Leipzig immer näher an der Königsklasse - Bayer sackt ab - Volksstimme
Bundesliga, 28. Spieltag: Bittere Pleite für Schalke 04 – RB Leipzig schießt Bayer Leverkusen ab
Per Lupfer zum Traumtor: Nach einer hübschen Pirouette hebt Leipzigs Cunha den Ball ganz sacht über Leverkusens Torwart Hradecky hinweg.

In einer abwechslungsreichen Bundesligapartie gewinnt Leipzig verdientermaßen – Leverkusen hadert unterdessen mit den Entscheidungen des Videoschiedsrichters und der eigenen Defensive.

Warum? Weil Volland per Abseits-Ablenkung Baileys Kontertor ungültig macht. Weil Werner Weiser auswackelt (Traumtor Nummer drei) und mit seinem dritten Treffer in den letzten vier Spielen zum Ausgleich trifft. Weil Forsberg bei einem Handelfmeter cool bleibt. Und weil der eingewechselte Cunha per Zidane-Drehung und Lupfer das vierte Traumtor schießt.

Soeben hat Bayer Leverkusens Sportvorstand Rudi Völler mitgeteilt, dass das 19 Jahre alte Supertalent Kai Havertz auch in der kommenden Saison für Leverkusen spielt. Aber man wollte am Samstag beim Bayer-Heimspiel gegen RB Leipzig auch den jungen Mann selbst zu diesem Sachverhalt hören. Und Havertz sprach. Mit Toren. Zunächst verwandelte er um 15.40 Uhr einen Foulelfmeter zum 1:0 und geradezu traumhaft geriet ihm sein zweites Tor um 15.53 Uhr aus halbrechter Position an den Innenpfosten zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung. Havertz war glücklich, Leverkusener zu sein.

Bundesliga: Schalke verliert in Minute 90.+9

Eineinhalb Stunden später hat er es aber vielleicht schon wieder ein klitzekleines bisschen bereut, ein weiteres Jahr zu bleiben, denn es sieht so aus, als sollte Bayer auch in dieser Saison und auch unter dem Trainer Peter Bosz irgendwie nicht vorankommen. Das Spiel gegen Leipzig ging trotz der 2:1-Halbzeitführung noch mit 2:4 verloren, und nach dieser dritten Niederlage nacheinander mit elf Gegentoren verlieren die Leverkusener den Kontakt zu den Europapokalplätzen. “Ich zweifle trotzdem nicht an unserem Fußball, und ich hoffe, dass die Spieler es auch nicht tun”, sagte der Trainer Bosz, den die defensiven Schwächen bei Borussia Dortmund vor 16 Monaten dort den Job gekostet hatten.

Leipzigs Marcel Sabitzer bei Sky: Wir waren am Anfang nicht gut abgestimmt, Leverkusen hat uns ausgespielt. Dann haben wir umgestellt und hatten besseren Zugriff. Das war ein richtiger Big Point für die Champions League.

Dass es trotz des Havertz-Doppelpacks nichts mit einem Leverkusener Sieg wurde, lag an immer stärker werdenden Leipziger und hier auch an einem Spieler, der wie Havertz bei den Bayern gehandelt wird und bei dem Leipzig bislang nicht mitteilen konnte, dass er bei RB verbleibt: Timo Werner, 23, schoss in der 64. Minute den sehenswerten 2:2-Ausgleich, bevor in der 72. Minute sein Kollege Emil Forsberg einen fragwürdigen Handelfmeter zum 3:2 verwandelte und Matheus Cunha in der 83. Minute den für Leverkusen schmerzhaften Schlusspunkt setzte. Die Sachsen blieben damit im zwölften Pflichtspiel nacheinander ungeschlagen (neun Siege). “Das waren Big Points für die Champions League”, sagte der Trainer Ralf Rangnick.

Nach einer von vielen Bayer-Ecken in der ersten Halbzeit legt Baumgartlinger einen Abpraller per Kopf für Havertz auf. Per Traum-Drehschuss verwandelt er perfekt neben den Pfosten. Nur eines von vier Traumtoren!

Rangnick gestand aber auch, dass sein Team diesmal “das nötige Matchglück” hatte, denn nicht nur der Leipziger Elfmeter zum 3:2 wurde per Videobeweis entschieden, sondern Leverkusens Treffer zum 3:1 durch Leon Bailey war in der 51. Minute auch per Videobeweis aberkannt worden.

Zwischen den beiden Havertz-Streichen hatte Sabitzer sehenswert per Freistoß ins Torwart-Eck ausgeglichen. Ansonsten ist Bayer lange besser – aber verpasst den ersten Sieg nach zwei Pleiten in Folge.

