Bayer Leverkusen plant mit Rolfes die Zukunft nach Völler
Nach Boldts Abgang: Völlers Rücktritt bei Bayer 04 Leverkusen auf Raten
Rudi Völler (58), Leverkusens Geschäftsführer Sport, deutet einen Rückzug auf Raten an. Bei der Vorstellung von Simon Rolfes als neuen Sportdirektor sagte Völler: Es ist an der Zeit, die Zukunft von Bayer Leverkusen einzuläuten. Simon Rolfes und auch Stefan Kießling sind die richtigen Leute dafür, sie tragen die Bayer-DNA in sich.

Rolfes erhält in seiner neuen Funktion einen Vertrag bis 2024 und fängt am 1. Dezember an. Völler war seit 2005 Sportdirektor bei Bayer, wechselte im Juli auf den Posten des Geschäftsführers. Sein Vertrag läuft noch bis 2022.

In den ersten Tagen seiner Amtszeit wird er sich auf das Tagesgeschäft konzentrieren: “Unser Anspruch ist es, Bayer in der Spitzengruppe des deutschen Fußballs zu positionieren. Wir müssen jetzt nach und nach wieder in Tabellenregionen kommen, in die wir hingehören. Ich hoffe, dass ich mit meiner Erfahrung als Spieler dazu beitragen kann, dass dies klappt.”

Rolfes soll bis Saisonende vom bisherigen Sportdirektor Jonas Boldt, der den Werksklub spätestens im kommenden Sommer verlässt, eingearbeitet werden. Sollte Boldt möglicherweise früher eine neue Stelle finden, werde man eine einvernehmliche Lösung finden, sagte Völler.

Völler: Ich habe Verständnis für die Verschwörungstheorien und hätte es mir auch anders vorgestellt. Bei uns gibt es aber keinen Scherbenhaufen.

Statt Boldt wird es nun Rolfes. Klub-Boss Fernando Carro: Er ist ehrgeizig und will wie wir alle Erfolg. Simon bringt die nötige Offenheit, Loyalität und Transparenz mit.

“Simon ist zwar ein ruhiger Typ, weiß aber genau was er will. Ich bin mir sicher, dass er mit seinen Ideen schnell dazu beiträgt, dass Bayer wieder in die Spur kommt”, sagte Völler vor dem Hintergrund der nach wie vor misslichen Situation in der Liga mit Platz 12.

Völler selbst habe sich schon seit längerer Zeit vorgenommen, in die zweite Reihe zu treten und Jüngeren das Feld zu überlassen. Er versicherte, dass Rolfes totalen Freiraum erhält und nach und nach auch den Klub in der Öffentlichkeit präsentieren soll. Das ist so gewollt. Wir wollen ja verändern und uns verbessern. Bei Siegen geht er vor die Kamera, bei Niederlagen stehe ich weiterhin zur Verfügung, sagte Völler mit einem Augenzwinkern.

“Es ist an der Zeit, die Zukunft von Bayer Leverkusen einzuläuten. Simon Rolfes und auch Stefan Kießling sind die richtigen Leute dafür, sie tragen die Bayer-DNA in sich”, sagte Völler am Montag bei der offiziellen Vorstellung von Rolfes als neuem Sportdirektor.

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“Ich habe Verständnis für die Verschwörungstheorien und hätte es mir auch anders vorgestellt. Bei uns gibt es aber keinen Scherbenhaufen”, sagte Völler, der keine schmutzige Wäsche waschen wollte und dem scheidenden Boldt ein erstklassiges Zeugnis ausstellte.

Am Montag stellte Bayer 04 in einer Pressekonferenz Ex-Nationalspieler Simon Rolfes (36, Vertrag bis 2024) als neuen Sportdirektor vor. Doch für die eigentliche Nachricht sorgte Rudi Völler. Der Geschäftsführer machte öffentlich, dass er sich schrittweise in den Hintergrund verabschieden möchte. Angesichts der Tatsache, dass nur zwei Tage zuvor Sportdirektor Jonas Boldt, mit dem Völler über ein Jahrzehnt lang eng zusammenarbeitete, hingeschmissen hatte, eine bemerkenswertes wie aussagekräftiges Timing.

Dass das Manager-Talent aber unter dem Werkskreuz nicht wie zunächst angedacht in seine Fußstapfen treten wird, ist für Völler kein Beinbruch. Offensichtlich hält der Weltmeister von 1990 Rolfes für den geeigneteren Kandidaten.

In der Frage, die ein Journalist stellte, ging es gar nicht um die Zukunft von Rudi Völler. Doch nach seiner Antwort fügte der Geschäftsführer noch ein bemerkenswertes Statement an. So erklärte Völler mit dem Zusatz, “was ich vorhin noch vergessen habe”, zu seiner Person: “Es war mir schon vor eineinhalb Jahren wichtig, mich ein bisschen zurückzuziehen. Schon damals, obwohl Jonas Boldt noch kein Sportdirektor war, sondern nur Kader-Manager, sollte er einen etwas engeren Bezug zur Mannschaft haben, und jetzt im Sommer noch mehr. Wir wollen ja Veränderung. Es ist eine Absprache zwischen Herrn Werner Wenning (der allmächtige Leiter des Gesellschafterausschusses, Anm. d. Red.) und mir. Wir wollen uns ja verbessern und deshalb sollen ja auch Jonas vorher oder Simon jetzt natürlich totalen Freiraum haben, Dinge zu verändern. Es war auch mein Wunsch vor eineinhalb Jahren, unabhängig davon, wie lange ich noch hier bin, dass ich ein bisschen in den Hintergrund trete”, erklärte der Geschäftsführer, dessen Vertrag noch bis 2022 läuft.

