Länderspiel gegen Russland: Nationalteam droht Zuschauer-Fiasko in Leipzig
DFB-Team: Joachim Löw nominiert Kader für Abstiegskampf in der Nations League
Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Diese heikle Situation ist auch für Joachim Löw total neu. Zum Abschluss des verkorksten WM-Jahres braucht der Rekord-Bundestrainer Spieler mit guten Nerven für den Abstiegskampf. Bei seiner Personalauswahl für den Test gegen WM-Gastgeber Russland am 15. November in Leipzig und das Abstiegsendspiel in der Nations League vier Tage später gegen die Niederlande in Gelsenkirchen wird Löw seinen Erneuerungskurs nach dem WM-Debakel wohl nur in dosierter Form fortsetzen. Radikale Veränderungen wird es am Freitag nicht geben, wenn Löw seinen Kader für den Jahresabschluss bekanntgibt.

Logischerweise ist ein Abstieg in der Nations League nicht unbedingt wünschenswert. Das wollen wir verhindern, sagte Löw nach der großen Oktober-Enttäuschung mit dem 0:3 im Hinspiel in Amsterdam gegen die Niederlande und dem folgenden 1:2 in Frankreich, bei dem Löw mit dem Turbo-Sturm um Leroy Sané und Serge Gnabry notgedrungen Mut zum Wandel zeigte. Löws Überzeugung bleibt: Die jungen Spieler haben Potenzial, aber sie brauchen Zeit.

Chance für Neulinge: Löw nominiert Kader für Abstiegsendspiel

Als Rückkehrer einplanen kann der DFB-Chefcoach Ilkay Gündogan von Manchester City und BVB-Offensivmann Marco Reus. Beide hatten im Oktober angeschlagen passen müssen. Bayern-Verteidiger Jérome Boateng, der sich in Holland mit Muskelproblemen durch das Spiel schleppte und dann für Paris absagen musste, steht auch wieder zur Verfügung.

Spannung verspricht die Personalie Thomas Müller. Mit zwei Einsätzen könnte der Bayern-Profi beim anstehenden Länderspiel-Doppelpack den Sprung in den illustren 100er-Club schaffen. Doch setzt Löw noch auf ihn? Thomas Müller hat sich vielleicht zuletzt nicht so gezeigt. Aber er ist ein Antreiber, der mit den jungen Spielern spricht. Von daher ist Thomas weiter absolut wichtig, sagte Löw nach dem Holland-Debakel und setzte Müller in Frankreich 88 Minuten auf die Bank. Auf einen Nostalgie-Bonus kann Müller nicht mehr setzen.

Als Neulings-Kandidat gilt der Gladbacher Jonas Hoffmann. Ein Rückkehrer könnte nach langer Verletzungspause der Leipziger Marcel Halstenberg sein. Auf den Augsburger Linksverteidiger Philipp Max hatte Löw zuletzt trotz dessen konstant guter Leistungen verzichtet und dem Hoffenheimer Nico Schulz vertraut.

Zum Ausklang des Länderspieljahres geht es für Joachim Löw und das DFB-Team nur noch um Schadensbegrenzung.

Der Gladbacher Jonas Hofmann, Maximilian Eggestein von Werder Bremen oder Leipzigs Marcel Halstenberg dürfen sich Hoffnung auf eine Nominierung für den Test gegen Russland in Leipzig (15. November) und das Duell in der Nationenliga mit Erzrivale Niederlande vier Tage darauf in Gelsenkirchen machen. Sollte Oranje am 16. November gegen Weltmeister Frankreich verlieren, könnte die DFB-Auswahl den Abstieg mit einem Sieg abwenden.

"Leider haben wir es nicht mehr in der eigenen Hand", sagte Stürmer Timo Werner bei dfb.de: "Es ist nicht so, dass alles zusammenbrechen würde, wenn wir tatsächlich absteigen sollten, aber es wäre schon wertvoll und wichtig, den Abstieg noch zu verhindern."

Ein deutscher Erfolg wäre auch wichtig, um bei der Auslosung der EM-Qualifikation am 2. Dezember in Dublin als Gruppenkopf gesetzt zu werden. Die Ausscheidungsspiele sind für Löw "viel wichtiger" als die Nationenliga, wie er zuletzt wiederholt betont hatte: "Für uns geht es darum, bei der EM 2020 eine starke Mannschaft auf dem Platz zu haben."

Diese soll um den Titel spielen. Auch deshalb muss Löw seinen beim 1:2 in Frankreich im Oktober eingeschlagenen Weg der Verjüngung weitergehen. Nicht auszuschließen ist, dass beim Treffen am Montag in Leipzig die ein oder andere Größe fehlen wird, selbst wenn Löw dies möglicherweise als Schonung in kraftraubenden Wochen erklären könnte.

In der sächsischen Metropole wird die Auswahl zudem erneut "bewusst einen Schritt auf unsere zahlreichen Fans zugehen", wie Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff sagte. Am Dienstag besuchen die Spieler eine Schule sowie drei Vereine. Bei der Begegnung in der Red Bull Arena droht dennoch ein Zuschauerfiasko: Bislang wurden noch nicht einmal 25.000 Tickets abgesetzt. Auch die Veltins-Arena auf Schalke ist nicht ausverkauft.