Extremst bitter: Ärger in Nürnberg - Schalke ernüchtert - Heilbronner Stimme
Nürnberg – Schalke 1:1: Sammer versteht Schalke-Profis nicht
Im Abstiegsgipfel beim 1.FC Nürnberg spielt Königsblau 1:1, rumpelt sich trotz Rückstands zum Unentschieden beim Vorletzten. Nastasic rettet Königsblau (85.) per Abstauber ganz kurz nach Kubos Führung (82.).

Wegen der Minus-Leistung sind die Fans hinterher trotzdem alles andere als glücklich: Außer Nübel könnt ihr alle gehen! ruft die Kurve. Die Schalke-Profis gehen trotzdem hin, holen sich Beschimpfungen ab.

Doch der Club, in den vergangenen Wochen und Monaten im Kampf gegen den Abstieg schon oft abgeschrieben, blieb auch danach ganz eindeutig die bessere Mannschaft, immer wieder initiierte Mittelfeldspieler Matheus Pereira kluge Angriffe, immer wieder parierte Nübel, zweimal herausragend gegen Behrens und Sebastian Kerk. Aber nach 82 Minuten hatte selbst der Juniorennationaltorwart keine Chance, als Yuya Kubo, übrigens völlig ungestört zwischen zwei Schalker Verteidigern, nach einer Flanke von Pereira per Kopfball traf. Kurz sah es so aus, als wäre Nürnberg bis auf einen Punkt an den Relegationsplatz herangerückt, und es wäre das schlüssige Resultat des Abends gewesen. “Dieses Spiel hatte nur eine Mannschaft verdient zu gewinnen und das waren wir”, sagte Schommers. Doch in der 84. Minute fälschte Matija Nastasic einen Schuss von Omar Mascarell ins Tor ab. Ein Treffer nach einer Ecke, kein durchdachter Spielzug, ein solcher gelang Schalke den ganzen Abend lang nicht.

Matthias Sammer wundert sich über Schalke-Profis: Als Spieler hätte ich gesagt, die können mich mal

Für Eurosport-Experte Matthias Sammer unverständlich: Das ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Er selbst wäre früher als Profi nicht ausgerechnet zu den Fans gegangen, die von einem wollen, dass man geht.

“Außer Nübel könnt Ihr alle gehen”, sangen die nach Nürnberg gereisten Schalker nach dem Schlusspfiff minutenlang. Alexander Nübel, der Torwart, hatte einen Strafstoß von Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens gehalten, mehrere Großchancen pariert und auch deshalb die Begegnung mitentschieden, weil er in der umstrittensten Aktion des Abends einen Pfiff von Schiedsrichter Robert Kampka provozierte. Behrens hatte kurz vor der Halbzeit nach einer zu kurz geratenen Rückgabe von Schalkes Daniel Caligiuri den Ball vor Schalkes Torwart erwischt und zum vermeintlichen 1:0 getroffen, Kampka pfiff jedoch Foulspiel, ohne die Meinung des Videoassistenten abzuwarten. Ein Fehler, den er im Gespräch eingesehen habe, wie Nürnbergs Trainer Boris Schommers hinterher erzählte. “Eine klarste Fehlentscheidung, die darf nicht passieren auf diesem Niveau”, sagte Schommers. Der Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war dagegen ein schmeichelhafter für Nürnberg gewesen.

1:1 in Nürnberg – Schalkes nächstes Gruselspiel

Schalke-Stürmer Burgstaller nach dem Spiel: Wir sollten über unsere Leistung reden, und die war zu wenig. Wir müssen mit dem Punkt zufrieden sein. Nürnberg war fast 70 Minuten besser.

Es war am Ende trotzdem ein Spiel, in dem sich der 1. FC Nürnberg vergewissert hatte, auf Bundesliganiveau bestehen zu können und in den letzten fünf Saisonspielen weiter auf die Relegation hoffen zu dürfen. Fast 60 Prozent der Zweikämpfe hatte der Club gewonnen. Entsprechend war es ein Spiel, nach dem Schalkes Stürmer Guido Burgstaller über die wütenden Gesänge der Fans sagte: “Nach der Leistung haben wir uns das eventuell verdient.” Stevens erklärte diese Leistung auf Nachfrage in der Pressekonferenz mit einem Wort: “Zweifel.” Er sagte wörtlich: “Zweifel. Schlechter Ratgeber. Du darfst nicht zweifeln.” Dann starrte er grimmig in die Luft. Er musste schon noch einmal gefragt werden, woran seine Spieler denn eigentlich seiner Meinung nach gezweifelt hatten. “Weil der Gegner aggressiver und besser war”, sagte er.

Sein Team zeigt in den 90 Minuten vorher wieder sehr wenig und hat viel, viel Glück: Nürnberg wird ein Tor geklaut – und Torwart Nübel muss ganz stark halten.

Huub Stevens ist gesund, das ist eine erfreuliche Nachricht, aber nach Vorstellungen seiner Mannschaft muss er in diesen Tagen schon mal explizit darauf hinweisen. “Ich kann den Kardiologen von mir anrufen”, sagte er am Freitagabend im Stadion in Nürnberg, als er über ein 1:1 seines FC Schalke 04 beim Tabellenvorletzten zu reden begann, “das ist auch nötig, glaube ich”. Dem Herz gehe es gut, sagte der Trainer, 65, der im Februar 2016 einen Job bei der TSG Hoffenheim wegen Herzrhythmusstörungen beendet hatte. Sein Arzt musste sich nach diesem Abend nämlich durchaus sorgen, dass Schalke seinen Patienten wieder krankmacht.

