Rapmusiker Capital Bra startet in Mannheim seine Tournee - n-tv NACHRICHTEN
Capital Bra: Was macht diesen Rapper so erfolgreich wie ABBA?
Mannheim – Er ist der erfolgreichste Rapper Deutschlands! Capital Bra kommt startet am Wochenende mit einem Doppelkonzert in Mannheim seine neue Tour – und begeistert seine Fans!

Er hatte so viele Nummer-eins-Hits in Deutschland wie kein anderer, er war innerhalb eines Jahres mit zwölf Liedern in den deutschen Musikcharts vertreten und über ihn wird derzeit gesprochen, wie über keinen anderen deutschen Rapper: Die Rede ist von Capital Bra. 

Man wundert sich fast, dass Bra bei den vielen Schauplätzen, auf denen er zugange ist, von Bushido bis Bohlen, immer wieder Zeit findet, Tracks zu produzieren. Aber wie heißt es in Benzema, dem Auftaktstück von CB 6: Bin Stammspieler wie Benzema, roll im Benzer, Bra/ Zahl den Benzer bar, 160 K/ Bitches tanzen vor der Kamera/Capital aus Ukraine und nicht Drake aus Kanada. Mit anderen Worten: Der Stammplatz will verdient sein – und ein Rapper wie Drake ist dem Genre längst entwachsen und ein globaler Popstar. Ob Bra das schafft? Natürlich gründet sich sein Erfolg auf den sozialen Medien, die er erfolgreich bedient. Fast drei Millionen Aufrufe gab es beispielsweise für die Cherry Lady-Ankündigung mit Bohlen, das Video des Stückes selbst schauten sich bei Instagram zweieinhalb Millionen Menschen an. Doch gehört das mittlerweile zum Geschäftsmodell jedes Deutsch-Rappers. Wie es zu den Charts-Bestmarken kommt, ist dann auch nicht mehr so ein Geheimnis.

Zusammen mit Pop-Titan Dieter Bohlen hat der 24-Jährige erst kürzlich ein Remake von Bohlens Erfolgshit „Cherry Lady“ rausgebracht. Der Song ist binnen weniger Tage über 20 Millionen Mal auf YouTube aufgerufen worden. Am Samstag (13. April) der Tourauftakt in Mannheim.

CB 6 ist das erste Werk von Bra bei Universal, nachdem er vor einigen Monaten mit viel Getöse das Bushido-Label Ersguterjunge (EGJ) verlassen hatte, ohne dort ein Album zu veröffentlichen. Der Grund war Bushidos Zusammenarbeit mit der Polizei, nachdem der Clan des umstrittenen libanesischen Geschäftsmannes Arafat Abou-Chaker die Entführung von dessen Kindern geplant haben soll. Capital Bra damals in einem Instagram-Video: Ich bin nicht mehr bei EGJ, da mein Labelboss intensiv mit der Polizei arbeitet. Jetzt scheißt er Leute an, die Leute gehen in den Knast. Ich bin nicht für sowas. Polizei ist jetzt dein Team! Allerdings hörte man auch, dass sich Bushido und sein Umfeld die Marke Capital Bra rechtlich sichern wollten, was wiederum auf den Widerstand von Bra gestoßen sein soll.

Egal ob „Neymar“ oder „Roli Glitzer“ – die 2.000 Fans im Maimarktclub in Mannheim rappen die Songs des 24-Jährigen mit russischen und ukrainischen Wurzeln, der bürgerlich Vladislav Balovatsky heißt, Zeile für Zeile mit und sorgen damit für absolute Killer-Stimmung!

Dieter Bohlen fand es witzig, der Boulevard hatte seine Geschichten – und nun wird Deutschland halt rasiert. Von einem Rapper, der 1994 als Vladislav Balovatsky irgendwo in Sibirien geboren wurde, erst im ostukrainischen Dnipropretowsk und von den frühen nuller Jahren an in Berlin-Hohenschönhausen aufwuchs. Nur braucht Capital Bra die Absolution eines Dieter Bohlen und den vor allem der Publicity dienenden Streit mit diesem wahrlich nicht. Seit zwei Jahren ist er einer der erfolgreichsten deutschen Popmusiker, wenn nicht im Moment der erfolgreichste. Cherry Lady ist Bras zwölfter Nummer-eins-Single-Hit innerhalb dieser Zeit. Popstatistiker haben ausgerechnet, dass er damit sogar erfolgreicher als die Beatles ist. Sie brachten es auf elf Nummer-eins-Hits in Deutschland.

Und weil‘s so schön war, macht es Capital Bra am Sonntag (14. April) gleich nochmal an selber Stelle: Denn am Abend tritt der Rapper, der sich erst kürzlich von seinem Entdecker Bushido auf spektakuläre Art losgesagt hat, wieder im Maimarktclub in Mannheim auf.

Es gibt nur noch wenige Tickets für ausgewählte Konzerte. Hier kannst Du Deine Karte für die „Gucciland Tour 2019“ von Capital Bra kaufen!

