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Klopp: “CL-Finale der größte Erfolg? Bisher ist es der Aufstieg mit Mainz”
Jürgen Klopp hat den 1. FSV Mainz 05 einst in die Bundesliga geführt, ehe er mit Dortmund Meister wurde und zum FC Liverpool ging. Mit den Reds steht er nun erneut im Endspiel der Champions League. Für die ehemalige Mainzer Klubführung steht der Gewinner schon fest.

Christian Heidel rechnet mit einem Champions-League-Triumph des FC Liverpool und seines langjährigen Weggefährten Jürgen Klopp. "Ich glaube einfach, jetzt ist er mal dran. Und es gibt auch nur wenige, die ihm das nicht gönnen würden", sagte Heidel. Er hatte 2001 als Manager des 1. FSV Mainz 05 den damaligen Abwehrspieler – ohne Trainerschein – zum Chefcoach des Zweitligisten gemacht.

Klopp verlor mit dem FC Liverpool das Endspiel 2018 mit 1:3 gegen Real Madrid und mit Borussia Dortmund das deutsche Finale gegen Bayern München 2013. Am Samstagabend in Madrid ist sein Team zum ersten Mal vor einem großen Finale auch der Favorit. Die Welt da draußen erwartet von uns, dass wir das Finale gewinnen. Von mir persönlich erwarten das viele Leute vielleicht noch ein bisschen mehr, weil ich es so oft versucht habe, sagte der 51-Jährige. Ich will das Spiel unbedingt gewinnen, aber ich will das nicht für mich. Ich will das für meine Spiele und für diesen großartigen Club.

Klopp: Champions-League-Finals mit Liverpool nicht mein Karriere-Highlight

Heidel selbst fliegt auch zum Finale der Liverpooler an diesem Samstag (21.00 Uhr) gegen den Premier-League-Konkurrenten Tottenham Hotspur nach Madrid. "Ich habe mir das organisiert", sagte der 55-Jährige, der zuletzt Manager beim FC Schalke 04 war und scherzte: "Wenn ich jetzt sage, dass ich die Karte von Kloppo bekommen habe, dann rufen ihn alle an."

Die Menschen aus der Hafenstadt lieben ihn dafür, die legendäre Tribüne The Kop verehrt ihn für seinen begeisternden Offensivfußball, der zahlreiche außergewöhnliche Spiele geschaffen hat – und Klopp gibt diese Liebe zurück. Dieser Klub lebt Emotionen und Leidenschaft, in ihm schlägt ein großes Herz, schwärmte The Normal One nach dem denkwürdigen 4:0 im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona – einem dieser magischen Klopp-Momente an der Anfield Road.

Der frühere Mainzer Clubpräsident Harald Strutz meinte: "Ich werde Kloppo nicht anrufen und fragen: Hast du eine Karte? Ich gehe davon aus, dass er sein Telefon abstellt." Für den 68 Jahre alten Funktionär hätte das Klopp-Team den Endspiel-Sieg "absolut verdient. Ich glaube, dass die ganze Welt es Liverpool gönnen würde."

Klopp hatte die Rheinhessen 2004 im dritten Anlauf in die Bundesliga geführt, ehe er 2008 weiter zu Borussia Dortmund zog. 2013 verlor er mit dem BVB gegen den FC Bayern München das Königsklassen-Finale, im Vorjahr musste er sich Real Madrid mit den Reds geschlagen geben.

Der abermalige Sprung in das wichtigste Spiel des Jahres gibt Klopp jedenfalls die Chance, sein Versprechen zu halten. Einen Titel in den ersten vier Jahren hatte der er im Oktober 2015 bei seinem Amtsantritt angekündigt. Doch seither wurden alle Chancen vergeben – ob in Kiew, im Ligapokal, der Europa- oder der Premier League. Dennoch hat Klopp im damals in die Mittelmäßigkeit abgestürzten Liverpool wieder ein Team geformt, das in Europa zur Spitze gehört.

Jürgen Klopp, der FC Liverpool und das Finale der Champions League. Für den 51-Jährigen ist es der vierte Anlauf, um mit den Reds ein Endspiel zu gewinnen. Dafür versucht der Trainer, seine Mannschaft in den Spirit des Rückspiels gegen den FC Barcelona zu versetzen, denn “das war das Beste, was ich je gesehen habe.” Persönlich feierte er jedoch am letzten Zweitliga-Spieltag vor fast exakt 15 Jahren seinen größten Erfolg auf der Trainerbank.

Am 12. Mai musste der FC Liverpool die glorreiche Vizemeisterschaft verdauen, danach gab Trainer Jürgen Klopp seinen Spielern fünf Tage frei. Seit dem 20. Mai befinden sich die Reds im spanischen Trainingslager in Marbella, um sich auf das Champions-League-Finale am Samstag (21 Uhr, LIVE! bei kicker.de) gegen Tottenham Hotspur vorzubereiten.

