bayern, sollten sie in drei Wochen die Schale überreicht bekommen. Die letzten Zweifel, dass der Rekordmeister in diesem Jahr die beste deutsche Fußballmannschaft stellt, hat der Sonntagabend nicht beseitigen können. Er hat eher ein paar gesät. Und er hat ein paar tragische Helden hervorgebracht.

Die zweite Hälfte, zu der Kovac Gnabry statt Müller brachte, begann mit mehrminütiger Verspätung, nachdem im der Gästekurve Feuerwerkskörper gezündet worden waren. Kurz nach Wiederbeginn ging der Club nach einem gelungenen Angriff in Führung! Nach Vorarbeit von Kerk scheiterte Löwen noch an Ulreich, doch der Ball landete bei Pereira, der vom Strafraumrand überlegt ins linke Eck einschoss (48.). Der Rekordmeister wirkte einen Moment lang angezählt, sodass nur wenige Minuten später Löwen bei einem Drei-auf-Eins-Konter halblinks frei im Strafraum auftauchte, sich statt eines Abschlusses jedoch zu einem Pass entschied, der gerade noch entschärft wurde (51.).

Die Geschichte eines dramatischen Spiels, das vor allem vom Kampf der Nürnberger um den Verbleib in der Liga lebte, erreichte ihren Höhepunkt kurz vor Schluss, in der ersten Minute der Nachspielzeit. Da stand der Nürnberger Verteidiger Leibold am Elfmeterpunkt, und er hätte das wohl überraschendste Ergebnis dieser Saison perfekt machen können. Leibold, 25, spielt seine erste Bundesligasaison, er war mit 20 noch Oberligaspieler. Nun konnte er den großen FC Bayern besiegen und den Rückstand auf den Relegationsplatz 16 auf drei Punkte verkürzen. Doch Leibold schoss den Ball an den Innenpfosten. Es war bereits der vierte vergebene Strafstoß seiner Mannschaft in dieser Saison. Das Pech der Kleinen war das Glück der Großen.

Die Nürnberger erwarteten die favorisierten Münchner mit zwei tief stehenden Viererketten in der eigenen Hälfte, während Löwen als Attackierender gegen den Ball auf eine Linie mit Ishak in vorderster Front rückte. Dem FC Bayern bereitete das disziplinierte Verteidigungsspiel der Franken im Aufbau durchaus Probleme. Chancen und sogar Torschüsse waren in den ersten rund 20 Minuten Mangelware. Ein direkter Freistoß von Alaba, den Mathenia gerade noch an die Querlatte abfälschte, stellte die beste Gelegenheit der ersten Hälfte dar (23.). Wenig später scheiterte Müller vom Strafraumrand am Außennetz.

Bayern-Trainer Niko Kovac kam nach der Partie mit schlechter Laune zur Pressekonferenz, in der er das schwache Spiel seiner Mannschaft erklären musste. Er sprach vom “Abhaken”, äußerte seine Unzufriedenheit mit der Leistung der Mannschaft, doch führte auch eine Reihe vermeintlicher Erklärungen an. “In erster Linie lags an Nürnberg”, sagte er. Vor dem Gegner, der seit dem Wechsel zu Interimstrainer Boris Schommers wieder ein unangenehmer ist, hatte Kovac gewarnt. Das in der Verlängerung gewonnene DFB-Pokalhalbfinale gegen Bremen am Mittwoch habe die Mannschaft ermüdet. Und außerdem könne es in der Schlussphase einer Saison halt mal passieren, dass Ergebnisse eintreffen, mit denen man nicht rechnet.

Kovac erhöhte danach das Risiko und brachte James für Javi Martinez (57.). Doch auch nach der Hereinnahme des Kolumbianers änderte sich nichts daran, dass sich die Münchner gegen die defensiv sehr gut postierten Franken schwertaten. In der 72. Minute nahm Kovac James aufgrund von Wadenproblemen wieder vom Feld. Wenige Minuten später gelang den Münchern mit etwas Glück das 1:1: Nach einer Flanke von Coman wollte Bauer vor Gnabry klären, doch der Ball prallte vom linken Bein des Nationalspielers über Mathenia hinweg ins Tor (75.).

Der Rekordmeister kann seinen Vorsprung auf vier Punkte ausbauen – und für eine Vorentscheidung sorgen. Gegner 1. FC Nürnberg bräuchte wohl eine Sensation, um weiter auf den Klassenerhalt hoffen zu dürfen.

Die Schlussminuten waren dann an Dramatik kaum zu überbieten. Nürnberg, bei dem Schommers mit den Hereinnahmen von Margreitter, der in der Offensive agierte, und Ilicevic für Löwen und Bauer auf Sieg ging, erhielt nach einem Ellbogenschlag von Davies gegen Margreitter einen Strafstoß. Doch Leibold scheiterte mit dem Foulelfmeter am linken Innenpfosten (90.+1). Sekunden vor dem Ende ließ dann auf der Gegenseite Coman nach langem Alleingang im Eins-gegen-eins mit Mathenia den Sieg liegen (90.+5), sodass es beim Remis blieb.

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