Staatsanwalt ermittelt nach Fund von gefährlichen Keimen in Kölner Praxis - koeln.de
Verdacht auf Krankenhauskeim: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Todesfall in Kölner Klinik
Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken 15. Mai 2019 um 12:24 Uhr Gefährlicher Keim in Kölner Praxis : Einer der schwerwiegendsten Vorfälle Köln Hygiene- und Infektionsexperten halten das Auftreten eines gefährlichen Bakteriums in einer Kölner Radiologiepraxis für dramatisch. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der Tod eines Mannes auf eine Infektion mit dem Erreger zurückzuführen ist.

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Sollte sich bestätigen, dass sich mindestens 28 Patienten in der Praxis mit Pseudomonas aeruginosa infiziert haben, wäre es meines Wissens einer der schwerwiegendsten Vorfälle mit diesem Erreger in einer ambulanten Einrichtung in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa, sagte der Infektiologe Peter Walger. Er ist Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Zur Infektion benötigt der Erreger meist eine Eintrittsstelle in den menschlichen Körper – etwa eine Wunde, einen Katheter oder Schläuche zur Beatmung. Die im aktuellen Fall betroffenen Patienten sollen nach einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers Spritzen in den Rücken bekommen haben. Treten Infektionen mit dem Erreger in einer Arztpraxis wie berichtet auf, ist man geneigt, Hygienefehler bei dem durchgeführten Eingriff zu vermuten, sagte Sören Gatermann von der Ruhr-Universität Bochum.

Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob der Tod eines 84-Jährigen sowie die Erkrankungen weiterer Patienten auf eine Infektion mit dem Bakterium zurückzuführen sind. Der Kölner Stadt-Anzeiger hatte zuvor über den Fall berichtet.

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Pseudomonas aeruginosa ist ein in der Umwelt weit verbreiteter Krankheitserreger und zählt zu den häufigsten Krankenhauskeimen. Er kann unter anderem Lungenentzündungen sowie Harnwegs- und Wundinfektionen verursachen. Weil er verschiedene antibiotische Wirkstoffe unschädlich machen kann, sind Infektionen mit dem Erreger oft schwer behandelbar.

Infektionen mit dem Keim in Praxen oder Kliniken gäbe es in Europa immer wieder, sagte Mikrobiologe Alexander Friedrich von der Universität Groningen in den Niederlanden. Meist betrifft es einen einzelnen Patienten, in den meisten publizierten Fällen weniger als zehn Patienten, sagte er. Nur selten seien es mehr.

Wie viele andere Bakterien kann Pseudomonas aeruginosa Infektionen verursachen, wenn er in Regionen des Körpers – Gewebe, Blut, Liquor – gelangt, die normalerweise bakterienfrei sind, erklärte Gatermann. Je nach Ort und Menge der eingebrachten Bakterien kann es dann unterschiedlich lange dauern, bis Krankheitszeichen auftreten. (dpa)

Pseudomonas aeruginosa kann unter anderem Lungenentzündungen sowie Harnwegs- und Wundinfektionen verursachen. Zur Infektion benötigt der Erreger meist eine Eintrittsstelle in den menschlichen Körper – etwa eine Wunde oder einen Katheter. Die im aktuellen Fall betroffenen Patienten sollen Spritzen in den Rücken bekommen haben.

Oberstaatsanwalt Bremer sagte, der 84-Jährige habe sich Anfang des Jahres wegen Rückenproblemen in der Praxis behandeln lassen. Nachdem er eine Spritze erhalten hatte, sei es wiederholt zu Komplikationen gekommen. Nach einer Operation starb er Mitte April an Multiorganversagen. Die Ermittlungen zu dem Fall stünden noch am Anfang, so Bremer.

In einer Kölner Praxis haben sich einem Medienbericht zufolge mindestens 28 Patienten mit gefährlichen Bakterien infiziert. Einer starb, nun untersuchen Behörden die Todesursache.

Illustration eines Pseudomonas aeruginosa Bakteriums: Der Erreger ist gegen mehrere Antibiotika resistent

14.05.2019 Köln. Der Tod eines Rentners beschäftigt die Kölner Staatsanwaltschaft. Geprüft wird, ob der Tod des Mannes auf Bakterieninfektion zurückgeht. Der Erreger wurde in einer Kölner Radiologie-Praxis nachgewiesen, 28 Patienten sind ebenfalls erkrankt.

Sie kamen mit Rückenschmerzen und gingen offenbar mit einem gefährlichen Krankenhauskeim: In einem medizinischen Versorgungszentrum in Köln haben sich mindestens 28 Menschen mit Bakterien infiziert, nachdem sie Spritzen in den Rücken bekommen hatten. “Im Rahmen von CT-gesteuerten periduralen Infiltrations-Therapien ist es in einem Zeitraum von zirka zweieinhalb Wochen zu Infektionen mit einem pansensiblen Erreger Pseudomonas aeruginosa gekommen”, zitiert der “Kölner-Stadtanzeiger” den ärztlichen Geschäftsführer des MVZ, Michael Herbrik. Eine Anfrage des SPIEGEL blieb bisher unbeantwortet.

Der Eingriff gilt eigentlich als risikoarm. In seltenen Fällen kann es jedoch zu einem sogenannten Spritzenabszess kommen, wenn beispielsweise die Haut des Patienten nicht ordnungsgemäß desinfiziert wird und dadurch Krankheitserreger in den Körper eindringen können. Ob das bei dem aktuellen Ausbruch in Köln eine Rolle gespielt haben könnte, ist jedoch noch völlig unklar.

Der Erreger Pseudomonas aeruginosa ist ein bekannter Krankenhauskeim. Weil er verschiedene antibiotische Wirkstoffe unschädlich machen kann, sind Infektionen mit dem Erreger oft schwer behandelbar. Laut Robert Koch-Institut kann das Bakterium eine Sepsis, auch bekannt als Blutvergiftung, Lungenentzündungen und Harnwegsinfektionen verursachen. Laut “Kölner Stadtanzeiger” erlitten mehrere Patienten, die in der Kölner Praxis für Radiologie behandelt wurden, zudem eine Hirnhautentzündung.

Bereits im Januar waren bei einem Patienten Komplikationen aufgetreten, nachdem er eine Spritze in den Rücken erhalten hatte. Der 84-Jährige starb anderthalb Tage nach dem Eingriff an Multiorganversagen. Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sein Tod auf eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa zurückzuführen ist.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene handelt es sich um den schwersten Ausbruch mit diesem Erreger in einer ambulanten medizinischen Einrichtung in Europa. Allerdings werden längst nicht alle solcher Fälle dokumentiert.

Laut “Kölner Stadtanzeiger” hat die Klinik selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Zwischen dem 2. Januar und dem 1. März waren 297 Patienten mit der Therapie behandelt worden, einige von ihnen mehrfach. Sie wurden bereits über die möglichen Risiken informiert. Die Spritzen wurden demnach von fünf Ärzten gesetzt. Der Eingriff wird vorerst nicht mehr vorgenommen.