Leipzig - Torjäger vor dem Abschied - Süddeutsche.de
RB Leipzig – VfL Wolfsburg 2:0: Timo Werner trifft und darf Wechseln
Vollstreckung per Kopf: Leipzigs Stürmer Timo Werner überwindet Wolfsburgs Torwart Pavao Pervan zum 2:0.

Timo Werner spielte den Ball mit der Hacke und er erzielte danach auch ein Tor mit dem Kopf – zwei Aktionen, die man nur von einem Timo Werner in Topform kennt. Der 23-Jährige ist durch Schnurstracks-Laufen zum Nationalstürmer geworden, nicht durch Tricksen, weil er das Schnurstracks-Laufen schneller erledigt als der Großteil seiner Gegner und sich sein rechter Fuß auch ganz gut zum Toreschießen eignet. Aber okay, wenn es für RB Leipzig so läuft wie im Moment, dann wählt auch Werner mal einen Wackler entgegen der Laufrichtung. “Seine Formkurve zeigt deutlich nach oben”, sagte sein Trainer Ralf Rangnick später. Was allerdings ungünstig ist: Die Fieberkurve für RB Leipzig als weiteren Arbeitgeber von Timo Werner zeigt eher nach unten.

Eine kleine Vorentscheidung könnte zumindest am kommenden Samstag fallen, wenn RB beim Tabellen-Fünften Mönchengladbach antritt. “Wenn wir dort gewinnen”, glaubt Torhüter Péter Gulácsi, “ist die Champions League gesichert.” Ähnliches geht wohl auch Sportdirektor Ralf Rangnick durch den Kopf, der “im Moment zu 100 Prozent in der Trainerrolle” ist und den Vertragsstatus von Timo Werner deshalb für zweitrangig hält: “Mich interessiert nicht, was in sechs oder sieben Wochen mit seinem Vertrag passiert. Sondern mich interessiert, wie er am Samstag in Gladbach spielt!” Egal ob gut oder schlecht: Timo Werners Abschiedstournee läuft.

Das Dauerthema “Was passiert mit Werner?” wurde von Geschäftsführer Oliver Mintzlaff in der Halbzeitpause am Sky-Mikrofon wieder aufgewärmt, wobei Mintzlaff nicht mal eine neue Tendenz bei den Vertragsverhandlungen zu verkünden hatte: “Wir wollen bekanntermaßen mit ihm verlängern, aber er hat uns signalisiert, dass er eher nicht verlängern möchte”, sagte der Klubchef. Das brachte dann auch Trainer Rangnick in die Situation, nach dem hoch souveränen 2:0 (2:0) gegen den VfL Wolfsburgetwas über Werner sagen zu müssen: “Er war an vielen gefährlichen Aktionen nach vorne dabei, hat aber auch viele Balleroberungen mit unterstützt”, zählte Rangnick die Stärken seines Stürmers auf, die ihn momentan mehr interessieren würden als das, “was in sechs, sieben Wochen mit seinem Vertrag passiert”.

“Das Gefühl nach dem Spiel war: Boah, nicht viel gemacht, aber sicher gewonnen.” Nein, Emil Forsberg hörte sich nach dem 2:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg weder abgekämpft noch erleichtert an. Der Schwede wirkte eher überrascht, wie leicht ihm und seinen Kollegen das Topspiel des 29. Bundesliga-Spieltages von der Hand gegangen war: “Wenn wir Bock haben, Fußball zu spielen, wenn wir die Dinge machen, die wir können, dann sieht das gut aus. Das hat riesigen Spaß gemacht.”

Wobei es dann aber um viele Millionen gehen wird: Erfüllt Werner seinen Vertrag bis 2020, müsste Leipzig ihn in 14 Monaten ablösefrei ziehen lassen. Da Leipzig diesen Fall offiziell ausschließt und ohne Vertragsverlängerung einen Verkauf von Werner in diesem Sommer anstrebt, ist es ratsam, ihn in dieser Phase der Saison noch mal gezielt zu loben. Argumente dafür hat Werner einige geliefert: In den vergangenen vier Ligapartien schoss er drei Tore und bereitete drei weitere vor. Gegen Wolfsburg hatte er genügend Chancen, um den Gästen ein Debakel zu bereiten. Doch mal stand Werner im Abseits, mal der Außenpfosten im Weg oder Keeper Pavao Pervan, der sich als bester VfL-Spieler hervortat.

Mintzlaffs Ärger hält sich aber wahrscheinlich in Grenzen. Denn Timo Werner hat im Spiel gegen Wolfsburg seinen aktuellen Marktwert noch mal ordentlich erhöht. Nicht zuletzt mit seinem Treffer zum 2:0, der ein wahres Gesamtkunstwerk war: angefangen bei der riskanten, aber erfolgreichen Balleroberung von Konrad Laimer am eigenen Strafraum, bis zur millimetergenauen Diagonalflanke von Marcel Sabitzer und Werners abschließendem Kopfball.

Schon nach 16 Minuten hatte Kevin Kampl den Ball sehenswert mit links ins Netz gedreht, in der 28. Minute bediente Marcel Sabitzer unbedrängt den einlaufenden Werner, der nur noch den Kopf in die Flanke halten musste. Der VfL hatte den Gastgebern so wenig entgegenzusetzen, dass Emil Forsberg später berichtete: “Das Gefühl nach dem Spiel war: Puh, nicht viel gemacht, aber sicher gewonnen.”

