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“Ich kann nachts nicht schlafen” | Mainz | SWR Aktuell Rheinland-Pfalz | SWR Aktuell
Eine iranische Familie darf laut Dublin-Regelung nicht in Rheinland-Pfalz bleiben, sie soll nach Kroatien zurück. Die schwangere Frau wird mit viel Aufwand nachts aus der Klinik geholt. In Hannover wird die Abschiebung abgebrochen. Jetzt spricht die 29-Jährige über die für sie dramatischen Stunden.

"Ich bin beinahe verrückt geworden", sagte die Iranerin der "Allgemeinen Zeitung" in Ingelheim. Als Polizeibeamte sie am 17. Oktober in dem Krankenhaus abholten, habe sie sich vor allem Sorgen um ihr einjähriges Kind gemacht: "Ich habe nicht gewusst, wo mein Sohn ist und ob ich ihn wiedersehen." Sie geriet laut eigener Aussage in Panik, wusste nicht, was passieren würde.

Der Junge befand sich zu diesem Zeitpunkt bei einer Pflegefamilie, auch er wurde wenig später abgeholt. Die 29-Jährige gibt im Gespräch mit dem Nachrichtenportal an, von der Polizei bedroht worden zu sein – die Behörde streitet dies ab.

"Bis zum Flieger alles kooperativ", heißt es in einem Dokument der Kreisverwaltung. Auf dem Flughafen habe sich die Frau aber geweigert, das Flugzeug zu betreten und wurde deswegen nach Angaben des Leiters der Ausländerbehörde in die Maschine getragen. "Im Flieger hat die Frau angefangen zu schreien."

"Ich sagte, ich werde nicht einsteigen", schilderte die Iranerin der "Allgemeinen Zeitung" ihre Sicht der Dinge. Beamte hätten sie "mit Gewalt" gezwungen, einzusteigen, sie hätte nicht aufgehört, zu weinen, sei völlig aufgelöst gewesen.

Der Pilot der von der Bundespolizei mit der Abschiebung beauftragten Gesellschaft Austrian Airlines lehnt es wegen des Widerstands ab, mit der Familie nach Zagreb zu starten.

Die 29-Jährige will auch weiterhin mit ihrer Familie nicht zurück nach Kroatien: "Wir konnten dort kaum schlafen, haben viel geweint, und man hat uns schlecht behandelt." 23 Tage lang seien sie eingesperrt worden, hätten "unter schlimmen Bedingungen" gelebt. Ein Schleuser hätte sie deshalb nach Deutschland gebracht.

"Ich möchte nur, dass meine Kinder ganz normal und in Gerechtigkeit aufwachsen. Das ist mein Wunsch, daran muss ich immer denken", sagte die Schwangere zu der "Allgemeinen Zeitung".

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gebracht, also wieder illegal in Deutschland und natürlich bestens alimentiert und ganz schlimm ist das sie sich bei FOCUS-Online ausweinen darf obwohl sie illegal in Deutschland ist !!!!!

Wie lange war sie in Kroatien? Wie alt war ihr kleines Kind bei der "Flucht"? Sie wusste, dass die Einreise nach D illegal war, mit legalem Visum hätte sie keinen Schlepper gebraucht. Sie wusste auch, dass ihr Asylantrag in D abgelehnt wurde. Sie wusste ebenfalls, das die Reise wieder nach Kroatien geht. Und jetzt will sie uns zwingen, sie und ihre Familie aufzunehmen und zu alimentieren, weil sie "viel geweint hat"? Was läuft hier falsch?

Es gibt Gesetze und wenn danach ene Abschiebung vorgesehen ist, muß sie ausgeführt werden oder gleiches Recht für alle gelten, sonst brauchen wir keine gestzlichen Anordnungen, weil niemand freiwillig zurück geht. Weiter gubt es dazu nicht zu sagen. Im brigen wissen die 9 Monate vir der Geburt dass sie nicht hier bleiben dürfen und deswegen kann man eines Kindes wegen, dass einzig die Eltern für ihren Aufenthalt zeugen kein Grund sen sie nicht abzschieben

In Kroatien werden ihnen nicht die Steuergelder der Menschen dort hinterher geschmissen. Das ist der Grund, wie auch die Zeugung eines Kindes in dieser unklaren Situation. Wenn das Kind in Deutschland geboren wird, können sie hier bleiben. Darum sind sie der Aufforderung, das Land zu verlassen nicht nachgekommen. Das ist Widerstand gegen die Staatsgewalt! Gerade wegen der Weigerung würde ich sie nach Kroatien schicken, oder in den Iran. Bei uns haben sie keinen Aufenhaltsstatus. So lassen wir uns von denen vorführen!

möchte auch Gerechtigkeit und zwar das jemand der nach geltender Rechtslage nicht hier sein darf wieder gehen muss! Zumal diese Asylanten offenbar überhaupt kein Rechtsempfinden hat, sie gibt offen zu das ein Schleußer ihre Familie nach Deutschland gebracht hat( woher kam das Geld dafür) und jetzt verlangt sie allen ernstes hierbleiben zu dürfen!? Nach Kroatien kann sie doch auch auf dem Landweg abgeschoben werden!

