Fitness-Problem? Müder VfB muss zum Abstiegsgipfel nach Nürnberg
Ex-Profi kommt bis Weihnachten – Altintop soll Stuttgarts Standards verbessern
Nach den Erfahrungen der ersten Spiele als Trainer des VfB Stuttgart ist Markus Weinzierl im Prinzip zu personellen Änderungen gezwungen. Doch so offensichtlich das ist, so schwierig ist die Suche nach echten Alternativen vor dem Spiel beim 1. FC Nürnberg. Kleine Hoffnungsschimmer aber gibt es.

Stuttgart – Es gibt ja Menschen, die dem Fußball nahestehen und ganz generell behaupten: Der Trainer ist der ärmste Tropf. Diese Meinung muss man nicht teilen, blickt man aber auf die ersten Amtstage von Markus Weinzierl als Cheftrainer des VfB Stuttgart, fällt es schwer zu wiedersprechen. Der Coach kam, sah – und verlor. Noch nicht die Hoffnung, aber drei Spiele: 0:4, 0:4, 0:3. Gewonnen hat er dabei auch, nämlich die Erkenntnis, dass es einiges umzubauen gäbe in der taumelnden Truppe. Nur: Wie soll das funktionieren?

Mit Altintop und Wolfgang Beller liegt der VfB damit bei der Besetzung des Trainerstabes also wieder im Soll. Schließlich hatte auch Tayfun Korkut mit Steve Cherundolo und Ilija Aracic zwei Assistenten. Wir sind gemeinsam der Meinung, dass wir im individuellen Bereich im Trainerstab noch Unterstützung brauchen, ergänzt Reschke auch vor dem Hintergrund, dass aktuell jeder Bundesligist mindestens zwei Co-Trainer beschäftigt. Zudem muss der VfB bis auf Weiteres auf die Dienste von Andreas Hinkel verzichten. Der ehemalige Nationalverteidiger hatte zuletzt im Rahmen seiner Ausbildung zum Fußballlehrer in Köln seinen praktischen Teil in Stuttgart absolviert – hatte kurze Zeit sogar als Interimscoach das Training der Profis geleitet und danach Weinzierl in fußballerischen Fragen unterstützt. Neben Wolfgang Beller, dem Torwarttrainer Marco Langner, dem Videoanalysten Marcus Fregin sowie den Athletiktrainern Matthias Schiffers und Thomas Barth komplettiert jetzt Altintop den VfB-Trainerstab.

VfB Stuttgart – Halil Altintop – der Trainer für die Details

Mehr zum Thema Das Stuttgarter Kernproblem – Wie wird der VfB schnell wieder fit?  Möglicher Einstieg in Stuttgart – Wie Jürgen Klinsmann ins VfB-Konstrukt passen würde  spoods.de So kannst du nicht agieren in der Fußball-Bundesliga, klagte Weinzierl nach der Heimpleite gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Freitag, in der Summe war es einfach viel zu wenig. Der Coach verlangt mehr, doch sind Weinzierl die Hände gebunden. Vor der Runde versprach der Blick auf das VfB-Aufgebot noch reichlich Duelle auf Augenhöhe und die Qual der Wahl für den Trainer. Nun aber herrscht ein akuter Mangel an echten Alternativen.

Bewusst klein gehalten wurde der Kader vor Beginn der Saison, mit den aktuellen Absenkungen der jeweiligen Formkurve hat keiner gerechnet, die Verletztenliste war zuletzt ebenfalls ungewöhnlich lang, und für die Jungs aus der U 21 und der U 19 ist der Sprung in die Bundesliga viel zu groß. Immerhin die Abwehr könnte Weinzierl umbauen im kommenden Auswärtsspiel beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg (Samstag, 15.30 Uhr).

