Leverkusen-Sieg in Hannover - Groteskes Gerutsche mit fünf Toren - Süddeutsche Zeitung
Bundesliga: Hannover – Leverkusen 2:3 – Der weiße Wahnsinn von Hannover
Carsten Scheele, Korrespondent in Hannover, vor allem für Sportthemen. Ausgebildet an der Deutschen Journalistenschule, berichtet für die SZ seit 2012 aus Hamburg und Hannover. Schreibt über Fußball, Handball und Nordthemen. Autor des Buchs 111 Gründe, Snooker zu lieben.

In der 25. Minute kamen die Männer mit den Besen. Es schneite heftig am Sonntagabend in Hannover, dicke Flocken legten binnen Minuten einen weißen Teppich auf das vormals grüne Spielfeld – und um wenigstens die Aus- und Strafraumlinien freizulegen, rückten drei (!) Stadionbedienstete mit drei (!) Besen an. Das dauerte so lange, dass sogar frierende Spieler gesichtet wurden, die mit ihren Fußballschuhen halfen, den Schnee von den Linien zu schieben.

Und auch wenn gespielt wurde, hatte der Schnee großen Einfluss auf die Partie: Der Platz war rutschig, der Ball rollte langsam oder blieb stecken. Aber Leverkusen zeigte, dass Kombinationen trotzdem möglich waren: Nach gutem Zusammenspiel mit Volland und Havertz spielte Julian Brandt einen Steilpass auf Volland, der zum 2:0 ins Tor lupfte (28.). Zuvor war Leverkusen durch Vollands Abstauber in Führung gegangen: Hannovers Torwart Michael Esser hatte einen Schuss von Brandt vor die Füße des Angreifers gelenkt (13.). Und weil Haraguchis Schuss anschließend im Schnee stecken blieb, ging Hannover mit zwei Toren Rückstand in die Pause.

Ein Szenario, dass doch sehr zu einer unwirtlichen Woche bei Hannover passte, in der der Klub mal wieder alles gegeben hatte, um den Selbstzerstörungsmodus am Laufen zu halten. Da keilte jeder gegen jeden, mit Präsident Martin Kind als Höhepunkt, der seiner angeschlagenen Mannschaft in einem seltsamen Akt der Motivation jegliche Erstligatauglichkeit absprach (“kaputt, gescheitert”).

In der 33. Minute des Spiels von Bayer Leverkusen bei Hannover 96 ist es zu einer der verrücktesten Szenen der aktuellen Bundesligasaison gekommen. Bayer-Torwart Lukas Hradecky verschätzte sich, als er aus dem Strafraum herauskam. Genki Haraguchi war frei durch, schoss in Richtung leeres Tor – aber der Ball kam nicht im Netz an. Er wurde im Schnee extrem langsam und wäre wohl sogar vor der Linie liegen geblieben. Letztlich klärte Jonathan Tah die Situation, obwohl er seinen Lauf zuvor schon abgebrochen hatte. Es wäre der Anschlusstreffer für Hannover gewesen, so führte Leverkusen weiter 2:0.

Ein überraschendes Erfolgserlebnis hätte in diese Gemengelage überhaupt nicht gepasst, und so ging dem stark abstiegsbedrohten Klub auch das Schnee- und-Matsch-Spiel am Sonntagabend gegen Bayer Leverkusen mit 2:3 (0:2) verloren. Kevin Volland bewies auf schwierigstem Untergrund gehobene Standfestigkeit, mit zwei Toren brachte er den Europacup-Aspiranten schnell in Führung. Hannover glich in der zweiten Halbzeit aus, durch einen Treffer von Jonathas und ein Eigentor von Mitchell Weiser, ehe Kai Havertz kurz vor Schluss den Leverkusener Sieg perfekt machte. Bayer klettert in der Tabelle auf Rang fünf, Hannover bleibt Vorletzter.