Wahnsinn die Phase vor der Pause! 43. Minute: Caligiuri will halbherzig mit der Brust für Torwart Nübel ablegen. Behrens spurtet dazwischen, schießt das vermeintliche 1:0.

Es ist ja eine der überraschendsten Geschichten dieser Saison, wie schwach der Tabellenzweite der Vorsaison Fußball spielt, der sogenannte Vizemeister also. Und es ist eine Geschichte, die tatsächlich Woche für Woche dramatischer zu werden scheint. Am Freitag hatte Schalke im fünften Spiel unter Interimstrainer Stevens die Chance, sich immerhin vom Kampf gegen den Abstieg zu entfernen, mit einem Sieg gegen einen direkten Konkurrenten. Doch stattdessen hatte Schalke sehr viel Glück, einen Punkt zu gewinnen. “Da kann ich mir vorstellen, dass die Fans enttäuscht sind”, sagte Stevens. Und da hatte er recht.

Auf einmal pfeift Schiri Dr. Robert Kampka, zeigt Freistoß an. Das gestreckte Bein von Behrens soll wohl gefährliches Spiel gewesen sein. Nur: Er berührt Nübel gar nicht.

Wenn Schalke 04 nach dieser Saison weiterhin ein Bundesligist ist, wird es übrigens eher daran gelegen haben, dass die weitaus geringer ambitionierte Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg noch schlechter war als Schalke, die nun in den vergangenen elf Spielen nur ein einziges Mal gewonnen haben, gegen den Tabellenletzten Hannover. Aber selbstverständlich werden sie Huub Stevens dennoch danken und fortan seine knurrenden Antworten vermissen, ihn feiern und hoffentlich kerngesund in den Ruhestand entlassen.

Ärgerlich für den Club: Der Kölner Video-Keller (zuständig: Sven Jablonski) kann nicht eingreifen, da bereits abgepfiffen war. So konnte Kampka nicht nahelegt werden, sich die Szene noch einmal anzuschauen um eventuell auf Tor für Nürnberg zu entscheiden.

Dusel für Schalke und Trainer Huub Stevens, der letzte Woche nach dem Last-Minute-Elfer gegen Frankfurt noch haderte: Anscheinend ist die ganze Welt gegen uns. An diesem Tag lief alles FÜR Schalke …

45. Minute +2: Pereira wird von Nübel abgeräumt – Elfmeter Nürnberg! Doch wie im März gegen Leipzig verschießt Kapitän Behrens. Nübel ist im rechten Eck, hält klasse.

Ein Wunder, dass Schalke trotz Minus-Leistung nicht verliert. Offensiv kommt bis auf auf das Nastasic-Tor kaum etwas.

Das Stevens-Team weiter wie ein Absteiger. Eurosport-Experte Matthias Sammer urteilte schon vor dem Spiel hart: Das hat wenig mit Fußball zu tun: kein Aufbauspiel, kaum Positionsspiel. Das ist wie Kinderfußball. Rumms!

Für Nürnberg ist der Punkt eigentlich zu wenig, der Abstand auf Platz 16 beträgt zumindest über Nacht drei Punkte.

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Die Schalker Profis boten am Freitag in Nürnberg eine bedenkliche Leistung – Matthias Sammer wunderte sich aber vor allem über das, was sie nach dem Schlusspfiff machten.

Mit dem Fußball, den der FC Schalke 04 gerade bietet, war Matthias Sammer schon vor dem Anpfiff des Freitagabendspiels hart ins Gericht gegangen. “Kein Aufbauspiel, kaum Positionsspiel, das ist wie Kinderfußball”, hatte der “Eurosport”-Experte kritisiert, und gut 90 Minuten später war seine Meinung nicht viel besser.

“Es fehlt die Überzeugung und Leichtigkeit”, analysierte er nach dem mehr als glücklichen 1:1 beim 1. FC Nürnberg, “es ist spielerisch einfach zu wenig” – was die Beteiligten bestätigten: “Das Pressing als gesamte Mannschaft hat heute nicht funktioniert”, befand etwa Stürmer Guido Burgstaller, “im Passspiel waren wir zu langsam. So kannst du keine Torchancen herausspielen.”

Und so bleibt auch der Klassenerhalt gefährdet. Seit dem Trainerwechsel haben die Schalker nun vier Punkte aus vier Spielen geholt, scheiterten zudem im DFB-Pokal-Viertelfinale an Werder Bremen. Die Fans sind entsprechend bedient. Als sich die Schalker Mannschaft nach dem Schlusspfiff langsam in Richtung Kurve aufmachte, skandierten sie wie auch schon mal im Februar nach dem 0:3 in Mainz: “Außer Nübel könnt ihr alle gehn!”

Dass die Spieler daraufhin nicht sofort wieder kehrtmachten, konnte Sammer nicht nachvollziehen. “Als Spieler hätte ich gesagt, die können mich mal”, wurde er deutlich. “Dann muss man noch hingehen und sich verabschieden? Wenn die das singen, dann gehe ich mich nicht bedanken. Das ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Wenn ich das gehört hätte, hätte ich gesagt, die können mich mal.”

Burgstaller fand die Gesänge dagegen “nach der Leistung eventuell verdient”. Und auch Daniel Caligiuri räumte ein: “Man versteht die Fans, dass sie hier unzufrieden sind.”

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