Bayern München – RB Leipzig im Liveticker 3:0 - B.Z. Berlin
RB Leipzig – FC Bayern: Alle Infos im Countdown zum DFB-Pokal-Finale
RB Leipzig gegen den FC Bayern München – zwei Feindbilder vieler Fußballfans treffen im Pokalfinale aufeinander. Das stürzt viele Anhänger ins Dilemma.

Geboren 1966 in Paderborn, studierte Geschichte, Germanistik und Sportwissenschaft. Von 1994 bis 1999 als Volontär und Redakteur bei der “Ostfriesen-Zeitung”, danach fünf Jahre lang Redakteur für Landespolitik bei der “taz” in Hamburg. Ab 2004 freier Autor für Politik und Sport in Berlin, seit Dezember 2009 Sportredakteur bei SPIEGEL ONLINE.

Heute Abend wird der DFB-Pokalsieger ermittelt, normalerweise ist das ein großes Fest. Mit klaren Fronten. Außenseiter gegen Favorit. David gegen Goliath. Gut gegen Böse. Sympathikus gegen Parasympathikus. Sich zu entscheiden, ist meist leicht. Und sich für eine Seite zu entscheiden – das gehört beim Fußball unverrückbar dazu.

Ein bisschen wie in Südeuropa: Warum Leipzig so liebenswert ist

Heute jedoch wird es ein schwerer Abend. Heute stehen sich RB Leipzig und der FC Bayern München gegenüber (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD).

Dass seit fast genau zehn Jahren ein neuer Fußballverein die Heimat von Traditionsvereinen wie der BSG Chemie und Lok Leipzig – die man eigentlich nicht in einem Atemzug nennen darf – aufmischt, soll einer Schnapsidee des Red-Bull-Chefs Dietrich Mateschitz entsprungen sein. Red Bull Leipzig wurde im Mai 2009 von der österreichischen Red Bull GmbH gegründet, Gesellschaftern gehören 99 Prozent des RasenBallsport Leipzig e.V. kurz RB Leipzig. Grund genug, dem Klub der am Ende der Saison auf Platz drei der Bundesligatabelle steht seine Identität und Verwurzelung bei den Fans abzusprechen. In der Liga gab und gibt es deshalb immer wieder Proteste anderer Vereine und deren Fans.

Ex-RB-Manager Krug: “Leipzig ist die Zukunft des deutschen Fußballs”

Seit Wochen geben die Fans, die nicht fest einem der beiden Klubs zugeordnet sind, Wasserstandsmeldungen bei Twitter ab, gegen welches der beiden Teams sie mehr sind. Demonstrativ werden demnach Grillfeste organisiert, die gleichzeitig zum Endspiel stattfinden, vorrangig an Orten, an denen kein Fernseh- und Netzempfang gewährleistet ist. Nur um dieses Spiel nicht sehen zu können oder zu müssen.

Spekulationen um Bayern-Trainer: Löw: Kovac hat gute Arbeit gemacht

Den vollmundigen Ankündigungen in den sozialen Medien nach dürfte am Abend eine fürchterliche Grillwolke über Deutschland liegen, die isländischen Verhältnissen nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull gefährlich nahekommen dürfte.

Nationaltrainer Joachim Löw im Interview Quelle: ZDF Bundestrainer Joachim Löw hat sich für einen Verbleib von Trainer Niko Kovac beim FC Bayern München stark gemacht. "Niko hat sehr gute Arbeit gemacht und das wissen die Bayern. Ich gehe davon aus, dass er bleibt und das hat er auch verdient", sagte Löw in der ARD vor dem DFB-Pokalfinale in Berlin. Die Aussagen der Münchner Bosse, die Kovac zunächst eine Jobgarantie verweigert hatten, habe er nicht als respektlos empfunden, sagte der Bundestrainer. "Natürlich wird Bayern den Trainer nicht abhängig machen von einem einzigen Spiel", sagte Löw mit Blick auf das Pokalfinale.

Die “Zeit” hat im Vorfeld des Endspiels ein Interview mit einem Leipziger (!) Arzt über Pest und Cholera geführt, der Mediziner stellt zu den Krankheiten fest: “Man fühlt sich bei beiden hundsbeschissen und sterbenskrank.”

