4:2 nach 0:2: Borussia Dortmund mit Kraftakt an die Tabellenspitze
Warum Borussia Dortmund den Bayern gefährlich werden kann
Freudentaumel beim BVB: in der zweiten Halbzeit dreht die Mannschaft das Spiel zu ihren Gunsten (Quelle: Perform/ePlayer)

Mit einer furiosen Aufholjagd in der zweiten Halbzeit hat Borussia Dortmund das Spiel gegen Bayer Leverkusen gedreht. Den entscheidenden Treffer erzielte ein prominenter Neuzugang. 

Borussia Dortmund ist nach dem 4:2 in Leverkusen Tabellenführer. “Sehr, sehr schön” sei das, sagte Favre, der regelrecht berauscht wirkte von diesem hinreißenden Fußballspiel. Die Dortmunder hatten einen 0:2-Halbzeitrückstand in einen Sieg verwandelt, haben nun mit 19 Treffern den besten Sturm der Liga und sind als einziger Bundesligist noch ungeschlagen. Mit einer Mischung aus Willenskraft, individueller Klasse und einem klugen fußballerischen Konzept hat der BVB erstmals in seiner Bundesligageschichte einen 0:2-Halbzeitrückstand auf des Gegners Platz in einen Sieg verwandelt, vermeldeten Statistiker nach dem Abpfiff.

Borussia Dortmund hat die Gunst der Stunde genutzt und zum zweiten Mal in dieser Saison die Tabellenführung in der Bundesliga übernommen. Drei Tage nach dem 7:0-Schützenfest gegen den 1. FC Nürnberg gewann das Team von Trainer Lucien Favre dank einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte 4:2 (0:2) bei Bayer Leverkusen und blieb dadurch in dieser Saison ungeschlagen. Leverkusen kassierte dagegen seine zweite Heimniederlage in dieser Spielzeit und bleibt im unteren Tabellendrittel.

Bayer 04 Leverkusen – Borussia Dortmund 2:4 (2:0) 1:0 Weiser (9.) 2:0 Tah (40.) 2:1 Bruun Larsen (65.) 2:2 Reus (69.) 2:3 Alcácer (85.) 2:4 Alcácer (90.+4) Leverkusen: Hradecky – Weiser (70. Jedvaj), Tah, S. Bender, Wendell – L. Bender, Kohr – Volland, Havertz, Brandt (79. Paulinho) – Alario (70. Bailey) Dortmund: Bürki – Hakimi, Akanji, Zagadou, Diallo – Witsel, Delaney (46. Dahoud) – Pulisic (68. Sancho), Bruun Larsen – Philipp (63. Paco Alcácer), Reus Schiedsrichter: Brych Gelbe Karten: Wendell – Delaney Zuschauer: 30.210

Jacob Bruun Larsen (65.), Marco Reus (69.) und Paco Alcacer (85. und 90.+4) machten Dortmunds ersten Auswärtssieg seit dem vergangenen Februar perfekt. Zuvor hatten Mitchell Weiser (9.) und Jonathan Tah (39.) bis zur Pause für eine komfortable Führung der Gastgeber gesorgt.

BVB-Trainer Lucien Favre sagte bei “Sky”: “Es waren am Ende viele Emotionen. Das war super. Wir haben das Spiel in der zweiten Halbzeit aber kontrolliert und gut Fußball gespielt. Die Tabellenführung ist sehr schön. Das ist ein guter Start.”

Den “allergrößten Anteil” an all diesen Entwicklungen, habe Favre, erklärte Sebastian Kehl. Der Trainer hat einen fruchtbaren Nährboden für individuellen Fortschritt und für die Entstehung eines harmonischen Kollektivs geschaffen. Das ist das Fundament, auf dem Spitzenteams entstehen können. Dass diese derzeit so überzeugende Mannschaft noch über deutlich sichtbares Verbesserungspotenzial verfügt, und in Favre einen Trainer hat, der es liebt, an Feinheiten zu arbeiten, wirkt nun wie eine Idealkombination.

Leverkusens Trainer Heiko Herrlich mochte seiner Elf nur bedingt Vorwürfe machen. “Das Abwehrverhalten von dem einen oder anderen Spieler war nicht gut. Da fehlt die Intensität. Insgesamt war es eine gute Leistung, aber in den entscheidenden Situationen waren wir nicht da”, meinte der Ex-Profi. 