Für Fußball-Connaisseure war es irritierend gewesen, dass sich Deutschland in der vergangenen Woche offenbar ausschließlich auf das Spiel zwischen München und Dortmund zu freuen schien, schließlich ist bekannt, dass die Duellanten Leverkusen und Leipzig ebenbürtig einen schönen wie torreichen Fußball zu spielen verstehen. Leipzigs Willi Orban sollte nach dem Spiel sagen: “Für den neutralen Beobachter war das ein überragendes Spiel.” Entscheidend für dieses angemessene Urteil war die zweite Halbzeit.

Vor der Pause sieht alles nach einer Kai-Havertz-Show aus: In der 11. Minute verwandelt er erst ganz cool einen Foulelfmeter zum 1:0. 12 Minuten später lässt Havertz das Stadion staunen.

In der 51. Minute bejubelten die Leverkusener zunächst ihr drittes Tor, doch es wurde aufgrund einer Abseitsposition zurückgenommen. Abwehrspieler Wendell hatte einen langen Ball geschlagen, und im Abseits stand dabei zwar nicht der Torschütze Bailey, aber Kevin Volland, der Wendells Pass zunächst anzunehmen schien, ihn dann aber für Bailey durchließ. Dadurch irritierte er zwei Leipziger Abwehrspieler und nahm Einfluss, was man in Abseitsposition selbst ohne Ballkontakt nicht darf.

Leipzig nutzte die Fügung des Schicksal zu neuerlichem Mut und übernahm durch seine nach der Pause zu einem 3-5-2 korrigierte Formation Kontrolle über das Spiel. Der 2:2-Ausgleich in der 64. Minute resultierte aus einer prächtigen Aktion des Nationalstürmers Werner, der linkerhand von der Strafraumgrenze nach innen zog und dabei von Leverkusens Abwehrmännern eher bewundert als gestört wurde. Sein satter Schuss schlug rechts unten im Tor ein. “Wir müssen einfach besser verteidigen”, sagte Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes mit entnervtem Ton.

Leverkusen-Boss Rudi Völler spricht Klartext: Juwel Kai Havertz bleibt bei der Werkself – einen Wechsel im Sommer schließt er aus!

In der 69. Minute wurde die leidige Handspiel-Diskussion um eine Anekdote reicher. Leverksens Mitchell Weiser sprang im eigenen Strafraum ein halbhober Ball recht eindeutig unabsichtlich und fast zart an die Hand, die er noch wegzuziehen versuchte, doch das hinderte den Schiedsrichter Tobias Welz nicht daran auf Elfmeter zu entscheiden. Zuvor hatte Videoassistent Sören Storks eine eigene Entscheidung gescheut, und Welz schien sich vom Monitor am Spielfeldrand gar nicht mehr trennen zu können. Dann entschied er auf Elfmeter. “Ich hätte diesen Elfmeter nicht gegeben”, sagte Leipzigs Trainer Rangnick. “Dieses Handspiel war aus meiner Sicht nicht strafbar”, sagte Leipzigs Kapitän Willi Orban. “Dieser Elfmeter war ein Witz”, sagte Leverkusens Sportdirektor Rolfes.

Die HSV-Bosse legten klar fest, zu welchen Bedingungen Olympiasieger Douglas Santos den Klub – trotz Vertrag – verlassen darf.

Forsberg war es trotzdem ein Vergnügen, den Ball aus elf Metern ungestört einzuschießen. Der eingewechselte Cunha machte dann mit einer überaus sehenswerten Einzelaktion und dem vierten Leipziger Tor alles klar. Dieser Sieg ging trotz allen Eventualitäten in Ordnung.

23. Minute: Wieder Havertz! Nach einer Ecke schießt Havertz den zweiten Ball aus der Drehung ins Netz. Ein Tor wie ein Gemälde!

Die Königsblauen kassieren trotz guter Leistung gegen Eintracht Frankfurt die nächste Pleite. In Leverkusen gibt es ein Spektakel – und für Hannover schwinden die letzten Hoffnungen.

52. Minute: Das Kontertor von Bayers Bailey wird zurückgenommen, weil Volland aus Abseits-Position Konaté abgelenkt hatte.

Trotz des ersten Bundesliga-Heimtors nach sechseinhalb Stunden hat der kriselnde Fußball-Vizemeister Schalke 04 einen wichtigen Punkt im Kampf gegen den Abstieg verpasst. Die Königsblauen unterlagen nach einem Handelfmeter in der Nachspielzeit 1:2 (1:1) gegen den Champions-League-Anwärter Eintracht Frankfurt, der mit dem sechsten Ligasieg in Folge seinen Höhenflug fortsetzte.

