Herrlich trotz Krise weiter Leverkusen-Coach Das sagen TV-Experten zu Völlers ...
Herrlich-Frage: Klartext von Völler
Eigentlich hatte Bayer 04 einen Startplatz in der Königsklasse als Ziel ausgerufen. Doch nun steht für die Mannschaft von Heiko Herrlich erstmal die Existenzsicherung in der Bundesliga im Mittelpunkt, wie der Trainer einräumt. Während Geschäftsführer Rudi Völler Führungsspieler Kevin Volland für ein Interview rüffelte, spricht Herrlich von einem Mentalitätsproblem. Es besteht Gesprächsbedarf.

Nach der Pleite in Leipzig mochte Heiko Herrlich die Frage, ob sich die Werkself nun erstmal im Abstiegskampf befinde, nicht als Unsinn abtun. “Momentan ist unser Punktekonto nicht so gut, dass wir das verneinen könnten. Die Hinteren sind ziemlich nah dran. Wir haben es versäumt zu punkten und sind jetzt natürlich unter Druck, dass wir unser nächstes Heimspiel gegen Stuttgart gewinnen”, erklärte der Trainer angesichts von nur elf Punkten aus elf Spielen und nur drei Zählern Vorsprung auf Rang 18. Diesen nimmt der VfB Stuttgart ein, der am Freitag in einer Woche in der Arena in Leverkusen aufkreuzt.

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Von Dorian Audersch Wenn der Erfolg im Fußball ausbleibt, ist oft von Mechanismen die Rede. Gemeint sind geradezu automatisch ablaufende Prozesse, die am Ende einer Krise immer folgendes Ergebnis bringen: Der Trainer muss gehen. Rudi Völler stemmt sich bereits seit Wochen gegen diese Mechanismen, doch die Argumente für eine Weiterbeschäftigung des in der Bundesliga weitgehend erfolglosen Trainers Heiko Herrlich werden dünner.

Abwegig ist dieser Blickwinkel auf keinen Fall. Zwar möchte Herrlich die Situation nicht überdramatisieren, wenn er zu der anstehenden Partie sagt, “einen Abstiegsgipfel würde ich es jetzt nicht unbedingt nennen, aber wir sind jetzt natürlich in der Pflicht, vor heimischen Publikum das Spiel gegen Stuttgart zu gewinnen.” Doch die Leistung von Leipzig, wo Bayer sang- und klanglos mit 0:3 unterging, steckt dem Trainer noch in den Klamotten.

Völlers Optimismus speist sich vor allem aus den starken Spielen vor etwa zwei Wochen in Bremen und drei Tage später in Mönchengladbach, wo jeweils Kantersiege gelangen. Abgesehen von diesen beiden Galavorstellungen bot Bayer 04 aber zu oft in dieser Saison fußballerische Magerkost. Vor allem die Hohe Anzahl an Gegentoren ist frappierend. 24 sind es bereits nach elf Ligaspielen. Wir stehen nicht gut da in der Tabelle, ist sich auch der 58-Jährige bewusst.

Er sei erschrocken gewesen von der Darbietung, gestand Herrlich. “Vor allem wenn man sieht, wie die Gegentore passieren. Nach drei Einwürfen, wo wir in einer geordneten Abwehr stehen. Das zweite Tor war bezeichnend, weil es eigentlich ein Einwurfmuster ist, das wir selbst auch so trainieren”, erklärte der Trainer, der fehlende Mentalität und mangelndes Zweikampfverhalten als die entscheidenden Probleme ansieht. Herrlich kündigte an: “Wir werden viele Gespräche führen. Für uns ist es unbegreiflich, warum man so in so ein Spiel geht.”

Das ist rein objektiv betrachtet richtig, doch angesichts der jüngsten Auftritte fällt es schwer daran zu glauben, dass die Werkself eine Art Wundergenesung hinlegt und sich ihrer Defizite entledigt. Die Unbeständigkeit der Leistungen ist seit Jahren ein Problem. Doch inzwischen könnten böse Zungen behaupten, dass Bayer 04 endlich seine Konstanz gefunden habe – allerdings auf niedrigem Niveau.

Da selbst grundsätzliche Dinge nicht mehr funktionieren, müssen bei Bayer auf allen Ebenen die Alarmglocken schrillen. Erst recht, wenn sich immer wieder dieselben Probleme dem Erfolg in den Weg stellen. “Das ist teilweise eine Sisyphusarbeit, weil wir die gleichen Dinge immer wieder zeigen. Und wenn du denkst, du hast einen Riesenschritt nach vorne gemacht, fällst du zurück in alte Muster”, klagt Herrlich, der keine Fortschritte in der Entwicklung der Mannschaft für sich verbuchen kann. Es gilt, viel aufzuarbeiten.

