Mittelfranken - SEK-Einsatz bei Abschiebung in Nürnberg - Süddeutsche.de
SEK muss eingreifen – Abschiebung in Nürnberg eskaliert
Einsatzkräfte der Polizei führen den abgelehnten Asylbewerber ab, der im Zuge einer geplanten Abschiebung damit drohte, sich etwas anzutun.

Die geplante Abschiebung eines abgelehnten Asylbewerbers hat sich am Dienstag in Nürnberg zu einem stundenlangen Polizeieinsatz mit Spezialkräften entwickelt. Der Mann, zu dem die Polizei keine näheren Angaben macht, war aus dem Fenster eines Wohnhauses im Stadtteil Gostenhof geflüchtet, als ihn am Vormittag Streifenbeamte zu einem Abschiebeflug bringen wollten. Als er im Innenhof stand, hat er laut Polizei gedroht, sich etwas anzutun.

Die Beamten alarmierte daraufhin für Verhandlungen geschultes Personal sowie Spezialeinsatzkräfte und ein Unterstützungskommando. Nach gut zwei Stunden, während der sich einige Abschiebegegner vor dem abgesperrten Einsatzort versammelten, wurde der Mann schließlich von den Spezialeinsatzkräften festgesetzt und in eine Klinik gebracht.

Zum weiteren Vorgehen war zunächst nichts zu erfahren. “Wir müssen jetzt prüfen, wie es weitergeht”, sagte ein Polizeisprecher. Laut Flüchtlingsrat handelt es sich bei dem Mann um einen Afghanen, der seit Jahren mit seiner Mutter und zwei Geschwistern in Deutschland lebt, nachdem sein Vater von den Taliban umgebracht worden sei. Aus Sicht des Flüchtlingsrates ist der junge Mann gut integriert: Er besuchte eine Abendrealschule und wollte dieses Jahr seinen Abschluss machen.

In Nürnberg wollten Berufsschüler verhindern, dass ihr afghanischer Mitschüler abgeschoben wird. Für sie ist es ein Schock zu sehen, dass ihr Land weder christlich noch sozial ist.   Kommentar von Olaf Przybilla

Bei einem Einsatz im Nürnberger Stadtteil Gostenhof wehrte sich ein Ausländer so heftig, dass die Polizei mit Spezialkräften eingreifen musste!

Dem Bayerischen Flüchtlingsrat zufolge handelte es sich um einen Afghanen. Als die Ausländerbehörde ihn am Dienstag wollte, flüchtete er in den Innenhof des Wohnhauses. Dabei wurde er von Polizisten gestellt, die routinemäßig die Ausländerbehörde begleitete.

Daraufhin rückten Kräfte des Spezialeinsatzkommandos SEK und des bayerischen Unterstützungskommandos USK an, das Gebiet wurde abgeriegelt. Es gab Verhandlungen mit dem Ausreisepflichtigen, schließlich begannen auch noch Abschiebungsgegner zu demonstrieren.

Gegen 13 Uhr dann der Zugriff: Die Beamten nahmen den Mann fest, brachten ihn weg – nicht zum Flughafen, sondern in ärztliche Behandlung. Das Gebiet um den Zugriffsort blieb zunächst gesperrt.

Dem Bayerischen Flüchtlingsrat zufolge, der ihn nach eigenen Angaben betreut, lebt der Mann seit 2010 in Deutschland.