Eine starke Halbzeit reicht nicht - Lilien verlieren gegen Köln mit 0:3
Darmstadt 0:3 gegen Köln: Note 3 für 3 Lilien
Kölns Torschütze Jhon Cordoba (r) jubelt mit Jannes Horn (l) und Vincent Koziello über seinen Treffer zum 3:0 gegen Darmstadt.

Kampf war Trumpf wie hier vor dem 2:0, als der Ball über alle hinwegflog und von Czichos ins Tor bugsiert wurde.

Darmstadt. Mit ihren Treffern beim Sieg in Darmstadt haben Simon Terodde und Jhon Cordoba nach der Verpflichtung von Anthony Modeste weiter Werbung in Eigensache betrieben. Schlechte Nachrichten gibt es hingegen von Jonas Hector.

Nicht selten ist es der Fall, dass Spielbeobachter und die Protagonisten auf dem Platz unterschiedlicher Meinung über das zuvor erlebte Fußballspiel sind. Nach dem Kölner 3:0-Erfolg in Darmstadt war das nicht der Fall. Es war wohl nicht schön anzuschauen, und für uns auf dem Rasen fühlte es sich auch nicht gut an, brachte es Marco Höger auf den Punkt.

Während der ersten Halbzeit dominierten die Gastgeber mit ihrem körperbetonten und aggressiven Spiel. Von dem hitzigen Treiben auf dem Platz ließen sich die meisten Kölner einschüchtern. Allein Marco Höger und Rafael Czichos versuchten mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Immerhin ließ Kölns Hintermannschaft trotz des mannschaftlich schwachen Zweikampfverhaltens kaum Torschüsse zu.

Beim zweiten und dritten Kölner Treffer war der Lilien-Coach dagegen unzufrieden: Czichos Treffer nach einem Eckball könne man besser verteidigen. “Und das 0:3 machen wir eigentlich selbst”, sagte Schuster mit Blick auf die Kette von Fehlern und Missverständnissen, die dem Tor vorausgegangen war. Danach habe seine Mannschaft wegen des Torverhältnisses Schadensbegrenzung betrieben.

In seiner Halbzeitansprache forderte FC-Trainer Markus Anfang die Spieler zu mehr Zweikampfhärte und Durchsetzungsvermögen auf. Die Spieler folgten dem Aufruf. Insgesamt sei die Partie typisch für den Zweitligafußball gewesen, meinte Czichos: Im Vordergrund steht der Kampf, und dann muss man die wenigen sich bietenden Chancen nutzen.

Auch Sportchef Armin Veh gestand ein, dass die FC-Truppe auch diesmal keinen Preis für attraktives Spiel gewonnen habe. Es sei allerdings auch so, dass die 2. Liga für spielstarke Mannschaften unangenehm sei: Ich denke, wir würden uns mit dieser Mannschaft in der Bundesliga leichter tun.

Hoffnung gibt auch, dass den Lilien gegen Berlin ihre beiden gefährlichsten Offensivspieler dann voraussichtlich wieder zur Verfügung stehen. Mittelfeldspieler Tobias Kempe hat seine Gelb-Sperre gegen Köln abgesessen. Angreifer Serdar Dursun, der wegen Muskelproblemen passen musste, absolvierte am Sonntag mit der Mannschaft das Auslaufprogramm.

Das taten sich die FC-Torjäger, nachdem Simon Terodde das 1:0 (55.) markiert hatte. Nach einem technisch feinen Lupfer von Louis Schaub von der Grundlinie zurück in den Strafraum nickte der Torjäger den Ball ein. Es war sein 17. Saisontreffer, sein 106. Zweitligator (jetzt Dritter in der ewigen Bestenliste hinter Sven Demandt/121 und Theo Gries/111).

Ähnlich sah es Offensivmann Wurtz. “Dass wir eng dran sind, dass wir dem Gegner die Lust nehmen, dass wir kein Kombinationsspiel zulassen – das müssen wir weiterhin machen, gegen jeden Gegner, nicht nur gegen Köln. Wenn wir das die nächsten Wochen wieder machen, werden wir auch ein paar Spiele gewinnen. Davon bin ich überzeugt.”

Elf Minuten später leistete Schaub beim 2:0 (66.) erneut die Vorarbeit, als er einen Eckball hart vor das Tor zog. Der Ball fiel hinter einer am kurzen Pfosten stehenden Spielertraube samt gegnerischem Torwart zu Boden, wo Czichos ihn eindrückte und lobte: Das war eine gute Eckballvariante, die schwer zu verteidigen ist.

Das zeigte sich auch kurz vor dem ersten Gegentor, als Lilien-Angreifer Terrence Boyd eine Freistoßflanke in aussichtsreicher Position knapp verfehlte. Im Gegenzug nickte Terodde eine Flanke von Louis Schaub ein. “Das 1:0 war schwer zu verteidigen, und Köln hat seine individuelle Qualität in der Situation bewiesen”, sagte Schuster.

Für die Entscheidung sorgte Jhon Cordoba, der den Ball danach unter dem Trikot verbarg als Zeichen eines Babybauchs. Der Kolumbianer wird Vater. Er erlief einen zu kurzen Rückpass, umkurvte den Torwart und schoss ein. Jhon ist ganz schwierig zu halten. Er hat inzwischen Selbstvertrauen. Das sieht man auch daran, wie filigran er den Ball behandeln kann. Er ist sehr wertvoll für uns. Man könnte meinen, dass im letzten Jahr sein Bruder hier gespielt hat, witzelte Veh zum Abschluss seines Lobes für den zum fünften Mal erfolgreichen Stürmer.

