Hoffenheims Traum von Europa ist nach 2:4 in Mainz dahin - FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Mainz – Hoffenheim 4:2: Mainz zerstört Hoffenheims Euro-Traum
Der 1. FSV Mainz 05 drehte ein furioses Spiel nach 0:2-Rückstand zur Pause noch in einen 4:2-Sieg. Die TSG verspielte zum Abschied von Trainer Julian Nagelsmann die zwischenzeitlich fast schon sichere Europa-League-Teilnahme auf eine ganz bittere Art und Weise. Knackpunkt der Partie war ein früher Platzverweis.

Mainz-Coach Sandro Schwarz wechselte nach dem 2:0-Sieg in Frankfurt zweimal: Für Keeper Müller (nicht im Kader) und Hack (Schlag auf Oberschenkel) starteten Zentner und Kapitän Bungert, der nach elf Jahren beim FSV sein letztes Spiel bestritt.

Ishak Belfodil (12.) und Andrej Kramaric (34.) hatten die Gäste in Führung gebracht. Daniel Brosinski (66., Foulelfmeter), Jean-Paul Boëtius (83./90.) und Jean-Philippe Mateta (90.+3) drehten das Spiel, nachdem TSG-Youngster Christoph Baumgartner früh die Gelb-Rote Karte (42.) gesehen hatte. Mainz, das den Klassenerhalt bereits vor mehreren Wochen perfekt gemacht hatte, beendet die Saison im Tabellenmittelfeld. (SERVICE: Spielplan der Bundesliga)

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann nahm im Vergleich zur 0:1-Niederlage gegen Bremen drei Veränderungen vor: Für Amiri (Außenbandriss im Knöchel), Kaderabek (Magenprobleme) und Szalai standen Joelinton (Startelf-Comeback nach Syndesmoseanriss), Schulz (Rückkehr nach Knieproblemen) und der erst 19-jährige Baumgartner (Startelfdebüt) in der ersten Elf.

Wie schon bei Nagelsmanns letztem Heimspiel als Hoffenheim-Coach, bei dem die Stimmung auch durch die 0:1-Pleite gegen Werder Bremen etwas getrübt war, blieb der Abschied des Trainers von Fanseite aus anfangs eher nüchtern. “Danke Julian, machs gut”, war auf einem Plakat zu lesen. Insgesamt jedoch schien das Verhältnis nach dessen Kritik an Teilen der Anhängerschaft in den vergangenen Wochen etwas unterkühlt.

Für die TSG ging es im letzten Saisonspiel noch um das Erreichen der Europa League – und genauso spielte sie auch. Mit voller Offensivpower erarbeiteten sich die Kraichgauer im ersten Durchgang Chance um Chance. Erst vergab Belfodil aus der Nahdistanz (9.), kurz darauf schlenzte er die Kugel perfekt in den Winkel (12.) – das Führungstor. Doch durch die Hoffenheimer Daueroffensive ergaben sich viele Räume, die die Mainzer auch geschickt nutzten. Nur der Abschluss passte nicht: Mateta (6., 10., 19.) und Kunde (21.) vergaben zum Teil beste Möglichkeiten.

Bungert stand in seinem letzten Spiel noch einmal in der Startelf. In einer munteren Anfangsphase, in der Mateta (6./10.) auf Mainzer und Belfodil auf Hoffenheimer Seite gute Chancen besaßen, musste aber auch der 32-Jährige letztlich machtlos zusehen, wie Belfodil den Ball bei seinem zweiten Versuch sehenswert ins lange Eck schlenzte. (Das Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

Das sollte sich rächen: Kramaric schlenzte einen Freistoß perfekt über die Mauer hinweg ins linke untere Eck. Keeper Zentner machte zuvor einen Schritt in die falsche Richtung (34.) – 2:0. Anschließend ergab sich das gleiche Bild, wie nach dem ersten Treffer: Hoffenheim griff weiter an, Mainz konterte. Erst köpfte Latza vorbei (34.), dann vergab Mateta seine nächste große Chance (37.).

Die Hoffenheimer Spieler rannten anschließend geschlossen in Richtung Bank, um dort mit Nagelsmann zu jubeln. Überhaupt schienen die Gäste bemüht, ihrem Trainer einen gelungenen Abschied zu bescheren. Die besseren Chancen hatten allerdings die befreit aufspielenden Mainzer, etwa durch Mateta (19.) oder den agilen Antreiber Pierre Kunde (22.).

