Bayer Leverkusen: Erstes Endspiel um Julian Brandt verloren - BILD
Der Wutausbruch des Rudi Völler
Rückschlag für Leverkusen – im Kampf um die Champions League. Und um Julian Brandt (23) !Zum 40-jährigen Bundesliga-Jubiläum war im Heimspiel alles angerichtet: Choreo, Legenden wie Zé Roberto und Christoph Daum, die Profis in extra angefertigten Retro-Trikots – und dann nur ein 1:1 gegen Schalke!Das Remis ist auch eine erste Endspiel-Niederlage um Brandt. Denn die Qualifikation für die Champions League hat der Verein nicht in der eigenen Hand. Ohne Königsklasse ist ein Abgang des Nationalspielers sehr wahrscheinlich – da hilft auch die seit gestern sichere Quali für die Europa League nicht. U. a. Dortmund und Juve sind interessiert. Brandt hat eine Ausstiegsklausel (25 Mio Euro).

SO wird das nichts mit der Champions League! Leverkusen patzt im Rennen um die Königsklasse zu Hause, spielt nur 1:1 gegen Schalke.

Rudi Völler rastet aus: Schiri Deniz Aytekin kriegt die ganze Wut ab

Brandt zu BamS: Natürlich ist die Champions League ein gewichtiger Grund. Stand jetzt bin ich zu 100 Prozent auch in der nächsten Saison hier. Ich bin fünfeinhalb Jahre hier, weiß genau, was ich an Leverkusen habe.Gegen Schalke leitet er das Führungstor von Havertz (31.) ein. Nach dem Ausgleich von Burgstaller (47.) gibts in der 2. Hälfte vor allem Elfer-Ärger.53. Minute: Volland trifft McKennie mit dem Unterarm. Aytekin gibt Elfmeter. Zweifelhaft! Hradecky hält gegen Caligiuri.

Am Schluss hielt der 40-Jährige noch ein kleines Plädoyer: “In einigen Jahren spricht niemand mehr darüber, dass es den Videobeweis gibt und dass das alles so schrecklich ist.” Was den kicker zur Nachfrage veranlasste: “Gibt es den denn dann noch?” Aytekin: “Der Anspruch ist, dass wir immer hundert Prozent liefern sollen. Jedes Spiel kommen wir weiter, lernen und entwickeln uns weiter.” Dass dies auch manchmal nicht klappe und man manchmal auch daneben liege, “das ist nur menschlich.”

71. Minute: Im Zweikampf mit Wendell kommt Embolo zu Fall, Aytekin pfeift Elfer, nimmt ihn nach Video-Check aber zurück.77. Minute: Baumgartlinger kommt im Zweikampf mit Caligiuri zu Fall. Aytekin winkt ab, ganz ohne Video-Hilfe.Rudi Völler (59) wütend: Herr Aytekin hat heute beschlossen, wenn ein Schalker im Strafraum fällt, Elfmeter zu pfeifen. Ich glaube, jeder hätte sich im Stadion gewünscht, dass er sich die Szene mit Baumgartlinger auch noch anguckt.Schiri Aytekin war zufrieden: Der Video-Beweis hat heute so funktioniert wie er funktionieren soll.

Und Schalke? Trotz des Kampf-Punkts spielt das Team Fußball von früher, muss im Sommer kernsaniert werden. Sport-Vorstand Jochen Schneider (48): Auch die Spiele nach der Rettung sind wichtig für die Personal-Entscheidungen.Unklar, ob Huub Stevens (65) weiter mithilft. Der Interims-Trainer kokettierte nach dem Spiel, ob er in den Aufsichtsrat zurückkehrt: Ich muss mir das überlegen. Die letzten drei Monate haben unglaublich viel Kraft gekostet.

Für den Referee war so viel Kontakt mit dem Video-Schiedsrichter fast Neuland: “Ich habe fast die ganze Saison keinen Videobeweis benötigt. Aber wenn man bei so einem wichtigen Spiel die Situationen auf diese Art und Weise so klären kann, bin ich heilfroh. Und ich glaube, die Bilder zeigen auch, dass das alles so ok war”, äußerte sich Aytekin in der Mixed-Zone.

Herr Aytekin hat offenbar beschlossen, heute nur für Schalke Elfmeter zu pfeifen: Rudi Völler Bild: dpa

Wenig später sollte es erneut Kontakt zum Kölner Keller geben. Nach einem zunächst nicht geahndeten Foul von Kevin Volland an Weston McKennie zeigte Aytekin nach Nachricht aus Köln und Ansicht der Bilder auf den Punkt, Daniel Caligiuri konnte die Chance zur Schalker Führung allerdings nicht nutzen (53.).