“Am Ende sind wir an der Effizienz und der Qualität der Einzelspieler von Köln gescheitert”, erklärte Schuster. “Vom Ergebnis her ist es ein sehr schlechtes Gefühl, von der Leistung aber ein sehr positives.” Darauf könne man im Auswärtsspiel bei Union Berlin am kommenden Samstag aufbauen.

Er und sein Partner Simon Terodde erhöhten damit ihr gemeinsames Konto auf 22 Saisontore. Damit schossen die beiden bereits mehr Tore als 13 andere Mannschaften jeweils insgesamt. Das nennt man beste Eigenwerbung hinsichtlich des Dreikampfs mit Anthony Modeste. Denn wenn der im Streit mit seinem vorherigen Arbeitgeber aus Tianjin Recht und vom Weltverband Fifa die Spielerlaubnis erhält, wird der Kampf um die Sturmbesetzung noch intensiver.

Kölns Sportchef schaut diesem Luxusproblem voller Vorfreude entgegen. Wenn ich in der Funktion als Trainer einen Tony Modeste bekommen hätte, hätte ich zu meiner Frau gesagt: Zu Weihnachten brauche ich nichts mehr, meinte Veh, und fügte schelmisch hinzu: Ich hoffe, unser Trainer freut sich ebenso. Allerdings sieht er Modeste noch nicht in absehbarer Zeit spielen. Die Rechtslage sei kompliziert.

Zufrieden war Veh darüber, dass Anfang erneut eine Doppelspitze aufgeboten hatte und von seinem ursprünglichen Konzept mit nur einem Mittelstürmer abgewichen war. Und was eine Zukunft mit Modeste anbelange, so gab der frühere Meistertrainer auch eine interessante Variante zum Besten: Man könne es ja machen wie derzeit Eintracht Frankfurt – mit drei Stürmern angreifen. Pech hatte Jonas Hector, der das Aufwärmprogramm abbrach und nicht spielte. Zurück in Köln wurde eine Muskelverletzung im Adduktorenbereich diagnostiziert. Der Nationalspieler fällt womöglich bis zum Jahresende aus.

Einen Nachbericht zur Niederlage des SV98 gegen Köln sehen Sie am Sonntag ab 22.05 Uhr in heimspiel! Bundesliga.

Die meisten Lilien-Fans gingen nach der 0:3-Niederlage gegen Aufstiegs-Favorit 1. FC Köln nicht enttäuscht nach Hause. Darmstadt hat, besonders in der ersten Halbzeit, ein gutes Spiel gemacht. Es fehlten ohne den gesperrten Tobias Kempe (5. Gelbe) und Stürmer Serdar Dursun (muskuläre Probleme) die ganz klaren Torchancen und die Tore.

Daniel Heuer Fernandes: In der ersten Halbzeit hatte er kaum was zu halten. Dann fielen drei Tore in 16 Minuten und er hatte kein Glück. Beim dritten riskierte er viel. Note 4

Tim Rieder: Wird als rechter Verteidiger immer besser. Vorm 0:1 war er vorne, um den Angriff anzukurbeln. Sonst hinten mit Lösungen. Note 4

Marcel Franke: Hatte mit Cordoba viel Arbeit, der ihm auch entwischte. Versuchte vorm 0:1 noch zu retten, klappte nicht. Bereitete das 0:3 mit Kopfball-Rückgabe vor. Note 5

Aytac Sulu: Hatte mit dem größeren Terodde viel zu tun, schaltete den besten Torjäger der Liga aber oft gut aus. Konnte beim 0:2 nicht mehr retten. Note 4

Fabian Holland: Hatte seine Seite gut im Griff. Versuchte, den Kollegen bei Problemen zu helfen. Wurde ausgewechselt, um die 5. Gelbe nicht zu riskieren. Note 4

Slobodan Medojevic: Rettete in höchster Not, als Cordoba durch war. Spielte gute Bälle in den Angriff, lief den Gegner gut an und zerstörte. Note 3

Yannick Stark: Hatte am Ende den von Platte aufgelegten Schuss, der weit drüber ging. War fleißig und ging gut in die Zweikämpfe. Note 4

Marcel Heller: Hatte ein paar schöne Aktionen nach vorne. Ließ sich nicht einfach stoppen. Wartet gut, bevor er flankt. Es fehlte an Abnehmern. Note 3

Johannes Wurtz: Vertrat Kempe bei Freistößen und Ecken. Hatte vor der Pause Darmstadts größte Chance. Spielt ganz nette Pässe, muss aber selbst gefährlicher werden. Note 4

Joevin Jones: Half viel nach hinten und trieb den Angriff unermüdlich an. Kam mehrmals durch Tricks an den Kölnern vorbei. Ist schwer zu stoppen. Note 3

Terrence Boyd: Spielte für Dursun zum ersten mal von Beginn an. Bekam nicht mehr so viel Foul-Pfiffe gegen sich, spielt umsichtiger. Zeigte Torgefahr. Note 4

Felix Platte: Kam in der 85. Minute für Boyd. Erstes Saisonspiel nach Operationen. Spielte klug auf Stark und zeigt Torgefahr.