Mitten in Nürnberg - Die Chancen schwinden - Süddeutsche.de
Parteiübergreifendes Bedauern über Malys Rückzug
Nürnberg will Europäische Kulturhauptstadt werden und sowohl die Kulturreferentin wie auch der Oberbürgermeister haben sich für die Bewerbung richtig tief eingearbeitet. Jetzt allerdings hat OB Ulrich Maly angekündigt, dass er im nächsten Jahr nicht mehr kandidiert. Das wird sich auswirken

Geboren 1972 in Wertheim, Baden-Württemberg, aufgewachsen in Bayern. Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie in Erlangen und Heidelberg. Nach dem Examen Dozent für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität. Seit 2001 Korrespondent der Süddeutschen Zeitung  in Nordbayern, seit 2008 Leiter des SZ-Büros Franken in Nürnberg.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, im nächsten Jahr nicht mehr zur OB-Wahl anzutreten. Ich werde im Jahr 2020 18 Dienstjahre als Oberbürgermeister und 30 Jahre hauptberufliche Rathauspolitik hinter mir haben. Das ist mein halbes Leben und sehr lange, erklärt Maly in einem Statement am Montagnachmittag.

Nürnbergs Oberbürgermeister Maly hört auf

Wenn sich Politiker vor Journalisten äußern, dann kann das amüsant sein, inhaltlich ergiebig oder strategisch erhellend. Dass man anschließend in den Block schaut und sich angesichts der gebotenen intellektuellen Tiefe “öha” denkt, kommt eher selten vor. Am 5. Oktober 2018 in Nürnberg war das anders. Da traten Julia Lehner (CSU), Kulturreferentin von Nürnberg, und Ulrich Maly (SPD), Nürnbergs Oberbürgermeister, vor die Presse. Es ging um die Bewerbung Nürnbergs als Europäische Kulturhauptstadt. Wer danach von sich behauptet hätte, alles an ihrem Vortrag vollumfänglich durchdrungen zu haben, der hätte schlicht nicht die Wahrheit gesagt.

Maly weiter: Menschen in Nürnberg müssen schon deutlich in den späten Zwanzigern sein, um sich überhaupt noch an einen anderen Oberbürgermeister erinnern zu können. Deshalb ist mein Entschluss auch das Ergebnis einer kritischen Selbstreflexion.

Nun kann man darüber streiten, ob ein Vortrag als gelungen gelten darf, wenn er so anspruchsvoll ist, dass man Mühe hat zu folgen. In dem Fall aber verließen viele den Raum in der Gewissheit, dass sich da zwei verdammt tief in eine Denksportaufgabe eingearbeitet haben. Es gibt wenige Menschen in Deutschland, die schon mal Bewerbungsverfahren zur Kulturhauptstadt siegreich durchstanden haben. Die aber sagen: Man muss den Juroren schon akademische Substanz und Tiefe bieten, wenn man gewinnen will. Insofern klangen die Nürnberger Grundzüge für eine Bewerbung äußerst vielversprechend.

Der beliebte Kommunalpolitiker hatte 2002 das Amt von CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz übernommen. Bei der vergangenen Wahl 2014 hatte er sich mit 67,1 Prozent klar gegen seine Konkurrenten durchgesetzt.

Und nun? Am Montag hat Ulrich Maly seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit als Rathauschef angekündigt. Er erntet seither zu Recht viel Respekt dafür. Einen Makel aber hat die überraschende Erklärung: Maly wird sich als OB kaum noch um die von ihm in die Wege geleitete Bewerbung kümmern können.

Im Dezember wird er beim Vorentscheid in Berlin noch das eingeübte Duo mit Lehner bilden. Wenn aber diese Hürde womöglich überwunden ist, Nürnberg auf der Shortlist landet und die Jury im Sommer 2020 in die Stadt kommt – dann ist Maly schon weg. Man will keinem der nun ventilierten Nachfolger zu nahe treten. Die Eloquenz aber und das geistige Format eines Maly wird keiner haben.

Nürnberg – Jetzt ist es raus! Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) tritt nicht mehr zur Kommunalwahl im März 2020 an.

Und wenn Maly nach seiner OB-Amtszeit eine Art ideellen Bewerbungsdirektor gäbe? Das kann man versuchen, hätte aber sicher nicht dieselbe Autorität. Was bleibt? Nürnberg war ein Mitfavorit für diese Bewerbung. Nach Malys Erklärung dürfte die Stadt natürlich noch Außenseiterchancen haben. Mehr aber wohl nicht.

Bei Rotwein und Fingerfood schüttelten MP Markus Söder (52, CSU) und OB Ulrich Maly (58, SPD) Hände und machten Selfies.

Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, aufgenommen beim Landesparteitag der SPD in Bayern. Foto: Daniel Karmann/Archiv (Quelle: dpa)

Nürnbergs OB Ulrich Maly (SPD) will bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren. Das habe er nach reiflicher Überlegung entschieden, sagte der 58-Jährige am Montag in Nürnberg. Der beliebte Kommunalpolitiker hatte 2002 das Amt von CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz übernommen. Bei der vergangenen Wahl 2014 hatte er sich mit 67,1 Prozent klar gegen seine Konkurrenten durchgesetzt.

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