OB-Wahl in Nürnberg: Ulrich Maly tritt nicht mehr an - Nordbayern.de
Nürnberg: OB Maly tritt nicht mehr an
NÜRNBERG – Paukenschlag im Nürnberger Rathaus: Völlig überraschend hat Ulrich Maly bei einem Pressegespräch im Karl-Bröger-Zentrum am Montag bekannt gegeben, dass er bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr als Oberbürgermeister antritt. 

Nürnberg – Jetzt ist es raus! Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) tritt nicht mehr zur Kommunalwahl im März 2020 an.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, im nächsten Jahr nicht mehr zur OB-Wahl anzutreten. Ich werde im Jahr 2020 18 Dienstjahre als Oberbürgermeister und 30 Jahre hauptberufliche Rathauspolitik hinter mir haben. Das ist mein halbes Leben und sehr lange, erklärt Maly in einem Statement am Montagnachmittag.

Ulrich Maly galt immer schon als ein ungewöhnlicher Politiker. Der Oberbürgermeister von Nürnberg griff nie zu, wenn ihm seine Partei, die SPD, höhere Ämter in der Bundes- oder Europapolitik schmackhaft zu machen versuchte. Zu erklären war das kaum einem. Ein eloquenter und charismatischer Mann wie Maly könnte doch viel mehr werden als “lediglich” Oberhaupt einer Halbmillionenstadt in Mittelfranken, sagten viele. Maly hat das immer stoisch gekontert. Er sei eben ein überzeugter “Kommunaler”, pflegte er auf Abwerbeversuche zu antworten. Dass Maly ein ungewöhnlicher Typus Politiker ist, konnte man daran schon ablesen. Dass er aber im Alter von 58 Jahren tatsächlich erklären würde, nicht erneut für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren, das haben ihm zum Teil nicht einmal engste politische Weggefährten zugetraut. Genau das ist nun aber eingetreten: Am Montagnachmittag hat Maly das Ende einer Ära angekündigt. 2020 müssen die Sozialdemokraten in Nürnberg mit einem anderen Spitzenkandidaten antreten.

Wahl in Nürnberg – Oberbürgermeister Ulrich Maly tritt 2020 nicht mehr an

Bei Rotwein und Fingerfood schüttelten MP Markus Söder (52, CSU) und OB Ulrich Maly (58, SPD) Hände und machten Selfies.

Der scheidende OB argumentiert so: Er war seit 1990 Geschäftsführer der SPD-Stadtratsfraktion. Er war seit 1996 Kämmerer und seit 2002 Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg. Das werden 2020 exakt 30 Jahre in der aktiven Politik sein, und damit sein halbes bisheriges Leben. Er habe immer wieder beobachtet, wie Kollegen eben gerade nicht den richtigen Zeitpunkt für den Abschied gefunden hätten. Den nämlich, bei dem man noch vermisst wird anschließend. Das habe er immer vermeiden wollen. Und Lösungen wie eine halbe letzte Amtszeit seien für ihn nie in Frage gekommen. Aber auch das räumt Maly ein: Er wäre um ein Haar schwach geworden, trotz verbürgtem Zettel. Maly entschuldigt sich für das Bild, aber zuletzt sei er sich vorgekommen wie Odysseus, den man an den Mast haben binden müssen, um die Rufen der Sirenen nicht zu folgen. Deren Ruf ging so: “Sie müssen fei schon weitermachen.”

Maly weiter: Menschen in Nürnberg müssen schon deutlich in den späten Zwanzigern sein, um sich überhaupt noch an einen anderen Oberbürgermeister erinnern zu können. Deshalb ist mein Entschluss auch das Ergebnis einer kritischen Selbstreflexion.

Der beliebte Kommunalpolitiker hatte 2002 das Amt von CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz übernommen. Bei der vergangenen Wahl 2014 hatte er sich mit 67,1 Prozent klar gegen seine Konkurrenten durchgesetzt.

Nach BILD-Infos möchte sich Maly komplett aus der Politik zurückziehen. Stattdessen möchte er alte, soziale Kontakte wieder aufbauen, Biergärten besuchen und Filme schauen.

Und was kommt nun danach? Erst mal nichts, sagt Maly. Er möchte nicht larmoyant klingen, aber 18 Jahre als OB entsprächen “etwa 25 Jahren” normaler Lebenszeit. Dass die Nürnberger SPD geschockt ist, muss sie nicht sagen. Man sieht es den Gesichtern ihrer Spitzenleute an. Die Zeit wird jetzt knapp bis zu Wahl. Natürlich gibt es in Frage kommende Kandidaten – Bürgermeister Christian Vogel etwa oder Parteichef Brehm -, aber entschieden darüber ist nichts. Wie auch, nach so einer Zäsur.