Mitten in Nürnberg - Die Chancen schwinden - Süddeutsche.de
Parteiübergreifendes Bedauern über Malys Rückzug
Der Rückzug Ulrich Malys aus der Politik stößt auf Bedauern. Aber auch auf Ungläubigkeit, was wohl wirklich dahinterstecken möge.

Geboren 1972 in Wertheim, Baden-Württemberg, aufgewachsen in Bayern. Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie in Erlangen und Heidelberg. Nach dem Examen Dozent für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität. Seit 2001 Korrespondent der Süddeutschen Zeitung  in Nordbayern, seit 2008 Leiter des SZ-Büros Franken in Nürnberg.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, im nächsten Jahr nicht mehr zur OB-Wahl anzutreten. Ich werde im Jahr 2020 18 Dienstjahre als Oberbürgermeister und 30 Jahre hauptberufliche Rathauspolitik hinter mir haben. Das ist mein halbes Leben und sehr lange, erklärt Maly in einem Statement am Montagnachmittag.

Und natürlich kommen am Tag nach dem angekündigten Abschied die Fragen nach den eigentlichen Hintergründen. Ganz in dem Sinn: Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly hat also erklärt, nach 30 Jahren Rathauspolitik nicht weitermachen zu wollen. Schön und gut, das sollen politische Naivlinge ruhig glauben. Dahinter aber müsse doch etwas anderes stecken. Ein richtiger  Grund.

Maly weiter: Menschen in Nürnberg müssen schon deutlich in den späten Zwanzigern sein, um sich überhaupt noch an einen anderen Oberbürgermeister erinnern zu können. Deshalb ist mein Entschluss auch das Ergebnis einer kritischen Selbstreflexion.

Nürnberg: OB Maly tritt nicht mehr an

Wer Maly über eine längere Zeit politisch beobachten sollte, der sah sich immer wieder vor solche Erklärungsaufgaben gestellt. Nürnbergs OB sagt, er liebäugelte nie mit dem Gedanken, unter Gerhard Schröder ins Kabinett einzuziehen? Dann wird ihn der damalige Kanzler nicht gefragt haben. Maly sagt, er wolle angeblich auch nicht Chef der Bayern-SPD werden? Also bitte, das können nur Naive glauben. Er tritt definitiv nicht als Spitzenkandidat bei Landtagswahlen an, egal wie arg er hofiert wird von den Genossen? Abwarten, das kommt schon noch! Nur kam es dann immer so, wie Maly es gesagt hatte. Er blieb Rathauschef in Nürnberg, einfach Rathauschef.

Der beliebte Kommunalpolitiker hatte 2002 das Amt von CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz übernommen. Bei der vergangenen Wahl 2014 hatte er sich mit 67,1 Prozent klar gegen seine Konkurrenten durchgesetzt.

Nach 18 Jahren will der SPD-Politiker bei der nächsten Kommunalwahl nicht kandidieren. Die Ankündigung kommt überraschend – und ist ein Schock für die Sozialdemokraten.   Von Olaf Przybilla

Nach BILD-Infos möchte sich Maly komplett aus der Politik zurückziehen. Stattdessen möchte er alte, soziale Kontakte wieder aufbauen, Biergärten besuchen und Filme schauen.

Und es erfüllte sich das, was er oft angedeutet hat, wenn mal wieder keiner glauben mochte, dass er keine Ambitionen nach “Höherem” hege: Wer in der Politik nicht deutlich den Finger hebt – der wird auch nicht aus seinem Büro gezerrt und zwangsverpflichtet. Weil sich immer einer findet, der es wirklich machen will. Wolfgang Tiefensee etwa, Leipzigs SPD-Oberbürgermeister, wechselte nach Berlin und wurde Minister. Maly freute sich, dass er das nicht machen muss, blieb in Nürnberg – und wurde zum Städtetagspräsidenten gewählt. Ein Job als kommunaler Spitzenpolitiker, den er wirklich haben wollte.

Nürnberg – Jetzt ist es raus! Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) tritt nicht mehr zur Kommunalwahl im März 2020 an.

Es gibt also womöglich keinen tieferen Grund, warum Maly als dann 59-Jähriger mit der Berufspolitik aufhören will? Nach allem, was man weiß: nein. Maly gilt als Bonvivant. Als einer, der gelitten hat darunter, oft nur von Ausstellungen zu lesen, diese aber nicht in den persönlichen Monatsarbeitsplan integriert zu bekommen. Wenn Maly nach Italien aufbricht, und er bricht oft nach Italien auf (und dann noch, horribile dictu, in die Toskana), dann ist er fast nicht mehr zu erreichen. Ein Mobiltelefon hat er zwar, das aber verstaut er meist sicher bei seinem Fahrer. Auch auf den Gedanken, sich im Internet Freunde zu suchen, ist Maly selbst nie gekommen. Irgendwann am Tag will Maly einfach seine Ruhe. Seine Frau übrigens auch.

So einer kann schon mal andere Berufspolitiker irritieren. So einer sammelt aber Sympathiepunkte bei, wie man so sagt, ganz normalen Menschen. 67,1 Prozent der Stimmen eroberte Maly bei der Wahl 2014. Als Sozialdemokrat in Bayern.

Weil das so ist, sind nun viele Elogen zu hören, und nicht nur aus der SPD. Günther Beckstein bedauert, künftig einen “exzellenten Redner” zu vermissen und einen extrem verlässlichen Mann. Markus Söder – der den Toskanafreund aus Nürnberg in jüngeren Jahren schon mal als “Urlaubs-Uli” verulkte – kürt Maly gar zu “einem der besten Oberbürgermeister Deutschlands” und zur “Lichtgestalt”.

Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, aufgenommen beim Landesparteitag der SPD in Bayern. Foto: Daniel Karmann/Archiv (Quelle: dpa)

Nürnbergs OB Ulrich Maly (SPD) will bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren. Das habe er nach reiflicher Überlegung entschieden, sagte der 58-Jährige am Montag in Nürnberg. Der beliebte Kommunalpolitiker hatte 2002 das Amt von CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz übernommen. Bei der vergangenen Wahl 2014 hatte er sich mit 67,1 Prozent klar gegen seine Konkurrenten durchgesetzt.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.