Schalkes Schöpf: Schlaflos zum erlösenden Tor gegen Mainz
Schalke-Trainer Tedesco nach dem Sieg: “Wir hatten gewichst”
Königsblau durchbricht die Katastrophenstart-Serie, schafft mit dem 1:0 gegen Mainz den ersten Sieg in dieser Bundesliga-Saison. Auch, weil ein unbekannter Schalke-Engel hilft.

Vorm Anpfiff liegen auf jedem Sitz der königsblauen Bank je ein Glücks-Cent. Wer diese dort platziert hat, ist auch während des Spiels ein Rätsel. Pressesprecher Thomas Spiegel zu BILD: Niemand hat es mitbekommen. Klar ist nur: Die Glücks-Cents lagen bereits morgens während der obligatorischen Stadionführungen für Fans dort.

Gefährlich wurde es wieder nach 23 Minuten, als Bell seinen Torwart Müller nach einer Hereingabe von Harit aus kurzer Distanz zu einer Glanzparade zwang. Schalke präsentierte sich in den Zweikämpfen sehr griffig und schaltete nach Ballgewinn immer wieder schnell um. Mainz tat sich im Spiel nach vorne hingegen schwer, nach einer knappen halben Stunde fehlten allerdings nur Zentimeter zum Ausgleich: Quaison probierte aus der Distanz, sein Versuch zischte hauchdünn am langen Pfosten vorbei (29.). Königsblau spielte seine Angriffe derweil oft zu schlampig zu Ende, sodass es schließlich mit der 1:0-Führung in die Pause ging.

Trainer Domenico Tedesco (33) bei Sky: Wenn wir die Tore machen, wird es kein Zittersieg. So hatten wir am Ende eine Leidensphase. Die Angst, zu verlieren, hat man gespürt. Jetzt haben die Jungs endlich ein Erfolgserlebnis. Das hatten wir bisher nur künstlich im Training.”

Tedesco zeigt weiter Mut, setzt auf Viererkette (wie zuletzt erstmals in Freiburg), die Topstars Naldo und 16,5-Mio-Transfer Rudy sitzen draußen. Tedesco bringt Schöpf (für Embolo) und Burgstaller (für Teuchert).

Die Gastgeber blieben vor allem über Konter gefährlich, versäumten es aber, den Sack vorzeitig zuzumachen: Konoplyanka nahm eine Hereingabe von Burgstaller artistisch volley, scheiterte aber erneut am Querbalken (72.). Mainz hingegen kam lange Zeit weiter nicht zu Abschlüssen – bis kurz vor dem Ende. Zunächst klärte Mascarell in höchster Not gegen Maxim (85.), ehe in der Nachspielzeit Mendyl einen Schuss von Mateta noch entscheidend abfälschte (90.+1). So rettete Schalke die knappe Führung am Ende über die Zeit und feierte damit im sechsten Spiel den ersten Sieg.

Nach Konoplyanka-Flanke schädelt Schöpf den Ball ins linke Eck – 1:0 (11.). Ein Mainzer Fast-Eigentor von Bell (23.) verhindert Torhüter Müller per Fuß-Abwehr. Doppel-Pech für Konoplyanka: Sein Freistoß (59.) und Seitfallzieher (71.) klatschen gegen die Latte.

Der FC Schalke 04 hat im sechsten Spiel die ersten drei Punkte der Saison eingefahren. Gegen den 1. FSV Mainz 05 setzte sich Königsblau am Ende mit 1:0 durch. Nach der frühen Führung hatten die Knappen die Partie weitestgehend im Griff, verpassten es aber, den Sack zuzumachen. Den Nullfünfern fehlte im Spiel nach vorne hingegen die Durchschlagskraft.

Die Situation ist Mist, ich hätte gerne darauf verzichtet. Doch wir sind zuversichtlich, den schweren Bock umzustoßen, lautete die Tedesco-Ansage vor dem Glücks-Cent-Spiel. Mit der sechsten Pleite in Serie hätte er den ewigen Pleiten-Rekord der Liga von Fortuna Düsseldorf (1991/92) eingestellt. Stattdessen wurde die Knappen-Krise erst einmal entschärft.

Manager Christian Heidel: Ich bin tausend Tode gestorben. Die letzten zehn Minuten haben sich angefühlt wie zwei Stunden. Ich habe jeden Ball, der hinten drauf geht, drin gesehen. Wenn die Mannschaft nur halb so nervös wie ich auf der Bank war, kann ich die Schlussphase verstehen.”