Vor der Pause sah dann Startelfdebütant Baumgartner wegen seines zweiten Foulspiels in seinem erst zweiten Bundesligaspiel die Ampelkarte (41.), 1899 war in Unterzahl.

Anstatt auf Zeit zu spielen und nur noch defensiv zu denken, hielt die TSG zu Beginn des zweiten Durchgangs die Schlagzahl hoch, sodass weiter viel Tempo im Spiel war. Die ersten Chancen vergaben auf Mainzer Seite Latza (49.) und Kunde (52.) und bei Hoffenheim Brenet (50., 51.) und Kramaric (50.).

Der scheidende Trainer, der im Sommer zum Ligarivalen RB Leipzig wechselt, musste mit den Kraichgauern am letzten Spieltag der Bundesliga nach 2:0-Pausenführung in Unterzahl noch eine 2:4-Niederlage hinnehmen. Für einen Europapokalplatz reichte es dadurch nicht mehr. (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

Danach ließ sich Hoffenheim immer mehr in die Defensive drängen. Mainz erhöhte die Intensität und kam zu weiteren hochkarätigen Gelegenheiten durch Latza (57.), Maxim (59.) und Martin (61.). Erst der durch einen Videobeweis gegebene Strafstoß nach Foul von Grillitsch an Latza führte zum Anschlusstreffer: Brosinski traf vom Punkt (66.).

Mainz ließ nicht nach und glich kurz darauf durch Boetius aus, doch Schiedsrichter Deniz Aytekin nahm den Ausgleichstreffer nach eingehender Videoanalyse zurück, da Boetius den Ball kurz zuvor mit der Hand gespielt hatte (75.). Acht Minuten später bekam der offensive Mittelfeldspieler doch seinen Treffer: Nach einem Missverständnis zwischen Grillitsch und Demirbay nahm er Fahrt auf und schlenzte die Kugel in den Winkel (83.).

Dank des herrlichen Freistoßtreffers von Kramaric (34.) erhöhte Hoffenheim dennoch vor der Pause auf 2:0. Der Platzverweis für Startelf-Debütant Baumgartner (19) verstärkte das Mainzer Übergewicht allerdings noch einmal.

Bei diesem Stand war Hoffenheim raus aus den internationalen Rängen und musste komplett aufmachen. Kramaric scheiterte mit einem Freistoß an Zentner (88.), dann sorgte wieder Boetius für die Entscheidung. Gegen aufgerückte Hoffenheimer hatte Mainz leichtes Spiel – Boetius setzte den Ball flach ins rechte Eck (90.). Mit dem Mut der Verzweiflung warf die TSG trotzdem weiter alles nach vorne, was Mainz mit dem 4:2 bestrafte. Mateta traf volley nach Flanke des eingewechselten Onisiwo (90.+3).

Beide Mannschaften verabschieden sich damit in die Sommerpause. Einigen Akteuren beider Teams steht im Sommer die U-21-Europameisterschaft in Italien und San Marino bevor (16. bis 30. Juni).

Auf der Gegenseite vergab zunächst auch Befodil. Beim zweiten Versuch machte er es besser: Nach einer Kombination über Baumgartner und den künftigen Leverkusener Kerem Demirbay schlenzte der Algerier den Ball sehenswert ins lange Eck. Anschließend rannten die Hoffenheimer Spieler geschlossen in Richtung Bank, um dort mit Nagelsmann zu jubeln. Überhaupt schienen die TSG-Profis bemüht, ihrem Trainer einen gelungenen Abschied zu bescheren.

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Ishak Befodil (12.) und Andrej Kramaric (34.) schossen die Gäste zunächst in Führung. Doch nach einer Ampel-Karte für Youngster Christoph Baumgartner kurz vor der Pause mussten die Hoffenheimer eine Halbzeit lang zu zehnt spielen. Ein von Daniel Brosinski verwandelter Foulelfmeter (66.) nach Videobeweis leitete die Wende ein und Jean-Paul Boetius (83./90.) sowie Jean-Philippe Mateta (90.+3) schossen die Mainzer schließlich zum Sieg.

Eine Pleite im Abschiedsspiel von Trainer Julian Nagelsmann (31), der zu RB Leipzig geht. Kein Europa!

