SV Darmstadt 98 fehlt die individuelle Klasse
Kommentar zum 3:0-Sieg: Auf dem klaren FC-Erfolg in Darmstadt liegt ein Schatten
Die meisten Lilien-Fans gingen nach der 0:3-Niederlage gegen Aufstiegs-Favorit 1. FC Köln nicht enttäuscht nach Hause. Darmstadt hat, besonders in der ersten Halbzeit, ein gutes Spiel gemacht. Es fehlten ohne den gesperrten Tobias Kempe (5. Gelbe) und Stürmer Serdar Dursun (muskuläre Probleme) die ganz klaren Torchancen und die Tore.

Daniel Heuer Fernandes: In der ersten Halbzeit hatte er kaum was zu halten. Dann fielen drei Tore in 16 Minuten und er hatte kein Glück. Beim dritten riskierte er viel. Note 4

Tim Rieder: Wird als rechter Verteidiger immer besser. Vorm 0:1 war er vorne, um den Angriff anzukurbeln. Sonst hinten mit Lösungen. Note 4

Probleme bei Darmstadt 98: leichte Gegentore, wenig Effizienz

Marcel Franke: Hatte mit Cordoba viel Arbeit, der ihm auch entwischte. Versuchte vorm 0:1 noch zu retten, klappte nicht. Bereitete das 0:3 mit Kopfball-Rückgabe vor. Note 5

Aytac Sulu: Hatte mit dem größeren Terodde viel zu tun, schaltete den besten Torjäger der Liga aber oft gut aus. Konnte beim 0:2 nicht mehr retten. Note 4

Hoffnung gibt auch, dass den Lilien gegen Berlin ihre beiden gefährlichsten Offensivspieler dann voraussichtlich wieder zur Verfügung stehen. Mittelfeldspieler Tobias Kempe hat seine Gelb-Sperre gegen Köln abgesessen. Angreifer Serdar Dursun, der wegen Muskelproblemen passen musste, absolvierte am Sonntag mit der Mannschaft das Auslaufprogramm.

Fabian Holland: Hatte seine Seite gut im Griff. Versuchte, den Kollegen bei Problemen zu helfen. Wurde ausgewechselt, um die 5. Gelbe nicht zu riskieren. Note 4

Slobodan Medojevic: Rettete in höchster Not, als Cordoba durch war. Spielte gute Bälle in den Angriff, lief den Gegner gut an und zerstörte. Note 3

Das zeigte sich auch kurz vor dem ersten Gegentor, als Lilien-Angreifer Terrence Boyd eine Freistoßflanke in aussichtsreicher Position knapp verfehlte. Im Gegenzug nickte Terodde eine Flanke von Louis Schaub ein. “Das 1:0 war schwer zu verteidigen, und Köln hat seine individuelle Qualität in der Situation bewiesen”, sagte Schuster.

Yannick Stark: Hatte am Ende den von Platte aufgelegten Schuss, der weit drüber ging. War fleißig und ging gut in die Zweikämpfe. Note 4

“Am Ende sind wir an der Effizienz und der Qualität der Einzelspieler von Köln gescheitert”, erklärte Schuster. “Vom Ergebnis her ist es ein sehr schlechtes Gefühl, von der Leistung aber ein sehr positives.” Darauf könne man im Auswärtsspiel bei Union Berlin am kommenden Samstag aufbauen.

Marcel Heller: Hatte ein paar schöne Aktionen nach vorne. Ließ sich nicht einfach stoppen. Wartet gut, bevor er flankt. Es fehlte an Abnehmern. Note 3

Johannes Wurtz: Vertrat Kempe bei Freistößen und Ecken. Hatte vor der Pause Darmstadts größte Chance. Spielt ganz nette Pässe, muss aber selbst gefährlicher werden. Note 4

Joevin Jones: Half viel nach hinten und trieb den Angriff unermüdlich an. Kam mehrmals durch Tricks an den Kölnern vorbei. Ist schwer zu stoppen. Note 3

Einen Nachbericht zur Niederlage des SV98 gegen Köln sehen Sie am Sonntag ab 22.05 Uhr in heimspiel! Bundesliga.