FSV-Coach Sandro Schwarz wechselte gegenüber dem 0:0 gegen den VfL Wolfsburg gleich auf fünf Positionen: Mwene, Bussmann, Kunde, Öztunali und Mateta begannen für Brosinski (Oberschenkelverletzung), Aaron, Maxim, Onisiwo und Ujah (alle Bank).

Und Mainz? Verliert dass fünfte Auswärtsspiel in Serie auf Schalke. Quaisons 23-Meter-Schuss rauscht haarscharf vorbei (29.). Außenverteidiger Bussmann macht sein erstes Spiel seit fast 19 Monaten.

Für Königsblau war es gegen Mainz der fünfte Dreier in Folge ohne Gegentor. Schalke tritt am Mittwoch (18.55 Uhr) bei Lokomotive Moskau in der Champions League an. Mainz empfängt am Samstag (15.30 Uhr) Hertha BSC.

Kapitän Bell: Wir haben eine gute zweite Halbzeit gespielt. Da müssen wir einfach ein Tor schießen. Trainer Sandro Schwarz: Wenn wir den Ausgleich machen, dann hätten wir auch gewonnen.

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Als Domenico Tedesco mit seinen Spielern nach dem Abpfiff im Kreis auf dem Rasen stand, wurde es richtig emotional. Ihr habt euch den Sieg verdient, so wie ihr gespielt habt, sagte Tedesco zu seinen Jungs und fuhr fort: Danke dafür und danke für euer Herz und eure Leidenschaft. 

Mehr konnte Tedesco gar nicht mehr sagen, denn dann unterbrach ihn Naldo und übernahm das Wort für die Mannschaft: Trainer, wir müssen danken. Gänsehaut im Mittelkreis.Normalerweise wird man es nicht so genau gewahr, was dort gesprochen wird, aber diesmal erzählte Tedesco die Geschichte aus dem Innenleben der Mannschaft. Denn er wollte damit ausdrücken, was für ein großartiger Mensch und Sportler dieser Naldo ist: Wie schon zuletzt beim Spiel in Freiburg kam der Vize-Kapitän auch gegen Mainz nicht zum Einsatz – und dennoch bedankte er sich im Namen der Mannschaft beim Trainer. Das war Wahnsinn, sagte Tedesco emotional.Es war für Schalkes Trainer nach eigenem Bekenntnis nicht einfach, dem 36 Jahre alten Naldo vor dem Mainz-Spiel erneut zu sagen, dass er draußen bleibt – weil er ein wichtiger Spieler ist mit seiner Erfahrung, mit seiner Power und mit der letzten Saison. Seit dem Vorjahr genießt Naldo auf Schalke Heldenstatus. Die Entscheidung, binnen vier Tagen zum zweiten Mal auf ihn zu verzichten, habe er aus übergeordneten Dingen getroffen: Es geht um Schalke. Man müsse danach handeln, wenn wir der Meinung sind, dass ihm eine Pause guttut.Beim Spiel in Freiburg waren es körperliche Gründe, die Tedesco zum Verzicht auf den Abwehrchef bewogen: Bei drei Spielen in einer Woche war dem Trainer die Verletzungsgefahr bei einem 36-Jährigen zu groß. Diesmal gaben taktische Dinge den Ausschlag: Der Trainer setzte erneut auf eine Viererkette in der Abwehr. Die kann Naldo zwar auch spielen, aber Tedesco wollte Salif Sané nicht aus der Mannschaft nehmen, weil der Neuzugang von Hannover 96 sich nach seinen Anfangsproblemen auf Schalke gerade gefangen hat. Salif hatte schon Ansätze in Freiburg und auch davor, erklärte Tedesco: Wir wollten ihm einfach nochmal ein Spiel geben und haben uns gesagt: In der jetzigen Situation darf der nicht raus. Der Senegalese bedankte sich für das Vertrauen mit einer sauberen Leistung gegen Mainz, das war schon stark, lobte Tedesco.Naldo soll nach WAZ-Informationen am Mittwoch beim Champions-League-Spiel in Moskau aber wieder auf dem Platz stehen – ob in einer Dreier- oder Viererkette, steht noch nicht fest. Dass der Routinier damit klar kommt, nicht mehr in jedem Spiel gesetzt zu sein, steht für Manager Christian Heidel außer Frage: Da mache ich mir bei Naldo keine Gedanken, da muss ich nicht hingucken. Er musste er ja nur zuhören, was nach dem Spiel im Kreis gesprochen wurde.Autor: Manfred Hendriock