Das klingt nicht gut. Aber was ist mit all denen, die am Abend trotzdem Fußball gucken wollen, weil es eben das Pokalfinale ist, die große Feier des deutschen Fußballs – und weil sie vielleicht vegan leben und deswegen keine Grillwurst essen?

Er verweist darauf, dass Leipzig "in dieser Saison in 16 von 34 Spielen ohne Gegentor geblieben" ist. "Darauf liegt der Fokus bei uns." Was er vom Finale erwartet? "Wir wollen gewinnen, was sonst?" Dieses Ansinnen hat auch Rangnick: "Es wäre die Krönung einer jetzt schon außergewöhnlichen Saison." Er gab sich optimistisch. "Wir trauen uns das zu." Zumal sein Team gerne im Olympiastadion spiele. "Wir haben hier in den letzten drei Spielen in der Summe 14 Tore gemacht." Das Problem ist, dass es diesmal nicht gegen die Hertha geht. Das weiß auch der Trainer. "Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass wir fünf oder sechs Tore schießen." Zwei oder drei sollten es aber sein, vielleicht von Timo Werner. Dem Angreifer wird Interesse am FC Bayern nachgesagt, umgekehrt auch, wobei seine taktische Eignung für den Rekordmeister zweifelhaft ist. Das kommentierte Rangnick nicht, die Wechselgerüchte ebenfalls nicht. Nur so viel: Die Formkurve des Nationalspielers zeige nach oben. Vorher hatte er bei Sport1 gesagt: "Entweder verlängert er seinen Vertrag doch noch. Oder, wenn er das aber nicht möchte, ist unsere klare und auch besprochene Vorstellung, dass er diesen Sommer wechselt." Werners Vertrag gilt bis 2020. Und nur, wenn er jetzt geht, bekommen die Leipziger Geld für ihn.

Sollen sie für RB Leipzig sein, den Homunkulus des Fußballs von Red Bulls Gnaden? Die Biosphäre 2 des Fußballs, die Sachsenklinik mit ihren aseptischen Laborbedingungen? Für Leipzig, wo des Fußballs Klassenprimus Ralf Rangnick regiert?

Nun könnte man daraus schließen, dass Kovac eine zweite Saison bleiben darf, zumal sein Vertrag bis zum 30. Juni 2021 gilt. Es ist aber nur die Fortsetzung des unwürdigen Spiels der Münchner mit ihrem Trainer. Rummenigge sagte: "Wir haben gesagt, wir setzen uns nach der Saison zusammen und analysieren alles, und dann sehen wir, wie es weitergeht. Daran halten wir fest." Warum nur sagen sie nicht einfach: ja. Oder halt nein. Wir wissen es nicht. Kovac weiß es offenbar auch nicht. Am Freitag sagte er dazu nur: "Das ist deplatziert, wir haben morgen ein Pokalfinale." Alles, was ihn betreffe, sei sekundär. "Den Rest werden wir in den nächsten Tagen sicherlich noch besprechen." Grundsätzlich ist die Variante sehr reizvoll, die Armin Veh vorgeschlagen hat. Das ist jener Sportchef des Aufsteigers 1. FC Köln, der seinen Trainer trotz Tabellenführung gefeuert hat. Dem "Express" also sagte Veh: "Es wäre eine coole Sache, wenn Niko nach dem Gewinn des Doubles einfach abtritt, dann wäre er wieder selbstbestimmt und die Bayern hätten den Salat."

Für Leipzig? Dort, wo sie so tun, als würden sie dieses Pokalendspiel für Ostdeutschland bestreiten – also für die Fans von Dynamo Dresden, den 1. FC Union, Hansa Rostock und den 1. FC Magdeburg. Wo sich RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff aus Bonn, West-Westdeutschland, bei einer Veranstaltung der “Bild”-Zeitung am Freitag hinstellt und sagt: “Wir haben recherchiert: 1941 hat der Dresdner SC das letzte Mal den Pokal für den Osten gewonnen. Wir wollen den Pokal gern für den Osten gewinnen.” 1941, ja, das ist wirklich lange her, zum Glück, möchte man anfügen. Dennoch gab es in der Zwischenzeit doch den einen oder anderen ostdeutschen Pokalsieger. Das müsste man mal recherchieren.

t-online.de: Herr Magath, der FC Bayern hat die Chance auf das Double, doch Trainer Niko Kovac soll Berichten zufolge seinen Job nach dem DFB-Pokal-Finale los sein.Felix Magath: Diskussionen um Niko Kovac gab es schon, bevor er bei den Bayern begonnen hat. Dadurch, dass diese Saison viele Höhen und Tiefen hatte, sind solche Diskussionen nie verstummt. Die Meisterschaft war ein Erfolg, aber beim FC Bayern wird von Niko Kovac eben auch noch der Pokalsieg erwartet.Über München hinaus wird über die Zukunft von Kovac diskutiert. 