Es sind diese kleinen Geschichten von Zusammenhalt und individuellem Fortschritt, die den Dortmunder Höhenflug recht stabil erscheinen lassen. Dan-Axel Zagadou machte in der Innenverteidigung sein bisher wohl bestes Spiel für den BVB, Paco Alcácer wurde beim Stand von 0:2 eingewechselt, das 3:2 erzielte er wie ein Weltklassestürmer nach einem perfekt getimten Laufweg und einem hoch komplizierten Abschluss, das 4:2 war bereits sein dritter Treffer in gerade mal 51 Bundesligaminuten.

Der BVB trat im Gegensatz zum vergangenen Mittwoch zunächst äußerst gehemmt auf und fand gegen die gut organisierte Abwehr der Werkself lange kein Mittel. Vor allem der taktische Schachzug von Bayer-Trainer Herrlich, der von 1995 bis 2004 für Dortmund gespielt hat, seine beiden Offensivkräfte Kevin Volland und Julian Brandt stark in die Defensive einzubinden, machte sich vor der Pause bezahlt.

Marco Reus wächst immer besser in die Rolle des Kapitäns und Anführers hinein, das 1:2 in Leverkusen bereitete er mit einem kunstvollen Volleyschuss vor, Bruun Larsen staubte ab. Das 2:2 erzielte er nach einer großartigen Kombination mit Jandon Sancho selbst. “Wenn Du so eindrucksvoll zurückkommst, ist das schon stark”, sagte Reus, der sich auch außerhalb des Platzes sehr gut mit Sancho versteht und zu einer Art Mentor für den jungen Engländer zu werden scheint.

Dortmunds Diallo (l.) und Volland im Kopfball-Duell: Beide Teams lieferten sich erbitterte Zweikämpfe. (Quelle: Revierfoto/imago)

Das Passspiel von Thomas Delaney ist verbesserungsbedürftig, Manuel Akanji war an beiden Gegentreffern beteiligt und ermöglichte Leverkusen überdies eine Großchance zum 3:0. Maximilian Philipp spielt seit Wochen blass und auch Christian Pulisic hatte schon bessere Phasen. Aber hoch veranlagt sind all diese Spieler; für einen Tüftler und Bessermacher wie Lucien Favre muss der BVB dieses Herbstes ein Paradies sein. Und einen netten Vermieter hat er auch noch.

Auch im Spiel nach vorne boten die Hausherren in den ersten 45 Minuten ihre bislang beste Saisonleistung und setzten die BVB-Defensive durch ein konzentriertes Pressing von Beginn an unter Druck. Neuzugang Weiser sorgte dann mit einem herrlichen Distanzschuss für die verdiente Führung, nachdem die Situation aus Dortmunder Sicht schon geklärt schien.

Herrlich ist nicht nur ein sehr freundlicher Trainer, er ist auch ein angenehmer Vermieter für Favre, der in einem Haus wohnt, das dem Leverkusener Trainer gehört, der einst in Dortmund spielte. Das Geschäftsverhältnis der beiden soll nicht belastet werden von diesem Fußballabend, an dessen Ende die Leverkusener haderten und völlig euphorisierte Dortmunder Fans sangen: “Wer wird Deutscher Meister, BVB Borussia.”

Den Westfalen, bei denen Mario Götze diesmal infolge einer Erkältung fehlte, fiel in der Folge nicht allzu viel ein. Und bei den wenigen guten Gelegenheiten des BVB war bei Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky Endstation: Der Finne entschärfte zunächst einen Schuss von Christian Pulisic (11.) und war anschließend (36.) bei einem platzierten Freistoß von Dortmunds Reus aus 20 Metern zur Stelle. Drei Minuten später nutzte Tah eine Verwirrung in der BVB-Hintermannschaft, die zuvor den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum befördern konnte.

Nach der Pause entwickelte sich vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Dortmund war vor dem Champions-League-Duell am Mittwoch mit AS Monaco deutlich aktiver, hatte aber Glück, dass Bayer durch Kevin Volland (54.) nur den Pfosten traf. Zuvor hatten bereits Reus für Dortmund und Brandt für Bayer jeweils eine gute Möglichkeit vergeben.

Der starke Hradecky bewies zudem in der 63. Minute gegen Larsen erneut seine Klasse, ehe er wenig später gegen gegen den BVB-Youngster machtlos war. Reus ebnete anschließend mit seinem vierten Saisontreffer sogar noch den Weg zum Erfolg, den der eingewechselte Paco Alcacer nach einer ersten Großchance (73.) letztlich mit einem “Doppelpack” perfekt machte.

