Aufstieg von Waldhof Mannheim - Mit dem Stolz des vergangenen Jahrhunderts - Süddeutsche Zeitung
Das erwartet den SV Waldhof Mannheim in der 3. Liga | Waldhof Mannheim
Alles blau und schwarz: Spieler und Anhänger des SV Waldhof verschmelzen nach dem sichergestellten Aufstieg zu einer großen Einheit.

Bis in die Morgenstunden des Ostersonntags feierten die Spieler des SV Waldhof Mannheim den Aufstieg in die dritte Liga, den sie mit einem 1:0-Sieg gegen Wormatia Worms perfekt gemacht hatten. Zuvor war ein Großteil der mehr als 14 000 Fans mit der Mannschaft in Richtung Innenstadt gezogen, wo am Wasserturm die Evergreens zu hören waren, die schon während des Spiels angestimmt worden waren: “Nie mehr vierte Liga”, zudem die Vereinshymne “Blau und schwarz”.

Das Ende der ewigen Leidenszeit:Waldhofs Aufstieg mit der Kraft der Krise

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Waldhof Mannheim: Fans bejubeln Aufstieg trotz Punktabzug

Und immer wieder Schmähgesänge auf den 1. FC Kaiserslautern, gegen den man in der kommenden Saison antreten wird. “Das ist eine riesengroße Erleichterung. Der ganze Druck ist weg”, sagte der Trainer Bernard Trares, ehemals Spieler, unter anderem bei Waldhof und beim TSV 1860 München. Unter Bruno Labbadia war Trares mal Co-Trainer beim HSV, nun gilt er als Vater des Mannheimer Höhenflugs. Er hat dem Team eine attraktive, offensivfreudige Spielweise verordnet. 81 Treffer in bislang 30 Spielen sind Ligarekord – in allen fünf Regionalligastaffeln.

Vor dieser Saison war der Verein, der Nationalspieler wie Maurizio Gaudino, Karl-Heinz Förster oder Jürgen Kohler hervorgebracht hat, dreimal nacheinander in der Relegation gescheitert – am SV Meppen, an den Sportfreunden Lotte, in der vergangenen Saison am KFC Uerdingen. Beim Rückspiel in Mannheim hatten Fans minutenlang Raketen aufs Spielfeld gefeuert, bis das Ziel, der Spielabbruch, erreicht war. Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs waren daraufhin einem Verein wegen des Fehlverhaltens seiner Anhänger drei Punkte abgezogen worden, wogegen der SV Waldhof Rechtsmittel einlegte.

Dabei lag der Klub vor knapp einem Jahr mal wieder am Boden, als er zum dritten Mal hintereinander in den Aufstiegsplayoffs zur 3. Liga gescheitert war. Die SF Lotte (2016), der SV Meppen (2017) und der KFC Uerdingen waren jeweils zu stark. Weil ein paar Chaoten im Waldhof-Fanblock gegen die Westdeutschen einen Spielabbruch provoziert hatten, gab es nicht nur negative Schlagzeilen, sondern auch einen Drei-Punkte-Abzug durch den Verband sowie eine saftige Geldstrafe. Beetz rief nur wenige Tage nach dem sportlichen und emotionalen Tiefschlag den nächsten Angriff aus und rüttelte das gesamte Umfeld wach.

Mitte März gab das Frankfurter Landgericht dem Viertligisten Recht, doch der DFB legte erneut Revision ein. Dass der Verband nun trotz des Zuschauerandrangs an der damals verfügten Sperrung der Otto-Siffling-Fantribüne festhielt, werteten Fans und Offizielle als Retourkutsche. Zumal sich der DFB damit über das Votum der Stadt und der Mannheimer Polizei hinwegsetzte, die für eine Öffnung der Tribüne plädiert hatten. “Einfach nur unwürdig”, findet das auch Trares, der im vergangenen Sommer für das Fehlverhalten der Fans, die den Spielabbruch provoziert hatten, ebenfalls deutliche Worte fand.

"Ich habe gehört, es gibt ein Festkomitee", sagte Bernd Beetz. Und lachte. Der 69 Jahre alte Unternehmer und langjährige CEO des Kosmetikkonzerns Coty begab sich am Samstag bewusst und voller Vorfreude in eine ihm völlig ungewohnte Rolle. "Ich werde jede Anweisung befolgen", erklärte der Präsident des SV Waldhof Mannheim. Durch seine finanzielle Unterstützung und – nicht weniger wichtig – durch seine Führungsstärke hatte er dafür gesorgt, dass sich nach vielen Jahren der Enttäuschungen eben ein Festkomitee bilden konnte – und neben dem Klub eine ganze Stadt feierte.

