Benzin-Supergau in München: Whatsapp-Kettenbrief ruft für heute zum ...
Whats-App-Kettenbrief ruft zum Tankboykott am Montag auf
Benzin-Supergau in München! Die Kraftstoffpreise liegen auf einem Rekordhoch. Heute soll es einen Tank-Boykott geben – auch ein Whatsapp-Kettenbrief ruft nun dazu auf.

Update vom 21. November: Der Aufruf zum Tank-Boykott scheint sich nun über die Grenzen Bayerns hinaus auszubreiten – zumindest macht eine kettenbriefartige Whatsapp-Nachricht, die auch die Redaktion der hessischen HNA erreicht hat, den Anschein. 

“Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin- und Dieselpreise Montag 26. November keine Tankstellen anfahren, wer tanken muss sollte das Sonntags, am 25. November noch machen. Sende diese Protestaktion an alle deine Kontakte weiter um ein Zeichen gegen die hohen Benzin und Dieselpreise zu agieren”, heißt es wörtlich in dem Kettenbrief. Es ist nicht auszuschließen, dass in dem Kettenbrief, der vor allem durch Rechtschreib- und Grammatikfehler auffällt, ein schadhafter Link versteckt ist, der einen Virus verbreiten soll. Wer den Kettenbrief erhält, kann ihn getrost ignorieren.

Dort ist zu lesen: "Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin und Dieselpreise Montag 26 November keine Tankstellen anfahren, wer tanken muss sollte das Sonntags am 25. November noch machen. Sende diese Protestaktion an alle deine Kontakte weiter, um ein Zeichen gegen die hohen Benzin und Dieselpreise zu agieren." [sic!]

Seit Wochen steigen die Spritpreise. Zusätzlich dazu sorgt das Niedrigwasser für Lieferengpässe und teils leere Zapfsäulen. Unterm Strich ist die Fahrt zur Tankstelle in jüngster Zeit kein Vergnügen. Ein Kettenbrief, der derzeit über Facebook und WhatsApp verbreitet wird, drückt den Unmut der Autofahrer aus und ruft zu einem Tankstellen-Boykott auf.

WhatsApp und Facebook – Kettenbrief ruft zu Tankstellen-Boykott auf

Wie so oft bei Kettenbriefen fehlt der Absender, außerdem ist die Nachricht voller Rechtschreibfehler – wie ein professioneller Aufruf zum Protest wirkt sie nicht. Da sie aber keinen Link, sondern nur Text enthält, ist der Kettenbrief aktuell nicht gefährlich. Sind solche Briefe aber erfolgreich, wird oft noch ein schadhafter Link hinzugefügt. In diesem Fall sollten Sie auf keinen Fall auf diesen Link klicken.

Der Kettenbrief hat es mittlerweile auch auf Facebook geschafft, wo er von vielen gepostet und geteilt wurde. 

BONN. Über WhatsApp und Facebook wird aktuell ein Kettenbrief verschickt, der dazu aufruft, Tankstellen am kommenden Montag zu meiden. Dass in ihm ein schadhafter Link versteckt ist, kann nicht ausgeschlossen werden.

Übrigens: Einen ähnlichen Kettenbrief gab es vor rund zehn Jahren schon einmal – damals ohne Konsequenzen.

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München – Wir in der Landeshauptstadt bekommen das besonders hart zu spüren. Den Autofahrern reicht’s: Über die sozialen Medien rufen sie nun sogar zum Tank-Boykott auf. „Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin- und Dieselpreise. Am Montag, 26. November, keine Tankstellen anfahren! Wer tanken muss, sollte das sonntags am 25. November machen.“ Dieser Aufruf verbreitet sich derzeit über WhatsApp und Facebook.

Verantwortlich für die Preis­explosion sind die wegen der Trockenheit niedrigen Pegelstände des Rheins und seiner Nebenflüsse. Hier liegen zum Teil riesige Raffinerien. Die Schiffe können von hier aus nur noch halb so viel Benzin transportieren wie üblich. Der Transport auf Schiene und Straße ist teuer.

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„Im Fall von München und Bayern sind die Transportwege besonders weit. Hinzu kommt, dass die Bayernoil-Raffinerie in Ingolstadt nach der Explosion im September nur noch zur Hälfte produziert. „Wir haben eine echte Knappheitssituation“, sagt Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands. Während der Preis für einen Liter Super aktuell in Hamburg vielerorts bei 1,469 Euro liegt, sind es in Bogenhausen örtlich bis zu 1,609 Euro!

