28 Patienten Infiziert, ein Toter: Killer-Keim in Köln ausgebrochen - BILD
Kölner Praxis: 28 Patienten nach Spritze erkrankt – Todesfall wird untersucht
Köln – Nach dem Ausbruch eines Killer-Keims in einer Kölner Radiologie-Praxis sind bereits 28 Patienten infiziert, ein Mann ist tot.

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, sollen sich die Patienten bei Injektionen im Bereich der Wirbelsäule im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Neumarkt mit einem gefährlichen Bakterium angesteckt haben.

Der Kölner Franz O. (84), der im Januar eine solche Spritze erhielt, ist gestorben, nachdem in der Folge der Behandlung schwere Komplikationen aufgetreten waren, so die Zeitung.

Peter Walger (69), Infektiologe und Pressesprecher/Hygiene-Beauftragter der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene gegenüber BILD: Der Keim ist bekannt, aber dieser Ausbruch ist der bisher größte bekannte in Deutschland, wahrscheinlich sogar in Europa.

Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer zu BILD: Weil die Todesursache unklar war, wurde ein Todesermittlungsverfahren aufgenommen. Es wird nun geprüft, ob es einen Zusammenhang zwischen der Infizierung des Mannes mit dem Keim und seinem Tod gibt.

Außerdem wurde die Staatsanwaltschaft von der Klinik informiert, dass es 28 weitere Fälle von Infizierungen gibt.

Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Liste von zwölf Killer-Keimen veröffentlicht. Herkömmliche Medikamente bieten gegen sie keinen Schutz.

Bei dem Erreger geht es um den Pseudomonas aeruginosa, bestätigte der ärztliche Geschäftsführer des MVZ, Michael Herbrik, dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Der Erreger sei besonders gefährlich. Er steht auf der Liste der zwölf Killer-Keime der Weltgesundheitsorganisation (WHO), weil gegen ihn herkömmliche Medikamente keinen ausreichenden Schutz bieten.

Mehrere Patienten des Versorgungszentrums erlitten nach Informationen der Zeitung infolge der Behandlung eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung (Meningitis).

Auf einer Pressekonferenz am Dienstag hat das örtliche Gesundheitsamt mitgeteilt, dass der Klinik die Behandlungsmethode mit den Injektionen untersagt wurde. Mehr will die Stadt Köln wegen der laufenden Ermittlungen nicht sagen.

► Das MVZ wollte sich auf BILD-Anfrage aufgrund des laufenden Verfahrens nicht weiter äußern.

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Nach dem Fund eines gefährlichen Erregers in einer Kölner Radiologie-Praxis ermittelt die Staatsanwaltschaft. Man prüfe, ob der Tod eines Rentners auf eine Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa zurückzuführen sei, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Dienstag. Untersucht werde auch, ob 28 ebenfalls erkrankte Patienten der Praxis mit dem Erreger infiziert sind.

Im Rahmen von CT-gesteuerten periduralen Infiltrations-Therapien ist es in einem Zeitraum von zirka zweieinhalb Wochen zu Infektionen mit einem pansensiblen Erreger Pseudomonas aeruginosa gekommen, sagte der ärztliche Geschäftsführer des MVZ, Michael Herbrik. 28 Patienten seien betroffen. Der Kölner Stadt-Anzeiger hatte zuerst darüber berichtet.

Ein 84-jähriger Kölner, der im Januar eine solche Spritze erhielt, war gestorben, nachdem in der Folge der Behandlung schwere Komplikationen aufgetreten waren. Als eine Querschnittslähmung drohte, musste mein Mann notoperiert werden, sagt die Ehefrau. 36 Stunden nach der OP starb der Mann. Ob der Tod auf die Keiminfektion zurückzuführen ist, werde jetzt in einem Todesermittlungsverfahren geklärt, teilte die Kölner Staatsanwaltschaft mit. Oberstaatsanwalt Bremer bestätigte, dass der Senior sich Anfang des Jahres wegen Rückenproblemen in der Praxis hatte behandeln lassen. Nachdem er eine Spritze erhalten hatte, sei es wiederholt zu Komplikationen gekommen. Nach der Operation starb er Mitte April an Multiorganversagen.