Nach einem verspäteten Zahlungseingang hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Aufstieg der Krefelder in Frage gestellt. Waldhof Mannheim bleibt damit sicher in der Regionalliga.

Mit dem 1:0-Erfolg gegen Wormatia Worms machten die Waldhöfer am 30. Spieltag den finalen Schritt auf dem Weg zur Meisterschaft der Regionalliga Südwest und beendeten den langen Weg des Leidens. Mehr als 14.000 Zuschauer waren im Stadion und sorgten für einen Besucherrekord in der Südweststaffel. Nach dem Schlusspfiff feierten Fans und Spieler zunächst auf dem Rasen des Carl-Benz-Stadions, anschließend ging es zum Wasserturm, dem Wahrzeichen der Stadt, ehe das Team in einem Club den Titel und den damit verbundenen Aufstieg begoss. Es wurde lange gefeiert – weil es viel zu feiern gab.

Gegen deutliche Worte haben nur wenige Waldhof-Fans etwas einzuwenden. Der SVW ist das, was man einen Traditionsverein nennt – und das liegt nicht nur am Gründungsdatum (1907). Mannheim-Waldhof ist ein Malocher-Kiez, den man heute in der Soziologen-Sprache vielleicht “prekär” nennen würde. Wer hierher kam, war schon vor 100 Jahren fußballerisch verortet. Mit dem heutigen Verbandsligisten VfR Mannheim, der als Verein der Honoratioren und Lackschuhträger galt, wollte man nichts zu tun haben. Als der in Waldhof geborene spätere Bundestrainer Sepp Herberger 1922 vom SVW dorthin wechselte, galt das im Stadtteil schlichtweg als Verrat.

Mannheim – Der SV Waldhof Mannheim steht als Aufsteiger in die 3. Liga fest. Was den Traditionsverein dort in der kommenden Saison erwartet:

Drei verpasste Aufstiege in Folge, Fan-Ausschreitungen, Enttäuschungen: Regionalligist Waldhof Mannheim dümpelt Jahre im Amateurfußball herum. Der Traditionsklub ist gefangen im ewigen Leid. Die endet nun dank Führungsstärke und kluger Personalentscheidungen.

Das große Ziel ist erreicht! Nach 16 Jahren ist der SV Waldhof Mannheim zurück im Profifußball und wird in der kommenden Saison in der 3. Liga spielen. Nach vielen Spielzeiten in der Regionalliga Südwest kommen eine Klasse höher viele Veränderungen auf den Traditionsverein und seine Fans zu. 

Nach dem Spiel brachen dann alle Dämme: Die Fans, die zuvor einen Zuschauerrekord aufgestellt hatten, stürmten den Platz. Flügelspieler Jannik Sommer erklärte dem "Rhein Neckar Fernsehen", er weine bereits zum vierten Mal in vier Jahren – allerdings zum ersten Mal Freudentränen. In den vergangenen drei Spielzeiten war Mannheim jeweils in der Relegation gescheitert.

Neue Anstoßzeiten, neue Gegner, TV-Übertragungen, längere Anfahrtswege – das erwartet den SV Waldhof in der 3. Liga:

Der Aufstieg des SV Waldhof Mannheim in die 3. Fußball-Liga ist vorzeitig perfekt. Waldhof gewann am Samstag das Heimspiel gegen Wormatia Worms 1:0 und kann damit an den verbleibenden vier Spieltagen nicht mehr von Platz eins der Regionalliga Südwest verdrängt werden.

Die Sommerpause wird für die Spieler des SV Waldhof Mannheim kurz ausfallen. Schließlich beginnt die Drittliga-Saison 2019/20 bereits am Wochenende vom 19. bis 22. Juli. Die vierwöchige Winterpause startet nach dem 20. Spieltag, der vom 20. bis 23. Dezember ausgetragen wird. Der letzte Spieltag steigt am 16. Mai 2020. Die Liga besteht aus 20 Mannschaft. Folglich wird es 38 Spieltage geben. 

Vor 14.413 ließ Timo Kern die Mannheimer jubeln (44. Minute). Waldhof ist unabhängig davon aufgestiegen, ob der Drei-Punkte-Abzug für die Fan-Ausschreitungen im Relegations-Rückspiel der vergangenen Saison gegen den KFC Uerdingen vor Gericht zurückgenommen wird.

In der 3. Liga gibt es es vier Absteiger, zwei Teams steigen direkt in die 2. Bundesliga auf, der Drittplatzierte muss in die Relegation gegen den 16. der 2. Bundesliga ran.