„Viele Lkw-Fahrer versuchen jetzt, in Österreich zu tanken“, sagt Dietmar Possart, Vorstand des Bundesverbandes freier Tankstellen, aus Herrsching. Das lohnt sich: Schon kurz hinter der Grenze bei Kufstein kostet der Liter Super fast 40 Cent weniger. Alexander von Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverband: „Dort ist die Mineralölsteuer deutlich günstiger und sie sind derzeit nicht von der Knappheit betroffen, weil sie sich großteils selbst versorgen durch eine Pipeline vom Mittelmeer.“

Ein Ende des Benzin-Wahnsinns ist leider nicht in Sicht. „Wann sich die Situation entspannt, lässt sich derzeit leider noch nicht sagen“, sagt Alexander von Gersdorff. Er verstehe den Ärger der Kunden, beteuert aber: „Wir verdienen keinen Cent mehr dabei.“ 

Mate Toth (41) fühlt sich oft missverstanden – nämlich wenn Kunden denken, dass der Tankwart die Benzinpreise festlegt. Toth betreibt die BK-Tankstelle an der Baaderstraße, der Preis für Super liegt derzeit bei etwa 1,55 Euro. „Wir haben nichts davon“, sagt er. Der Tankwart verdient überwiegend am Shop. Die Tankstelle mache außerdem schwächere Absätze: „Autofahrer fahren wegen der hohen Preise sparsamer“, sagt BK-Vorstand Dietmar Possart. Einen Boykott findet er „sinnlos“: „Wir können nicht unter Einkaufspreis verkaufen.“ Aber er beruhigt: „Die Preise sollen jetzt wieder sinken…“

Claudia Fischer (51), Architektin aus München: „Für mich als Verbraucherin sind die Preise einfach blöd. Wenn ich mein Auto benutze, fahre ich eigentlich nur Langstrecken – das wird dann teuer. Aber vielleicht helfen die Preise ja wenigstens, den Verkehr ein wenig einzudämmen. Nur so richtig glaube ich nicht daran. Man sollte einfach unnötiges Fahren vermeiden – in der Stadt fahre ich nur noch mit dem Radl.“

Fisnik Kabashi (29), Küchenhilfe aus Starnberg: „Diese Preise sind nicht mehr normal. Ich bin die letzten sechs Jahre immer mit dem Auto gefahren. Jetzt fahre ich höchstens ein bis zwei Mal die Woche – wenn ich einkaufen muss. Sonst fahre ich nur noch Bahn. Mit einer Monatskarte für 89 Euro komme ich damit günstiger weg. Jetzt tanke ich 15 Euro, stelle das Auto ab und fahre vielleicht nächste Woche wieder.“ 

Winfried König (65), Kaufmann aus München: „Mein Tankverhalten ändert sich nicht durch die höheren Benzinpreise. Natürlich ist das ärgerlich, aber man kann ja nichts dagegen machen. Wir können jetzt einfach nur hoffen, dass es mehr regnet und die Flüsse wieder einen höheren Pegel ­erreichen, damit die Schiffe wieder ­genug Benzin und Diesel transportieren können.“

Kristian Petö (36), Vorarbeiter aus München: „Ich habe Glück: Ich wohne direkt neben meiner Arbeit und kann zu Fuß gehen. Deswegen fällt es mir nicht so sehr auf, wenn die Benzinpreise steigen. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, für wie viel ich gerade tanke. Ich fahre zwar täglich mit dem Auto, aber nur zum Training oder zum Einkaufen. Die hohen Preise machen für mich vielleicht einen Unterschied von zehn Euro im Monat.“ 

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Die Kurse an den internationalen Rohölmärkten stürzen ab. Aber die Preise an deutschen Tankstellen sind so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Machen die Mineralölkonzerne jetzt den großen Reibach?

Kommenden Montag soll sie starten, die Revolution an der Zapfsäule. Zumindest hoffen das die Verfasser des anonymen Kettenbriefs, der gerade seine Runde macht bei Facebook und WhatsApp.

Mit der deutschen Sprache haben es die Autoren nicht so. Doch ihr Boykottaufruf wird gerade Zehntausende Male geteilt und weiterverbreitet. Er trifft einen Nerv. Denn Kraftstoffe sind teuer wie lange nicht mehr: viel zu teuer in den Augen vieler Autofahrer. Dabei hat sich Rohöl dramatisch verbilligt.

An den globalen Ölbörsen ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent seit Anfang Oktober von 85 auf 63 US-Dollar abgestürzt. An deutschen Tankstellen hingegen kostete am Donnerstag der Liter Super E10 laut ADAC im Schnitt 1,529 Euro – und Diesel 1,420 Euro. Das sorgt für Unmut: gerade bei Dieselfahrern, die ohnehin durch Fahrverbote gebeutelt werden. So viel wie heute mussten sie für ihren Sprit letztmals vor fast sechs Jahren berappen. Und damals war Rohöl fast doppelt so teuer: rund 115 Dollar.

Extrem sind auch die regionalen Unterschiede: In Norddeutschland ist der Liter Diesel oft für gut 1,30 Euro zu haben – teils sogar noch billiger. Im Süden kostet er hingegen vielerorts mehr als 1,50 Euro. In Konstanz am Bodensee sind es sogar im Mittel mehr als 1,65 Euro. Wie kann das sein?

