Nach Unfall auf A1: Autos nutzen Rettungsgasse zum Wenden - Augsburger Allgemeine
Unfall auf A1 bei Lübeck: Autobahn-Idioten wenden in der Rettungsgasse!
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Dieser Fall von Autobahn-Wahnsinn macht fassungslos: In einem Unfallstau auf der A1 bildeten die Verkehrsteilnehmer am Dienstagvormittag zwar eine korrekte Rettungsgasse – doch anstatt zu warten, bis die Unfallstelle geräumt und der Verkehr wieder freigegeben war, nutzten einige Verkehrsteilnehmer (darunter auch ein DHL-Fahrer) diese Gasse, um zu wenden. Sie fuhren einfach zurück zur letzten Ausfahrt – und nahmen in Kauf, den Rettungseinsatz aufzuhalten!

Norbert Lehmkuhl, Geschäftsführer einer Hausbaufirma in Lübeck, stand selbst mitten in dem Stau und war gerade an den Rand gefahren, als er die ersten Autobahn-Idioten bemerkte. Lehmkuhl filmte die Wendemanöver mit seinem Handy und veröffentlichte noch am Dienstag mehrere kurze Videos bei Facebook. Innerhalb der letzten 24 Stunden wurde sein Beitrag bereits mehr als 20 000-mal geteilt.

Am Dienstag waren in Höhe der Anschlussstelle Lübeck-Moisling zwei Sattelzüge und ein Auto zusammengestoßen. Dabei wurde ein 49 Jahre alter Lastwagenfahrer schwer verletzt. Der Fahrer des anderen Sattelzuges sowie der Autofahrer erlitten nach Polizeiangaben leichte Verletzungen. Durch den Unfall entstand auf der A 1 ein kilometerlanger Stau, den offenbar einige Autofahrer widerrechtlich umgehen wollten.

Unfall auf A1 bei Lübeck: Autofahrer fahren durch Rettungsgasse zurück

Lehmkuhl völlig entsetzt zu BILD: So etwas habe ich noch nicht erlebt, ich dachte, ich fall vom Glauben ab. Da haben weit mehr als 40 Fahrzeuge gewendet. Die waren wie die Lemminge: Einer fährt vor und alle anderen hinterher. Die sind einfach gefahren, ohne zu wissen, was da noch von hinten kommt. Das war unwirklich. Dabei sind immer wieder neue Rettungsfahrzeuge vorbeigefahren. Das muss man sich mal überlegen: Vorn sterben die weg, und die fangen aus Langeweile an zu wenden.

Bei einem Stau auf der A1 kam es am Dienstag zu Szenen, die vielfach im Netz geteilt wurden. Autos wendeten auf der Rettungsgasse, um in verkehrter Fahrtrichtung den Stau zu verlassen. Die Polizei ermittelt.

Bei dem schweren Unfall war ein voll beladener Sattelzug aus Portugal ungebremst auf einen VW Caddy und einen weiteren Lkw aufgefahren. Unfallbilanz: Der Lkw-Fahrer aus Portugal (49) wurde eingeklemmt und konnte nach einer Stunde mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Zwei weitere Personen (darunter der VW-Fahrer) wurden leicht verletzt. Der Sachschaden wurde auf rund 80 000 Euro beziffert, die A 1 blieb Richtung Norden für mehrere Stunden voll gesperrt.

Eine Rettungsgasse ist auf der A2 nach einem Unfall von den Fahrzeugen gebildet worden (Archivbild). Bild: dpa

Kein Vor und kein Zurück also – außer für die Autobahn-Idioten, die sich mitten im Unfall-Chaos zum Wenden entschieden. Zwar wurde nach Auskunft der Polizei keines der 13 Rettungsfahrzeuge behindert, auch der Rettungshubschrauber Christoph 12 konnte landen und den schwer verletzten Lkw-Fahrer abtransportieren.

Nach einem schweren Auffahrunfall auf der Autobahn 1 bei Lübeck ermittelt die Polizei gegen Autofahrer, die offenbar im entstandenen Stau gewendet haben. Bei der Polizei seien zahlreiche Hinweise auf Fahrer eingegangen, die durch die Rettungsgasse zum Kreuz Lübeck zurückgefahren seien, teilte die Polizei am Mittwoch mit.

Doch auf die rücksichtslosen Fahrer wird trotzdem mindestens ein Ordnungswidrigkeitsverfahren zukommen. Stefan Muhtz, Pressesprecher der Polizeidirektion Lübeck, zu BILD: Beim Autobahn- und Bezirksrevier Scharbeutz liegt eine online gestellte Anzeige vor. Der Ermittler prüft und sichtet zurzeit das eingegangene Videomaterial. Nach Katalog ist das Fahren gegen die Fahrtrichtung auf einer Autobahn mit 200 Euro, zwei Punkten, einem Monat Fahrverbot und der Verwaltungsgebühr belegt.

Doch es kann für die Rettungsgassen-Rowdys unter Umständen noch schlimmer kommen. Nämlich dann, wenn wegen einer Straftat ermittelt würde. Muhtz weiter: Hier wäre allerdings neben der Tathandlung auch erforderlich, dass Leib und Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet wird. Zunächst ermittelt die Polizei in alle Richtungen – also Straftat und Ordnungswidrigkeit. Die weiteren Entscheidungen wird die Staatsanwaltschaft treffen.

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Im aktuellen Fall war die Polizei tatsächlich auch durch die Videos von Norbert Lehmkuhle auf die Geisterfahrer aufmerksam geworden: Die Social-Media-Mitarbeiter der Polizei haben die Hinweise nach Auskunft von Stefan Muhtz direkt an die zuständige Dienststelle weitergegeben.

Besonders dreist: Nach einen Unfall auf der A1 hatten Autofahrer eine vorbildliche Rettungsgasse gebildet. Doch einige andere Fahrer nutzten sie offenbar, um zu wenden. 

Ein Sattelzug prallte bei Lübeck auf der A1 gegen einen Anhänger. Der Fahrer war eine Stunde eingeklemmt, musste befreit werden.

Dennoch rät Muhtz Verkehrsteilnehmern in vergleichbaren Situationen zu den klassischen Kommunikationswegen.

Der Polizeisprecher zu BILD: Wir kommunizieren in unseren Kanälen deutlich, dass die Nutzer Facebook und Twitter nicht für Notrufe, Anzeigen und Hinweise nutzen sollen. Der erste Schritt sollte immer einer der konventionellen Wege sein: Telefonischer oder persönlicher Hinweis bei einer Polizeidienststelle, bzw. bei Notfällen der Notruf, eine E-Mail schreiben oder die Nutzung der Online-Wache. Nur so ist in der Regel gewährleistet, dass wir für Rückfragen einen Ansprechpartner haben und die Informationen für uns auch zeitnah verwertbar sind.