Lübeck/A1: Schwerer Unfall - Video dokumentiert unglaubliche Rettungsgassen-Sünden | Welt - owl24.de
Autofahrer wenden nach LKW-Unfall in Rettungsgasse auf A1
Nach einem schweren Unfall auf der A1 ist es zu unglaublichen Szenen gekommen. Wie rücksichtslos sich einige Autofahrer verhalten haben, dokumentierte ein Nutzer nun auf Facebook. Die Polizei ermittelt.

Lübeck – Auf der A1 bei Lübeck hat sich am Dienstagvormittag ein schwerer Verkehrsunfall ereignet. Ein voll beladener Lkw aus Portugal fuhr ungebremst auf einen VW Caddy sowie einen weiteren Lkw auf. Der 49-jährige Fahrer des Unfallwagens wurde eingeklemmt und konnte erst nach einer Stunde gerettet werden. Der Mann erlitt schwere Verletzungen und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Infolge des Unfalls entstand auf der A1 ein langer Stau, dem einige Autofahrer auf eine gefährliche Art und Weise zu entkommen versuchten. 

Video: Autofahrer auf A1 missbrauchen Rettungsgasse zum Wenden

Zunächst bildeten die Verkehrsteilnehmer vorbildlich eine Rettungsgasse, um den Weg zum Unfallort für die letztlich insgesamt 13 Rettungsfahrzeuge zu ebnen. Einige Autofahrer nutzten die Situation dann jedoch rücksichtslos aus. Sie wollen nicht warten, bis die Unfallstelle geräumt ist und begannen stattdessen, direkt auf der Autobahn zu wenden, um zur letzten Auffahrt zurückzugelangen. Publik wurde das eigennützige, wie auch gefährliche Verhalten der Autofahrer durch Norbert Lehmkuhl. Der Lübecker befand sich ebenfalls im Stau und dokumentierte die Geschehnisse in einem Video, das er auf Facebook teilte. 

Anhand von Handyaufnahmen konnte die Polizei die Autofahrer ermitteln, die sich verkehrswidrig verhalten haben. Und es könnten noch mehr werden, sagte ein Polizeisprecher. Die Auswertung laufe weiter. Ein Augenzeuge hatte außerdem von etwa 40 Autofahrern berichtet, die gewendet hätten. Mehrere Videos, die die Wendemanöver auf der A1 bei Lübeck belegen sollen, gingen bei der Polizei ein. Das Landespolizeiamt ermittelt aber auch gegen den Augenzeugen, der die Handyvideos gedreht hat. Wie ein Sprecher der Polizei Lübeck sagte, prüfe das Amt, ob der Augenzeuge beim Aufzeichnen oder durch das Veröffentlichen der wendenden Fahrzeuge inklusive ihrer Nummernschilder, datenschutzrechtliche Bestimmungen verletzt habe oder nicht.

Gegenüber focus.de zeigte sich Lehmkuhl schockiert über die Wendemanöver in der Rettungsgasse: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Das war wie von einer anderen Welt. Ich wusste gar nicht, ob ich selbst noch auf der richtigen Spur bin. Von den Verkehrssündern wurde ich angepöbelt. Ich bin wirklich erschrocken.“ Das Video schlug schnell hohe Wellen, es wurde sogar in Frankreich aufgegriffen.

Der schwer verletzte Fahrer des Sattelzuges wurde am Donnerstag aus dem Krankenhaus entlassen. Das Kontrollgerät aus dem Lkw, das die Lenk- und Ruhezeiten aufzeichnet, wird derzeit gutachterlich untersucht. Anfang der Woche war ein Lkw in Höhe der Anschlussstelle Lübeck-Moisling auf einen Kastenwagen aufgefahren und schob ihn gegen die Leitplanke. Ein weiterer Lkw fuhr in die Unfallstelle hinein. Dessen Fahrer wurde dabei eingeklemmt, konnte aber später befreit werden können. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Es gab lange Staus.

Wie die Polizei Lübeck mitteilte, wird das Videomaterial nun intensiv ausgewertet, um die Fahrer zu identifizieren. Sie erwartet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Den meisten Autofahrern ist sie mittlerweile zwar ein Begriff – dennoch wissen viele nicht, wie die Rettungsgasse korrekt zu bilden ist. Kommt es wie in Lübeck zu Behinderungen, drohen schwerwiegende Folgen. Aber auch wenn die Rettungsgasse funktioniert, kann es zu Unfällen kommen, wie ein Fall aus Berlin zeigt, bei dem die Polizei nicht ganz unbeteiligt war. 

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Erschreckende Szenen auf der Autobahn A1, Höhe Lübeck-Möslingen. Nach einem schweren Lkw-Unfall kommt es zur Vollsperrung. Vorbildlich entsteht eine Rettungsgasse. Doch was dann passiert, ist nicht so vorbildlich.