Die Mineralölindustrie benennt einen Schuldigen: das Wetter. Genauer, die lange Trockenheit in Teilen der Bundesrepublik. Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein und Nebenflüssen schränke den Transport von Öl über Binnenschiffe zu Tanklagern und Raffinerien stark ein, sagt ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes. “Wir haben es mit einer Engpasssituation bei Diesel und Benzin zu tun – vorrangig im Westen und Süden.”

Dass das Preishoch allein auf das Niedrigwasser zurückzuführen ist, bezweifeln allerdings viele: unabhängige Energieexperten, der ADAC und auch die Binnenschiffer.

Das Geschäft für die Schiffsbetreiber ist tatsächlich schwieriger geworden. Die Pegelstände vieler Flüsse sind außerordentlich niedrig – an einigen Stellen des Oberrheins in Süddeutschland so niedrig wie noch nie seit Beginn der Messungen. “Wir erleben Einschränkungen”, sagt Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt. Gerade am Oberrhein müssten die Schiffsbetreiber stark auf den Tiefgang achten und könnten längst nicht so viel Ware wie üblich mitnehmen. Wegen der Beeinträchtigungen hat die Bundesregierung Ende Oktober einen kleinen Teil der Ölreserven freigegeben und Kerosin, Benzin und Diesel bereitgestellt.

Doch Schwanen sagt auch: “Wir haben nach wie vor eine gut funktionierende Binnenschifffahrt. Die Versorgung der großen Raffinerien ist nicht eingestellt.” Das Rohöl kommt aus Rotterdam und wird den Rhein hinaufgeschifft – oder über Pipelines geliefert: etwa in den Raum Köln zu den beiden Werken der Rheinland-Raffinerie, der größten Deutschlands. Am Niederrhein sei die Lage für die Binnenschifffahrt noch relativ “entspannt”, sagt Schwanen. “Mir leuchtet nicht ein, warum man in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ein Logistikproblem für Benzin und Diesel haben sollte.”

“Es stimmt, dass die Transportkosten in der Binnenschifffahrt stark gestiegen sind”, sagt Steffen Bukold, Chef des Hamburger Beratungshauses Energy Comment. “Aber so hohe Kraftstoffpreise können die Rheinfrachten allein nicht erklären.” So sei der Preis für Heizöl, das auch so transportiert wird, zuletzt eingebrochen. Dort gibt es mehr Wettbewerb als bei Benzin und Diesel.

Bukolds Berechnungen zufolge macht der teurere Flusstransport ungefähr sechs Cent pro Liter aus. Daneben kostet auch der Transport auf Straße und Schiene mehr. Laut Oliver Johne vom Brancheninformationsdienst Futures Services fahren zurzeit Tanklaster aus Süddeutschland bis nach Hamburg, um dort Sprit zu laden. “Wir sehen Engpässe – und es gibt garantiert hier und da Marktteilnehmer, die das ausnutzen, um ihre Profitmargen ausweiten”, sagt Bukold.

“Vor allem einige Raffinerien verdienen gerade ausgesprochen gut”, verrät ein Brancheninsider. Das räumt auf Anfrage auch der Mineralölwirtschaftsverband ein. “Was wir hier sehen, sind marktwirtschaftliche Knappheitspreise”, sagt der Sprecher. Und viele Raffinerien gehören den Mineralölkonzernen: die Rheinland-Raffinerie etwa Shell.

Der ADAC kritisiert die Industrie: “Trockenheit und Dürre herrschen bereits seit Monaten, während der deutliche Preisanstieg an den Tankstellen erst dann erfolgt ist, als Rohöl Anfang Oktober seinen Höchststand überschritten hatte”, sagt Ulrich Klaus Becker, Vizepräsident für Verkehr. “Wir brauchen nicht nur auf dem Kraftstoffmarkt einen intensiven Wettbewerb, sondern auch auf den vorgelagerten Stufen der Raffinerie- und Mineralölgroßhandelsmärkte, um ein angemessenes Preisniveau zu gewährleisten.”

Spürbar billiger werden die Kraftstoffe erst dann, wenn das Wetter umschlägt. “Wir bräuchten einen richtigen tagelangen Landregen im Oberrheingebiet, am besten im Schwarzwald und der Nordschweiz”, sagt Binnenschifffahrts-Vertreter Schwanen. “Dann würde sich der Flusspegel kontinuierlich erholen.”

Und der Aufruf zum Kundenstreik? Der dürfte die Mineralölindustrie kaum jucken, solange die Autofahrer vortanken. Die Tankstellen könnten die Gelegenheit sogar nutzen und ihre Preise nochmal raufsetzen – am Sonntag vor dem Boykott-Montag.