Münchner Multi-Milliardär: Geheime Zahlungen an die AfD?
August Baron von Finck – Münchner Multi-Milliardär: Geheime Zahlungen an die AfD?
August von Finck, hier im Juni 2008 mit seiner Frau Francine bei der Wiedereröffnung eines Theaters in München. Solche öffentlichen Auftritte des Milliardärs sind eher selten.

Abweisend liegt das Schlösschen im bewaldeten Hang über Weinfelden, einem Ort nahe dem Bodensee auf Schweizer Seite. Zum Eingang führt eine kleine Hängebrücke, sie endet an einem Tor. Ein Deutscher wohne hier, schwerreich, sagen Nachbarn. Einer, der mit dem Helikopter aus München einfliege. Und der, anders als einst sein Vater, nie mit den Weinfeldenern plaudere oder in eine der Weinstuben einkehre, sondern größtmöglichen Abstand schätze zwischen Dorf und Schloss.

Der (un)heimliche AfD-Unterstützer

Es wird demjenigen, von dem hier die Rede ist, also kaum gefallen, dass sein Name in diesen Tagen oft zu hören ist. Denn bei der Frage, wer denn mögliche Unterstützer im Umfeld der AfD sein könnten, führt nun eine Spur zum Milliardär August von Finck junior und einem seiner engsten Vertrauten. Es deutet viel darauf hin, dass der 88-jährige Finck und sein Bevollmächtigter Ernst Knut Stahl die 2013 gegründete Partei seit den Anfangsjahren aufmerksam beobachtet haben und wichtige Schlüsselfiguren kannten, wie der Spiegel am Wochenende nachzeichnete.

Spendenaffäre um Alice Weidel: Sponsert dieser Milliardär die AfD?

Auch Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR hatten am Samstag über Fincks Bevollmächtigten Stahl berichtet: Bei der Suche nach Hintermännern der ominösen AfD-Unterstützerorganisation “Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten”, die seit mehr als zwei Jahren millionenteure Werbekampagnen zugunsten der AfD veranstaltet hat, führe eine Spur zu dem Mann, von dem es heißt, er besorge für Finck dessen politische Engagements.

Schon Anfang der 90er Jahre unterstütze von Finck die erste Anti-Euro-Partei „Bund freier Bürger“ mit 4,3 Millionen Euro. Und auch zur heutigen AfD-Politikerin Beatrix von Storch gibt es schon länger Kontakte: An ihr früheres Projekt „Bürgerkonvent“ flossen ebenfalls Millionen. Womöglich auch deshalb vermutete die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung bereits 2013 enge Kontakt zwischen von Finck und der AfD. Ulrich Müller von Lobbycontrol fordert eine schonungslose Aufklärung, um Verstöße gegen das Parteiengesetz ahnden zu können.

Der Milliardär Finck hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Parteien mit Geld bedacht: Persönlich und über seine Firmen spendete er der Strauß-CSU ebenso wie der FDP, woraus die “Mövenpick”-Affäre wurde – benannt nach jener Hotelkette, die Finck bis vor Kurzem gehörte. Auch in eine Parteispendenaffäre war der Milliardär bereits vor etwa 20 Jahren verwickelt. Damals hatte er dem Chef des rechten und eurokritischen Bunds freier Bürger 8,5 Millionen Mark im Geldkoffer zukommen lassen, was zumindest teilweise in die nur regional erfolgreiche Partei geflossen war, deren Zielrichtung der anfangs vor allem eurokritischen Ökonomenpartei AfD ähnelte. Die CDU-nahe Adenauer-Stiftung hatte im Bundestagswahlkampf 2013 darüber spekuliert, dass Finck auch die AfD unterstützen könnte. Beweise dafür gab es nicht.

Zudem zitiert das Blatt Insider und Dokumente, die darauf hindeuten, dass Fink 2013 indirekt (und illegal) mehrere AfD-Veranstaltungen gesponsert hat – laut Ex-AfD-Schatzmeister Norbert Stenzel in einer Höhe von 100000 bis 120000 Euro. Den Unterlagen zufolge war Finck über seine Handelsfirma Degussa auch am lukrativen Goldhandel beteiligt, mit dem die AfD in den ersten Jahren ihre finanzielle Basis aufbesserte. Degussa war einer der Hauptlieferanten des Goldes.

Dass August von Finck politisch sehr konservativ sein soll, war schon in den Neunzigerjahren im Spiegel zu lesen: Rechts vom Gustl stehe nur der Dschingis Khan, hieß es da. Finck, so sagen es Vertraute, lebe in einer Welt voll teuren Zigarrenrauchs, aus schweren englischen Ledersesseln und Gesprächen über den bevorstehenden Untergang des Systems. Seine Kinder hat er in das Firmengeflecht eingebaut, hinzu kommen eine Handvoll Manager, die an entscheidenden Positionen der Unternehmen platziert sind.

