Standort wird erweitert: Google verspricht mehr Datenschutz aus München - crn.de
Google eröffnet Datenschutz-Zentrum in München
Von Bayern aus in die Welt: Das Entwicklerzentrum des kalifornischen Konzerns in München wurde im April 2016 eröffnet.

Wollte erst doch nicht Musiker, dann auch nicht Lehrer werden und hatte beim Start in den Traumberuf das unverschämte Glück, dass die nächste große Zeitung gleichzeitig die beste war. Begann im Lokalen, es folgten Stationen beim Chef vom Dienst und in der Nachrichtenredaktion. Verbrachte zwischendurch sieben aufregende, manchmal auch verflixte Jahre beim Online-Ableger sueddeutsche.de und schreibt über Technik, die den Alltag prägt: Von Supercomputern, die die Wettervorhersage berechnen bis hin zu Telefonen, auf denen man sie abrufen kann.

Google will im Zuge seiner Datenschutz-Kampagne den Standort in München erweitern. Bis Ende dieses Jahres soll die Zahl der in München arbeitenden Entwickler auf mehr als 1000 verdoppelt werden, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Die Zahl der Spezialisten, die sich mit Themen rund um Sicherheit und Privatsphäre befassen, soll von etwa 100 auf rund 200 steigen. Dafür eröffnete Google in München das Safety Engeneering Center.

Google will Datenschutz-Pläne von München aus vorantreiben

“Was habe ich zuletzt bei Google gesucht?” – “Weiß Google eigentlich, wo ich gerade bin?” – Es ist nicht so, dass sich Nutzer diese Fragen nicht stellen, weltweit mit ziemlich großer Übereinstimmung übrigens. Doch obwohl der Internetkonzern seinen Nutzern bereits anbietet, all das nicht nur zu erfahren, sondern auch relativ weitreichend selbst zu steuern – eher unbedarfte Nutzer kommen damit bis heute nicht besonders gut zurecht.

Die zunehmende öffentliche Kritik am massiven Sammeln und Verwerten von Nutzerdaten trifft neben Google auch Facebook, Amazon und andere Internetriesen. Die Unternehmen betonen daher immer stärker ihr Versprechen, verantwortungsvoll mit den Daten umzugehen. München ist für Google ein wichtiger Standort, unter anderem für die Entwicklung des Browsers Chrome. Auch Cloud-Dienste werden hier zu großen Teilen entwickelt.

Dabei geben sich Leute wie Stephan Micklitz wirklich Mühe. Der Computerexperte ist seit elf Jahren bei Google in München und hat schon 2009 das Google Dashboard entwickelt, eine Art Steuerzentrale für alle Einstellungen zu Datenschutz und Sicherheit. Dass sein 100-Mitarbeiter-Team in München nun zum Google Safety Engineering Center wird, also zu einem für Google weltweit zuständigen Entwicklungszentrum, ist vor allem das Verdienst des Münchner Teams. Es soll nun bis Jahresende auf 200 Mitarbeiter verdoppelt werden. Dabei handle es sich um eine langfristige Investition, versichert Chefjurist Kent Walker, der eigens aus der Zentrale in Mountain View, Kalifornien, zum Pressetermin am Dienstag eingeflogen war.

Mit der Erweiterung des Standorts will Google sein Versprechen von mehr und einfacherem Datenschutz untermauern. Auf seiner Entwickler-Konferenz vergangene Woche stellte der Konzern in der vergangenen Woche unter anderem eine einfachere Handhabung der Privatsphäre-Einstellungen für Google-Nutzer vor. So sollen Besitzer eines Kontos etwa besser Suchanfragen und gespeicherte Standortinformationen löschen können.

Auch wenn der Leiter des Münchner Google-Entwicklungsstandorts, Wieland Holfelder, betont, dass Google sich schon sehr lange Gedanken um Sicherheit und Datenschutz gemacht habe: Dass das Thema nun so in den Vordergrund gerückt wird, liegt vor allem daran, dass die großen Internetkonzerne in jüngerer Zeit stark unter Druck geraten sind. Verschiedentlich wurde bereits ihre Zerschlagung gefordert. Die Konzentration vieler Daten bei wenigen Unternehmen stößt mittlerweile nicht nur Datenschützern unangenehm auf, es bewegt auch zunehmend die Nutzer und somit auch die Politik.

Das böse Wort vom Techlash, also der zunehmenden Antipathie gegen die Übermacht der großen Technologiekonzerne, fiel allerdings kein einziges Mal bei den Auftritten der Sprecher auf der Bühne. Viel lieber redete man davon, dass man künftig noch mehr tun wolle, um es den Nutzern möglichst einfach zu machen und dennoch sicher unterwegs zu sein.

Aber wie viel Datenschutz kann ein Unternehmen seinen Nutzern bieten, wenn es von deren Daten lebt? Alles nicht so schlimm, sagt Chefjurist Walker. Google mache nur etwa sechs Prozent aller Suchanfragen zu Geld, dabei reiche in 90 Prozent aller Fälle aus, was die Nutzer als Suchanfrage eingegeben haben. Wo es sich anbiete, kämen noch Daten wie etwa der Ort dazu. Und: “Wir finden immer mehr Möglichkeiten, mit weniger Daten auszukommen.” Zum Beispiel, in dem die Daten mit künstlicher Intelligenz ausgewertet würden. Außerdem, sagt Wieland Holfelder, verwende Google viele Daten gar nicht für sein Anzeigengeschäft, sondern nur dazu, den Nutzern Dienste anzubieten wie etwa den, an den bevorstehenden Abflug zu erinnern. Damit das funktioniere, müsse der Dienst natürlich auch über diese Daten verfügen können. Holfelder glaubt daher auch, dass es wichtig ist, den Nutzern zu zeigen, welche Daten Google sammelt. Die Nutzer müssten die Einstellungen aber ändern können. Nur diese Transparenz zeige ihnen, was sie davon haben, ihre Daten preiszugeben.

