Mannheim: Rebellenführer stirbt im Gefängnis – jetzt erhebt seine Anwältin schwere Vorwürfe! | Mannheim - mannheim24.de
Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt nach Tod von Rebellenführer | Mannheim | SWR Aktuell Baden-Württemberg | SWR Aktuell
Mannheim – Weil er aus der Ferne ruanische Rebellen im Ostkongo befehligt haben soll, stand ein Mann vor Gericht. Jetzt ist er in U-Haft gestorben – und seine Anwältin erhebt schwere Vorwürfe: 

Der ruandische Rebellenführer Ignace M. ist in deutscher U-Haft gestorben. Seine Anwältin hat nun nach eigenen Angaben Anzeige wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleitung oder fahrlässiger Tötung erhoben. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat den Eingang der Anzeige gegen Unbekannt bestätigt. Er sei ein Todesermittlungverfahren eingeleitet, sagt ein Sprecher am Dienstag in Mannheim. Die Obduktion des Leichnams sei angeordnet.

Mannheim (dpa/lsw) – Die Anwältin des in deutscher U-Haft gestorbenen ruandischen Rebellenführers Ignace M. erhebt schwere Vorwürfe. Sie hat nach eigenen Angaben Anzeige etwa wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung oder fahrlässiger Tötung erhoben. Die Staatsanwaltschaft Mannheim bestätigte den Eingang der Anzeige gegen Unbekannt. Es sei ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag. Die Obduktion des Leichnams sei angeordnet. Die Anwältin hat im Namen des 15-jährigen Sohnes des Toten Anzeige erstattet. Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet.

Die Anwältin des Verstorbenen hat im Namen seines 15-jährigen Sohnes Anzeige erstattet. Ignace M. war in Deutschland als Rädelsführer einer ausländischen Terrorvereinigung „Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas" (FDLR) im Ostkongo zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Am 16. April starb der 55-Jährige in einer Klinik in Mannheim. Der Gesundheitszustand des Mannes habe sich nach Angaben des Oberlandesgerichts Stuttgart am 11. April in der U-Haft plötzlich verschlechtert. Die Anwältin berichtet hingegen von einer längeren Erkrankung ihres Mandanten, auf die nicht angemessen reagiert worden sei. 

Die Anwältin schildert, dass ihr Mandant das Mannheimer Gefängnis bereits Mitte März darüber informiert habe, dass er wegen einer Erkrankung an der Wirbelsäule seit vier Wochen das Bett nicht mehr verlassen könne. Mindestens drei Mal habe er sich mit der Bitte um externe Behandlung an die Anstalt gewandt. Auch das OLG sei informiert gewesen. Eine vom Orthopäden empfohlene Durchleuchtung sei wegen des Defekts des Röntgengeräts in dem Mannheimer Gefängnis auf die lange Bank geschoben worden, kritisierte die Anwältin. Der Mann habe neun Jahre und fünf Monate lang bei strikter Isolation in U-Haft gesessen. Es stelle sich die Frage, wie diese – aus ihrer Sicht völlig unnötigen – verschärften Haftbedingungen sich auf seinen allgemeinen Gesundheitszustand ausgewirkt hätten.

Das OLG Stuttgart hatte Ignace M. 2015 wegen Rädelsführerschaft in Tateinheit mit Beihilfe zu vier Kriegsverbrechen zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch im Dezember 2018 teilweise auf. Die Anklage in dem Fall war die erste nach dem 2002 eingeführten Völkerstrafgesetzbuch, das deutschen Ermittlern die Verfolgung von Kriegsverbrechen im Ausland ermöglicht. (Az. 3 StR 236/17)

Auch interessant: Im Sommer 2018 wird eine deutsche ISIS-Kämpferin aus Mannheim im Irak erst zum Tode verurteilt, dann wird ihre Todesstrafe in lebenslänglich umgewandelt. Die 21-Jährige aus Mannheim wurde zunächst im Februar 2018 wegen illegaler Einreise zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Erst kürzlich wird ein Mann wegen eines brutalen Angriffs auf einen Rentner am Landgericht Mannheim verurteilt. Er soll einen 68-Jährigen im Juni 2015 am Friedrichsring in Mannheim so brutal geschlagen haben, dass der Mannheimer später im Krankenhaus verstarb. 

Die Anwältin schilderte, dass ihr Mandant das Gefängnis in Mannheim Mitte März darüber informiert habe, dass er wegen einer Erkrankung an der Wirbelsäule seit vier Wochen das Bett nicht mehr verlassen könne. Mindestens drei Mal habe er sich mit der Bitte um externe Behandlung an die Anstalt gewandt. Auch das OLG sei informiert gewesen.

Nach dem Tod des ruandischen Rebellenführers Ignace M. ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Der 55-Jährige war vor einer Woche in einem Mannheimer Krankenhaus gestorben.

Ein Mann steht in Deutschland vor Gericht, weil er aus der Ferne ruandische Rebellen im Ostkongo befehligt haben soll. Jetzt stirbt er in U-Haft – und seine Anwältin will die Todesumstände prüfen lassen.

Der 55-Jährige war 2015 vom Oberlandesgericht Stuttgart als Rädelsführer einer Terrorvereinigung im Ostkongo zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt worden – und zwar wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen. Seitdem saß der Chef der Vereinigung “Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas” in Mannheim in U-Haft – in Mannheim hatte er zuvor auch einige Zeit gelebt.

Anfang April wurde Ignace M. in eine Mannheimer Klinik eingeliefert, wo er einige Tage später starb. Jetzt hat der 15-jährige Sohn des Mannes über eine Anwältin Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Man habe Zweifel daran, dass in der Haft alles ordnungsgemäß zugegangen sei. Laut Staatsanwaltschaft wird nun ein Todesermittlungsverfahren durchgeführt. Inzwischen sei die Obduktion des Leichnams angeordnet worden.