Wer schiebt der AfD illegale Parteispenden zu? AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sagt, sie kenne den oder die Spender nicht. Aber stimmt das? Neue Recherchen legen nahe, dass die Rechtspartei massiv von einem der reichsten Deutschen unterstützt wird: August von Finck. Der Milliardär aus München mit Wohnsitz in der Schweiz hat schon häufiger Parteien finanziell aufgepäppelt. Manche sagen auch: gekauft.

Wie reich Finck ist, bleibt Spekulation. Von mehr als acht Milliarden Euro Vermögen war einmal zu lesen. Mehrmals baute er den Konzern um: mit der Einführung des Euro, dann noch einmal infolge der Finanzkrise 2008. “Der Baron”, wie er genannt wird, verkaufte die Privatbank Merck Finck bereits 1990, mit ihr war die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg ins Geldgeschäft zurückgekehrt. Ende der Neunzigerjahre verlagerte er seine Gruppe aus steuerlichen Gründen in die Schweiz.

Das Herz seines Imperiums scheint jedoch weiter in Deutschland zu liegen. In München, in einem schmucklosen Komplex gleich neben dem Hotel Bayerischer Hof. Es ist nur eines von zahlreichen Gebäuden, die zu Fincks Immobilienbesitz im In- und Ausland gehören. Gleich nebenan findet sich die Unternehmung, die Finck nach dem Börsencrash angeleiert hatte und wovon sich nicht nur er, sondern zahlreiche deutsche Unternehmer stabilere Werte erhoffen: das Goldhandel-Haus der Degussa. Ausgerechnet den Markennamen der “Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt” hatte sich Finck gesichert.

Neue Recherchen legen nahe, dass die AfD massiv von einem der reichsten Deutschen unterstützt wird: August von Finck.

Im Nationalsozialismus handelte die AG gleichen Namens mit eingeschmolzenem Zahngold von Holocaustopfern und lieferte Teile des Gases Zyklon B an die Vernichtungslager, wie Historiker veröffentlichten. Die Namensrechte erwarb der Finck-Konzern, um von 2010 an im Edelmetallhandel mitzumischen.

Aber auch in einen Internet-Goldhandelshop, den die noch junge Partei 2014 gründete, soll der Milliardär involviert gewesen sein. Seine Firma Degussa Goldhandel (nicht identisch mit der gleichnamigen Bank) lieferte laut Spiegel einen Teil des Sortiments. Mit dem Shop machte die AfD 2014 und 2015 rund vier Millionen Euro Umsatz, bevor er nach einer Reform des Parteiengesetzes im Jahr 2015 eingestellt werden musste.Im Februar 2016 organisierte die Schweizer Werbeagentur Goal AG dann eine millionenschwere Kampagne mit Gratis-Werbezeitungen für die AfD in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Eine Spiegel-Anfrage, ob es eine Verbindung zwischen der Goal AG und von Finck gibt, ließ die Agentur unbeantwortet.

Mit Wohlwollen soll das Haus von Finck auch die Initiative “Holt unser Gold heim” unterstützt haben – darin hatte sich der jetzige Vorsitzende des Haushaltsausschusses, AfD-Politiker Peter Boehringer, dafür eingesetzt, die Goldreserven der Bundesbank zurück nach Deutschland zu bringen.

Der Großaktionär von Mövenpick und ehemalige Banker lebt seit 1999 in der Schweiz; sein Vermögen wird vom Manager Magazin auf 4,8 Milliarden Euro geschätzt. Dem Spiegel zufolge soll von Finck nicht nur indirekt diverse Parteiveranstaltungen der AfD mitfinanziert, sondern über einen Unterhändler auch maßgeblich die Gründung der AfD-nahen Wochenzeitung Deutschland-Kurier vorangetrieben haben.

Der Münchner Multi-Milliardär August Baron von Finck soll den Aufstieg der AfD entscheidend finanziert haben – mithilfe von zwei Münchner Strippenziehern.

München – Ihren Siegeszug verdankt die Rechtspartei Alternative für Deutschland (AfD) anscheinend vor allem dem Münchner Multi-Milliardär August Baron von Finck jr. (88).

Der deutsche Milliardär August von Finck soll den Aufstieg der AfD auf teils fragwürdige Weise mitfinanziert haben. Das berichtet der Spiegel in seiner neuesten Ausgabe. Von Finck äußerte sich zu den Vorwürfen nicht.

Das berichten mehrere Medien, darunter der "Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe (nach gemeinsamen Recherchen mit der Schweizer Wochenzeitung "WOZ"). Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk von NDR, WDR und "SZ" über eine Großspende aus der Schweiz – dort hat Baron von Finck ebenfalls einen Wohnsitz – an den Kreisverband der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel geschrieben.

Jetzt führt die Spur des AfD-Sponsorings also nach München – ausgerechnet zu dem Mann, der zwar mit seinem Familienimperium in München omnipräsent scheint, aber selbst so gut wie nie in Erscheinung tritt. Wer ist das Phantom, das mit den Ideen der AfD, als sie noch gar keine Partei gewesen ist, sondern nur eine politische Strömung, bereits sympathisiert haben soll?

