Der Hugendubel am Stachus hat wieder geöffnet
Abtauchen in die Bücherwelt: So sieht es im neuen Hugendubel am Stachus aus | Altstadt-Lehel
Nach fünf Wochen Umbaupause hat am Donnerstagmorgen der Hugendubel am Stachus neu eröffnet – und vieles verändert. Die AZ hat sich umgeschaut. 

München –  Am Ende konnten wir die Arbeiten nur mit Nachtschichten bewältigen, sagt Architektin Barbara Wallraff. Tatsächlich war der Hugendubel am Stachus nur fünf Wochen geschlossen, bei der Wiedereröffnung am Donnerstagmorgen werden bis die Türen aufgehen noch die letzten Handgriffe erledigt.

Buchhandel – Endlich wieder cool sein

Die Filiale erstrahlt im wahrsten Sinne des Wortes, die Etagen sind hell und lichtdurchflutet, man wusste ja gar nicht, wie viele Fenster das Geschäft hat. Dazu sind Wände und sogar der Boden in lichtem Grau, die Decken offen, wie in einem Loft. Die Filiale, die zuvor recht dunkel und unübersichtlich war, wirkt nun aufgeräumt und modern.

“Wir haben fünf Welten kreiert, die auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet sind”, sagt Hugendubel. “Das funktioniert mit den alten Warengruppen nicht.” Die Kunden finden auf den 2000 Quadratmetern der modernisierten Münchner Filiale Bücherwelten namens “Abtauchen”, “Leben, wohnen und genießen”, “Lernen, spielen und machen” sowie “Fenster zur Welt” und “Horizonte” vor. “Menschen wollen in andere Welten abtauchen, aber das ist nur ein Teil der Belletristik”, sagt Hugendubel. “Ein anderer Teil beschäftigt sich mit Gegenwartsliteratur und anspruchsvollen Texten. Solche Dinge trennen wir.” Die kameralistische Verwaltung von Warengruppen hat da keine Chance mehr. “Wenn das funktioniert, dann wird das auch die Systeme in der Firma umkrempeln”, sagt Nina Hugendubel.

Und noch etwas Entscheidendes ist anders. Nina und Maximilian Hugendubel wagen in dieser Filiale ein neues Konzept, die Buchhandlung der Zukunft sozusagen.

Für jedes Gedicht ein Haus: Lange vor der Krise des Buchhandels wollte der Schweizer Architekt Peter Zumthor zur Weltausstellung Expo 2000 in Hannover ein Kunstprojekt realisieren, das die Idee eines Buchladens auf die Spitze getrieben hätte. Er wollte unter dem Titel “Poetische Landschaft” 13 Gedichten jeweils ein Haus bauen, in denen die Unikate exklusiv zu lesen gewesen wären. Die Expo verzichtete darauf, doch die Grundidee ist aktueller denn je – nur unter umgekehrten Vorzeichen. Wer einen Buchladen betreibt, muss den Leser locken, weil es das gewünschte Buch ÜBERALL gibt. In Tausenden anderen Buchläden und – im Internet.

Nach der Renovierung am Marienplatz habe man die Kunden intensiv befragt, was sie sich wünschen, das Ergebnis, also die Weiterentwicklung, sehe man nun hier. Es gehe um Atmosphäre, Aufenthaltsqualität, einen Treffpunkt, sagt Nina Hugendubel: Die Kunden denken nicht in Kategorien wie Sachbuch oder Belletristik, sondern kommen mit Bedürfnissen.

“Wir müssen uns verändern – nicht in kleinen Schritten und nicht nur mit einem neuen Ladenbau”, sagt Nina Hugendubel, 48. “Wir wollen wirklich weit nach vorne gehen.” Damit meint sie vor allem, dass sie sich im wahrsten Wortsinne von alten Strukturen verabschieden will. “Wir mischen die Sortimente in neue Welten und lösen die Bestandswarengruppen komplett auf.” Das bedeutet, dass die von Generationen Buchhändlern gepflegte Ordnung “Belletristik von A bis Z” abgeschafft wird. Was in den vergangenen Jahren behutsam mit Thementischen begann, wird nun um so konsequenter fortgesetzt. Disruption im Buchhandel gewissermaßen.

Deshalb hat sich das Münchner Unternehmen hier vom klassischen Buchhandlungs-Konzpet verabschiedet. Die bewährte Wareneinteilung wie Romane A-Z wird der Kunde hier fortan vergeblich suchen.

Stattdessen gibt es Themenwelten. Kann sein, dass mancher Kunde sich da etwas umgewöhnen muss. Was ist, wenn ich schnell etwas suche? Dann helfen die Übersichtstafeln oder unser Personal, sagt Nina Hugendubel.

Wenn Hugendubel an diesem Donnerstag seinen Flagship-Store am Münchner Stachus wiedereröffnet, möchten die Betreiber “neue Maßstäbe für den Buchhandel” setzen, vom “Buchshop der Zukunft” ist die Rede. Konkurrent Thalia aus Hagen mit 232 Filialen in Deutschland will eine Woche später damit beginnen, sein neues Buchhandelskonzept auszurollen – die Filialen sollen zum “lebendigen Treffpunkt für alle” werden und den Leser dabei unterstützen, in Geschichten “eintauchen” zu können. Beide Ketten investieren jeweils Millionen in die neue Bücherwelt.

Im Erdgeschoss etwa lautet das Motto abtauchen. Hier findet sich, was mit fiktiven Welten zu tun hat. Comics, Fantasy, Romane, Krimis. Außerdem die Ecke für die Jugend inklusive Skateboard-Deko und Instagram-Bühne für Selfie-Fans.

