Rheinland-Pfalz & Saarland:Mainz 05 feiert sich und Kapitän Bungert - n-tv NACHRICHTEN
Mainz-05-Kapitän Bungert: Ich gehe als glücklicher Ex-Fußballer
Gänsehaut-Feeling in der Arena: Mainz 05 krönt die Saison mit einem 4:2 gegen Hoffenheim nach 0:2-Rückstand und verabschiedet mit bewegenden Zeremonien langjährige Protagonisten wie Kapitän Niko Bungert und Stadionsprecher Klaus “Auf gehts!”-Hafner.

Mainz (dpa/lrs) – Niko Bungert wollte und konnte seine Tränen nicht länger zurückhalten. "Das ist viel zu viel Wertschätzung für eine einzelne Person", sagte der scheidende Kapitän des FSV Mainz 05 angesichts der nicht endenden Ovationen durch seine Kollegen und Fans nach dem spektakulären 4:2 (0:2) am Samstag gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Er gehe nach elf 05-Jahren und 166 Bundesligaspielen als "glücklicher Ex-Fußballer nach Hause". Zum Saisonabschluss lieferte der selbst ernannte Karnevalsverein großes Kino.

1. FSV Mainz 05: Närrischer Abschied für René Adler und Niko Bungert

"Du bist für immer mein Spieler" – mit diesen Worte adelte der heutige Paris-Trainer Thomas Tuchel seinen ehemaligen Innenverteidiger per Video-Botschaft. Nationaltorhüter Manuel Neuer ("Diese Zeit möchte ich nicht missen") erinnerte auf gleichem Weg an gemeinsame Junioren-Zeiten bei Schalke 04. "Du hast eine Bilderbuchkarriere hingelegt, und du hast mich gnadenlos genervt, weil ich bei dir die Prämien immer bis auf die dritte Stelle nach dem Komma ausrechnen musste", erzählte Ex-Manager Christian Heidel auf der Anzeigetafel.

Adler hatte sein letzten Spiel im April 2018 bestritten, danach fiel er wegen eines Knorpelschadens im Knie aus. Anfang des Monats hatte der frühere Torhüter von Bayer Leverkusen und des Hamburger SV seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Noch einmal 90 Minuten plus Nachspielzeit stand Bungert durch, am Ende von Krämpfen geplagt. Kurz vor Schluss setzte er noch ein Ausrufezeichen, als er mit dem Kopf voran waagerecht in der Luft lag und einen Flankenball mit der Hacke traf. TSG-Keeper Oliver Baumann verhinderte beim Stand von 2:2 ein spektakuläres Tor. "Das wäre des Guten fast schon zu viel gewesen", meinte Bungert. "Wenn Niko Bungert den akrobatischen Hacken-Trick zum Siegtor reingemacht hätte, dann wären – glaube ich – alle komplett ausgerastet. Ich weiß nicht, ob der Schiedsrichter das Spiel dann noch einmal hätte anpfeifen können", sagte Trainer Sandro Schwarz.

28 302 Zuschauer waren bis dahin schon auf ihre Kosten gekommen. Hoffenheim schien im letzten Spiel von Trainer Julian Nagelsmann nach den Treffern Ishak Belfodil (12. Minute) und Andrej Kramaric (34.) auf dem besten Weg zur Qualifikation für die Europa League. Die Gelb-Rote Karte für Christoph Baumgartner kurz vor der Halbzeit änderte die Kräfteverhältnisse nach der Pause.

Emil Berggreen, Gaëtan Bussmann und Giulio Donati werden ebenfalls nicht mehr für die Nullfünfer auflaufen. Die Verträge der drei Profis werden zur neuen Saison nicht verlängert.

Ein von Daniel Brosinski verwandelter Foulelfmeter nach Videobeweis brachte den Anschluss (66.). Danach war Jean-Paul Boëtius auch durch ein aberkanntes Tor nicht mehr zu stoppen und leitete mit seinem ersten Doppelpack (83., 90.) die Wende ein. Den Schlusspunkte setzte mit seinem 14. Saisontor Jean-Philippe Mateta (90.+4).

Die Torgala in der zweiten Halbzeit erfreute auch Eintracht Frankfurt. Denn Hoffenheim fiel durch die Niederlage aus den internationalen Rängen und der Nachbar vom Main darf trotz des 1:5 bei Meister Bayern München als Siebter in die Qualifikation zur Europa League. "Es ging uns allein um die Sache. Dieses Spiel bildet den Weg von Mainz 05 und der letzten Wochen eindrucksvoll ab", betonte Rouven Schröder.

