Urschrei in Wolfsburg: Sieg gegen Leipzig zur rechten Zeit
Beruhigte Wolfsburger schauen nach oben
Erste Niederlage nach zehn Bundesligaspielen für RB Leipzig: Das Team von Trainer Ralf Rangnick verlor beim VfL Wolfsburg mit 0:1. Guido Schäfer hat sich die Leistung der Roten Bullen genau angeschaut und Noten vergeben. 

Wolfsburg. Der VfL Wolfsburg hat die Erfolgsserie von RB Leipzig und den eigenen Abwärtstrend beendet. Am Samstag besiegte das Team von Trainer Bruno Labbadia die zuvor zehn Spiele lang unbesiegten Gäste verdient mit 1:0 (0:0). Leipzig bleibt bei 22 Zählern und verpasste damit den vorläufigen Sprung auf Rang zwei. Ersatzgeschwächt enttäuschte das Team von Trainer Ralf Rangnick am Samstag über weite Strecken und konnte sich kaum zwingenden Torchancen herausarbeiten. Besonders nach dem Rückstand durch den Treffer von Jerome Roussillon (50. Minute) blieb das Team von Trainer Ralf Rangnick zu harmlos und scheiterte immer wieder an der dicht gestaffelten Wolfsburger Abwehr.

Es war eine der kuriosesten Szenen des zwölften Bundesliga-Spieltags: Die zweite Halbzeit bei der Partie VfL Wolfsburg gegen RB Leipzig lief gerade ein paar Minuten, da zog Leipzigs Diego Demme aus der Distanz ab. Der Ball wurde von VfL-Keeper Koen Casteels mit den Fingerspitzen an den Pfosten gelenkt, anschließend prallte die Kugel vom Rücken des Belgiers übers Tor. Demme sprach anschließend von einem “Sechser im Lotto” für die Wolfsburger, die im Gegenzug den Siegtreffer durch Jerome Roussillon erzielten (50.). Das oft zitierte “Spielglück” war an diesem Tag auf VfL-Seite und nach dem Abpfiff erfolgte ein “Urschrei” der Wolfsburger Fans – so erlösend war dieser vierte Saisonsieg.

Kurz darauf platzte der Torknoten! Admir Mehmedi schickte Ginczek mit einer herrlichen Flanke, Demme kam nicht hinterher. Ginczeks Schuss wehrte Peter Gulácsi nach rechts ab, doch dort kam Jerome Roussillon angerannt und musste nur noch ins leere Tor einschieben – 1:0 für den VfL (50.). Es war Gulácsis erstes Gegentor nach 499 Minuten.

Durchatmen bei Bruno Labbadia. Der Wolfsburger Trainer kann nach dem 1:0-Sieg gegen Leipzig optimistisch nach vorne schauen.

Aufregung kurz darauf: Im Strafraum-Gewusel spitzelte Ginczek offenbar den Ball über die Linie, doch Schiedsrichter Tobias Stieler (Hamburg) entschied auf kein Tor (13.). Im Gegenzug hatte Poulsen die nächste Gelegenheit, verfehlte den Kasten aber mit einem Knieschuss (15.).

“Das beruhigt Gemüt und Seele”, kommentierte Sportchef Jörg Schmadtke den wertvollen Dreier. Lediglich ein Sieg war den im Vergleich zur Vorsaison wesentlich stärkeren Niedersachsen in den vorherigen neun Partien gelungen. Hätte der VfL auch gegen die Leipziger verloren, wäre das Team von Trainer Bruno Labbadia schon sehr früh wieder in das Schlamassel gerutscht, das man längst hinter sich gewähnt hatte. “Wenn man auf die Tabelle schaut, dann war das natürlich ein wichtiger Sieg”, räumte Schmadtke ein. Mit 15 Punkten hat der VfL wieder Anschluss an die obere Tabellenhälfte. Bei einer Niederlage wäre die Abstiegsregion bedrohlich nahe gekommen. “Wir waren natürlich unter Zugzwang. Das war schon wichtig. Wir können ruhiger arbeiten jetzt”, sagte auch Angreifer Admir Mehmedi.

Labbadia hatte in den vergangenen Wochen immer wieder bedauert, dass sich seine Mannschaft “für den Aufwand, die sie betreibt, nicht belohnt”. Umso erleichterter war der VfL-Trainer, dass sie einen Schritt aus der Ergebniskrise gemacht hat. “Die Belohnung mit dem Sieg ist unheimlich wichtig. Wir wollen den Aufwärtstrend weiter zementieren, und die Mannschaft soll weiterhin mit Überzeugung in die Spiele reingehen.”

In einer munteren Partie, in der beide Teams offensiven Fußball spielen, geht es trotz vieler Chancen auf beiden Seiten torlos in die Halbzeitpause. Nach dem Wiederanpfiff erzielt Jerome Roussillon (50.) seinen ersten Bundesliga-Treffer. Der Franzose staubt nach feinem Solo von Daniel Ginczek ab.

Am kommenden Sonntag (18 Uhr) steht das Auswärtsspiel bei der “Mannschaft der Stunde” auf dem Programm: Die “Wölfe” um Stürmer Daniel Ginczek sind beim Tabellen-Zweiten Eintracht Frankfurt zu Gast: “Wir wollen bis zum Jahresende in jedem Spiel punkten – möglichst dreifach. Und wir wollen so weit weg von unten, wie es geht und uns eine gute Ausgangslage für die Rückrunde schaffen”, sagte der Stürmer. Mit Überzeugung, neuem Selbstbewusstein und vielleicht auch wieder mit dem nötigen “Spielglück”.