„Aber am Ende das Tages ist es für alle Beteiligten vielleicht gar nicht so schlecht, wie es gelaufen ist. Es ist ja auch nicht so, dass hier irgendwie ein Scherbenhaufen ist.“Rudi Völler

“Das ist so gewollt. Wir wollen ja verändern und uns verbessern. Bei Siegen geht er vor die Kamera, bei Niederlagen stehe ich weiterhin zur Verfügung”, so Völler mit einem Augenzwinkern.

Doch es würde nicht überraschen, wenn Völler schon früher seinen Posten zur Verfügung stellen würde. Denn dass er seine Gedanken zu einem schrittweisen Rückzug ausgerechnet zwei Tage nach dem Abgang von Jonas Boldt als Sportdirektor kommunizierte, ist für einen Klub wie Bayer 04, der sehr darauf bedacht ist, nach außen einen ruhigen und besonnenen Eindruck zu vermitteln, ein außerordentlicher Vorgang. “Ich will auf keinen Fall irgendwelche Leute hemmen: Den Simon sowieso nicht, den Jonas auch nicht”, merkte Völler an, der bezüglich Boldts Abschied zugab: “Dass der Zeitpunkt dieser Veränderung auf dem Posten des Sportdirektors ungewöhnlich ist, ist mir auch klar. Ich kann nur sagen, dass ich mir auch alles gern etwas anders vorgestellt hätte. Da bin ich ganz ehrlich. Aber am Ende das Tages ist es für alle Beteiligten vielleicht gar nicht so schlecht, wie es gelaufen ist. Es ist ja auch nicht so, dass hier irgendwie ein Scherbenhaufen ist.”

Boldt weg, Völler auf dem Rückzug. Das Duo, das seit Jahren für die sportlichen Geschicke von Bayer stand, wurde erst am Samstag gesprengt. Und jetzt am Montag machte auch der verbliebene Geschäftsführer seinen Rücktritt auf Raten öffentlich. Was für ein Beben unter dem Bayer-Kreuz.

Rudi Völler kündigte seinen Rückzug auf Raten an, stellte höchstpersönlich in Simon Rolfes seinen designierten Nachfolger als Gesicht von Bayer Leverkusen vor.

Vorgänge, die man so nicht erwarten konnte. Vorgänge, die nicht nur wegen des Zeitpunkts mehr als erahnen lassen, welche Verwerfungen während der vergangenen Monate innerhalb der Führungsriege stattgefunden haben müssen. Gerade auch mit dem zum 1. Juli installierten neuen Leiter der Geschäftsführung Fernando Carro. Dieser hielt sich bei Fragen zu Boldts Rücktritt komplett raus. Völler erklärte auf die Frage, welche Veränderungen seit dem Sommer denn dazu geführt hätten, dass Boldt, der zum 1. Juli vom Manager zum Sportdirektor aufgestiegen war, eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr für möglich hielt, nur, man solle doch Boldt “wenn sich alles beruhigt hat, selbst zu Wort kommen zu lassen”.

Rolfes, der zwischen 2005 und 2015 gespielt hat, fühlt sich dieser Aufgabe, die er als “Herzensangelegenheit” bezeichnete, offensichtlich gewachsen.

Dessen Antwort wäre hochinteressant: Schließlich hatte sich der Klub im Sommer auf zum Teil neu geschaffenen Position mit neuem Personal gerade erst neu aufgestellt. Damals sahen alle noch die Basis für ein konstruktives Miteinander gegeben. Keine fünf Monate später war dies nicht mehr so. Bezeichnend, dass Boldt nun zu einem Zeitpunkt den Bettel hinschmiss, zu dem er anders als in der Vergangenheit keinen neuen Job konkret in Aussicht hatte. Selbst als ihn in den zurückliegenden Jahren Klubs wie Mainz 05 und der HSV anfragten, hatte der 36-Jährige gegenüber Bayer nicht auf seine Freigabe gedrängt, sondern sich weiter dem Projekt in Leverkusen verschrieben. Nun sah er dies nicht mehr als sinnvoll an.

Völler versicherte, dass Rolfes “totalen Freiraum” erhält und nach und nach auch den Klub in der Öffentlichkeit präsentieren soll.

Während Völler (trotz unterschiedlicher Standpunkte zum Beispiel in der Trainerfrage) offensichtlich Boldts Abschied bedauerte, wurde bei Carros Worten zum neuen Sportdirektor Simon Rolfes zwischen den Zeilen nur allzu deutlich, dass das Verhältnis des Spaniers zu Boldt nicht von höchster Wertschätzung geprägt war. “Ich schätze seine Vernetzung, seinen fußballerischen Sachverstand, seine Führungsfähigkeiten, seine Team- und Kommunikationsfähigkeit und auch sein Verhandlungsgeschick. Er ist ja eine Identifikationsfigur von Bayer Leverkusen. Er verstärkt definitiv unsere Direktorenrunde und bringt Offenheit, Transparenz und Loyalität mit”, setzte Carro zu einer wahren Lobeshymne auf Rolfes, einem Neueinsteiger auf dem Sportdirektor-Posten, an, um dann gegen Boldt wertend anzufügen: “Dadurch wird es einfacher sein, als Team zu agieren, die Mitarbeiter mitzunehmen und im Verein ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Fußball ist ja ein Mannschaftssport. Und ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass Erfolg nur als Team möglich ist.”

Er selbst habe sich schon seit längerer Zeit vorgenommen, in die zweite Reihe zu treten und Jüngeren das Feld zu überlassen.

Ein klares Nachtreten gegen den bisherigen Sportdirektor. Carro, daran besteht kein Zweifel, hat entscheidenden Anteil an den Veränderungen, die den Klub in diesen Tagen erschüttern wie schon lange nicht mehr.

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