Als der Berliner Rapper Capital Bra vor ein paar Wochen auf Instagram die Veröffentlichung seiner Single Cherry Lady ankündigte, tat er das zusammen mit einem Popstar, dessen große, vor allem musikalisch produktive Zeiten zwar Jahrzehnte her sind, den aber ganz Deutschland wegen seiner Mediendauerpräsenz nur allzu gut kennt: Dieter Bohlen. Bratans, Bratinas, Braturas, auf jeden Fall heute um 0 Uhr, begann Bra den Clip und Bohlen, mit Sonnenbrille und blond gefärbten Haaren, sekundierte: Deutschland wird rasiert. Beide stießen dann die Finger steil hoch und skandierten gemeinsam, von ihm, von uns, Cherry, Cherry Lady, wir rasieren alles.

Nun geht der Rapper, der seine Wurzeln in Russland hat, auf ‚Gucciland‘-Tour. Den Start dazu macht Capital Bra in Mannheim. Am Samstag (13. April) und Sonntag (14. April) jeweils um 20:30 Uhr tritt der Rapmusiker im Mannheimer Maimarktclub auf. Nach Angaben des Veranstalters sind die Konzerte bereits ausverkauft.

Rap sei schon lange in der Mittelschicht nicht mehr verpönt. "Dort wird er als eine Art Verwilderungsunterhaltung konsumiert – ähnlich dem Stellvertretererlebnis beim Schauen von Thrillern oder Horrorfilmen." Capital Bra habe kein neues Genre geschaffen, sondern sich an ein erfolgreiches Genre erfolgreich angeschlossen, betont Kleiner. Der Musiker vereine auf eine für Fans attraktive Weise Wortspiele sowie den ungefilterten Ausdruck von Gefühlen und Gedanken und dynamischem Beat, meint der 45-jährige Wissenschaftler. "Er hat einen ganz guten Flow." In der renommierten Popakademie in Mannheim ist Rap längst Unterrichtsstoff. Manche sehen den Sprechgesang selbst schon als Pop.

Bis Anfang Mai sind rund 20 Auftritte in Deutschland geplant, außerdem gastiert er in Wien und Zürich. 

Dabei entbehrt der Erfolg eines aus Sibirien stammenden Rappers in Deutschland in diesen Tagen nicht einer gewissen Ironie. Erst vor kurzem kontrollierten in Russland Polizei und Geheimdienst Rap-Konzerte und unterbanden sie zum Teil. Rap und andere Formen der Popkultur beruhten auf drei Dingen, kritisierte Kremlchef Wladimir Putin: "Sex, Drogen und Protest". Aber eine offene Konfrontation mit der einflussreichen Subkultur vermeidet Moskaus Machtapparat bisher. Capital Bra schildere in seinen Songs zwar Gewalterfahrung, rufe aber nicht zur Gewalt auf, sagt Kleiner.

Neben Capital Bra kommen weitere Künstler nach Mannheim – unter anderem die Backstreet Boys, Dieter Bohlen und Xavier Naidoo. 

Es ist für die meisten der jungen Besucher eine ausgelassene Feier – und draußen wartet der Vater im Auto. Der in Sibirien geborene und in der Ukraine aufgewachsene Capital Bra steht für viele stellvertretend für den einst provokanten Straßenrap, der den Weg aus prekären Plattenbauten in situierte Vorstadtvillen gefunden hat. Die Musikform sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt Marcus Kleiner, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der SRH Hochschule der populären Künste Berlin. Fans seien vor allem 12- bis 25-Jährige.

Das Dutzend ist voll: Der Berliner Rapper Capital Bra hat in Deutschland zwölf Nummer-Eins-Hits gelandet. Mit seinem neunten Hit (Prinzessa) zog er gleich mit ABBA. Mit Nr. 11 (Cherry Lady) stürzte er die Beatles vom Chart-Rekord-Thron.

"Das ist richtig stabil", sagt der 17-jährige Kai aus Heidelberg. Und die 15-jährige Jana aus Karlsruhe schwärmt: "Also, ich feiere den." Fast pausenlos filmen sie abwechselnd den Musiker und sich mit dem Smartphone. Ruhelos tanzt Capital Bra, musikalisch unterstützt von einem DJ, auf der Bühne hin und her – im Dresscode der Straßengang: lässige Kleidung und Baseballcap. Auf seine Frage "Was geht ab, Bratans und Bratinas?", wie der Musiker seine Fans nennt, folgen "Capi Capi"-Sprechchöre.

Ist Capital Bra, der mit bürgerlichem Namen Vladislav Balovatsky heißt, wirklich so erfolgreich wie die Weltstars aus Schweden und Liverpool? Da muss jeder Vergleich schief enden! Denn wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 40 Jahren. Künstler haben heute andere Möglichkeiten, um in die Charts zu kommen.

Der Reiz bestehe darin, dass Capital Bra aus seiner kleinkriminellen Vergangenheit und anderen kontroversen Themen aus seinem Leben kein Hehl mache und die Entwicklung vom "Bordstein zur Skyline" möglichst authentisch zu inszenieren versuche, sagt Experte Kleiner. Seinen heranwachsenden Fans vermittele der Musiker die Botschaft: "Jeder kann es schaffen." Und: "Bleib Dir treu." Damit erreiche er das für die Jugend wichtige "Empowerment" (etwa: Selbstbestimmung).

Musik ist in digitaler Form durch die Verbreitung von Smartphones allgegenwärtig. Das war früher anders. In den Zeiten von ABBA oder den Beatles gab es monatelange Marketing-Planungen per Post und Festnetz-Telefon. Buchungen von Reisen zu Fernseh- und Radio-Aufzeichnungen. Internet? Die Idee war noch gar nicht geboren.