Gefährliches Manöver - Lübeck: Dieser Mann filmte die Rettungsgassen-Sünder auf der A1 - Lübecker Nachrichten
Nach Unfall auf A1: Um Stau zu entkommen – Autofahrer wenden in Rettungsgasse
Norbert Lehmkuhl hat einen Nerv getroffen. Er wollte eigentlich nur seinen Freunden zeigen, wie dreist Autofahrer nach dem Unfall auf der A1 die Rettungsgasse in Lübeck zum Wenden nutzten. Sein Video wurde zum Medienereignis. Er hat nichts dagegen.

Der Mann, der am Dienstag nach dem schweren Unfall auf der A1 die Wendemanöver in der Rettungsgasse mit seinem Handy filmte, ist zum Medienstar geworden. Allein vier Fernsehteams hat Norbert Lehmkuhl (53) am Donnerstag empfangen. Gerechnet hatte er nicht damit, dass sein Video solche Wellen schlägt. Er habe eigentlich nur seinen Freunden und Verwandten zeigen wollen, was auf den Straßen los sei. Aber ist ja nicht schlimm, sagt er. Es ist gut, dass es da endlich mal eine Mahnung gibt. Die Strafen sind nicht hoch genug.

Der Polizeisprecher zu BILD: Wir kommunizieren in unseren Kanälen deutlich, dass die Nutzer Facebook und Twitter nicht für Notrufe, Anzeigen und Hinweise nutzen sollen. Der erste Schritt sollte immer einer der konventionellen Wege sein: Telefonischer oder persönlicher Hinweis bei einer Polizeidienststelle, bzw. bei Notfällen der Notruf, eine E-Mail schreiben oder die Nutzung der Online-Wache. Nur so ist in der Regel gewährleistet, dass wir für Rückfragen einen Ansprechpartner haben und die Informationen für uns auch zeitnah verwertbar sind.

Unfall auf A1 bei Lübeck: Autobahn-Idioten wenden in der Rettungsgasse!

Das Video hat einen Nerv getroffen. Nachdem Lehmkuhl es auf seine Facebook-Seite gestellt hatte, wurde es 40 000 Mal geteilt. Auf LN-Online wurde es bis Donnerstagabend 50 000 Mal angesehen. Dass Gassen nicht genügend gebildet werden, das ist ein altes Thema, sagt Stefan Petersen von der Lübecker Berufsfeuerwehr. Aber dass die Gassen missbraucht werden, das ist relativ neu.

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote findet für solche Vorfälle deutliche Worte: Wer auf die wahnwitzige Idee kommt, in einer Rettungsgasse auf der Autobahn zu wenden, der handelt unverantwortlich und bringt nicht nur sein eigenes Leben in Gefahr, sondern vor allem auch das anderer Menschen. Mir fehlt jegliches Verständnis für ein derart verantwortungsloses Handeln, heißt es in einer auf LN-Anfrage schriftlich übermittelten Stellungnahme.

Tatsächlich sind Verstöße gegen Rettungsgassen-Vorschriften in Deutschland fast der Normalfall. Bei einer Umfrage unter Rettungsteams des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kam Ende vergangenen Jahres heraus, dass die Helfer in 80 Prozent ihrer Einsätze durch fehlende Rettungsgassen Zeit verlieren. Nur in 15,6 Prozent der Fälle wurde demnach spontan eine Gasse gebildet.

Lehmkuhl völlig entsetzt zu BILD: So etwas habe ich noch nicht erlebt, ich dachte, ich fall vom Glauben ab. Da haben weit mehr als 40 Fahrzeuge gewendet. Die waren wie die Lemminge: Einer fährt vor und alle anderen hinterher. Die sind einfach gefahren, ohne zu wissen, was da noch von hinten kommt. Das war unwirklich. Dabei sind immer wieder neue Rettungsfahrzeuge vorbeigefahren. Das muss man sich mal überlegen: Vorn sterben die weg, und die fangen aus Langeweile an zu wenden.

Das kann im äußersten Fall Menschenleben kosten. Bei einigen besonders schweren Diagnosen sollten höchstens 60 Minuten zwischen dem Notruf und der Behandlung in einer geeigneten Klinik vergehen, sagte der DRK-Arzt Florian Reiffenberg dem Portal Spiegel online: Das ist selbst unter optimalen Bedingungen eine Herausforderung. Wenn dann noch die Rettungsgasse blockiert ist, verlieren wir wertvolle Zeit.

Ein ähnlicher Vorfall wie der vom vergangenen Dienstag ereignete sich gut eine Woche vorher auf der A24 bei Rosenburg (Kreis Herzogtum Lauenburg). Zwei Autofahrer nutzten die Rettungsgasse als freie Fahrbahn – und wurden von der Polizei gestoppt.