Holger Badstuber, eigentlich als stabilisierender Faktor eingeplant, patzte schon zu Saisonbeginn in Rostock, auch gegen die Eintracht sah er schlecht aus. Fast 60 Prozent seiner Zweikämpfe hat der 29-jährige Ex-Münchner in dieser Saison verloren, in der Stuttgarter Dreier-Abwehrreihe, die Weinzierl zuletzt aufbot, hatte Badstuber dennoch seinen Platz sicher – weil Marcin Kaminski nach Düsseldorf verliehen wurde und Marc Oliver Kempf verletzt fehlte. Nun aber drängt der ehemalige Freiburger ins Team, gut möglich, dass er am Samstag in Nürnberg sein Debüt im Trikot des VfB feiert. Aber sonst?

Stuttgart – Als die Nachricht von der Verpflichtung Halil Altintops als sogenannter Trainer für individuelle Maßnahmen beim VfB die Runde machte, da ließen die ersten Reaktionen im Internet sowie an den Stammtischen in und um Stuttgart nicht lange auf sich warten. Jesses Gott, jetzt ischs rom!, kommentierte etwa ein Anhänger den ersten Altintop-Tweed des Vereins für Bewegungsspiele von 1893.

Hinten links machte Dennis Aogo nicht gerade den Eindruck, als sei er nach seiner Verletzungspause (Muskelfaserriss) schon wieder auf einem Toplevel angelangt. Gegen die Eintracht spielte er dennoch, da als Alternative lediglich der junge David Grözinger aus der Regionalligamannschaft zur Verfügung stand. Emiliano Insua war und ist noch für das Spiel in Nürnberg gesperrt, Borna Sosa fehlt wegen einer Schambeinentzündung voraussichtlich noch den Rest der Vorrunde.

Künftig ist es aber das Ziel der Stuttgarter, einen dauerhaften Co-Trainer im Verein zu installieren. Einen Mann, der auch nach einem Trainerwechsel bleibt und der so den Spielern als vertrauter Ansprechpartner und auch mal als Kummerkasten dienen soll. Eine Rolle, die beim FC Bayern lange Urgestein Hermann Gerland innehatte, der nun in München die Nachwuchsabteilung leitet.

Pablo Maffeo bekam von Markus Weinzierl zwar das Vertrauen hinten rechts, der Spanier hat den Nachweis seines Talents aber noch nicht erbringen können – auch, weil die jungen Spieler darunter leiden, dass die Routiniers ihnen keinen Halt geben können. Zu den erfahrenen Kräften gehört auch Andreas Beck, Maffeos Konkurrent. Der frühere Hoffenheimer steht allerdings nicht für den von Wienzierl geforderten Vorwärtsdrang, weshalb nur eine Umstellung sinnvoll erscheint: beide zu bringen, Beck hinten in einer Viererkette, Maffeo davor.

Halil Altintop komplettiert den Trainerstab des VfB und soll auch die Lücke füllen, die Andreas Hinkel hinterlässt. Doch langfristig planen die Stuttgarter mit einem festen Assistenztrainer.

Vor der Abwehr ist Christian Gentner an die Seite von Santiago Ascacibar zurückgekehrt. Allerdings mag dem Kapitän derzeit nicht viel gelingen, es gibt nicht wenige, die ihm gerne eine Pause gönnen würden. Aber wen ansonsten bringen? Gonzalo Castro ist noch erfahrener als Gentner – aber noch überhaupt nicht in Stuttgart angekommen. Und Hans Nunoo Sarpei, der afrikanische Nachwuchsmann, war ursprünglich gar nicht für den Bundesligakader vorgesehen.

Stuttgart. VfB-Trainer Markus Weinzierl hat sich vor dem wichtigen Spiel in Nürnberg in der Sport Bild zum Fitness-Defizit seiner Mannschaft geäußert. Frankfurt ist gegen uns 400 Meter mehr gesprintet und hatte 600 Meter mehr Tempoläufe. Das ist in der Summe ein Kilometer mehr mit hoher Geschwindigkeit, sagte Weinzierl und beklagte: Wir konnten das Tempo nicht mitgehen und waren in der Intensität unterlegen.