„Es ist nicht so, dass die, die nach dem Spiel am lautesten schreien und die schnellsten Interviews geben, automatisch aus der Geschichte raus sind.“Rudi Völler

Dieser Kreislauf des Scheiterns nervt alle Beteiligten. Von der Geschäftsführung bis zu den Profis. Offensichtlich auch Mittelstürmer Kevin Volland, der nach dem Leipzig-Spiel, von der Medienabteilung als einziger Profi vorgeschickt, klare, aber immer sich selbst in die Kritik mit einbeziehende Worte fand. Dass Rudi Völler auf Vollands ehrliche Aussagen mit einer Schelte reagierte, war gelinde gesagt unglücklich. “Es ist nicht so, dass die, die nach dem Spiel am lautesten schreien und die schnellsten Interviews geben, automatisch aus der Geschichte raus sind”, monierte Völler, “das gilt für viele bei uns in der Mannschaft, ohne jetzt gegen Kevin etwas zu sagen. Aber es gibt ja noch andere, die dann immer schnell vor der Kamera stehen. Wichtig ist: Weniger reden und dafür auf dem Platz zeigen, dass man eine Mannschaft ist”, polterte der Geschäftsführer.

► Weltmeister und RTL-Nitro-Fachmann Roman Weidenfeller (38) ist von Völler Kurs angetan: Ich finde, dies ist genau die richtige Entscheidung. Es ist einfach wohltuend, dass Rudi – anders als sonst üblich im Fußball – die Nerven und die Ruhe behält. Bayer ist doch auch noch im DFB-Pokal und hat sich in der Europa League bereits für die K.o.-Runde qualifiziert. Der Klub wird auch in der Liga wiederkommen.

Wie gesagt: Volland hatte am Sonntag direkt nach dem Schlusspfiff keinen Keil in die Mannschaft getrieben, sondern das Offensichtliche benannt und sich explizit in die Kritik mit einbezogen. Ganz dem Status eines Führungsspielers entsprechend. Dennoch bekamen er und die anderen Wortführer, die Woche für Woche das sportlich unbefriedigende Treiben auf dem Platz erklären und nach außen verkaufen müssen, einen auf die Mütze. Bei Bayer 04 besteht dieser Tage auf und zwischen allen Ebenen jede Menge Gesprächsbedarf.

► TV-Experten-Schwergewicht Reiner Calmund (69/Sky) findet Völlers Haltung in Ordnung: Dass ich Rudis Gründen folgen kann, sage ich nicht als Freund und Ex-Manager. Es ist doch so, dass ein langjähriger Chef eines Vereins – egal bei welchem Klub – die Situation vor Ort, wie es mit Team, Trainer und Umfeld steht, besser beurteilen kann als jeder TV-Experte.

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Rudi Völler hat Heiko Herrlich erneut seine ungeteilte Unterstützung zugesichert. Dass nach so einem Spiel die Kritik wieder hochkommt, kann ich nachvollziehen und dass viele denken, die einfachste Lösung ist es, sich vom Trainer zu trennen – aber das finden wir nicht, betont der Sportdirektor von Bayer Leverkusen laut der ‚Bild.

Callis Einschätzung: Logisch, dass Bayer hinter seinen Möglichkeiten aktuell ein Abstiegs-Kandidat ist. Doch es waren auch viele gute Spieler wie Aranguiz und Baumgartlinger lange verletzt. Daher kann ich Völlers Verhalten nachvollziehen. Wobei jedoch klar ist: Letztendlich muss auch Rudi den Kopf hinhalten.

Herrlich selbst sieht sein Team inzwischen im Abstiegskampf angekommen. Unser Punktekonto ist nicht so gut, dass wir das verneinen können, räumt der Bayer-Coach in der ‚Sport Bild ein. Mit gerade einmal elf Punkten nach ebenso vielen Spieltagen belegen die Leverkusener einen indiskutablen 13. Rang.

► Rudis Worte und Haltung sind mal eine klare Ansage. Ich finde die gut. Der Trainer weiß Bescheid, erklärt Sky-Experte Didi Hamann (45), sagt aber auch: Herrlich muss abernun auch bis Weihnachten Punkte liefern.