Adler Mannheim und EHC Red Bull München wollen ersten Sieg - WESER-KURIER
DEL-Finale – Punktekönig trifft auf Abo-Meister
Red Bull München kann nach der Halbfinal-Serie für die Rekordbücher kaum Durchatmen. Nach nur einem Tag Pause muss der Eishockey-Klub im ersten Finalspiel der DEL bei den Adler Mannheim antreten. Damit geht auch das Trainer-Duell von Don Jackson und Pavel Gross in die nächste Runde.

Erleichtert probten die Münchner Eishockey-Finalisten schon den Jubel für die Meisterfeier. Gemeinsam mit ihren Kindern genossen die Profis des Serienchampions auf dem Eis den Enthusiasmus der Fans. Nach dem hart erkämpften Erfolg im wegen seiner Rekordlänge historischen Halbfinal-Duell mit Augsburg fühlt sich das Red-Bull-Team bereit für die schwierigste Prüfung seiner in den vergangenen drei Jahren so dominanten Ära in der Deutschen Eishockey Liga: Im Finale wartet nun Hauptrundensieger Adler Mannheim. "Wir können mit Druck gut umgehen", tönte Münchens Trainer Don Jackson.

Rick Goldmann, 42, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft und der DEL.

Am Donnerstag beginnt das Finale der Superlative. Die Adler sind im ersten von maximal sieben Endspielen die Gastgeber. Es ist ein Duell, in dem es um Rekorde geht. Ein Duell, das mit insgesamt einem Dutzend Olympiahelden Klasse und Spannung verspricht. Und in dem die beiden prägendsten Trainer der vergangenen Jahre, die finanzkräftigsten Klubs der DEL und die dominanten Teams der Hauptrunde aufeinander treffen. Denn am Ende einer außergewöhnlich spannenden Halbfinal-Serie wurde es doch das Finale, mit dem etliche Experten seit Monaten gerechnet haben.

Vier Siege fehlen jetzt noch bis zur Krönung der Saison. München will als erstes Team der DEL-Historie zum vierten Mal nacheinander den Titel holen und damit für das nächste Novum sorgen. Mannheim hofft, die Dominanz zu beenden. Mit dem siebten Titel seit Einführung der Deutschen Eishockey Liga 1994 würden die Adler zum DEL-Rekordmeister Eisbären Berlin aufschließen. Wer sich durchsetzt, wird spätestens nach dem siebten Finale am 30. April feststehen.

Und jetzt steht es fest: das ultimative, das Traumfinale – das Duell der besten beiden Mannschaften, die für Rekorde in der Hauptrunde gesorgt haben. Mit den Adler Mannheim und Titelverteidiger EHC Red Bull München treffen die konstantesten Mannschaften mit den qualitativ besten und tiefsten Kadern aufeinander (DEL-Finale, Spiel 1: Mannheim – München ab 19.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

"In den großen Spielen brauchst du die großen Spieler. Meine Mannschaft ist auf jeden Fall gut. Ich bin optimistisch", sagte Adler-Trainer Pavel Gross. "Wir werden unsere Stärken nutzen und sie von Anfang an unter Druck setzen." Den Nimbus der Unbesiegbarkeit hat der EHC Red Bull München in dieser Saison verloren. Im packenden Halbfinal-Derby gegen die Augsburger Panther stand der Hauptrunden-Zweite vor dem überraschenden Aus. Erst am Dienstagabend beendeten die Tore von Mads Christensen und Patrick Hager zum 2:0 die längste Playoff-Serie in der DEL-Geschichte doch noch zugunsten der Münchner. Insgesamt 504 Minuten lang hatte das Überraschungsteam Augsburg den Münchnern alles abverlangt.

"Das war eines unserer stärksten Spiele", sagte Jackson nach dem Happy End. Mannheim hatte die Entscheidung entspannt abgewartet. Nach dem 4:0 über Köln konnten sich die Adler mehr als eine Woche ausruhen und vorbereiten. 264 Minuten hat das beste Hauptrunden-Team im Halbfinale weniger gespielt. Von einem Kräfteschwund bei München und Vorteil für die Adler wollte aber keiner sprechen. "Das ist totaler Schwachsinn. Wenn man im Finale steht, hat man Kraft", sagte Adler-Nationalstürmer Matthias Plachta. Und auch Jackson sieht seinen EHC deswegen nicht als Außenseiter: "Mit diesen Sachen kann sich jeder beschäftigen, nur nicht wir. Das darf nicht in die Köpfe rein."

Mit München gegen Augsburg sahen wir eine epische Serie über 7 Spiele, die zugleich die längste Playoffserie ever war mit insgesamt über 500 Spielminuten. Von dieser Stelle auch noch einmal Glückwunsch und großes Lob an die Augsburger Panther und Coach Mike Stewart, was sie uns für Freude und Spaß in dieser Saison bereitet haben. Das war großes und begeisterungsfähiges Eishockey.