Auf den offensiven Mittelfeldpositionen müht sich derzeit Erik Thommy nach Kräften, von der Leichtigkeit, die der Winter-Neuzugang zu Beginn der Ära Tayfun Korkut versprühte, ist aber nicht mehr viel zu sehen. Doch wer soll stattdessen wirbeln? Berkay Özcan fällt wegen eines Risses des Syndesmosebandes lange aus, Daniel Didavi soll seine Schleimbeutelentzündung an der Achillessehne auskurieren, und auch Anastasios Donis fehlte zuletzt. Den Griechen setzte ein Muskelbündelriss außer Gefecht, ins Mannschaftstraining ist er bislang noch nicht wieder integriert. David Kopacz wurde bisher lediglich die Regionalliga zugetraut. Immerhin gibt es bei Didavi die leise Hoffnung, dass er am Samstag in Nürnberg, wo er einst spielte, wieder für den VfB auflaufen kann. Bei Donis stehen die Chancen ein wenig schlechter.

Der Stuttgarter Cheftrainer ist dennoch überzeugt vom Willen seines Teams. Die Mannschaft hat Charakter, sie sind gewillt. Aber die Situation setzt ihnen zu, so Weinzierl: Die Erwartungshaltung vor der Saison war sehr hoch, vielleicht zu hoch. Auf den neuen Ist-Zustand müssen sich alle nun einstellen, das ist nicht einfach, es gibt eine große Verunsicherung.

In der Spitze bilden Nicolas Gonzalez und Mario Gomez das zuletzt erfolglose Stammduo. Chadrac Akolo könnte den Angriff beleben – theoretisch. In der Praxis aber hat er alle Chancen, die er in dieser Saison bisher bekam, nicht genutzt. Übernervös und fehlerhaft präsentierte sich der Kongolese stattdessen.

Über seine eigene Zukunft will er sich keine Gedanken machen: Ich denke nicht über meine persönliche Situation nach, das spielt in diesem Zusammenhang doch keine Rolle. Ich denke darüber nach, was ich bis zu diesem Spiel ändern kann – und zwar in alle Richtungen.

Wir müssen die Situation Spiel für Spiel angehen und schauen, dass wir bis Weihnachten so viele Punkte wie möglich holen, fordert der VfB-Sportvorstand Michael Reschke für die kommenden Wochen. Markus Weinzierl wird das zunächst vor allem mit dem Personal versuchen, das er auch zuletzt eingesetzt hat. Nach der Partie in Nürnberg steht dann erneut eine Länderspielpause an. Dem VfB mit seinen Fitnessdefiziten und den verletzten Spielern kommt sie alles andere als ungelegen.

Ex-Bundesliga-Profi Halil Altintop (35) wird bis Weihnachten den Stab um VfB-Cheftrainer Markus Weinzierl (43) verstärken.

Der Türke wird als Individualcoach eingesetzt, soll die Stuttgarter vor allem in Sachen Standards verbessern. Kann angesichts der spielerischen Armut im Offensivbereich und erst sechs Saison-Toren nicht schaden.

Legende Hansi Müller würde ein Engagement von Jürgen Klinsmann in Stuttgart begrüßen – und bringt ein interessantes Modell ins Spiel.

Altintop spielte einst in Augsburg unter Weinzierl, beendete nach dem Abstieg mit Kaiserslautern in die 3. Liga diesen Sommer seine Karriere.

Am Dienstag stand der 38-malige Nationalspieler bereits mit auf dem Platz, mischte im Training sogar bei den Spielformen mit.

Als dauerhafte Lösung ist Altintop aber nicht geplant. Der VfB sucht weiter nach einem zusätzlichen Co-Trainer für Weinzierl, der zum Amtsantritt Anfang Oktober bereits seine langjährigen Begleiter Thomas Barth (37) und Wolfgang Beller (54) mitgebracht hatte.