Der Sportvorstand verabschiedete neben Bungert fünf weitere Profis. Der verletzungsgeplagte Ex-Nationaltorhüter René Adler beendet seine Karriere. Der Schwede Emil Berggreen, der italienische Heißsporn Giulio Donati, der stets bescheidene Franzose Gaetan Bussmann und Eigengewächs Jannik Huth suchen neue Herausforderungen.

Nur so viel ist gewiss: Die als Tabellenzwölfter sorglos agierenden Mainzer nehmen auch diese letzte Begegnung einer insgesamt erfreulich verlaufenen Saison ernst. Der 40 Jahre alte Schwarz fordert von seinem Team unmissverständlich eine Bestätigung der positiven Entwicklung der vergangenen Monate und auch des Auswärtserfolgs bei der Eintracht am Sonntag. Mit einer letzten Energieleistung soll möglichst ein zwölfter Saisonsieg eingefahren werden, der zugleich ein wenig Nachbarschaftshilfe leisten könnte. Sollte die Eintracht in München verlieren, wäre sie nämlich auf Schützenhilfe aus Mainz angewiesen, um in der Abschlusstabelle vor Hoffenheim zu bleiben. Das könnte am Ende den Ausschlag geben bezüglich einer Qualifikation für die Europa League oder aber des Endes der Träume von einer Fortsetzung der so erfolgreichen Europareise. Uns geht es erst einmal um uns, wir wollen möglichst mit 43 Punkten aus der Saison gehen. Aber sicher hätte die Eintracht nach deren großartigem Jahr eine Qualifikation verdient, sagt Schwarz.

Schon vor dem Anstoß war Stadionsprecher Klaus Hafner nach 30 Jahren verabschiedet worden. Der ehemalige Präsident Harald Strutz würdigte den 65-Jährigen als herausragenden Repräsentanten des Vereins. Aus Liverpool meldete sich Jürgen Klopp debenfalls mit einer Videobotschaft. "Danke für alles, was du für diesen großartigen Verein gemacht hast. Du bist ein ganz Großer", würdigte die Mainz-Ikone Hafner.

Zu Beginn der Woche hat sich Sandro Schwarz einmal aus Spaß auf einen ungewöhnlichen Weg der Fortbildung begeben. An der Tipp-Kick-Platte übte er sich in einer nicht ganz fußballfremden Sportart und suchte wohl auch nach Anregungen für das Spiel der Fußballprofis von Mainz 05 vor dem letzten Saisonspiel gegen die TSG Hoffenheim an diesem Samstag (15.30 Uhr/ live im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und Sky). Anders als im bisherigen Saisonverlauf mit seiner gerne im Ballbesitz operierenden Mannschaft verlegte er sich beim Tischfußball allein auf das Umschaltspiel, was ihm erstaunlich gut gelang bei drei blitzschnellen Kontertoren in zwei Spielen. Ob die Herangehensweise mit den kleinen Gusseisenfiguren ein Indiz für die Taktik gegen Hoffenheim war, ließ Schwarz offen.

4:2 gewann der FSV Mainz 05 zum Saisonabschluss gegen die TSG Hoffenheim und bot seinen Fans noch mal ein wahres Spektakel.

Bungert kann sich als Andenken von seinem letzten Einsatz in jedem Fall das am Donnerstag vorgestellte neue Mainzer Trikot mit nach Hause nehmen, das gegen Hoffenheim erstmals zum Einsatz kommt. Dieses Hemd unterscheidet sich minimal vom bisherigen Trikot, was bei den Anhängern für Verwunderung und vermutlich geringen Kaufanreiz sorgt. Es ist genauso rot wie das alte, hat als Neuerung nur einen Kragen. Nach Informationen dieser Zeitung konnte sich die Vereinsführung in den Verhandlungen mit dem Ausrüster in diesem Jahr noch nicht durchsetzen beim Wunsch nach einem eigens für Mainz 05 gestalteten Trikot im rot-weißen Karo-Muster, das die Mannschaft schon in den neunziger Jahren einmal getragen hatte.

Die Spieler von Mainz 05 jubeln nach einem Tor in der Partie gegen die TSG Hoffenheim. Foto: Lukas Görlach

Immerhin geht der Verein mit der modischen Stagnation im Vorstellungsspot in den sozialen Medien gewohnt selbstironisch um: Für erstaunte Reaktionen sorgt der ins neue Trikot gekleidete neue Stadionsprecher Andreas Bockius aus einem Grund, der nicht am Shirt liegt: Er läuft allein ins Trikot gewandet ohne Hose und Unterhose durch die Stadt.