Jackson ist der erfolgreichste Trainer der DEL-Geschichte, für ihn und Gross kommt es zur Fortsetzung des Dauer-Duells. Schon 2016 und 2017 stand Gross mit Wolfsburg Jacksons Münchnern im Finale gegenüber, zweimal blieb er chancenlos. In Mannheim nun arbeitet der gebürtige Tscheche unter vergleichbaren finanziellen Voraussetzungen wie Jackson in München. Gleich in seiner ersten Saison soll er selbst in Mannheim eine neue Ära mit dem Titel einleiten. "Wenn man so weit ist, will man sich das natürlich nicht mehr nehmen lassen", sagte Adler-Toptalent Moritz Seider.

Eisenschmid und Katic sind zwei Spieler, die bisher aus dem starken Kollektiv herausstechen, die die Spiele an sich reißen, wenn es sein muss. Eisenschmid mit seinem Killerinstinkt vor dem Tor und seinem sensationellen Schuss. Nicht umsonst sind die NHL-Scouts wieder auf ihn aufmerksam geworden. Achtet mal auf seinen Onetimer im Powerplay vom linken Bullykreis – phänomenal.

Dreimal in Folge gewann der EHC München zuletzt die deutsche Eishockey-Meisterschaft, in diesem Jahr wollen die Adler Mannheim den vierten Titel in Serie verhindern. Alles Wissenswerte zur Finalserie, die heute beginnt.

Die Adler Mannheim beendeten ihre Halbfinal-Serie bereits am 9. April mit dem Sieg bei den Kölner Haien und konnten sich danach neun Tage erholen. Der EHC München beendete erst am vergangenen Dienstag (16.04.2019) das Halbfinale gegen die Augsburg Panther und hatte entsprechend weniger Zeit zur Erholung. Der eine mehr Pause, der andere im Rhythmus – fraglich ist, was von Vorteil ist. Die Adler und ihre Fans dürsten jedenfalls nach dem ersten Titel seit 2015, die ersten beiden Heimspiele in Mannheim sind bereits ausverkauft.

München tat sich da schon deutlich schwerer: Im Viertelfinale hatten die Oberbayern, wie schon im Finale 2018 (4:3), einige Probleme mit den Eisbären Berlin und blieben bei den beiden Niederlagen (Serienendstand: 4:2) jeweils ohne eigenen Treffer. In der längsten Play-off-Serie der DEL-Historie, dem packenden 4:3 gegen die Augsburger Panther, bei dem die Spiele eins und drei jeweils bis in die dritte Verlängerung gingen, hatten die Münchner dann – durchaus überraschend – noch größere Probleme. Inklusive des Finaleinzugs in der Champions Hockey League musste das Team von Coach Don Jackson damit bereits satte 17 Pflichtspiele mehr als die Adler absolvieren, vier davon in den letzten Play-off-Wochen.

Die Münchner setzten sich im Viertelfinale mit etwas Mühe gegen die Eisbären Berlin durch und gewannen am Ende 4:2. Die 4:3-Halbfinal-Serie gegen die Augsburg Panther war mit 504:46 Minuten Spielzeit die längste jemals gespielte DEL-Serie.

Der Weg ins Halbfinale: Die Adler waren noch vor München das dominierende Team der Hauptrunde, stellten die beste Defensive (117 Gegentore) wie Offensive (194 Tore) und kamen mit 116 Punkten auf einen neuen DEL-Rekord. Im Viertelfinale gegen Nürnberg siegte das Team von Coach Pavel Gross, der nach 2016 und 2017 (noch mit Wolfsburg jeweils gegen München) zum dritten Mal in den letzten vier Jahren im Finale steht, trotz kleinerer defensiver Schwächen souverän mit 4:1. Im Halbfinale dann sorgten die Mannheimer beim 4:0 gegen die Kölner Haie für einen weiteren Rekord: Nur drei Gegentore in einer Play-off-Serie nach dem Modus “Best-of-seven” hatte zuvor noch kein Team in der DEL-Geschichte kassiert.

Die Mannheimer legten dagegen ein Expresstempo hin. 4:1 setzten sie sich im Viertelfinale gegen die Nürnberg Ice Tigers durch. Das Duell gegen die Haie im Halbfinale war die erste Serie seit vier Jahren, die 4:0 endete. 2015 gelang dies ebenfalls den Adlern, die anschließend ihren siebten Titel holten. Mit 116 Punkten hatten die Adler einen neuen Punkterekord in der Hauptrunde hingelegt. München folgte mit ebenfalls beachtlichen 109 Zählern.

