Bayer 04 Leverkusen: Dreikampf um die Champions League - RP Online
Die unsachliche Attacke des Rudi Völler
Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Von Dorian Audersch und Sebastian Bergmann Gleichmut ist keine hervorstechende Eigenschaft von Rudi Völler, vor allem nicht unmittelbar nach einem nervenaufreibenden Bundesligaspiel. Daher war es auch wenig verwunderlich, dass Bayer Leverkusens Sportgeschäftsführer nach dem unglücklichen 1:1 (1:0) gegen den FC Schalke zu einer eher mäßig objektiven Analyse ausholte. Schiedsrichter Deniz Aytekin habe erheblichen Anteil an dem Remis, das für den Kampf um Platz vier und damit die Champions League ein Rückschlag ist. Er hat beschlossen, nur für Schalke Elfmeter zu pfeifen, sagte der 59-Jährige.

Der Unparteiische entschied zwei Mal auf Strafstoß gegen Leverkusen. In beiden Fällen kam der Videobeweis zum Einsatz. Den ersten parierte Lukas Hradecky gegen Daniel Caligiuri, den zweiten nahm Aytekin nach Überprüfung im Kölner Videokeller zurück. Als dann wenige Minuten später Caligiuri Julian Baumgartlinger im Strafraum zu Fall brachte, forderten Fans und Spieler der Werkself Elfmeter, doch die Pfeife des 40-Jährigen blieb stumm. Auch Guido Burgstallers zunächst abseitsverdächtiges 1:1 wurde per Videobeweis geprüft und für regelkonform befunden (48.).

Bei genauer Betrachtung der Szenen ist dem FIFA-Schiedsrichter aber wenig vorzuwerfen. Das 1:1 von Guido Burgstaller (47.) war definitiv kein Abseits, einen schon gegebenen Elfmeter für Schalke nahm er nach Videobeweis zurück (71.). Und die Aktion gegen Leverkusens Julian Baumgartlinger im Strafraum (79.) war tatsächlich nicht elfmeterwürdig. Völler hätte sich aber gewünscht, “dass er sich das wenigstens nochmal anschaut”.

Alle im Stadion haben sich gewünscht, dass er sich die Szene mit Baumgartlinger nochmal anschaut, wie er es vorher ja auch gemacht hat, sagte Völler, dessen Kritik Aytekin gelassen nahm. Dass wir die Technik so einsetzen, wie in diesem Spiel, ist genau das, was der Fußball will, sagte der Schiedsrichter. Er sei heilfroh über den Videobeweis. Bei der Szene mit Baumgartlinger sei die Technik aber nicht nötig gewesen. Alles sei korrekt bewertet worden.

“Herr Aytekin hat offenbar beschlossen, heute nur Elfmeter zu pfeifen, wenn ein Schalker fällt”, schimpfte der frühere DFB-Teamchef. Auf die Frage, wie er die Chancen der Leverkusener erachte, am letzten Spieltag doch noch die Champions League zu erreichen, sagte Völler mit beißender Ironie: “Herr Aytekin wird nicht unser Schiedsrichter sein. Das beruhigt mich ein bisschen.”

Bayer Leverkusen macht Schiedsrichter Aytekin zum Sündenbock

Herr Aytekin hat offenbar beschlossen, heute nur für Schalke Elfmeter zu pfeifen: Rudi Völler Bild: dpa

Mal wieder scheint Bayer Leverkusen die Qualifikation zur Champions League zu verspielen. Nach dem Remis gegen Schalke redet sich Rudi Völler in Rage – und hat es vor allem auf einen abgesehen.

Aytekin hatte sich nach dem 1:1 (1:0) gegen Bayer Leverkusen den Journalisten gestellt, um die vielen strittigen Szenen des Nachmittags zu erklären. Er gestand dabei zunächst Fehler ein, kam aber zu dem Schluss: “Ich war heilfroh, dass wir den Videobeweis hatten. Und die Bilder haben, denke ich, gezeigt, dass alles so okay war.”

Der Frust musste raus. Wie schon so manches Mal, wenn Rudi Völler Ungerechtigkeit und zweierlei Maß im Fußball wittert. Aber nicht nur deshalb prangerte der Sportgeschäftsführer von Bayer Leverkusen die Leistung von Schiedsrichter Deniz Aytekin nach dem 1:1 seiner Mannschaft gegen den FC Schalke 04 an. Völler war vor allem darüber enttäuscht, dass die Rheinländer eine Woche nach ihrem 6:1-Triumph über Eintracht Frankfurt in ihrem Übereifer wie so oft in den vergangenen Jahren eine große Chance mangels professioneller Zielstrebigkeit nicht genutzt hatten.

