NRW – Köln: Gruppe soll Behinderten (25) wie Sklaven gehalten haben - t-online.de
Prozess in Köln: Hielten Angeklagte Behinderten als Sklaven?
Nordrhein-Westfalen: Im Landgericht Köln findet der Prozess statt. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Ein behinderter junger Mann soll von einer siebenköpfigen Gruppe eingesperrt und körperlich misshandelt worden sein. Die Verdächtigten sollen ihn sogar während der Taten gefilmt haben.

Prozess in Köln – Gruppe soll Behinderten wie Sklaven gehalten haben

Sieben Frauen und Männer müssen sich seit Dienstag vor dem Kölner Landgericht verantworten, weil sie einen 25-jährigen Behinderten eingesperrt, geschlagen und gedemütigt haben sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Gruppe Freiheitsberaubung, Raub, gemeinschaftliche Körperverletzung, Bedrohung sowie Nötigung vor.

Sieben Frauen und Männer müssen sich seit Dienstag vor dem Kölner Landgericht verantworten, weil sie einen 25 Jahre alten behinderten Mann eingesperrt, geschlagen und gedemütigt haben sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Gruppe Freiheitsberaubung, Raub, gemeinschaftliche Körperverletzung, Bedrohung sowie Nötigung vor. Die Deutschen sollen den 25-Jährigen, der auch an Epilepsie leidet, in der Wohnung einer der Angeklagten in Köln-Bilderstöckchen tagelang wie einen Sklaven gehalten haben.

Prozess: Gruppe soll Behinderten wie Sklaven gehalten haben – Prozess

Die Deutschen sollen dem Opfer, der auch an Epilepsie leidet, in einer Wohnung in Köln-Bilderstöckchen tagelang wie einen Sklaven gehalten haben. Bei Prozessbeginn legten sechs der sieben Angeklagten Geständnisse ab. Der siebte Angeklagte gab an, sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern zu wollen. 

04.06.2019 KÖLN. Vor dem Kölner Landgericht müssen sich seit Dienstag sieben Frauen und Männer verantworten. Die Gruppe soll einen 25 Jahre alten behinderten Mann tagelang wie einen Sklaven gehalten haben.

 Laut Anklageschrift musste der 25-Jährige Arbeiten wie Putzen, Müll sortieren und Wäschewaschen verrichten. Weigerte er sich, sollen ihn die Angeklagten im Alter zwischen 16 und 34 Jahren mit Schlägen und Tritten gegen Gesicht und Oberkörper gefügig gemacht haben. Ferner sollen die Beschuldigten den jungen Mann gedemütigt haben: So soll das Opfer gezwungen worden sein, in einem Bikini mit einem Damenslip auf dem Kopf zu putzen. Dabei soll die Gruppe ihn gefilmt haben. Erst nach fünf Tagen konnte sich das Opfer selbst befreien.

Bei Prozessbeginn legten sechs der sieben Angeklagten Geständnisse ab. Der siebte Angeklagte gab an, sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern zu wollen. 

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Drei der sieben Angeklagten (l, hinten M und r) sitzen vor Beginn ihres Prozesses in einem Gerichtsaal des Landgerichtes.

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Köln – Es war ganz still im Saal 210 des Kölner Landgerichts, als der Staatsanwalt die Anklage verlas. Sie schildert ein Martyrium.

Vier Männer und drei Frauen müssen sich seit Dienstag in Köln verantworten, weil sie einen geistig Behinderten (25) eingesperrt, erniedrigt und gequält haben sollen. Die Jüngste ist erst 16 Jahre alt, der Älteste 34.

Sie hielten ihn wie einen Sklaven – vier qualvolle Tage lang. Dann konnte sich das Opfer befreien und mit Hilfe von Bettlaken aus einem Fenster im 2. Stock abseilen.

Das Opfer wollte am 3. Februar in der Wohnung in Köln-Ehrenfeld nur eine Facebook-Bekanntschaft treffen. Doch dort waren neben der Frau (30) auch die anderen Angeklagten. Sie ließen ihn nicht mehr weg, nahmen ihm Handy, Turnschuhe, Portemonnaie ab. Als der Mann sich wehrte, wurde er geschlagen.

Für die Misshandlung eines behinderten Jungen wurden zwei junge Männer in Aachen zu Haftstrafen verurteilt.

Der Staatsanwalt: Sie beschlossen, ihn dauerhaft in der Wohnung festzuhalten und sklavische Arbeiten verrichten zu lassen.

So musste das Opfer den Müll sortieren, spülen. Weigerte es sich, gab es wieder Schläge und Tritte. Die Anklage weiter: Sie zwangen den Geschädigten, einen Bikini und High Heels und einen Damenslip auf dem Kopf anzuziehen und die Wohnung zu putzen. Dann machten sie Fotos von ihm.

Sie fesselten ihn an einen Stuhl, zwangen ihn, Drogen zu nehmen. Der Staatsanwalt: Er musste auf einer Isomatte neben dem Katzenklo schlafen.

Nachts kann der 25-Jährge nicht schlafen, hat Albträume. Doch der junge Mann schaute sich im Prozess tapfer die Fotos der Wohnung auf der Liebigstraße in Ehrenfeld an. Einfühlsam befragte ihn Richter Dr. Jan Orth, ersparte ihm Einzelheiten der Demütigungen.

Der junge Mann, der in einer Behindertenwerkstatt arbeitet und an Epilepsie leidet, antwortete klar und deutlich. Die Frauen seien die treibende Kraft gewesen: Die Männer waren eher nett zu mir. Auf die Frage, ob er eine Entschuldigung akzeptiert, stimmte er erst zu: Man muss verzeihen können.

Doch als sich dann ein Angeklagter an ihn wendete, winkte er kopfschüttelnd ab. Alles komme wieder hoch. Das Opfer beschrieb auch, wie es sich befreien konnte. Es konnte die Fesseln lösen, schob ein Blatt Papier unter der Tür durch, brachte den von außen steckenden Schlüssel mit einem Brillenbügel zu Fall, zog den Schlüssel mit dem Papier herein zu sich. Sehr clever, so der Richter. Der junge Mann hatte dann Decken zusammengeknotet und sich aus dem 2. Stock abgeseilt.