Mannheim: Sarotti-Streit - Rassismusdebatte um Kulturzentrum - SPIEGEL ONLINE
Sarotti-Mohr im Kreuzfeuer: In Mannheim entbrennt eine heftige Debatte
In Mannheim hängen in einem Kulturzentrum zwei fragwürdige Embleme: Manche halten das für rassistisch, andere wehren sich gegen krankhafte politische Korrektheit. Muss die Reklame weg?

Gut ein Jahrhundert lang warb die Schokoladen-Marke Sarotti mit einer Figur, die kolonialistische Stereotype eines dunkelhäutigen Dieners mit Pluderhose, Schnabelschuhen und Tablett. Die Frage, ob man solch eine Abbildung heute noch dulden muss, beschäftigt gerade die Stadt Mannheim.

Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) sagt: Das kann man zum einen daran erkennen, dass das Adjektiv, das in Textkorpora am häufigsten mit ,Mohr kombiniert wird, ,kohlpechrabenschwarz lautet, zum anderen an der Tatsache, dass es heute offensichtlich andere, neutralere Wörter zur Bezeichnung schwarzer Menschen gibt. Wer Mohr sage, übe zugleich indirekt Kritik daran, dass man dieses und weitaus beleidigendere Wörter zur Bezeichnung von Menschen nicht mehr verwenden dürfe.

Anlass sind zwei “Mohren”-Embleme über der Theke des Kulturzentrums Capitol. Für die einen sind die jahrzehntelalten Werbetafeln lediglich Kindheitserinnerung an Schokoladengenuss. Für andere transportiert der “Sarotti-Mohr” Rassismus und steht für fehlendes Feingefühl gegenüber schwarzen Menschen.

Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) sagt: Das kann man zum einen daran erkennen, dass das Adjektiv, das in Textkorpora am häufigsten mit ,Mohr kombiniert wird, ,kohlpechrabenschwarz lautet, zum anderen an der Tatsache, dass es heute offensichtlich andere, neutralere Wörter zur Bezeichnung schwarzer Menschen gibt. Wer Mohr sage, übe zugleich indirekt Kritik daran, dass man dieses und weitaus beleidigendere Wörter zur Bezeichnung von Menschen nicht mehr verwenden dürfe.

In Fahrt kam die Debatte nach einer Veranstaltung zu Alltagsrassismus im vergangenen Oktober, bei der Teilnehmer die Dekoration im Foyer des Zentrums beanstandeten. Inzwischen haben im Internet etliche Nutzer ihre Meinung kund getan, der “Mannheimer Morgen” veröffentlichte eine Reihe von Leserzuschriften.

Auslöser der Debatte war eine Veranstaltung zum Thema Alltagsrassismus im vergangenen Oktober, bei der Teilnehmer die Dekoration im Foyer beanstandeten. Allein im Internet prallen inzwischen Argumente zu Hunderten aufeinander. Den Kritikern der Dekoration wird krankhafte politische Korrektheit vorgeworfen. Schwarze Menschen beschweren sich wiederum darüber, immer wieder erklären zu müssen, was Rassismus ist. Das Thema wühlt auf – auch mehr als 100 Jahre nach Erfindung der Werbefigur.

Kritikern der Dekoration wird mitunter krankhafte politische Korrektheit vorgeworfen. Schwarze Menschen beschweren sich darüber, immer wieder erklären zu müssen, was Rassismus ist. Das Thema wühlt auf.

Auslöser der Debatte war eine Veranstaltung zum Thema Alltagsrassismus im vergangenen Oktober, bei der Teilnehmer die Dekoration im Foyer beanstandeten. Allein im Internet prallen inzwischen Argumente zu Hunderten aufeinander. Den Kritikern der Dekoration wird krankhafte politische Korrektheit vorgeworfen. Schwarze Menschen beschweren sich wiederum darüber, immer wieder erklären zu müssen, was Rassismus ist. Das Thema wühlt auf – auch mehr als 100 Jahre nach Erfindung der Werbefigur.

Eine rassistische Deutung weist der Produzent der Sarotti-Schokolade, die Firma Stollwerck, zurück. “Aus unserer Sicht gibt es keine Veranlassung, die Marke Sarotti in diese fragwürdige Interpretation zu bringen”, teilt das Unternehmen mit, das zur belgischen Baronie-Gruppe gehört.

Was macht das Capitol angesichts der Unversöhnlichkeit der Ansichten? Nach sechs Veranstaltungen zum Thema Kein Platz für Rassismus mit 700 Teilnehmern haben die Betreiber entschieden, die Figuren weiter zu zeigen. Ihre Haltung wird aber verändert. Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben. Weiter heißt es: Eine Irritation des Betrachters ist hier gewünscht und beabsichtigt, diese soll den Dialog anregen.