In der 13. Minute wehte ein Hauch von 1996 durch die Schalker Arena. Frankfurts Ante Rebic legte zog den Ball mit der Sohle vorbei an Torhüter Alexander Nübel und traf zum 1:0. Die Älteren dürften sich an das EM-Viertelfinale zwischen Kroatien und Deutschland (1:2) erinnern, als Davor Suker auf diese Weise Andreas Köpke verladen hatten. Ob dieser Trick zur kroatischen Fußballausbildung gehört? Wir wissen es nicht. Suat Serdar bewies jedenfalls, dass man auch einfacher treffen kann. Der Schalker drückte nach einer Ecke einen Abpraller zum Ausgleich ins Frankfurter Tor (21.). Frankfurt hoffte noch aus Hilfe aus Köln, um vor der Pause wieder in Führung zu gehen. Doch der Videobeweis nach einem Zweikampf zwischen Jeffrey Bruma und Rebic führte zu der Entscheidung: kein Elfmeter (31.).

Während das Team des Interimstrainers Huub Stevens nach der neunten Heimpleite nur noch fünf Punkte vor dem Relegationsplatz liegt, sind die in diesem Jahr noch ungeschlagenen Hessen klar auf Königsklassenkurs.

Kai Havertz ist mit erst 19 Jahren schon einer der besten Spieler der Liga. Das bewies der Leverkusener mal wieder in der ersten Hälfte gegen Leipzig. Nach elf Minuten verwandelte er einen Elfmeter, bei dem er RB-Torhüter Peter Gulácsi in die falsche Ecke schickte. Noch schöner war Havertz zweiter Treffer. Sein Volley aus rund 14 Metern Entfernung klatschte vom Innenpfosten ins Tor (23. Minute). Es war die erneute Führung für Leverkusen, Marcel Sabitzer hatte mit einem Freistoßtor ausgeglichen (17. Minute).

Ante Rebic brachte die Eintracht, die am Donnerstag (21.00 Uhr) als letzter deutscher Klub im internationalen Geschäft im Viertelfinale der Europa League bei Benfica Lissabon antritt, früh in Führung (13.). Suat Serdar (21.) glich für die Gelsenkirchener aus, die in den vier Bundesliga-Heimspielen zuvor kein Tor erzielt hatten. Nach einem Handspiel von Daniel Caligiuri traf Luka Jovic zum Sieg der Gäste (90.+9). Serdar hatte zuvor noch Gelb-Rot (90.+4/wiederholtes Foulspiel) gesehen.

Bayer Leverkusen hat im Kampf um einen Europacupplatz die nächste Niederlage kassiert, RB Leipzig untermauerte mit dem sechsten Auswärtssieg in Serie dagegen seine Champions-League-Ambitionen. Die Werkself verlor ein packendes und attraktives Spiel gegen den Pokal-Halbfinalisten mit 2:4 (2:1) und rutschte durch die dritte Niederlage in Folge auf Rang acht ab. Leipzig festigte indes den dritten Platz hinter dem Spitzenduo Borussia Dortmund und Bayern München.

Beide Mannschaften erarbeiteten sich klare Gelegenheiten: VfB-Verteidiger Marc-Oliver Kempf traf die Latte (34.), Nürnbergs Matheus Pereira den Pfosten (39.); gerade in der zweiten Hälfte ging es hin und her. Treffer fielen aber nur zwei: Pereira brachte Nürnberg vor der Pause in Führung (42.), die Stuttgarts Ozan Kabak aus abseitsverdächtiger Position ausglich (75.).

Marcel Sabitzer (17.), Timo Werner (64.), Emil Forsberg (71., Handelfmeter) und Matheus Cunha (84.) sicherten den Gästen drei Punkte in der BayArena. Für Leverkusen war Jungstar Kai Havertz einmal mehr der überragende Mann war. Der 19-Jährige, den Bayer auch bei einer Offerte im dreistelligen Millionenbereich im Sommer nicht ziehen lassen will, erzielte in der 11. (Foulelfmeter) und 23. Minute zwei Treffer und stockte sein Saison-Konto auf zwölf Tore auf.

