Nürnberg/Bayern: Abschiebe-Einsatz in Nürnberg - Hunderte Menschen demonstrieren dagegen - inFranken.de
SEK musste eingreifen – Abschiebung in Nürnberg eskaliert
Nach einer aus dem Ruder gelaufenen Abschiebung in Nürnberg am Dienstag (19.03.2019) schaltet sich der bayerische Flüchtlingsrat ein: Es gebe eine große Sorge um Jan Ali Habibi, teilte Johanna Böhm dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Am Vormittag war eine Polizeistreife gegen 10.30 Uhr nach Nürnberg-Gostenhof ausgerückt, um den Mann abzuschieben. Das berichtete die Polizei gegenüber inFranken.de.

Am Dienstagabend gingen in Gostenhof rund 500 Demonstranten auf die Straße, um gegen den Polizeieinsatz vom Mittag zu protestieren. Laut örtlicher Polizei versammelten sich Hunderte Demonstranten gegen 19 Uhr zu einer Kundgebung am Jamnitzerplatz, um später durch zahlreiche Nürnberger Straßen zu ziehen.

Nürnberg: Abschiebung entgleist: Geflüchteter droht mit Selbstverletzung | Bayern

Im Versammlungszug kam es zu vereinzelten Ausschreitungen. So wurden beispielsweise auf Höhe der Dr.-Heinz-Sebiger-Straße Rauchfackeln gezündet. Zudem flog eine Bengalfackel in Richtung der Polizeikräfte. Daraufhin kam es zu einem kurzzeitigen Gemenge zwischen Polizei und Demonstranten. Dabei wurde ein Beamter verletzt. Die Polizei konnte bisher keine Auskunft über Verletzte unter den Demonstranten liefern.

Der Afghane sei inzwischen n Gewahrsam genommen und zum Flughafen gebracht worden. Dort sei dann aber entschieden worden, die Abschiebung auszusetzen, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Zu den Gründen der Aussetzung machte er keine Angaben. Vorangegangenen sei jedoch eine medizinische Untersuchung des Mannes.

Dem Bayerischen Flüchtlingsrat zufolge, der ihn nach eigenen Angaben betreut, ist der Geflüchtete Afghane, 26 Jahre alt und lebt seit 2010 in Deutschland.

Der Bewohner der Austraße sollte in Gewahrsam genommen und dann abgeschoben werden. Allerdings flüchtete der Mann über ein Fenster in den Innenhof. Dort drohte er, sich etwas anzutun.

Nach Angaben eines Polizeisprechers drohte der Mann daraufhin, sich etwas anzutun. Aus diesem Grund wurden SEK und speziell geschulte Beamte angefordert.

Die Polizei kontaktierte daraufhin Spezialeinsatzkräfte sowie weitere Experten. Der Bereich wurde abgesperrt. Andere Menschen waren nicht in Gefahr, teilte die Polizei mit.

Gegen 12.55 Uhr folgte dann der Zugriff der Spezialeinsatzkräfte. Sie nahmen den Mann in Gewahrsam. Augenscheinlich wurde dieser nicht verletzt, allerdings soll er noch im Krankenhaus von einem Arzt untersucht werden.

Nürnberg – Bei einer geplanten Abschiebung in Nürnberg sind Spezialeinsatzkräfte (SEK) der Polizei angerückt.

Trotz der Festnahme war die Polizei am Nachmittag noch mit zahlreichen Kräften vor Ort. Der Grund: Am Einsatzort demonstrierten rund 30 Menschen gegen die Abschiebung. Sie forderten lautstark ein “Bleiberecht für alle”. Die Demo verlief weitgehend störungsfrei, berichtete die Polizei.

Laut Flüchtlingsrat floh der heute 26-jährige Habibi mit seiner Familie vom Stamm der Hazara als kleiner Junge in den Iran, nachdem sein Vater von den Taliban ermordet worden war. Er spricht laut Böhm vorwiegend Persisch.

Seit 2010 leben die Habibis in Nürnberg. Zur Familie gehören Jan Alis erwachsene Geschwister und seine kranke Mutter. Nach Informationen von Böhm hat Habibi keine Straftaten begangen. In den vergangenen vier Jahren besuchte er die Abendrealschule in Nürnberg.

Habibi war einer der jungen Männer, die 2015 mit einem handgeschriebenen Brief an den damaligen Chef des Bundesamts für Asyl und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt, für Aufmerksamkeit sorgten. Er protestierte mit einem Camp in der Nürnberger Innenstadt gegen jahrlange Kettenduldungen. Zu dieser Zeit wurden die Duldungen der Protestierenden alle drei Monate verlängert, sodass auch Arbeitserlaubnisse nicht möglich waren.

Habibi sei psychisch krank, erklärte die Vertreterin des Flüchtlingsrats. Sie fürchtet, dass er in Kabul in eine gefährliche Lage kommt. Außerdem habe er in dem Land keine familiären oder sozialen Kontakte.

Das bayerische Innenministerium wollte auf epd-Anfrage einen geplanten Abschiebeflug nicht bestätigen. Man teile auch keine Details zu den Passagieren mit, hieß es. Der Bayerische Flüchtlingsrat veröffentlichte indes am Abend eine Stellungnahme zur Lage um Habibi: Via Twitter teilte der “Flüchtlingsrat Bay” mit, dass man davon ausgehe, dass Jan Ali Habibi auf dem Weg zum Flughafen Leipzig/Halle sei:

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Bei einem Einsatz im Nürnberger Stadtteil Gostenhof wehrte sich ein Ausländer so heftig, dass die Polizei mit Spezialkräften eingreifen musste!

Dem Bayerischen Flüchtlingsrat zufolge handelte es sich um einen 26 Jahre alten Afghanen. Als die Ausländerbehörde ihn am Dienstag abholen wollte, flüchtete er in den Innenhof des Wohnhauses. Dabei wurde er von Polizisten gestellt, die routinemäßig die Ausländerbehörde begleitete.

Daraufhin rückten Kräfte des Spezialeinsatzkommandos SEK und des bayerischen Unterstützungskommandos USK an, das Gebiet wurde abgeriegelt. Es gab Verhandlungen mit dem Ausreisepflichtigen, schließlich begannen auch noch Abschiebungsgegner zu demonstrieren.

Gegen 13 Uhr dann der Zugriff: Die Beamten nahmen den Mann fest. Er kam in Gewahrsam und wurde zum Flughafen gebracht. Dort sei dann aber entschieden worden, die Abschiebung auszusetzen, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Zu den Gründen der Aussetzung machte er keine Angaben. Vorangegangenen sei jedoch eine medizinische Untersuchung des Mannes. Dem Bayerischen Flüchtlingsrat zufolge, der ihn nach eigenen Angaben betreut, lebt der Mann seit 2010 in Deutschland.

Etwa 500 Menschen protestierten laut Polizei am Dienstagabend gegen die Abschiebung. Der Flüchtlingsrat hatte zu einer Protestkundgebung aufgerufen.