Ganz unberührt von öffentlicher Diskussion agiert das Unternehmen aber nicht: Seit 2004 gibt es den “Sarotti-Mohren” als Markenzeichen offiziell nicht mehr. Aus dem “Botschafter des guten Geschmacks” wurde ein auf einer Mondsichel balancierender “Magier” mit goldener Haut, der nach den Sternen greift. Allerdings hat der Begriff “Mohr” einer Sprecherin zufolge auch keinen negativen Beigeschmack.

Was macht das Capitol angesichts der Unversöhnlichkeit der Ansichten? Nach sechs Veranstaltungen zum Thema Kein Platz für Rassismus mit 700 Teilnehmern haben die Betreiber entschieden, die Figuren weiter zu zeigen. Ihre Haltung wird aber verändert. Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben. Weiter heißt es: Eine Irritation des Betrachters ist hier gewünscht und beabsichtigt, diese soll den Dialog anregen.

Anders bewertet das der Sprachwissenschaftler Henning Lobin. “Mohr” habe sich seit dem 19. Jahrhundert von einem eher neutral verwendeten Wort in ein abfälliges verwandelt. Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache sagt: “Das kann man zum einen daran erkennen, dass das Adjektiv, das in Textkorpora am häufigsten mit “Mohr” kombiniert wird, “kohlpechrabenschwarz” lautet, zum anderen an der Tatsache, dass es heute offensichtlich andere, neutralere Wörter zur Bezeichnung schwarzer Menschen gibt.” Wer “Mohr” sage, übe indirekt Kritik daran, dass man dieses und weitaus beleidigendere Wörter zur Bezeichnung von Menschen nicht mehr verwenden dürfe.

Ähnliche Diskussionen wie in Mannheim gab es auch andernorts schon: In Frankfurt hatte der Ausländerbeirat im vergangenen Jahr – vergeblich – die Umbenennung zweier Mohren-Apotheken gefordert. In den Niederlanden sind der Stein des Anstoßes die schwarz geschminkten Zwarten Pieten (Schwarzer Peter), die Helfer des Nikolaus. Für viele sind sie ein rassistisches Symbol, für andere gehört die Figur zur niederländischen Identität wie Tulpen und Käse.

Ähnliche Diskussionen wie in Mannheim gab es auch andernorts: In Frankfurt hatte der Ausländerbeirat im vergangenen Jahr die Umbenennung zweier “Mohren-Apotheken” gefordert, scheiterte damit jedoch. In den Niederlanden wiederum stehen die schwarz geschminkten “Zwarten Pieten” (“Schwarzen Peter”), die Helfer des Nikolaus in der Kritik. Für viele sind sie ein rassistisches Symbol, für andere gehört die Figur zur niederländischen Identität.

Ähnliche Diskussionen wie in Mannheim gab es auch andernorts schon: In Frankfurt hatte der Ausländerbeirat im vergangenen Jahr – vergeblich – die Umbenennung zweier Mohren-Apotheken gefordert. In den Niederlanden sind der Stein des Anstoßes die schwarz geschminkten Zwarten Pieten (Schwarzer Peter), die Helfer des Nikolaus. Für viele sind sie ein rassistisches Symbol, für andere gehört die Figur zur niederländischen Identität wie Tulpen und Käse.

Wie verhält sich nun das Mannheimer Capitol? Nach sechs Veranstaltungen zum Thema “Kein Platz für Rassismus” mit 700 Teilnehmern haben die Betreiber entschieden, die Figuren weiter zu zeigen. “Ihre Haltung wird aber verändert. Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben.” Weiter heißt es: “Eine Irritation des Betrachters ist hier gewünscht und beabsichtigt, diese soll den Dialog anregen.”

Auch das Antidiskriminierungsbüro Mannheim betrachtet die Sarotti-Werbung als ein inakzeptables Paradebeispiel von wiederkehrender Alltagsdiskriminierung. Gemeinsam mit Karakul kritisiert der Verein, dass dem Beratergremium keine schwarzen Menschen angehört haben. Die schwarze Moderatorin und Autorin Mo Asumang stand dem Capitol außerhalb des Gremiums als externe Beraterin zur Seite.

Ruhan Karakul sprach sich als einziges Mitglied im Beratergremium des Capitols für einen Verzicht auf die historische Werbung aus. Sie befürchtet eine “karnevaleske Verzerrung”, etwa durch antirassistische Aufkleber. Die Rechtsanwältin und Ex-Co-Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschlands meint, durch den Erhalt werde Rassismus reproduziert.

Auch das Antidiskriminierungsbüro Mannheim betrachtet die Sarotti-Werbung als ein inakzeptables “Paradebeispiel von wiederkehrender Alltagsdiskriminierung”. Gemeinsam mit Karakul kritisiert der Verein, dass dem Beratergremium keine schwarzen Menschen angehört haben. Die schwarze Moderatorin und Autorin Mo Asumang stand dem Capitol außerhalb des Gremiums als externe Beraterin zur Seite.