Für das Stöbern mag das ganz inspirierend sein, aber wie findet der Kunde, was er sucht? Das Zauberwort heißt “Visual Merchandising”: Die Welten sind intuitiv inszeniert, ein kleiner Elefant weist etwa den Weg zu Romanen, Bildbänden oder Reisebüchern über Afrika. Oder der neueste Thriller des schwedischen Lieblingsautors steht bei den Schwedenkrimis. Und nicht in den endlosen Regalreihen von Mord und Totschlag aus aller Welt.

Im ersten Stock geht es um leben, wohnen und genießen, also Kochen, Ernährung, Ratgeber, Inneneinrichtung, aber auch eine ansehnliche Spieleabteilung und eine große Kinderwelt. Dazu das neue Café, das sich laut den Hugendubels schon am Marienplatz bewährt hat, und eine Showküche für Workshops und Kochkurse.

Im zweiten Stock wurden Gegenwartsliteratur, Fach- und Sachbuch, Reise, Architektur und Kultur zusammengestellt – "Fenster zur Welt" und "Horizonte" heißen die Bereiche. 

Im ganzen Haus kann man sich auf Kästen und Bänken niederlassen. Hugendubel hat einen siebenstelligen Betrag in den Umbau der 2000 Quadratmeter investiert. Ob das neue Konzept ankommt? Wir werden viel hier sein und das beobachten, sagt Maximilian Hugendubel.  

Die Filiale des Buchhändlers Hugendubel am Stachus hat pünktlich zum Weihnachtsgeschäft nach knapp fünfwöchiger Umbaupause wieder ihre Tore geöffnet. Kunden können auf den 2000 Quadratmetern künftig nicht nur lesen, sondern auch Veranstaltungen erleben – und sogar Könnern beim Kochen zuschauen.

München – Als die geschäftsführenden Geschwister Nina und Maximilian Hugendubel am Donnerstag um 9.30 Uhr das rote Band am Eingang durchschneiden, wird klar, wie sie sich das Bücherkaufen der Zukunft vorstellen: Nina Hugendubel setzt vor allem auf Kinder- und Jugendfreundlichkeit. „Ich finde es sehr wichtig, unseren jüngeren Kunden den Spaß am Lesen wieder mehr und auch mal anders zu vermitteln.“ Auf den drei Etagen findet man überall Elemente, die die jüngeren Generationen ansprechen sollen.

Gegliedert ist die Filiale in verschiedene Welten, nicht mehr wie gewohnt in inhaltliche Kategorien. Die erste Welt, „abtauchen“, soll die Realität kurz vergessen lassen und den Kunden in eine fiktive Welt bringen. Hier kann der Lese-Nachwuchs auch eine Instagram-Bühne nutzen und so Zugang zur Jugendliteratur finden. Viele Bücher sind auf Modulen in der Mitte der Räume ausgestellt.

Ein Stockwerk darüber geht es entsprechend weiter: In der „leben, wohnen und genießen“-Welt gibt es neben einem gemütlichen Lesecafé auch eine große Küche. „Hier werden zukünftig Veranstaltungen stattfinden, etwa Kochshows oder Food-Workshops, zwischen den passenden Büchern“, erklärt Maximilian Hugendubel. Für die kleinen Leseratten gibt es auch eine eigene Welt, hier wird auf Spiel, Spaß und unbeschwertes Lernen gesetzt.

Der Hugendubel erscheint also in einem ganz neuen Licht: „Uns ist es wichtig, dass unsere Kunden nicht mehr nur zum Bücherkaufen schnell reinkommen, sondern in einer Wohlfühlatmosphäre abtauchen und was erleben können“, sagen die Geschwister. Und freilich gibt‘s auch für die großen Leser passende Welten zum Stöbern. So können die Erwachsenen in der Abteilung „Fenster der Welt“ fremde Länder kennenlernen und sich in Themenecken, wie zum Beispiel zum Orient, verlieren. In der Welt der Horizonte kann jeder sein Weltwissen erweitern, hier sind viele kulturelle Bücher zu haben.

Das Konzept kommt bei den Kunden auch sehr gut an. „Mir gefällt es hier wirklich gut. Vor allem die Caféteria ist ein Highlight. Ich finde es toll, dass hier mehr Aktionen und Veranstaltungen stattfinden werden“, sagt Christoph Skornia (74), Rentner aus Niederbayern. Vor allem der Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendfreundlichkeit erfreut die Käufer: „Ich bin extra für die Eröffnung heute in die Stadt gekommen“, erklärt die Mutter Julia Zellner (33). „Das Puristische gefällt mir hier gut, außerdem finde ich es toll, dass alles kinderfreundlich ist. Ich lege großen Wert darauf, dass mein Kind einen Bezug zu Büchern hat und lese auch jeden Abend vor.“

Doch nicht nur am Stachus wurde der Hugendubel umgebaut,vergangenen Samstag wurde die Filiale an der Nymphenburgerstraße in Neuhausen wiedereröffnet. Eigentlich sollte diese ihre Tore schon im Sommer öffnen, doch wegen Problemen mit der Statik des Altbauhauses am Rotkreuzplatz habe der Umbau unerwartet länger gedauert, sagt Pressesprecherin Sophie von Klot. „Dass es ein paar Monate länger gedauert hat, war natürlich nicht optimal, aber wir sind jetzt sehr zuversichtlich und starten so ins Weihnachtsgeschäft.“

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