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Während der Waldhof-Livestream künftig im Radioformat von den Spielen des SVW berichten wird, kannst Du beim kostenpflichtigen Anbieter Magenta Sport ALLE 380 Drittliga-Spiele live schauen. 

Die dritten Programme der ARD dürfen insgesamt 86 Spiele live und kostenlos im TV und Live-Stream zeigen. Darunter fallen allerdings ausschließlich die Samstagsspiele. Zudem wird es in der ARD-Sportschau Zusammenfassungen der Partien geben. MANNHEIM24 wird die Spiele des SV Waldhof Mannheim wie gewohnt im Live-Ticker begleiten.

Trainer Bernhard Trares sprach auf der PK von einem "hochverdienten" Aufstieg, ehe er von seinen Spielern dann mit der obligatorischen Bierdusche beglückt wurde.

Neben einem möglichen Derby gegen den Karlsruher SC, der aktuell noch auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga hofft, kommt es voraussichtlich auch zum Wiedersehen mit dem Erzrivalen 1. FC Kaiserslautern. 

Das letzte Pflichtspiel zwischen den Traditionsvereinen hat es 2001 gegeben, als sich der FCK im DFB-Pokal gegen den SVW durchgesetzt hat. Das letzte Liga-Duell datiert gar aus dem Jahr 1997. Trotz einer 0:5-Niederlage hat der damalige Waldhof-Stürmer Atilla Birlik bei den Fans Kultstatus erlangt, da er FCK-Keeper Gerry Ehrmann eine Ohrfeige verpasst hat. 

Zu einem voraussichtlichen Wiedersehen kommt es auch mit den Gegnern aus den Aufstiegsspielen der letzten drei Jahre. 2016 ist der SVW an den Sportfreunden Lotte gescheitert, 2017 im Elfmeter-Drama an Meppen und 2018 nach dem Spielabbruch am KFC Uerdingen. In der kommenden Saison könnten sich die Blau-Schwarzen revanchieren.

Die Anfahrtswege sind in der 3. Liga deutlich länger als zu Regionalliga-Zeiten. Die weiteste Auswärtsfahrt wird die Partie in Rostock sein. Das Ostseestadion ist rund 800 Kilometer von Mannheim entfernt.

Bereits seit mehreren Jahrzehnten pflegen die Fans des SV Waldhof Mannheim eine Fan-Freundschaft mit Eintracht Braunschweig. Sollten die Niedersachsen den Klassenerhalt in der 3. Liga schaffen, würde es zum ersten Pflichtspiel-Duell seit 2003 kommen.

Interessant für alle Gamer: Der SV Waldhof Mannheim wird erstmals auch in der Fußball-Simulation ‚FIFA‘ vertreten sein. In dem Video-Spiel sind die ersten drei Ligen in Deutschland lizensiert.

Wenn der SV Waldhof Mannheim die Aufstiegseuphorie mit in die neue Saison nimmt und sich auf dem Transfermarkt sinnvoll verstärkt, ist durchaus einiges möglich. Präsident Bernd Beetz hat durch die Erhöhung des Eigenkapitals deutlich gemacht, dass die 3. Liga nicht die Endstation sein soll. „Wir erfüllen nun selbst das geforderte Stammkapital für die 2.Bundesliga unter Leitung der DFL. Mit der Erhöhung möchten wir die sportliche und strukturelle Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren stärken“, erklärt Sohn Christian Beetz.

Als Aufsteiger muss natürlich der Klassenerhalt das erklärte Ziel sein, aber Beispiele aus der Vergangenheit (unter anderem Würzburger Kickers und 1. FC Magdeburg) haben gezeigt, dass sich Liga-Neulinge auch schnell im oberen Tabellendrittel festsetzen können oder gar um den Aufstieg in die 2. Bundesliga mitspielen können.

Am Samstag gewinnt der SV Waldhof gegen Wormatia Worms und macht den Aufstieg in die 3. Liga perfekt. Zunächst feiern die Spieler mit den Fans im Stadion, anschließend geht es weiter zum Mannheimer Wasserturm. Zu den Gratulanten zählt auch Kult-Kicker Thorsten Legat.

Auf den sportlichen Aufstiegt folgt das langwierige bürokratische Verfahren für die 3.Liga-Lizenz. Nachdem der Verein am 26. Februar seine Unterlagen zum Zulassungsverfahren beim DFB vollständig und fristgerecht eingereicht hat, ist am 23. April in einem weiteren Schritt Beschwerde gegen weitere Auflagen des DFB vorgelegt worden.