Porsche Leipzig setzt auf E-Mobilität - MDR
Leipzig: Porsche unter Strom
Bei Porsche in Leipzig ist am Dienstag Grundsteinlegung. Mal wieder, kann man sagen. Das Werk wächst und wächst. Das hat sicher auch etwas mit den geringeren Produktionskosten zu tun. In Leipzig wird weniger verdient als im Porsche-Stammwerk in Stuttgart Zuffenhausen. Und die Arbeitswoche dauert 38 statt 35 Stunden. Trotzdem hat die Ansiedlung der Stadt viel gebracht. Im neuen Karosseriewerk sollen nun keine traditionellen Autos mehr entstehen, sondern Elektro-Porsche.

Nirgendwo anders produziert Porsche so viele Autos wie in Leipzig. 600 Stück sind es am Tag. Das Stammwerk in Stuttgart Zuffenhausen kommt nur auf 250. Nun wird in Leipzig zum fünften Mal erweitert – für die nächste Generation des Porsche Macan. Es soll ein reines Elektroauto werden, sagt Standort-Geschäftsführer Gerd Rupp.

Auch bekommt der vollelektrische Macan wie der Taycan die extrem schnelle 800-Volt-Ladetechnologie, und er basiert ebenfalls auf der in Kooperation mit Audi entwickelten PPE-Architektur (Premium Platform Electric). Sehr langer Radstand, Batterie im Unterboden, viel Platz für Passagiere und Gepäck. Diese Plattform-Bruderschaft spart Kosten, und klar, natürlich will Porsche auch mit diesem E-Racer den Freunden von Tesla und Co. (neuerdings auch Volvos Polestar) nebenbei zeigen, was ne richtige elektrische Speed-Harke ist.

Elektromobilität stehe für Performance und Sportlichkeit. Die Dynamik, die über die E-Maschinen im Fahrzeug entstehen, würden sehr gut zu Porsche passen, führt Rupp weiter aus. Er sei stolz, dass “der erste elektrische Kompakt SUV Macan voll elektrisch aus Leipzig kommen wird.”

Der Laie staunt. Tatsächlich investiert das Unternehmen weltweit sechs Milliarden Euro in die Elektromobilität. Schon in sechs Jahren soll jeder zweite Porsche ein Hybrid oder Stromer sein. Der eingeschlagene Weg sei richtig, findet der Automobilexperte Stefan Bratzel. Für ihn geht es nicht um den Porsche-Käufer der Vergangenheit, sondern um den der Zukunft.

Wenn Elektromobilität als Symbol der Zukunft gilt, dann muss Porsche diesen neuen Antrieb in die eigene Marken-DNA als Sportwagenhersteller übersetzen.

Vermutlich will Porsche damit auch Käufer von Tesla locken. Einen Nachteil hat die Elektromobilität allerdings. Sie vernichtet am Ende wahrscheinlich mehr Jobs als sie schafft. Denn der Antrieb ist weit weniger kompliziert, man braucht für den Bau eines E-Autos weniger Leute.

Der zweite Elektro-Porsche ist bestätigt: In seiner Sitzung vom 18. Oktober hat sich der Aufsichtsrat der Porsche AG für die Serienfertigung der Konzeptstudie Mission E Cross Turismo entschieden.

Trotzdem blickt Leipzigs Betriebsratschef Knut Lofski optimistisch auf die Werkserweiterung. Auch, weil es bis Dezember 2021 eine Beschäftigungssicherung gebe. Zudem würden sich die Beschäftigten über die neue Aufgabe freuen. Zwar gebe es eine Stammbelegschaft, die abgesichert werden muss. Insgesamt würden die Angestellten der neuen Herausforderung aber positiv gegenüber stehen.

Porsches erstes Elektroauto wird übrigens nicht in Leipzig gebaut. Der voll elektrische Taycan soll ab Jahresende aus Stuttgart Zuffenhausen kommen. Der Vorstand wollte auch für diese Investition Leipzig den Zuschlag geben. Doch der damalige Chef des Gesamtbetriebsrats legte sein Veto ein. Tenor: Nun sei mal wieder das Stammwerk dran.

Elektroautos werden als Retter des Klimas und besonders umweltfreundlich verkauft: kein Lärm, keine Emissionen. Kritiker geben aber zu bedenken, dass die Ökobilanz etwa durch die Herstellung der Akkus geschmälert werde.