Mal wieder scheint Bayer Leverkusen die Qualifikation zur Champions League zu verspielen. Nach dem Remis gegen Schalke redet sich Rudi Völler in Rage – und hat es vor allem auf einen abgesehen.

Rudi Völler kam energischen Schrittes in die Interview-Zone, die erste Frage wartete er gar nicht erst ab. Seiner Wut über Schiedsrichter Deniz Aytekin wollte der Sportchef von Bayer Leverkusen nach dem 1:1 (1:0) gegen den FC Schalke 04 unbedingt Luft machen. Es folgte einer seiner berüchtigten, zuletzt aber rar gewordenen Wutausbrüche.

„In einigen Jahren spricht niemand mehr darüber, dass es den Videobeweis gibt und dass das alles so schrecklich ist.“Deniz Aytekins Plädoyer pro Videobeweis

Herr Aytekin hat offenbar beschlossen, heute nur für Schalke Elfmeter zu pfeifen, schimpfte der frühere DFB-Teamchef. Auf die Frage, wie er die Chancen der Leverkusener erachte, am letzten Spieltag doch noch die Champions League zu erreichen, sagte Völler mit beißender Ironie: Herr Aytekin wird nicht unser Schiedsrichter sein. Das beruhigt mich ein bisschen. Der Fifa-Schiedsrichter aus Oberasbach, einer der besten seiner Zunft, wurde von der Kritik Völlers überrumpelt. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, sagte Aytekin: Und ich wüsste auch nicht, welche Szene man da bemühen könnte.

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Völler ging nicht auf alle Szenen ein, es ging ihm offenbar um das Gesamtpaket einer vom Videobeweis geprägten zweiten Halbzeit. Zunächst gab Aytekin das 1:1 von Guido Burgstaller (47.) nach Überprüfung auf Abseits. Dann sprach er Schalke einen Foul-Elfmeter zu, nachdem das Spiel längst weitergelaufen war. Einen schon gegebenen Elfmeter für Schalke nahm er nach Videobeweis zurück (71.). Und nach einer Aktion gegen Leverkusens Julian Baumgartlinger im Strafraum verzichtete er auf die Ansicht der Bilder. Fraglich war allenfalls der Strafstoß, mit dem Daniel Caliguiri an Bayer-Torhüter Lukas Hradecky gescheitert war (53.).

„Wenn man bei so einem wichtigen Spiel die Situationen auf diese Art und Weise so klären kann, bin ich heilfroh.“Deniz Aytekin

Ich habe fast die ganze Saison keinen Videobeweis benötigt. Aber heute war ich heilfroh, dass wir ihn hatten, sagte Aytekin: Und die Bilder haben, denke ich, gezeigt, dass alles so okay war. Im Leverkusener Lager war die Meinung aber einhellig. Ich muss dazu nicht viel sagen, meinte Trainer Peter Bosz: Wir haben alle gesehen, dass er sich in der zweiten Halbzeit unserem Niveau angepasst hat. Die Leistung nach dem 16. Saisontor von Kai Havertz (31.) nannten sowohl Bosz als auch Völler schlecht.

Doch auch das lag für Abwehrspieler Jonathan Tah ein wenig am Schiedsrichter. Vielleicht hat die ein oder andere unklare Entscheidung von ihm uns verunsichert und die Schalker gepusht, mutmaßte der Nationalspieler. Schalkes Burgstaller sah das komplett anders und lobte Aytekin für seine außergewöhnliche Offenheit. Der Schiri hat das super gemacht, sagte der Österreicher: Er hat uns alles erklärt. Da kommt ein bisschen Ruhe rein. Aytekin erklärte: Die Spieler haben einen Anspruch zu erfahren, was ich mache und gesehen habe.

Im Endeffekt war es wohl auch wieder ein Ablenkungsmanöver Völlers. Die Europa League und damit die neunte Europacup-Teilnahme in den vergangenen zehn Jahren ist seit Samstag gesichert, das war nach der schwachen Vorrunde nicht selbstverständlich. Doch wie im Vorjahr, als drei Tore für die Champions League fehlten, droht Bayer das ganz große Ziel wieder leichtfertig zu verspielen. Leverkusens Hoffnung: Die Rivalen Mönchengladbach und Frankfurt spielen zum Abschluss gegen die Meister-Duellanten München und Dortmund. Wenn wir unser Spiel in Berlin gewinnen, haben wir eine ordentliche Chance, sagte Völler.