Nur ein Remis gegen den Tabellenfünfzehnten, das wog schwer an diesem vorletzten Bundesliga-Spieltag, als die Werkself ihren Anspruch auf Platz vier und damit die Teilnahme an der nächsten Champions-League-Runde verfehlt hatte. Leider haben wir eine schlechte zweite Halbzeit gespielt, lautete Völlers sachlich richtige Kritik an der Leverkusener Leistung, die in ihrer besseren ersten Halbzeit deutlicher als 1:0 durch Kai Havertz sechzehnten Saisontreffer hätte in Führung gehen müssen.

Leicht fraglich war allenfalls der Strafstoß für Schalke in der 53. Minute. Doch mit diesem scheiterte Daniel Caligiuri an Bayer-Torhüter Lukas Hradecky. Und das Foul-Sünder Kevin Volland diesem “einen Kasten Bier spendieren” will, kann man durchaus auch als Eingeständnis werten.

Dann aber kam alles anders wie so oft in der Leverkusener Bundesliga-Geschichte, die in ihren besten Jahren über die Nähe zum Titel nie hinauskam und deshalb immer wieder unvollendet anmutete. Dass Völler am Samstag auch persönlich wurde und Aytekin, einen der besten deutschen Unparteiischen, attackierte, war seinem Verdruss geschuldet, den er angesichts eines nun womöglich nicht mehr erreichbaren Saisonziels loswerden wollte. Herr Aytekin hat beschlossen, dass es nur Elfmeter gibt, wenn ein Schalker Spieler fällt, zeterte er beim Blick zurück auf eine ereignisreiche zweite Hälfte, in der der Spielleiter gleich dreimal die Hilfe des Videoassistenten in Anspruch nahm.

Doch auch ohne direkten Einfluss auf das Ergebnis könne Aytekin entscheidend gewesen sein, mutmaßte Abwehrspieler Jonathan Tah. “Vielleicht hat die ein oder andere unklare Entscheidung von ihm uns verunsichert und die Schalker gepusht”, sagte der Nationalspieler.

Ich denke, die Bilder zeigen, dass alles so in Ordnung war, konterte der Fifa-Schiedsrichter den wütenden Völler, dass wir die Technik so einsetzen wie heute, ist genau das, was der Fußball will. Zu Völlers unsachlicher Kritik merkte Aytekin an: Ich weiß gar nicht, welche Szene man bemühen könnte, um seine Aussagen zu untermauern. Dreimal machte der Referee, bisher nicht dafür bekannt, sich über Gebühr oft mit der Kölner Videoassistenzzentrale kurzzuschließen, von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Zum Ersten beim Schalker Ausgleich durch Burgstaller (47. Minute), als es darum ging, ob dieser Treffer womöglich aus einer Abseitsposition erzielt worden war. War er nicht, und so zählte das 1:1. Zum Zweiten, als sich die Kölner Kollegen zuschalteten, da Aytekin Vollands Ellbogenstoß im eigenen Strafraum gegen den Schalker McKennie nicht gesehen hatte und Videoassistent Tobias Reichel um eine Überprüfung bat. Aytekin überprüfte und entschied sodann auf Strafstoß, mit dem Caligiuri am reaktionsschnellen Torhüter Hradecky scheiterte (53.). Zum Dritten, als Aytekin nach einem regelgerechten Zweikampf zwischen dem Leverkusener Tah und Embolo zum zweiten Mal einen Elfmeter für Schalke gab und bei der Ansicht der Bilder in der Review-Zone richtigerweise mangels Foulspiels wieder zurücknahm (72.).

Als er hörte, dass er das Opfer von Rudi Völlers Wut-Attacke geworden war, verschlug es Deniz Aytekin die Sprache. Mehrfach setzte der FIFA-Schiedsrichter zu einem Kommentar an, lachte ungläubig, schüttelte den Kopf und brach wieder ab.

Dass er fünf Minuten nach einem Zweikampf zwischen Caligiuri und Baumgartlinger im Schalker Strafraum nicht auf den Punkt zeigte, sondern das Spiel weiterlaufen ließ, war eine situativ richtige Entscheidung, für die er keine kollegiale Unterstützung brauchte, auch wenn Völler sich im Nachhinein auf Volkes Stimme berief: Alle im Stadion haben sich gewünscht, dass er sich die Szene mit Baumgartlinger noch einmal anschaut, wie er es ja auch vorher gemacht hat. Videobeweis per Volksabstimmung? So weit ist es mit dem Fußball nun auch noch nicht gekommen.