Die Werkselffußballer spielten zunächst ihren mentalen Vorteil aus: Sie hatten in dieser Saison schon eine Partie unter ähnlich unangenehmen Umständen gemeistert, beim 1. FC Nürnberg, als monsunhafter Regen das Fußballspielen stark erschwerte. Diesmal also Schnee, was prinzipiell schon eine Seltenheit darstellt Mitte März im niedersächsischen Flachland. So entwickelte sich ein groteskes Gerutsche, das immer wieder Angestellte beider Teams auf den Hosenboden purzeln ließ.

Hannover 96 – Bayer Leverkusen 2:3 (2:0) 1:0 Volland (13.) 2:0 Volland (28.) 2:1 Jonathas (51.) 2:2 Weiser (73., Eigentor) 2:3 Havertz (87.) Hannover: Esser – Korb (90. Felipe), Wimmer, Anton – Haraguchi, Schwegler, Walace (46. Weydandt), Albornoz – Bakalorz – Jonathas, Maina (68. Muslija) Leverkusen: Hradecky – Weiser, Tah, Dragovic, Jedvaj – Baumgartlinger – Aránguiz (61. Kohr), Brandt – Havertz, Volland, Bailey (66. Bellarabi) Schiedsrichter: Storks Gelbe Karten: Jedvaj – Wimmer, Albornoz Zuschauer: 34.000

Gesichtet wurden auch Spieler, die nach eher harmlosen Schubsern meterweit über den Rasen schlitterten, als hätte jemand den Rasen mit eimerweise Schmierseife getränkt. Volland nutzte diese irregulären Bedingungen trotzdem zu zwei Treffern: Erst staubte er nach einem Abpraller von 96-Torwart Michael Esser am Fünfmeterraum ab (13.), dann überlupfte er den Torsteher im Konter formschön (28.).

Der Schneefall hatte erst kurz vor Spielbeginn eingesetzt, die Partie verlief in der Folge chaotisch. Der weiße Ball wurde in der Anfangsphase gegen einen orangen ausgetauscht. In der 24. Minute wurde das Spiel kurz unterbrochen, Helfer fegten die Linien auf dem Platz frei. In der 41. Minute führte Schiedsrichter Sören Storks die Teams dann sogar in die Katakomben. Erneut wurden die Linien befreit, bevor die erste Hälfte zu Ende gebracht wurde.

Eine der kuriosesten Szenen der Saison ereignete sich in der 34. Minute, die sinnbildlich für die vertrackte Lage bei Hannover stand: Nach einer missglückten Rückgabe hatte Genki Haraguchi Leverkusens Torwart Lukas Hradecky ausgespielt, sein Ball aber, der die Torlinie normal überquert hätte, blieb Zentimeter zuvor im Schneematsch kleben. Jonathan Tah konnte das Spielgerät locker aufnehmen und entfernen.

Kurz darauf schickte Schiedsrichter Sören Storks beide Teams zum Aufwärmen in die Katakomben, vier Minuten vor dem erwarteten Halbzeitpfiff, damit die Linien abermals freigeschippt werden konnten (nun mit zehn Besen). In der Pause half sogar der Feldreporter des übertragenden Fernsehsenders beim Schneeschippen, jetzt wurden beide Strafräume freigelegt, der Schneefall ließ etwas nach.

Trotzdem begrüßte Hannovers Stadionsprecher die Mannschaften zu den “zweiten 45 Minuten Schneeballschlacht”. Hannover kämpfte, auch weil der Abstiegskandidat begriff, dass dem Gegner seine feinen Füße auf diesem Untergrund nichts brachten. So schaufelte Hannover reihenweise hohe Bälle in die Leverkusener Hälfte, kam durch einen Kopfball von Jonathas (51.) zum Anschluss, 20 Minuten vor Schluss prallte der Ball von Weisers Oberschenkel ins Tor. Hannover witterte sogar den Sieg, doch Havertz machte mit seinem Treffer in der 88. Minute alle Hoffnungen zunichte. “Die Jungs haben sich nicht für den Fight belohnen können. Aber wir haben gezeigt, dass die Mannschaft lebt und dass sie Charakter hat”, sagte 96-Trainer Doll bei Sky, räumte aber auch ein: “Es gab schon schönere Momente in meiner Fußballer-Karriere.”