Terrence Boyd: Spielte für Dursun zum ersten mal von Beginn an. Bekam nicht mehr so viel Foul-Pfiffe gegen sich, spielt umsichtiger. Zeigte Torgefahr. Note 4

Felix Platte: Kam in der 85. Minute für Boyd. Erstes Saisonspiel nach Operationen. Spielte klug auf Stark und zeigt Torgefahr.

Auch ohne Anthony Modeste läuft es beim 1. FC Köln: Nach dem 3:0 in Darmstadt ist der FC zumindest vorläufig wieder Tabellenführer.

Auf dem Platz durfte Anthony Modeste noch nicht helfen, dafür fieberte der prominente Neuzugang des 1. FC Köln auf der Couch mit. Bilder und Videos aus dem heimischen Wohnzimmer schickte der Edelfan via Instagram um die Welt – und am Ende eines zähen Auswärtsspiels beim SV Darmstadt 98 herrschte nicht nur bei Modeste große Erleichterung.Das 3:0 (0:0) bei den Hessen sorgte dafür, dass der FC vorübergehend wieder auf Platz eins der 2. Fußball-Bundesliga sprang. Und es zeigte, dass die Kölner auch ohne Rückkehrer Modeste, der weiterhin noch keine Spielgenehmigung hat, erfolgreich sein können. Torjäger Simon Terodde (55.), Rafael Czichos (66.) und Jhon Cordoba (69.) trafen für das Team von Trainer Markus Anfang, das sich nach der Pause deutlich gesteigert hatte.”Man hat von unserer Qualität in der ersten Halbzeit vielleicht nicht so viel gesehen”, gab Sportchef Armin Veh zu: “Aber das macht dann den Unterschied aus. Deshalb haben wir uns ja so aufgestellt.”Darmstadt hatte den ersten Durchgang dominiert, die Zweikämpfe gewonnen und den FC in der eigenen Hälfte eingeschnürt. “Es war das erwartet schwere Auswärtsspiel, Darmstadt hat uns über den ganzen Platz angelaufen”, sagte Anfang.Dass am Ende dennoch ein derart deutliches Ergebnis stand, lag vor allem an der gnadenlosen Effizienz der Kölner. Terodde steht sinnbildlich dafür. Der 30-Jährige hat nach dem 14. Spieltag bereits 17 Saisontore, und damit so viele wie die gesamte Mannschaft des Hamburger SV. Die Norddeutschen sind vorerst Zweiter, sie können aber am Montag (20.30 Uhr/Sky) beim Spitzenspiel gegen den Tabellendritten Union Berlin wieder vorbeiziehen.Das ist aber aus Kölner Sicht aktuell zweitrangig, die Tabellenkonstellation klammern Veh und Co. aus. Der Sportchef freute sich dafür umso mehr über seine treffsicheren Stürmer Terodde und Cordoba – und darüber, dass er noch Anthony Modeste in der Hinterhand hat: “Also wenn ich als Trainer Modeste bekommen hätte, dann hätte ich zu meiner Frau gesagt: Ich brauche zu Weihnachten nix mehr.”Doch wann die Kölner Fans ihr vorgezogenes Weihnachtsgeschenk auf dem Platz sehen werden, ist noch völlig offen. Modestes Ex-Verein Tianjin Quanjian droht mit einer Klage. Die Chinesen pochen auf einen aus ihrer Sicht gültigen Vertrag und wollen vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen. Modeste hat jedoch gekündigt, weil Tianjin zwar Gehalt gezahlt, aber keine vereinbarten Prämien an den Franzosen überwiesen hat.Die FIFA beschäftigt sich derzeit mit dem Streitfall und vergibt dann die Spielgenehmigung. Nur bis wann will der Weltverband eine Lösung finden? “Das liegt nicht in unserer Hand”, sagte Veh. sid