Auch die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland sieht das Capitol auf falschem Weg. Das Zentrum versuche, es allen recht zu machen. “Da fühlen sich Leute diskriminiert, wo ist das Problem, die Figuren abzuhängen?”, fragt Verbandssprecher Tahir Della.

Auch ohne sie lasse sich weiter über Rassismus debattieren, etwa auch über die Mohrenstraßen in vielen deutschen Städten. Mit Spannung wird erwartet, mit welcher Haltung das Kulturzentrum die Mohren in den nächsten Wochen präsentieren wird. Bislang ist noch keine Idee des Capitol-Kreativteams an die Öffentlichkeit gedrungen.

“Mohrenköpfe”, “Mohrenstraße”, “Mohren-Apotheke” – sind das harmlose, historisch gewachsene Bezeichnungen oder diskriminierende Überbleibsel aus Kolonialzeiten? In Mannheim macht sich die Diskussion an der Theken-Dekoration eines Kulturzentrums fest.

Auch ohne sie lasse sich weiter über Rassismus debattieren, etwa auch über die Mohrenstraßen in vielen deutschen Städten. Mit Spannung wird erwartet, mit welcher Haltung das Kulturzentrum die Mohren in den nächsten Wochen präsentieren wird. Bislang ist noch keine Idee des Capitol-Kreativteams an die Öffentlichkeit gedrungen.

Am "Sarotti-Mohr" scheiden sich die Geister. Das erfährt gerade das Mannheimer Kulturzentrum Capitol: Über seiner Theke prangen zwei "Mohren"-Embleme, die in der Quadratestadt zu erbitterten Diskussionen führen.

Für die einen ist der kleine schwarze Kerl mit Pluderhose, Schnabelschuhen und Tablett eine süße Kindheitserinnerung an Schokoladengenuss – für andere ist der "Sarotti-Mohr" kolonialrassistisches Symbol und Zeichen mangelnden Feingefühls gegenüber schwarzen Menschen.

Auslöser der Debatte war eine Veranstaltung zum Thema Alltagsrassismus im vergangenen Oktober, bei der Teilnehmer die Dekoration im Foyer beanstandeten. Allein im Internet prallen inzwischen Argumente zu Hunderten aufeinander.

Deren rassistische Deutung weist der Produzent der Sarotti-Schokolade, die Firma Stollwerck aus Norderstedt, zurück. Aus unserer Sicht gibt es keine Veranlassung, die Marke Sarotti in diese fragwürdige Interpretation zu bringen, heißt es in einem Statement des Unternehmens, das zur belgischen Baronie-Gruppe gehört.

Den Kritikern der Dekoration wird krankhafte politische Korrektheit vorgeworfen. Schwarze Menschen beschweren sich wiederum darüber, immer wieder erklären zu müssen, was Rassismus ist. Das Thema wühlt auf – auch mehr als 100 Jahre nach Erfindung der Werbe-Figur.

Deren rassistische Deutung weist der Produzent der Sarotti-Schokolade, die Firma Stollwerck aus Norderstedt, zurück. Aus unserer Sicht gibt es keine Veranlassung, die Marke Sarotti in diese fragwürdige Interpretation zu bringen, heißt es in einem Statement des Unternehmens, das zur belgischen Baronie-Gruppe gehört.

Deren rassistische Deutung weist der Produzent der Sarotti-Schokolade, die Firma Stollwerck aus Norderstedt, zurück. "Aus unserer Sicht gibt es keine Veranlassung, die Marke Sarotti in diese fragwürdige Interpretation zu bringen", heißt es in einem Statement des Unternehmens, das zur belgischen Baronie-Gruppe gehört.

Doch ganz unberührt von öffentlicher Diskussion agiert das Unternehmen nicht: Seit 2004 gibt es den "Sarotti-Mohren" als Markenzeichen gar nicht mehr. Aus dem "Botschafter des guten Geschmacks" in Diener-Habitus wurde ein auf einer Mondsichel balancierender "Magier" mit goldener Haut, der nach den Sternen greift.

Der Begriff "Mohr" hat nach Überzeugung einer Unternehmenssprecherin keinen negativen Beigeschmack. Anders bewertet das der Sprachwissenschaftler Henning Lobin. "Mohr" habe sich seit dem 19. Jahrhundert von einem eher neutral verwendeten Wort in ein abfälliges verwandelt.

Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) sagt: "Das kann man zum einen daran erkennen, dass das Adjektiv, das in Textkorpora am häufigsten mit "Mohr" kombiniert wird, "kohlpechrabenschwarz" lautet, zum anderen an der Tatsache, dass es heute offensichtlich andere, neutralere Wörter zur Bezeichnung schwarzer Menschen gibt."