Die Ausfälle: Mit Nationalverteidiger Konrad Abeltshauser, der sich in der Serie gegen die Eisbären schwer am Knie verletzte, fehlt beim Titelverteidiger nicht nur ein Schlüsselspieler in der Abwehr. Im Angriff ist die Saison für Jason Jaffray (Hüftverletzung) bereits beendet. Mit Maximilian Kastner, der aufgrund einer in Spiel sechs des Halbfinals erlittenen Handverletzung bereits operiert werden mussten, fehlt gegen die Adler ein weiterer wichtiger Akteur komplett. Die Adler dagegen sind nicht nur sehr ausgeruht, sondern gehen mit Ausnahme von Allrounder Janik Möser (Knieverletzung), der allerdings ohnehin nicht zu den absoluten Stammkräften gehört, in voller Stärke in die Endspiele.

Die Adler stellen die besseren Scorer in den Play-offs. Hinter Düsseldorfs Jaedon Descheneau (13 Punkte) liegen Mark Katic (12), Luke Adam (11) und Markus Eisenschmid (10) auf den Rängen zwei, drei und vier der Top-Scorer. Bester Keeper ist allerdings ein Münchner: Nationaltorwart Danny aus den Birken kommt auf einen Gegentorschnitt von 1,66. Dennis Endras von den Adlern liegt mit einem Schnitt von 1,76 Gegentoren auf Rang zwei. Bei den besten Verteidigern liegen wiederum die Adler vorn: Sinan Akdag und Dennis Reul weisen Top-Werte auf.

Die Torhüterposition: Münchens Meisterkeeper Danny aus den Birken lieferte sich im Halbfinale ein Torhüterduell der Extraklasse mit Olivier Roy, in der der Augsburger stärker beschäftigt war und mit 93,95 Fangquote herausragende Leistungen zeigte. Aus den Birken stand dem jedoch kaum nach, seine 93,39 Prozent sind ebenfalls herausragend. Endras (91,79 Prozent) rangiert unter allen Play-off-Keepern “nur” auf Rang vier, kassierte jedoch in Sachen Gegentoren (1,76 pro Spiel) hinter der gerade im Semifinale so sicheren Adler-Defensive kaum mehr Treffer im Schnitt als aus den Birken (1,66). Damit sind beide Finaltorhüter in dieser Statistik in den Play-offs führend.

Auch bei den Zuschauerzahlen hat Mannheim die Nase vorn. 12.897 Anhänger besuchten im Schnitt die Heimspiele der Adler. München kommt nur auf einen Wert von 5.734 Fans.

Die Teams im Vergleich: Schon in der Hauptrunde waren die Adler mit 194 erzielten Treffern das mit Abstand torhungrigste Team (vor München mit 176). In den Play-offs erzielten die Kurpfälzer bislang 38 Tore in nur neun Partien, was einem herausragenden Schnitt von 4,22 Toren pro Spiel entspricht. München dagegen kam gerade mal auf 27 Treffer in 13 Spielen (2,08 Tore). Im Halbfinale gegen den AEV schaffte es der EHC gar nur ein einziges Mal, mehr als zwei Treffer zu erzielen – beim 3:4 in Augsburg in Spiel zwei. In Sachen Gegentoren (siehe Torhüter) liegen beide Teams dagegen – wie schon in der Hauptrunde – sehr nahe beieinander.

“Das wird eine riesige Herausforderung. Ich denke, sie sind fit und warten auf uns”, sagt Münchens Meistertrainer Don Jackson

“In den großen Spielen brauchst du die großen Spieler. Meine Mannschaft ist auf jeden Fall gut. Ich bin optimistisch”, sagt Adler-Trainer Pavel Gross, “Wir werden unsere Stärken nutzen und sie von Anfang an unter Druck setzen.”

kicker-Tipp: Sind die Kraftreserven des Meisters tatsächlich erschöpft? Das Traumfinale wirkt jedenfalls aufgrund der zuletzt taumelnden Münchner längst nicht mehr so offen, wie es noch nach der Hauptrunde schien. Sollte es dem Titelverteidiger indes gelingen, die ausgeruhten und vor Selbstbewusstsein strotzenden Adler in der Anfangsphase der Serie zum Nachdenken zu bringen, ist Titel Nummer vier in Folge vielleicht doch in Reichweite. Falls nicht, gewinnen die Kurpfälzer glatt mit 4:1.

Vieles spricht in diesem Jahr für die Adler Mannheim, nicht nur weil sie die längere Regenerationszeit hatten. Bei den statischen Werten liegen sie in vielen Kategorien vor dem Gegner aus München. Der kann allerdings seine Finalerfahrung ins Rennen schmeißen. Die Münchner haben die jüngsten drei Titel allesamt abgeräumt. “Wir können mit Druck gut umgehen”, sagte Trainer Jackson.

Video starten, abbrechen mit Escape DEL – Augsburg geschlagen, München erneut im Finale. Morgenmagazin . 17.04.2019. 01:32 Min.. Das Erste.