Dieser Fall von Autobahn-Wahnsinn macht fassungslos: In einem Unfallstau auf der A1 bildeten die Verkehrsteilnehmer am Dienstagvormittag zwar eine korrekte Rettungsgasse – doch anstatt zu warten, bis die Unfallstelle geräumt und der Verkehr wieder freigegeben war, nutzten einige Verkehrsteilnehmer (darunter auch ein DHL-Fahrer) diese Gasse, um zu wenden. Sie fuhren einfach zurück zur letzten Ausfahrt – und nahmen in Kauf, den Rettungseinsatz aufzuhalten!

Auch das Wenden in der Rettungsgasse ist keine Premiere in Schleswig-Holstein. Erst vor drei Wochen wendeten auf der A7 zwischen dem Bordesholmer Dreieck und der Abfahrt Neumünster-Nord einige Autofahrer und fuhren durch die Rettungsgasse zurück. Einen von ihnen erwischte die Polizei auf frischer Tat.

Norbert Lehmkuhl, Geschäftsführer einer Hausbaufirma in Lübeck, stand selbst mitten in dem Stau und war gerade an den Rand gefahren, als er die ersten Autobahn-Idioten bemerkte. Lehmkuhl filmte die Wendemanöver mit seinem Handy und veröffentlichte noch am Dienstag mehrere kurze Videos bei Facebook. Innerhalb der letzten 24 Stunden wurde sein Beitrag bereits mehr als 20 000-mal geteilt.

Wer erwischt wird beim Wenden in der Rettungsgasse, bekommt eine Strafe: Er muss den Führerschein für vier Wochen abgeben, erhält zwei Punkte beim Kraftfahrt-Bundesamt und muss 200 Euro zahlen. Das erklärt die Polizei auf Nachfrage.

Für ADAC-Sprecher Ulf Evert ist das zu wenig. Da wird verhindert, dass Leute das Leben anderer Menschen retten. Formal gilt das Wenden in der Rettungsgasse als Ordnungswidrigkeit.

Allerdings: Wer beim Wenden in der Rettungsgasse einen Beinahe-Unfall verursacht, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft und oder eine Geldstrafe. Denn das ist ein Straftatbestand, bei dem Leib und Leben gefährdet werden.

Besonders rabiat ging am vergangenen Montag auf der A8 in der Nähe des Chiemsees in Bayern ein Autofahrer aus der Schweiz vor: Er fuhr durch die Rettungsgasse, streifte zwei Autos, fuhr weiter und zeigte sich keiner Schuld bewusst, als die Polizei ihn schließlich anhielt.

Dennoch rät Muhtz Verkehrsteilnehmern in vergleichbaren Situationen zu den klassischen Kommunikationswegen.

Das Bilden von Rettungsgassen ist in Europa nicht einheitlich geregelt. In vielen Ländern gibt es nur allgemeine Vorschriften, die besagen, dass Autofahrer Einsatzfahrzeugen Platz lassen müssen. Ausdrücklich vorgeschrieben ist die Bildung einer Rettungsgasse in Österreich, Tschechien und Ungarn. Wie die Gasse zu bilden ist, ist wiederum uneinheitlich geregelt.

Rebecca Poesch ist die neue Kirchenmusikerin in den Kirchengemeinden Friedrich-von-Bodelschwingh und Bugenhagen in Lübeck. Am Sonntag, 19. Mai, um 10 Uhr wird sie mit ihrer Kantorei Werke von John Rutter und Georg Friedrich Händel im Gottesdienst aufführen.

Die Awo-Drogenhilfe expandiert: Eine neue Streetworkerin hat die Arbeit aufgenommen, die Beratungsstelle hat weitere Räume bekommen. Und es gibt Ideen für ein Drogenmobil und ein Servicehaus.

1500 Frauen konnte Pro Familia in den vergangenen drei Jahren mit kostenlosen Verhütungsmitteln helfen, doch ein bundesweites Modellprojekt läuft aus. Übernimmt die Stadt die Finanzierung?

Nach einem schweren Unfall auf der A1 bei Lübeck wollten mehrere Autofahrer raus aus einem Stau. Dafür sollen sie die Rettungsgasse genutzt haben. Die Polizei ermittelt.

In Schleswig-Holstein ermittelt die Polizei gegen Autofahrer, die offenbar in einem entstandenen Stau gewendet haben sollen. Nach einem schweren Unfall auf der A1 bei Lübeck seien Hinweise auf Fahrer eingegangen, die durch die Rettungsgasse zurückgefahren seien. Das teilte die Polizei mit. Demnach gibt es auch Videosequenzen, die jetzt ausgewertet werden.

Auf der Autobahn in Höhe der Anschlussstelle Lübeck-Moisling war am Dienstag ein Lastwagen ungebremst in ein Auto und einen weiteren Lkw aufgefahren. Dabei wurde ein 49 Jahre alter Lkw-Fahrer schwer verletzt, zwei weitere Personen – darunter auch der Fahrer des Autos – erlitten leichte Verletzungen. Der Schaden soll sich auf ungefähr 80.000 Euro belaufen.

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