Leipziger Leistungsabfall bei Personalnot nervt Rangnick
Qualitätsverlust im Mittelfeld: RB Leipzig steht vor einer schweren Woche
Nach Diego Demmes Worten war alles über die Leistung von RB Leipzig gesagt. Zwei Spiele hat der Tabellen-Vierte in dieser Bundesliga-Saison bislang verloren: Eins am ersten Spieltag mit 1:4 bei Borussia Dortmund und das nächste am zwölften Spieltag beim 0:1 (0:0) am Samstag beim VfL Wolfsburg. „Das war eines der schlechtesten Spiele, die wir bislang gespielt haben und mit Sicherheit das schlechteste Spiel in dieser Saison“, sagte Leipzigs Mittelfeldmotor Demme anschließend. Die Klatsche in Dortmund kam für den 27-Jährigen nicht annähernd in ähnlicher Weise in Betracht.

Widerspruch gab es nicht. Mit einem Spitzenteam hatte Leipzig in Wolfsburg so wenig gemein wie das Aufeinandertreffen beider Klubs mit einem Bundesliga-Traditionsduell. Dies schien niemanden so sehr zu wurmen wie RB-Coach Ralf Rangnick (Foto). „Wir hatten heute zu viele Spieler, die ihre Normalform nicht erreicht haben“, sagte der 60-Jährige nach der Pleite in Wolfsburg, die der Fast-Absteiger der vergangenen beiden Spielzeiten höher hätte gewinnen müssen.

In einer ausgeglichenen ersten Hälfte hatten die Wolfsburger durch Daniel Ginczek die zwei besten Chancen. Nach dem Seitenwechsel ging es gleich fulminant los: Admir Mehmedi traf den Außenpfosten. Auf der Gegenseite wurde Diego Demmes Schuss von Koen Casteels an den Pfosten gelenkt, anschließend prallte der Ball vom Rücken des Keepers über das Tor. “Das ist natürlich bitter, ich habe ihn drin gesehen”, sagte Demme nach der Partie im “Sky”-Mirkofon. “Das ist wie ein Sechser im Lotto für Wolfsburg, dass er gegen den Rücken springt und wieder rausspringt. Und ein paar Minuten später kriegen wir das Gegentor.”

Angesichts der Spielanteile, der Chancen und des Engagements beider Teams war das Siegtor von Jérôme Roussillon (50. Minute) – auch wenn es reichte – eigentlich zu wenig. Rangnick war so angefressen, dass er in der Spielanalyse regelrecht über sein Team herfiel. Wo andere Trainer relativieren, Spieler schützen und nach Ausflüchten suchen, urteilte Rangnick schonungslos. Beim Gegentor etwa schimpfte der RB-Übergangscoach über das „nicht vorhandene Umschalt-Verhalten aller Abwehrspieler, die vorne waren“.

Fakt ist: Nach zehn Ligaspielen ohne Niederlage ging Leipzig mal wieder als Verlierer vom Feld. “Das ist schwer zu verkraften heute. Aber wir müssen den Mund abputzen, wir spielen am Donnerstag wieder. Das tut auf jeden Fall weh heute. Wir hatten keinen Sahnetag”, berichtete Halstenberg. Ähnlich sah es auch Demme: “Wir haben heute als Mannschaft nicht unser bestes Spiel gezeigt. Wir haben viel Qualität auf dem Platz gehabt, aber heute haben wir das nicht richtig zeigen können.” Weiter geht es für die Sachsen am Donnerstag in der Europa League mit dem wichtigen Spiel gegen Salzburg.

Was den eigentlichen Leipziger Sportdirektor so sehr erzürnte, war offensichtlich die Erkenntnis, dass sein Team bei entscheidenden Ausfällen in der Spitzengruppe der Liga nichts zu suchen hat. „Es war klar, dass es schwer wird, mit diesem Personal, das wir zur Verfügung hatten, das Spiel noch einmal zu drehen“, spottete Rangnick.

Um genau zu sein: Zwei Minuten später erzielte Jerome Roussillon den Siegtreffer der Wölfe (50.). Anschließend fiel RB kaum mehr etwas ein. “Die Wolfsburger haben es nach dem 1:0 gut gemacht, wir hatten wenig Torchancen. Da haben sie heute das Spiel verdient gewonnen”, räumte Marcel Halstenberg ein. Auch Demme lobte den Kontrahenten: “Sie haben es sehr gut gemacht, gerade in der ersten Hälfte haben sie uns gut laufen lassen. Wir haben wenig Balleroberungen gehabt und wenn, dann haben wir sie nicht gut ausgespielt.”

Kevin Kampl (Sprunggelenk), Marcel Sabitzer (Wade) und Dayot Upamecano (Knie) waren nicht rechtzeitig fit geworden und gesellten sich zum Langzeitverletzten Emil Forsberg (Leiste). Wenn diese Ausfälle schon gegen Wolfsburg, das in neun Spielen zuvor nur einmal gewonnen hatte, zu deutlicher Unterlegenheit führt, was blüht dann erst am kommenden Wochenende, wenn Borussia Mönchengladbach kommt?

„Gegen Gladbach muss das wesentlich besser werden, denn die haben wirklich große Qualität“, meinte Torhüter Péter Gulácsi. Anders als bei seinem Team kommen bei den Borussen beständig starke Akteure von der Bank, wenn Spieler ausfallen. Bei den Sachsen schien indes das gesamte Team durch die Ausfälle der Stammkräfte abzufallen.

Ob neben Forsberg auch das Trio der übrigen Verletzten am Sonntag oder schon am Donnerstag in der Europa League im internen Red-Bull-Duell gegen Salzburg wieder dabei ist, ist noch unklar. „Das ist ärgerlich, aber es ist jetzt nun mal so“, sagte Rangnick.

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Die personellen Ausfälle konnte RB Leipzig in Wolfsburg nicht kompensieren, beim Gegentor verfielen die Leipziger in alte Muster. Die Niederlage kam für das Rangnick-Team vor den Partien gegen Salzburg und Gladbach zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.

Leipzig. Ausgerechnet vor dem wichtigen und prestigeträchtigen Dosenduell in Salzburg ist der Höhenflug vorbei. RB Leipzig kassierte beim 0:1 am Samstag in Wolfsburg die zweite Bundesligapleite der Saison. Das wirft uns nicht um, sagte Kapitän Willi Orban, doch die Niederlage verdeutlichte erneut, wie wenig offensive Alternativen die Mannschaft im Mittelfeld besitzt.

Man hat schon gemerkt, dass uns ein paar Spieler gefehlt haben und wir ein bisschen Qualitätsverlust hatten im Mittelfeld. Wir haben Bälle sehr schnell verloren, meinte Abwehrchef Orban. Sein Trainer Ralf Rangnick sah das ähnlich: Ab dem Moment, wo wir in Rückstand waren, war es mir klar, dass es schwer wird, mit dem Personal dass wir heute zur Verfügung hatten, das Spiel nochmal zu drehen. Auch neben den Ausfällen die wir zu beklagen hatten, waren zu viele Spieler auf dem Platz, die nicht ihre Normalform erreicht haben.

Ohne Kevin Kampl, Marcel Sabitzer und Emil Forsberg fehlte den Leipzigern zwischen Abwehr und Angriff die Kreativität und Unberechenbarkeit im Spiel nach vorn. Ob sich die Baustelle bis zur Europa-League-Partie am Donnerstag in Salzburg schließen lässt? Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen, wäre reine Spekulation, meinte der RB-Coach am Samstagabend.