Iranerin äußert sich zum Abschiebeversuch "Ich kann nachts nicht schlafen" teilen auf Whatsapp teilen auf Facebook teilen auf Twitter teilen auf Google+ teilen per Mail teilen Die Iranerin, die in der Flüchtlingsunterkunft Ingelheim lebt, äußert sich zum Abschiebeversuch des Kreises Mainz-Bingen. Sie leide darunter, dass dies nochmal passieren könne.

Mit ihrem Sohn und ihrem Mann ist die Frau aus dem Iran geflohen, weil sie dort als Kurden politisch verfolgt wurden, erzählt die junge Mutter dem SWR-Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz im Interview. Die Frau ist im vierten Monat schwanger – und hat Typ-1-Diabetes.

“Der Zucker war zu Beginn der Schwangerschaft sehr hoch und selbst unter ärztlicher Aufsicht war es schwer, ihn wieder in den Normbereich zu bekommen.” Sie war deshalb 13 Tage im Krankenhaus in Ingelheim. Der Arzt sagte ihr, dies alles komme vom Stress und der Aufregung.

Aufregung gibt es reichlich. Denn die Familie darf nicht in Deutschland bleiben, derzeit ist sie in Ingelheim untergebracht. Wegen der Dublin-Regelungen müssen sie zurück nach Kroatien – das Land, in dem sie zuerst den Asylantrag gestellt haben. Die Abschiebung sollte am 18. Oktober sein.

Am 16. Oktober abends verschlechterte sich der Zustand der Schwangeren abermals, sie kam mit dem Krankenwagen in die Uniklinik Mainz. Ein Arzt entschied, sie stationär aufzunehmen. Trotzdem hielt die Ausländerbehörde Mainz-Bingen an der Abschiebung fest.

Am 17. Oktober um 23:30 Uhr standen am Krankenbett der Iranerin Polizei und Ausländerbehörde, um sie abzuholen. Der Leiter der Ausländerbehörde telefonierte deshalb mit der behandelnden Oberärztin der Frauenklinik. Diese habe die Reisefähigkeit der Frau bestätigt, so die Version der Behörde.

Die Uniklinik Mainz bestreitet das. Die Reisefähigkeit sei nicht erfragt worden. Das Wort sei am Telefon nicht gefallen. Nach ärztlicher Sicht war die Iranerin aber wohl transportfähig mit medizinischer Begleitung. Für die Ausländerbehörde waren reisefähig und transportfähig anscheinend dasselbe.

Die junge Frau erzählt, dass ihr im Krankenhaus gedroht wurde. “Dich und Deinen Mann bringen wir ins Gefängnis und Dein Kind alleine nach Kroatien”, habe ein Mann in Zivilkleidung zu ihr gesagt. Die Ausländerbehörde bestreitet, dass es zu solchen Drohungen gekommen sei.

Fakt ist, dass die Frau, begleitet von einem Krankenwagen und einem Arzt, in der Nacht zum Flughafen Hannover gefahren wurde. Dort setzten sie Polizisten ins Flugzeug nach Zagreb.

Da die Frau weinte und sich wehrte, weigerte sich der Pilot, die Familie mitzunehmen. Ihr Mann wurde von der Polizei nach Ingelheim zurückgefahren. Die schwangere Frau und ihr einjähriger Sohn mussten alleine mit dem Zug zurück. Aus versicherungsrechtlichen Gründen, so die Behörden. Nach eigenen Angaben kommt die Iranerin mit ihrem Kind erst nachmittags in Ingelheim an, nach 17 Stunden Odyssee.

Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) sagte Zur Sache Rheinland-Pfalz, der zuständige Landkreis und die Ausländerbehörde seien im vorliegenden Fall nicht verantwortungsvoll umgegangen.

Das Verwaltungsgericht prüft derzeit, ob die Frau im Dezember abgeschoben werden kann. Die schwangere Iranerin ist im Moment mit ihrem einjährigen Sohn in der Flüchtlingsunterkunft in Ingelheim, ihr Mann sitzt in Abschiebehaft.

“Dieser Gedanke, dass das nochmal passiert, beherrscht meinen Alltag. Ich kann nachts nicht schlafen. Das ist sehr belastend.”