Der Treffer war für RB Leipzig so etwas wie der “Dosenöffner”. In sonderlich große Euphorie versetzte das den mit 28 Jahren sehr in sich ruhenden Kampl jedoch nicht: “Ich habe mal in der Champions League gegen Rom ein schöneres Tor erzielt. Das war fast genauso, nur dass er oben noch gegen die Latte ging.” So ein wichtiges 1:0 mit einem 3,5 Jahre alten Tor gegen Rom relativieren – kann man mal machen.

Forsberg sagte auch ungelenk: “Wenn wir Bock haben, Fußball zu spielen, sieht es so aus” – was aber nicht auf fehlenden Arbeitseifer in anderen Partien hinweisen sollte, sondern eher darauf, dass sich einige Leipziger gerade in Bestform zeigen. Für Rangnick war der 2:0-Sieg auf die “Mischung aus dem Spiel gegen den Ball” und der Offensive zurückzuführen. Die wertvollste Erkenntnis lieferte seine Abwehrformation: Für den gesperrten Willi Orban rückte Nordi Mukiele rechts in die Dreierkette, zusammen mit Ibrahima Konaté in der Mitte und Lukas Klostermann links. Eine neue Kombination, doch Rangnicks Taktik ging auf, und die Leipziger wahrten ihren Ruf als abwehrstärkste Elf der Liga.

Viel gemacht, aber offenbar verloren hat RB Leipzig derweil das Ringen um Stürmer Timo Werner. “Wir wollen bekanntermaßen mit ihm verlängern”, sagte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff dem Sender “Sky” in der Halbzeitpause, “aber er hat uns signalisiert, dass er eher nicht verlängern möchte.” Damit steht ein Wechsel des 23 Jahre alten Nationalspielers im Sommer so gut wie fest.

15 Spiele haben sie in dieser Saison ohne Gegentor beendet. Seit elf Partien ist der Tabellendritte ungeschlagen, ein weiterer Sieg bei Verfolger Gladbach am nächsten Wochenende soll die Champions-League-Qualifikation absichern. “Dann wäre es eine phantastische Saison”, sagte Kampl. Wobei Leipzig auf noch Phantastischeres hofft: auf das Pokalfinale in Berlin.

Eine kleine Rarität wie das Kopfballtor von Werner war aber auch das vorherige 1:0 durch Kevin Kampl. Der hatte im letzten Heimspiel gegen Hertha BSC (5:0) noch eine große Chance liegengelassen (“Für die Tore bei uns sind andere zuständig.”). Gegen Wolfsburg nahm der ehemalige slowenische Nationalspieler aus 21 Metern Maß – und das mit dem schwächeren linken Fuß.

Ein mögliches Endspiel der Leipziger (Halbfinale beim HSV) gegen den FC Bayern (in Bremen) wäre für Timo Werner ein ganz besonderes Spiel: Mit den Münchnern wird er schon länger in Verbindung gebracht. Nach dem Hinrunden-0:1 bei Bayern hatte er eindrücklich gesagt: “Wenn man in Deutschland bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, dann gibt es nur einen Verein, zu dem man wechseln kann.” Also Bayern? “Ja, das wäre eine Schlussfolgerung.”

Am Rande des 2:0-Erfolgs gegen Wolfsburg ließ Klub-Boss Oliver Mintzlaff (43) erstmals durchblicken, dass Stürmer Timo Werner (23) seinen bis 2020 laufenden Vertrag bei RB wohl nicht verlängern wird.

Beim 2:0-Erfolg von RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg am Samstag hat sich RB-Boss Oliver Mintzlaff zu einem möglichen Transfer seines Spielers geäußert. "Wir wollen bekanntermaßen mit ihm verlängern und ihn natürlich unbedingt halten. Aber er hat uns signalisiert, dass er eher nicht verlängern möchte." Es läuft also alles auf einen Transfer im kommenden Sommer hinaus.

Mintzlaff in der Halbzeit bei Sky: Timo Werner ist bei uns zum Nationalspieler geworden. Wir wollen ihn natürlich unbedingt halten. Er hat signalisiert, dass er eher nicht verlängern will. Wir sind in vernünftigen Gesprächen und werden eine Lösung finden, die für alle gut ist.

Nach BILD-Informationen ist sich die Werner-Seite schon lange mit Bayern über einen Wechsel einig. Da Leipzig nur noch diesen Sommer abkassieren kann (im Gespräch sind 40 Mio Euro Ablöse), ist nach der Mintzlaff-Aussage klar: RB strebt einen Wechsel in diesem Sommer an. Der Klub hatte bereits vorher immer wieder angedeutet, dass ein ablösefreier Abgang des Nationalspielers nicht infrage kommt.

Ganz haben die Leipziger die Hoffnung allerdings noch nicht aufgegeben: "Wir sind in vernünftigen Gesprächen und werden eine Lösung finden, die für alle gut ist", so Mintzlaff am vergangenen Samstag. "Wir müssen dann sehen, was das Richtige für uns ist und für Timo."

RB ist seit elf Spielen ungeschlagen (acht Siege, drei Unentschieden). Zuletzt gab es vier Dreier in Folge. So gehts ab in die Champions League!

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Und auch die Tore sind reif für die Königsklasse: Kampl trifft mit einem herrlichen Schlenzer (16.), Werner legt mit einem Kopfball gegen den Lauf von Wolfsburg-Keeper Pervan das 2:0 nach (28.).

Ein Abgang von Timo Werner in diesem Sommer wird immer wahrscheinlicher. Am Wochenende hat sich RB-Boss Oliver Mintzlaff zur Personalie geäußert. Wechselt Werner zum FC Bayern?

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