Das Münchner Entwicklungsteam kümmert sich um die Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen über die wichtigen Google-Anwendungen hinweg, also für das Mailprogramm oder die Suche ebenso wie für die Videoplattform und Unternehmenstochter Youtube. Angemeldete Nutzer sollen in all diesen Programmen auf ihre Datenschutzeinstellungen zugreifen können – sie brauchen dazu nur auf ihr Profilbild zu klicken und können dann ihre Einstellungen sehen und anpassen.

Um den Passwortmanager zu verwenden, muss man Google natürlich vertrauen. Vertrauen, das Stichwort fiel in München auch recht häufig: Wenn die Nutzer es Google gegenüber verlieren, hat der Konzern ein Problem, und zwar kein kleines, ohne die Daten der Nutzer würde sein wichtigstes Geschäft kollabieren. Es ergibt also durchaus auch ökonomisch Sinn, in vertrauensbildende Maßnahmen zu investieren. In München müssen sie dafür schon bald benachbarte Gebäude anmieten. Das für 800 Mitarbeiter ausgelegte Gebäude an den Bahngleisen zwischen den Haltestellen Hackerbrücke und Donnersberger Brücke wird zu klein. Die Grenze von 1000 Mitarbeitern wird noch dieses Jahr überschritten.

Tech-Konzerne wie Google verdienen Milliarden mit Nutzerdaten. Doch wie lässt sich deren Wert berechnen und wie können Nutzer davon profitieren?   Von Jan Schwenkenbecher

Googles Standort in München wird um ein neues Zentrum für Datenschutz erweitert, das Tools für mehr Privatsphäre entwickeln soll.

Drucken Kommentare lesen 24 Beiträge Bei Google warte man keineswegs auf die Regulierung, sagte Kent Walker, Google Vice President Global Affairs und Chief Legal Officer.

Google am Dienstag das neue Google Safety Engineering Center (GSEC) am Standort München eröffnet. Das Team in München soll bis zum Jahresende von 100 auf 200 Mitarbeiter wachsen und Datenschutz-freundliche Werkzeuge "Made in Germany bereitstellen. Wenn es in Deutschland funktioniert, dann ist das Tool auch gut für den Rest der Welt, erklärte Stephan Michlitz, Director Engineering des GSEC.

Michlitz hatte 2009 mit Googles Dashboard ein erstes Privacy Tool von München aus gelauncht. Bei der GSEC-Eröffnung im schnieken Münchner Büro des Konzern resümierten Michlitz und sein für Chrome zuständiger Kollege Jochen Eisinger unter anderem über die Weiterentwicklungen des Dashboards zum 2015 gestarteten Google-Konto als zentraler Schaltstelle für die eigenen Datenschutzeinstellungen.

Google habe bei der Entwicklung der Datenschutz-Tools nicht auf gesetzliche Vorgaben gewartet, lobte Kent Walker, Senior Vice President of Global Affairs und Chief Legal Officer, seinen Arbeitgeber. Walker erkannte zwar an, dass die EU mit der Datenschutzgrundverordnung andere Regionen dazu veranlassen könnte, eigene Datenschutzgesetze zu entwickeln. Viele Google Privacy Tools seien aber älter als die DSGVO, und gingen durchaus über geltendes Gesetz hinaus, sagte Walker. Micklitz verwies zum Beispiel auf die seit 2011 mögliche Portabilität von Daten aus Google Diensten.

Zu der Anfang des Jahres von der französischen Datenschutzbehörde CNIL ausgesprochenen Strafe von 50 Millionen Euro sagte Walker, Google habe dagegen Berufung eingelegt. Die CNIL hatte beanstandet, dass für Nutzer nicht einfach und verständlich nachvollziehbar sei, welche Daten Google zu welchen Zwecken verarbeite. Das Unternehmen sei mit den französischen Datenschützern im Gespräch, versicherten Walker und Micklitz. Flagge zeigen will Google auch bei FakeNews und extremistischen Inhalten. Bei der Umsetzung des NetzDG bekomme man zufriedenes Feedback von Reguliererseite, versicherte Kristie Canegallo, Vice President of Trust & Safety.

Mit den 100 neuen Entwicklerinnen und Entwicklern für das GSEC, durch die die Belegschaft in München erstmals auf über 1000 wachsen wird, sollen ungeachtet der politischen Diskussionen Sicherheit und Datenschutz fortentwickelt werden. Ein spannendes Projekt ist dabei etwa der Versuch, neben klassischen Angriffen – etwa geklaute und im Netz verfügbare Passwörter – bösartiges Browser Fingerprinting durch Webseiten zu erkennen.

Damit App-Entwicklern dabei nicht Informationen vollständig entzogen werden, die für ihre Apps wesentlich sind, könnte aktives Fingerprinting eingeführt werden. So müsste der Server nachfragen. Auch die Arbeit um die zur Verschlüsselung von DNS Anfragen verfolgt man in München aus. Doch solche Infrastruktur-Themen werden in der Zentrale in Mountain View beackert.

Parallel zur Eröffnung des GSEC kündigte Google auch eine Geldspritze für Konzepte gegen Hass und Extremismus an. Insgesamt 10 Millionen Euro in Tranchen von bis zu einer Million pro Projekt lobt man im Rahmen des bereits im vergangenen Jahr abgehaltenen "Impact Challenge aus. Bewerben können sich Universitäten, Nicht-Regierungsorganisationen oder private Forschungsinstitute. Auch Projekte aus dem Bildungsbereich können aus dem Topf unterstützt werden. (axk)