Etwas mehr als eine Stunde war gespielt, als Florian Grillitsch Danny Latza im eigenen Strafraum auf den Knöchel trat – das war allerdings erst im Videobeweis zu sehen: Schiedsrichter Deniz Aytekin gab Strafstoß, den Brosinski sicher verwandelte. Anschließend bekam Hoffenheim nur noch wenig zustande und musste zunächst froh sein, dass das 2:2 durch Boetius wegen Handspiels keine Anerkennung fand – nach erneutem Videobeweis.

Dabei geht es so gut los: Nach dem 1:0 von Belfodil (12.) rennen die Spieler auf ihren Trainer zu, jubeln mit ihm. Kramaric erhöht mit einem tollen Freistoß auf 2:0 (34.).

Die besseren Chancen hatten allerdings die befreit aufspielenden Mainzer, etwa durch Mateta (19.) oder den agilen Antreiber Pierre Kunde (22.). Dank des tollen Freistoßtreffers von Kramaric (34.) erhöhte Hoffenheim dennoch vor der Pause auf 2:0. Für Baumgartner endete sein Startelf-Debüt abrupt: Der Österreicher sah in der 41. Minute Gelb-Rot, nachdem er völlig unnötig gegen Torhüter Robin Zentner noch nachtrat.

Dann der Knackpunkt: Hoffenheim-Teenie Christoph Baumgartner (19). Der Ösi sieht in seinem erst zweiten Bundesliga-Spiel und beim Startelf-Debüt in der 41. Minute die Gelb-Rote-Karte. Die TSG fast 50 Minuten in Unterzahl.

Nagelsmann setzte im Mittelfeld auf den erst 19 Jahre alten Baumgartner – und sein Team begann mit viel Druck. Der langjährige Mainzer-Kapitän Niko Bungert, im letzten Spiel seiner Karriere in der Startelf, war gleich gefordert. Doch die Taktik der Gastgeber, auf Konter zu lauern, wäre bereits nach zehn Minuten beinahe aufgegangen: Mateta versetzte TSG-Kapitän Kevin Vogt, schoss aber am Tor vorbei.

In Halbzeit zwei dreht 05 auf: Mainz verkürzt durch einen Foulelfmeter von Brosinki (66., Grillitsch an Latza). Nur noch 1:2.

Als Boetius kurz darauf erneut traf, zählte der Treffer. “Wir haben es lange geschafft, aber irgendwann war der Druck zu groß”, meinte TSG-Keeper Baumann am Sportschau-Mikrofon. Mit seinem zweiten Tor besiegelte Boetius das Europa-League-Aus der Hoffenheimer. “Für uns ist das wahnsinnig bitter”, gestand Baumann, gab aber zu: “Wir haben Europa sicherlich nicht heute verloren.”

Noch mal Aufregung in der 75. Minute: Boetius macht das 2:2. Denken alle. Aber der Kölner Keller entdeckt bei der Entstehung des Treffers ein Handspiel von Boetius. Schiri Aytekin gibt das Tor nicht.

“Einfach dämlich” bezeichnete Nagelsmann später die beiden Karten für seinen Youngster. Der Platzverweis verstärkte das Mainzer Übergewicht: Die zweite Hälfte begann mit stürmischen Mainzer Angriffen. Doch zunächst hielt TSG-Schlussmann Oliver Baumann mit mehreren starken Paraden die Führung fest.

Kurz darauf schlenzt Boetius den Ball ins Tor. Der Treffer zählt dieses Mal (83.). In der 90. Minute packt er noch das 3:2 obendrauf. Mateta macht in der Nachspielzeit sogar noch das 4:2 (90.+3).

Nagelsmann nach dem Spiel bei Sky: Es war nicht einfach, in Unterzahl zu spielen. Wir hatten noch drei Riesenchancen, müssen davon eine nutzen. Es ist leider viel gegen uns gelaufen, viel Glück hatten wir diese Saison nicht.

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▶︎ Schon vor dem Spiel verabschiedete der FSV seinen Stadionsprecher Klaus Hafner (65). 30 Jahre lang hat Hafner mehr als 500 Heimspiele begleitet. Per Video-Botschaft nahm der frühere Mainz-Trainer Jürgen Klopp (51) Abschied: Du bist ein ganz Großer.