Der Faktencheck von MDR AKTUELL Fehler gefunden? Hier können Sie uns eine Korrektur vorschlagen! Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2019 | 05:00 Uhr

Hinweis: Kommentare bei MDR.DE werden von 08:30 bis 18:00 Uhr redaktionell geprüft und nach erfolgter Freigabe (mit Name, aber ohne E-Mail-Adresse) veröffentlicht. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Datenschutzerklärung und die Kommentar-Richtlinien.

@2 Gerd Müller:Stimmt. Und an den 14500 deutschen Tankstellen können gleichzeitig gerade mal 0,025% der zugelassenen PKW gleichzeitig tanken. Was für ein Wahnsinn – wir brauchen viel mehr Tankstellen! (Kleiner Tipp: Ein Tesla muss bei der aktuellen Reichweite vielleicht gerade mal 1,5 so oft tanken wie ein Benziner.)

Wo her kommt der Strom?Mit Stand Ende September 2018 sind in Deutschland 68.000 reine Elektroautos und 58.400 Plug-In-Hybride auf den Straßen. Und das bei einem Fahrzeugbestand von 56,5 Millionen zugelassenen Fahrzeugen. Ein Tesla Auto hat jetzt eine Ladeleistung von 120 kW. Das bedeutet: sämtliche deutschen Kraftwerke können maximal 670.000 Tesla Autos gleichzeitig aufladen. Aber auch nur dann, wenn ansonsten im ganzen Land alle Lichter und Computer aus sind, alle Geschäfte, Krankenhäuser und Polizeireviere dichtmachen und alle Maschinen stillstehen. Um den gesamten Verkehr in Deutschland zu elektrifizieren, bräuchte man eine Leistung von 500 – 1.000 GW, also 10 Mal mehr als wir jetzt haben. Unsere Politiker sind einfach nur noch bekloppt im Kopf oder kann man 10x mehr Strom durch unsere alten Leitungen jagen. Die Grünen sind dabei unsere Republik zu vernichten. Kohle Tod, Diesel Tod, weiter ihr Grünen und es gibt bald Esel.Wasserstoff ist die Zukunft.

Dann könnte man auch mehr Kilometer weiter fahren und braucht man dann auch länger für die Schnellladung wenn sie fast leer ist?Wielange dauert dann eine Ladezeit um die Akkus voll zu bekommen?Na man soll ja auch mal eine Pause nach so langer Fahrt einplanen.

MDR AKTUELL – Aktuelle Nachrichten, Videos, Audios und Liveticker aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Deutschland und der Welt. Aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Fernsehen, Radio, im Web und als App.

Leipzig – Seit 19 Jahren gehört Porsche zu unserer Stadt. Während gerade die Ersten der aktuell 4300 Mitarbeiter in Rente gehen, legte der Auto-Bauer am Dienstag den Grundstein für die Zukunft…

Mehr als 600 Mio. Euro investiert Porsche in den Leipziger Standort – allen voran in die Produktion des Elektro-Macan. 2022 soll der kleine SUV auf den Markt kommen.

Dafür wird das Werk zum fünften Mal erweitert. Kernstück: die 7,5 Hektar große Werkshalle für den Karosseriebau. In zwei Jahren soll sie stehen. Ein Jahr später beginnt die Serienfertigung.

Porsches Produktionsvorstand Albrecht Reimold: Ein bis zwei Jahre wird es einen Parallellauf des Macan mit Verbrennungs- und mit E-Motor geben.

Reimold: Wir denken, dass wir die nächsten zehn Jahre mit drei Antriebsvarianten gut unterwegs sein werden: Verbrennern, Hybriden und reinen Elektroautos. Wir denken, dass bis 2025 jeder zweite Porsche Neuwagen mit einem E-Motor ausgestattet sein könnte.

Zeitgleich arbeitet Porsche mit anderen Firmen zusammen an synthetischen Kraftstoffen: Für die Fahrzeuge, die heute schon fahren. In Leipzig selbst soll sich aber erst mal ein Batteriehersteller ansiedeln. Reimold: Die Ausschreibung läuft.

Mit Beginn der Produktion des Elektro-Macan soll die Stammbelegschaft bei rund 4300 Mitarbeitern bleiben. Die Zahl der Zeitarbeiter (aktuell ca. 2000) wird wohl reduziert – da Elektro-Autos weniger komplex herzustellen sind.