An der Ecke Jordan Street/Jamaica Street setzten die Liverpudlians Klopp schon ein Denkmal. In Graffiti ist sein Abbild riesengroß auf einer Backsteinmauer verewigt. Klopp hält sich die Hand aufs Herz, blickt lächelnd in die Ferne. We are Liverpool. This means more, steht neben ihm an der Wand. Wir sind Liverpool, das bedeutet mehr. Mittlerweile bedeutet es auch: Jürgen Klopp.

Die lange Pause hat vor allem Roberto Firmino gut getan. Der Brasilianer stand zuletzt beim 0:3 in Barcelona auf dem Platz und fiel seit dem 1. Mai wegen Leistenbeschwerden aus. “Wir haben 23 Mann im Kader für das Endspiel, Firmino ist fit”, bestätigte Klopp. Dagegen reicht die Zeit für Naby Keita nicht. Der Ex-Leipziger wird das Endspiel wegen seiner Leistenbeschwerden verpassen.

Liverpools Trainer Klopp redet sich vor dem Finale der Champions League seine beiden Endspiel-Niederlagen schön und bemüht die Hausapotheke seiner Kindheit. Eine gute Medizin muss schlecht schmecken, aber sie hilft.

Auf dieser beschwor der Coach der Reds den Geist des Rückspiels gegen die Katalanen – das berauschende 4:0 fand in Klopps bekannt überschäumenden Beschreibungen neue Superlative. “Das war das Beste, was ich je gesehen habe. Zwei wichtige Spieler waren verletzt (Mo Salah und eben Firmino, Anm. d. Red.) und trotzdem hatten wir vor nichts Angst, weil wir eine Mannschaft auf dem Platz hatten, die bereit war, alles zu geben”, so Klopps euphorische Rückschau. “Hätten wir 3:0 gewonnen nach 90 Minuten und wären in der Verlängerung ausgeschieden, dann hätte mir das nach diesem Auftritt als Genugtuung auch gereicht”, ergänzt der 51-Jährige.

Es kam anders, der Einzug ins Finale galt damals als ein weiteres Wunder von Anfield, die Stimmung im Team begeistert Klopp auch noch drei Wochen später. “Wir waren so aufgedreht und gepusht, das Beste wäre gewesen, wir hätten das Champions-League-Finale gleich fünf Minuten nach Abpfiff der Barcelona-Partie spielen können.”

Klopp schmunzelt bei dem natürlich abwegigen Gedanken, denn für den FC Liverpool und auch ihn persönlich steht viel auf dem Spiel. Die Fakten: Für den Coach ist es das dritte CL-Finale nach 2013 (1:2 mit dem BVB gegen Bayern) und 2018 (1:3 gegen Real Madrid). Seit seiner Ankunft auf der Insel im Oktober 2015 wäre es das vierte Endspiel, das er verlieren könnte. 2016 unterlag er mit den Reds im Europa-League-Finale nach Führung gegen den FC Sevilla, drei Monate zuvor war das Liga-Pokal-Finale im Elfmeterschießen gegen Manchester City flöten gegangen.

Klopp wäre aber nicht Klopp, wenn er aus diesen Erlebnissen nicht das Positive zöge. Speziell aus dem verpassten Triumph in der Königsklasse in der vergangenen Runde schöpft er neue Motivation. “Natürlich tat diese Niederlage gegen Real weh, sie schmeckte beschissen, wie gute Medizin eben schmecken muss, wenn sie helfen soll. Aber aus heutiger Sicht war es vielleicht ganz gut, dass wir damals mit den doofen Gegentoren nicht gewonnen haben. Ich weiß nicht, ob wir es wieder bis hierher geschafft hätten ohne diese Niederlage.”

„Ich weiß nicht, ob wir es wieder bis hierher geschafft hätten ohne diese Niederlage.“Jürgen Klopp über die CL-Finaleniederlage 2018

Im besagten Finale 2018 musste Salah nach einem Zweikampf mit Reals Sergio Ramos mit einer Schulterverletzung nach einer halben Stunde ausgewechselt werden – fortan drehte sich das Spiel zugunsten der Madrilenen. Am Dienstag wurde Klopp gefragt, ob er sich auf vergleichbare Szenarien nun wieder durchspiele. Seine Antwort: “Wir mussten in dieser Spielzeit immer mal wieder ohne Salah oder Firmino antreten, die Bank war oft sehr dünn besetzt. Wir haben das oft erlebt, aber auch immer wieder gemeistert. Insofern ist diese ganze Saison eine Vorbereitung auf dieses Highlight am Ende.”

Für Klopp wäre es nach der verpassten Meisterschaft die Krönung in der Königsklasse, seit 2005 würde der Henkelpott mal wieder an die Anfield Road gehen. Und für den Trainer könnte es der größte Erfolg seiner Karriere werden – das erneute Erreichen des Endspiels ist es noch nicht. “Der größte Erfolg meiner Karriere war 2004 der Aufstieg mit Mainz 05”, erklärte Klopp und begründete das mit den schwierigen Voraussetzungen beim damaligen Zweitligisten. “Das war bisher das Größte. Bei einem Champions-League-Sieg mit Liverpool müsste ich neu überlegen.”

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