Dieser Abend taugt auch ohne Watzkes Analyse als starkes Gegenargument. Alles, was die Dortmunder nach dem Trainerwechsel und der Grundsanierung des Kaders entwickeln wollen, war zumindest phasenweise sichtbar. Nicht in Perfektion, aber insgesamt sei der BVB “einfach besser” gewesen, sagte Jacob Bruun Larsen. Zumindest für die zweite Halbzeit traf das zu.

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Nach zähem Saisonstart hat der BVB bei der Aufholjagd in Leverkusen alle Qualitäten gezeigt, an deren Stärkung seit Monaten gearbeitet wird. Für Trainer Favre gibt es aber auch noch einiges zu verbessern.

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Borussia Dortmund hat die Gunst der Stunde genutzt und zum zweiten Mal in dieser Saison die Tabellenführung in der Bundesliga übernommen. Trotz der aktuellen Erfolgsserie bleibt man beim BVB bescheiden.

Vom Jäger zum Gejagten: Aber obwohl Borussia Dortmund Rekordchampion Bayern München zunächst mal als Bundesliga-Spitzenreiter abgelöst hat und aktuell auf Wolke sieben schwebt, bleibt der achtmalige deutsche Meister bescheiden. “Die Tabellenführung ist sehr schön. Das ist ein guter Start, aber mehr auch nicht. Wir denken weiter von Spiel zu Spiel”, sagte Trainer Lucien Favre nach dem spektakulären 4:2 (0:2) seiner Mannschaft bei Bayer Leverkusen, wo der BVB erstmals seit Mai 1982 wieder ein Ligaspiel nach einem 0:2-Pausenrückstand gewinnen konnte.

Auch sein Torwart Roman Bürki und Lizenzspielerchef Sebastian Kehl warnten vor dem Hintergrund der Dortmunder Achterbahnfahrt in der Vorsaison vor übertriebener Euphorie. “Tabellenführer zu sein, fühlt sich gut an. Es ist eine schöne Momentaufnahme, aber die Saison ist noch jung. Wichtig ist, dass wir dranbleiben und den Schwung mitnehmen in die weiteren Spiele”, sagte Bürki mit Blick auf die kommenden Aufgaben in der Champions League gegen AS Monaco am kommenden Mittwoch (21 Uhr im LIVETICKER) und drei Tage später in der Meisterschaft gegen den FC Augsburg. Kehl ergänzte: “Wir befinden uns noch sehr früh in der Saison und es wäre verfrüht, nach sechs Spielen in der Borussia einen Titelanwärter zu sehen.”

Zuvor hatten sich die nach wie vor in dieser Saison ungeschlagenen Westfalen drei Tage nach ihrem 7:0-Kantersieg gegen den 1. FC Nürnberg unter dem Bayer-Kreuz als wahre Mentalitäts-Monster entpuppt. “Es war stark, wie wir in der zweiten Halbzeit zurückgekommen sind”, sagte der erneut überzeugende Kapitän Marco Reus, nachdem sein Team die erste Hälfte verschlafen hatte und durch Gegentreffer von Mitchell Weiser (9.) und Jonathan Tah (39.) verdientermaßen 0:2 im Hintertreffen gelegen war. “Es war ein geiles Erlebnis, wir haben gezeigt, dass Mentalität in der Truppe da ist”, urteilte Kehl.

Favre, dessen Team bei einem Pfostenschuss von Kevin Volland (54.) das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite hatte, bewies im zweiten Durchgang zudem ein glückliches Händchen bei seinen Einwechslungen. Nach dem Anschlusstreffer durch Jacob Bruun Larsen (65.) rückten die Joker Paco Alcacer und Jadon Sancho in den Mittelpunkt.

BVB-Coach Lucien Favre beweist glückliches HändchenDie in der 63. Minute eingewechselte Barca-Leihgabe Alcacer (85. und 90.+4) machte mit seinen Saisontreffern zwei und drei Dortmunds ersten Auswärtssieg seit dem vergangenen Februar perfekt. Der erst 18-jährige Engländer Sancho, fünf Minuten nach dem Doppeltorschützen aufs Feld gekommen, bereitete das 2:2 durch Marco Reus (69.) und den zweiten Treffer von Alcacer mustergültig vor – seine fünfte Torvorbereitung in dieser Spielzeit.

“Eine riesige Waffe von uns sind unsere Einwechslungen, die immer direkt für Tore sorgen können”, sagte Bürki. Und Favre, der diesmal nicht mit Fragen zu dem angeschlagenen Mario Götze genervt wurde, stellte nach dem Sieg schmunzelnd fest: “Die Auswechslungen haben etwas gebracht, ganz klar.”