In der zweiten Hälfte gelang beiden Teams wenig, spannend wurde es erst wieder in der Nachspielzeit: Erst flog Serdar mit Gelb-Rot vom Platz, dann verschuldete Daniel Caliguiri noch einen Handelfmeter, den Luka Jovic sicher verwandelte. Nach der Niederlage hat Schalke auf Platz 14 nun fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, Frankfurt bleibt Vierter.

Der VfB Stuttgart hat den 1. FC Nürnberg auf Distanz gehalten und kann im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga zumindest weiter auf die Relegation hoffen. Ozan Kabak (75.) rettete dem in der Kritik stehenden Trainer Markus Weinzierl und seiner Mannschaft im Kellerduell gegen die Franken zumindest ein schmeichelhaftes 1:1 (0:1).

Und auch das 2:1 hatte nicht ewig Bestand. Timo Werner schnappte sich in 63. Minute den Ball, ließ zwei Gegner stehen und traf ins lange Eck (63.). Durch einen Handelfmeter von Emil Forsberg (72.) und ein Zaubertor von Matheus Cunha (83.) drehte RB sogar noch das Spiel gegen Leverkusen, das mit 42 Punkten auf Tabellenplatz acht liegt, Leipzig ist Dritter.

Damit wahrte der VfB sein Vier-Punkte-Polster auf Nürnberg, das nach dem zweiten Saisontreffer von Matheus Pereira (42.) auf den ersten Auswärtssieg in dieser Spielzeit gehofft hatte. Weinzierl, dem gerüchteweise im Sommer der Österreicher Oliver Glasner vom Linzer ASK folgen soll, sammelte allerdings kaum Argumente. In den vergangenen 13 Spielen gelang ihm nur ein Sieg.

Benito Raman brachte Düsseldorf in Führung; typisch für die Fortuna resultierte der Treffer aus einer Konteraktion (30.). Zuvor hatte Düsseldorfs Dodi Lukebakio Gelegenheiten aufs 1:0 vergeben (26., 30.). Marko Grujic gelang zwar der Ausgleich (41.), doch erneut Raman erzielte nach der Pause den Siegtreffer für die Gäste (61.).

Dank eines Doppelpacks von Renato Steffen und eines weiteren Treffers von Jerome Roussillon hält der VfL Wolfsburg im Rennen um einen Platz in der Europa League den Anschluss. Die beiden Tore des Schweizers in der 32. und 71. Minute legten den Grundstein zu einem verdienten, aber weitgehend glanzlosen 3:1 (1:1)-Sieg im Niedersachsen-Duell gegen Tabellenschlusslicht Hannover 96.

Abstieg unrealistisch, Europacup auch: Für Hertha und die Fortuna ist die Saison im Grunde gelaufen. Mit dem fehlenden Druck gingen die Teams aber unterschiedlich um. Aufsteiger Düsseldorf war in Berlin die gefährlichere Mannschaft und überholte die Gastgeber durch den Erfolg in der Tabelle.

Vor 23.512 Zuschauern brachte Hendrik Weydandt die Gäste nach guter Vorarbeit von Linton Maina nach exakt einer halben Stunde in Führung. Doch nur 120 Sekunden später schlugen die Wölfe mit einem Steffen-Kopfball zurück. Nach dem zweiten Tor des Schweizers stellte Außenverteidiger Roussillon (78.) den Endstand her.

Fortuna Düsseldorf hat sich in der Fußball-Bundesliga endgültig aller Abstiegssorgen entledigt. Der Aufsteiger machte durch einen 2:1 (1:1)-Auswärtssieg bei Hertha BSC den Klassenerhalt sechs Spieltage vor Saisonschluss praktisch perfekt.

Stuttgart hat es verpasst, seinen Vorsprung auf die sicheren Abstiegsplätze zu vergrößern. Der VfB (21 Punkte) bleibt nach dem Remis weiter auf dem Relegationsrang, Nürnberg, ein Platz dahinter, hat vier Punkte Rückstand auf die Stuttgarter.

Umjubelter Matchwinner bei den Gästen war der schnelle Belgier Benito Raman mit einem Doppelpack (35. und 61.). Die enttäuschenden Berliner, bei denen Liverpool-Leihgabe Marko Grujic (41.) nur zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich traf, kassierten dagegen die vierte Niederlage in Folge und mussten in der Tabelle die Fortuna an sich vorbeiziehen lassen.

Es war Düsseldorfs erster Bundesliga-Sieg im Olympiastadion seit 1990. 2012 hatte die Fortuna allerdings als Zweitligist das Relegations-Hinspiel bei der Hertha ebenfalls 2:1 gewonnen – und war fünf Tage später im legendären Skandalmatch mit Platzsturm daheim aufgestiegen.

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