Also doch lieber für die Bayern. Die Bayern? Bei ebenjener Veranstaltung der “Bild”-Zeitung taucht auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf, laut Deutscher Presseagentur war er “mit Helm und E-Scooter gekommen und ließ vor den Journalisten einen Ball auf dem Finger rotieren”. Anschließend teilte er mit: “Leipzig hat keine Chance. Wir werden das Double machen. Und nächstes Jahr gewinnen wir die Champions League.” Gut, Serge Gnabry und Joshua Kimmich können nichts für einen solchen Fan. Trotzdem.

Der FC Bayern agiert in einer eigenen Liga. Die Bedingungen und das Umfeld unterscheiden sich von denen bei anderen Vereinen. Niko Kovac hat vom Klub die beste Mannschaft der Bundesliga zur Verfügung gestellt bekommen. Außer Titeln zählt beim FC Bayern nichts! Das Selbstverständnis des FC Bayern ist der Erfolg. Das weiß Niko Kovac.Sie haben im Kicker sogar die These aufgestellt, dass die Bayern viel früher hätten Meister sein müssen.

Die Bayern? Die mit Uli Hoeneß, mit Karl-Heinz Rummenigge, mit Brazzo, dem Zauberlehrling – nein, wirklich nicht. Nie, nie, niemals, nie.

In einem berühmten Roman von Joseph Heller gibt es die Catch22-Regel, die grob gesprochen ungefähr besagt: Wie man es macht, macht man es verkehrt. Es gibt keinen Ausweg. Leipzig gegen Bayern, das ist die Catch22-Situation des Fußballs. Und aller Voraussicht nach wird es zu allem Überfluss auch noch ein sportlich total attraktives Fußballspiel. Es ist zum Verzweifeln.

Ähnlich verwurzelt fühlt sich der neue Köln-Coach Achim Beierlorzer, der auch mal bei den sächsischen Rasenballern war: “Ich habe in Leipzig die Bandbreite aller Dinge kennengelernt, die man im Fußball machen kann. Das ist meine Spielphilosophie.” Marco Rose (künftig Gladbach) und Adi Hütter (Frankfurt) haben sich mit Red-Bull-Fußball in Salzburg einen Namen gemacht. Und Oliver Glasner, der neue Wolfsburg-Coach, wäre heute vielleicht Manager oder Marketingmensch, wenn er nicht als Salzburger Büromitarbeiter 2012 mit dem Sportdirektor Rangnick Joggingrunden gedreht hätte – “da hat mich Ralf irgendwann gefragt, ob ich mich nicht eher in der Trainer-Schiene sehe”. So fing Glasner in Salzburg als Assistenzcoach an.

Es gibt hier wahrscheinlich nur eine einzige Lösung, den Königsweg derer, die normalerweise nichts vom Fußball kennen, es ist die Beschwichtigungsformel der Unwissenden, der Satz, der jeglichem Fansein widerspricht. Er lautet: Der Bessere soll gewinnen. Hüstel.

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Der FC Bayern gegen RB Leipzig: der Meister will das Double, RB seinen ersten großen Titel im Profi-Fußball. Die Bayern-Legenden Franck Ribéry (36) und Arjen Robben (35) sowie Rafinha (33) haben ihren letzten großen Auftritt in Deutschland. Auch Ralf Rangnick (60) hört als RB-Trainer auf. Nicht sicher, ob er seinen Vertrag als Sportdirektor bis 2021 wirklich erfüllt. Rangnick schließt eine Zukunft als Trainer nicht aus.

Um 20 Uhr geht es los im ausverkauften Berliner Olympiastadion. BILD versorgt Sie schon jetzt mit allen Infos bis zum Anpfiff.