August von Finck jr. ist ein ehemaliger Bankier (Merck Finck & Co), Investor, Großaktionär von Mövenpick. Doch das meiste Geld macht er mit Beton, vor allem Altstadt-Immobilien in München gehören ihm, genauso wie der Goldhandel Degussa. Sein Vermögen wird auf 4,8 bis 8,2 Milliarden Euro geschätzt.

Durch seine Finanzzuwendungen an FDP und CSU geriet er 2009 schon einmal in die Schlagzeilen. Inzwischen soll der Multi-Milliardär nach AZ-Informationen von beiden Parteien eher enttäuscht sein. Mit mehreren Millionen Euro soll Finck jr., dessen Vater August von Finck sen. zu Hitlers wichtigsten Unterstützern gehörte, nach AZ-Informationen der AfD wie einem Start-up-Unternehmen unter die Arme gegriffen haben.

Außerdem soll seine Handelsfirma Degussa – dazu liegen dem "Spiegel" Unterlagen vor – in den AfD-Anfangsjahren an einem lukrativen Goldhandel der Partei ("AfD-Goldshop") beteiligt gewesen sein. Ob zu Beginn oder zuletzt im Wahlkampf – immer wieder soll Geld über mehrere Ecken vom Münchner Baron an die AfD geflossen sein. Freilich immer so, dass es nicht auf ihn zurückzuführen ist.

Dazu kommt ein weiterer Wahl-Münchner ins dubiose Spiel: Ernst Knut Stahl (74), Diplomkaufmann aus betuchtem Hause, Geschäftsführer der finckschen Vermögensverwaltung und rechte Hand von Finck jr., sitzt an mehreren wichtigen Schnittstellen des Imperiums. Er ist genauso öffentlichkeitsscheu, diskret und verschwiegen, gilt als engster Finck-Vertrauter und hinter den Kulissen als bestens verdrahteter Strippenzieher. Stahl war es, so berichtet der "Spiegel", der sich mit einem BR-Journalisten und einem deutschen Verleger am 1. März 2017 in der Nähe von München getroffen hat, um eine neue Zeitung zu gründen, die die Wahrheit schreibe – der "Deutschland Kurier".

Wenige Monate nach dem Treffen erschien das Blatt vor der Bundestagswahl tatsächlich hunderttausendfach in Deutschland. Es las sich wie eine offene Wahlwerbung für die AfD. Offiziell herausgegeben wurde es vom "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten".

Schon 2016 prangerte Hubert Aiwanger, heutiger Chef der Freien Wähler und Bayerns Superminister, an: "Die AfD ist eine Partei aus der Retorte, gezeugt vom großen Geld." Er muss es wissen – gegenüber dem "Spiegel" räumt er erstmals ein, selbst mit dem Finanzsystem von Finck und Stahl in Berührung gekommen zu sein. Und zwar über Dagmar Metzger, die ebenfalls in München wohnt und vor ihrer Zeit als AfD-Pressesprecherin als Wirtschaftsmanagerin (Kommunikationsagentur Wordstatt) bekannt war. Mit besonders guten Drähten zu Finck.

Metzger brachte Aiwanger und Stahl bei sich zuhause zusammen. "Es gebe Geld", habe sie Aiwanger unter vier Augen signalisiert, wie der Freie-Wähler-Chef dem "Spiegel" erzählt hat. Doch Aiwanger sagte ab, ihm waren die Geschichten "nicht geheuer".

Nachfrage bei Dagmar Metzger – ist sie eine Strohfrau von Baron von Finck und der AfD? Zur AZ meint sie: "Ich sage zu dem ganzen Thema nichts – nur so viel: Im Februar 2014 habe ich bei der AfD alles hingeschmissen, weil mir die Partei zu rechts wurde." Heute ist sie Vorstand der "Stiftung für Freiheit & Vernunft" – eine angebliche AfD-Nähe bestreitet sie vehement.

Finck und Stahl haben sich zu alldem noch nicht geäußert. Dafür schaltet sich Lobbycontrol ein, ein gemeinnütziger Verein, der sich für Transparenz und klare Schranken der Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit einsetzt. Anaylst Ulrich Müller sagt: "Wir brauchen eine schonungslose Aufklärung, von wem Geld in den Aufbau und die Wahlkämpfe der AfD geflossen ist." Und weiter: "Die Bundestagsverwaltung muss prüfen, woher das Geld kam, mit dem Dagmar Metzger in der Anfangszeit Veranstaltungen für die AfD organisierte. Wenn die Gelder von Dritten wie Herrn von Finck kamen, wären dies klare Verstöße gegen das Parteienrecht."

Vater August von Finck sen. (1898-1980) war Bewunderer und Finanzier von Adolf Hitler. Er wurde Vorsitzender im Kuratorium des "Hauses der Deutschen Kunst", profitierte in großem Stil von Arisierungen jüdischer Bankhäuser. Nach dem Krieg verlor er viele Aufsichtsratsposten. Doch das Vermögen wuchs. 1979 betrug der Konzernumsatz 2,25 Milliarden. OB Georg Kronawitter spottete: "Jeden Morgen, wenn Herr von Finck wach wird, ist er um eine Million reicher. Es steht ja schon in der Bibel: Den Seinen gibts der Herr im Schlafe."