Doppelter Torschütze der Gäste war Kevin Volland. Der Torjäger erzielte in der 13. und 28. Minute seine Saisontreffer Nummer zehn und elf und schien damit früh für sportlich klare Verhältnisse gesorgt zu haben. Doch das Anschlusstor durch einen Kopfball von Jonathas (51.) und ein Eigentor von Mitchell Weiser (73.) brachte die Gastgebern wieder heran, ehe Kai Havertz (87.) den Leverkusener Sieg doch noch perfekt machte und die Werkself auf Platz fünf schoss.

Gegen Hoffenheim bringen sich die Nürnberger mit Undiszipliniertheiten um den Lohn. Beim 1:2 nutzt das vor allem ein Angreifer der TSG.

Unklar war zumindest phasenweise, ob die Partie überhaupt regulär beendet werden könnte. Denn pünktlich zum Spielbeginn um 18.00 Uhr setzte Schneeregen ein, der zunehmend den Spielfluss bremste. Eine kurze Pause nach 25 Minuten half wenig, in der 40. Minute schickte Schiedsrichter Sören Storcks beide Teams für knapp neun Minuten in die Kabine, Stadionarbeiter fegten die Linien frei.

Hannover kommt beim 2:3 gegen Leverkusen nach einem 0:2-Rückstand zurück. Und bekommt vom Schnee auch noch ein Tor geklaut.

Mit Anpfiff setzt heftiger Schneefall ein – spätestens nach 30 Minuten sind die Bedingungen irregulär. Das zeigt die kurioseste Szene des Jahres!

33. Minute: Hannovers Haraguchi geht an Hradecky vorbei, will den Ball ins leere Tor schieben. Doch die Kugel bleibt wegen des vom Schnee durchnässten Rasens Zentimeter vor der Linie liegen! Tah kann danach locker klären.

Nach einer 2:3 (0:2)-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen rückt für Hannover 96 der Bundesliga-Abstieg immer näher. Der Rückstand des Tabellenvorletzten auf Relegationsplatz 16 beträgt weiterhin fünf Punkte und die Leistung der Niedersachsen war mindestens eine Halbzeit lang nicht Erstliga-reif.

Nach dem Nicht-Tor wirds komplett chaotisch! In der 40. Minute unterbricht Schiri Storks das Spiel für 8:41 Minuten, damit die Linien freigekehrt werden können. Die Spieler warten in die Kabine. Bereits vorher hatten Helfer den Platz schon einmal gesäubert, die Rasenheizung hat gegen die Schnee-Massen keine Chance. Erst in der zweiten Hälfte wird der Schneefall schwächer.

Allerdings verhinderte der nasse Schnee auf dem Rasen ein mögliches Tor für die Truppe von Coach Thomas Doll: In der 33. Minute blieb ein Flachschuss von Linton Maina kurz vor der Torlinie im Matsch, Bayer-Torwart Lukas Hradecky war schon geschlagen.

► Anfangs gibt es im Stadion nur einen Besen. Erst im Laufe der Partie werden weitere besorgt, in der Halbzeit kommen dann Schneeschaufeln dazu.

► Leverkusen hat nur einen Trikot-Satz dabei – und der ist auch noch komplett weiß. Damit ist das Team kaum vom am Ende kaum noch bespielbaren Untergrund zu unterscheiden.

Das Schnee-Chaos sorgt für ein rasantes Spiel! Erst landet Volland einen Doppelschlag für Leverkusen (13./28.). Als alle Hannover schon abgeschrieben hatten, kommen sie durch Jonathas (50.) und ein Eigentor von Weiser (73.) zurück! Aber Havertz köpft Leverkusen doch noch zum Sieg (87.). Zu allem Überfluss erkennt der Video-Schiri danach auch noch ein Leverkusen-Tor wegen Abseits ab (90.+4).