34:26-Sieg in Lemgo - THW Kiel hält Meisterschaft weiter offen - Kieler Nachrichten
TBV Lemgo Lippe: Die Meister der Unverdrossenheit | Sport
Die letzte Auswärtsfahrt von Trainer Alfred Gislason mit dem THW Kiel war erfolgreich: Mit 34:26 (17:11) besiegten die Kieler Handballer den TBV Lemgo Lippe und vertagten damit die Entscheidung um die deutsche Meisterschaft auf den letzten Spieltag am kommenden Sonntag.

Denn auch Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt, zwei Punkte besser als der THW Kiel, gab sich zu Hause gegen die Füchse Berlin keine Blöße und gewann mit 26:18.

Vor dem letzten Liga-Spieltag am kommenden Sonntag hielten die Kieler in Lemgo den Druck auf den Nordrivalen hoch. Zehn Minuten brauchten die Zebras in der mit 4790 Zuschauern ausverkauften Phoenix Contact Arena, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Zwar begann der erfahrene THW-Angriff mit Miha Zarabec, Domagoj Duvnjak und Steffen Weinhold im Rückraum. Doch in den ersten Minuten agierten die Kieler zu hektisch im Angriff. Zwei Ballverluste nutzte der TBV Lemgo Lippe, um auf 3:1 (4.) davon zu ziehen. 

Dann aber schlichen sich auch auf Seiten der Gastgeber, die verletzungsbedingt auf fünf Spieler (Andrej Kogut, Jonathan Carlsbogard, Tim Suton, Jari Lemke und Donat Bartok) verzichten mussten, erste Fehler ein. Drei Minuten überdauerte die Lemgoer Führung, dann hatten die Zebas ausgeglichen und begannen ihr Routine-Programm abzuspulen.

Lemgo machte es ihnen leicht, Ball um Ball landete in den Fängen der Kieler 6:0-Abwehr. Sechs Minuten lang gelang dem TBV kein Tor, während der THW Kiel sich auf 8:5 davon konterte (13.).

Den einzigen Vorteil hatte der TBV Lemgo Lippe in der ersten Halbzeit auf der Torhüter-Position. Peter Johannesson hielt sechs Bälle, davon drei Gegenstöße und einen freien Heber von Zarabec am Kreis. Sein THW-Pendant Niklas Landin bekam nur dreimal die Hände an den Ball und musste in der 24. Minute Platz für Andreas Wolff machen. 

Der führte sich mit einer Parade gegen den erst 19-jährigen Lemgoer Aushilfs-Mittelmann Fynn Hangstein ein. Der Youngster vermochte es nicht, das fehlerhaften TBV-Angriff zu ordnen, zahlte selbst viel Lehrgeld, als TBV-Trainer Florian Kehrmann seine Mannschaft mit sieben Feldspielern angreifen ließ – mit dem Effekt, dass erst Lukas Nilsson, dann Magnus Landin entspannt ins leere Tor werfen konnten. Ein Konter des besten THW-Torschützen Niclas Ekberg (8/2 Tore) brachte dem THW Kiel die bisher höchste Führung: 16:9 führte er drei Minuten vor der Pause. 

Auch in der zweiten Halbzeit stand Lemgo sich oft selbst im Weg. Denn der THW Kiel nutzte seine Chancen nicht konsequent. Fehlpass Duvnjak, doch den Gegenstoß-Pass fing Magnus Landin ab (33.), Wyszomirski-Parade gegen Zarabec, doch im Gegenzug traf Tim Hornke nur den Pfosten. Auf weniger als fünf Tore schmolz der THW-Vorsprung nicht, aber die Kieler lebten in der zweiten Hälfte von ihrer Pausen-Führung.

Beim 25:30 durch Patrick Zieker (54.) war Lemgo in der zweite Halbzeit um ein Tor besser. Da waren wir ein bisschen zu locker. Und die Energie, die so eine Kulisse der Heim-Mannschaft gibt, spielt auch immer rein, erklärte Ekberg später. Ich finde trotzdem, dass wir ein sehr solides Spiel gemacht haben.

In Gefahr geriet der THW-Sieg nicht mehr. Die Kieler feierten ihren wettbewerbsübergreifend 20. Erfolg in Folge und haben am Pfingstsonntag weiterhin eine kleine Chance auf den Meistertitel. Wir haben unseren Job gemacht und wollen das auch am letzten Spieltag tun, sagte Ekberg.

TBV Lemgo Lippe: Johannesson (1.-35., ab 50., 7 Paraden), Wyszomirski (35.-50., 2 Paraden) – Guardiola 1, Ebner 7/8, van Olphen, Theuerkauf 1, Hornke 4,/2, Hübscher, Schalles (n.e.), Hangstein, Rose (n.e.), Geis, Klimek 4, Zieker 5, Baijens 4.

THW Kiel: Landin (1.-24., 3 Paraden), Wolff (24.-60., 7 Paraden) – Duvnjak 5, Reinkind, M. Landin 4, Firnhaber (n.e.), Weinhold 5, Wiencek 4, Ekberg 8/2, Rahmel (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec 3, Bilyk (n.e.), Pekeler, Nilsson 5.

Am Dienstagnachmittag setzte sich die Mannschaft des THW Kiel mit dem Bus in Bewegung in Richtung Ostwestfalen. Zum letzten Mal mit Trainer Alfred Gislason. Der hat noch nicht kapiert, dass die Partie beim TBV Lemgo-Lippe am Mittwoch (18.30 Uhr) sein letztes Auswärtsspiel mit den Zebras sein wird.

Hinein in die Katakomben der Sparkassen-Arena, immer weiter Richtung Heiligtum des THW Kiel. Beim Heimspiel der Kieler Handballer gegen GWD Minden durften Norbert und Alexander Brym als Gewinner eines Gewinnspiels dieser Zeitung und des THW Kiel einen Blick hinter die Kulissen bei den Zebras werfen.

Mit 39:19 (19:9) haben die Handballer des THW Kiel GWD Minden überrollt und im drittletzten Liga-Spiel ihren 19. Sieg in Folge gefeiert. Seit Sonntag ist ihnen Platz zwei in der Tabelle und somit die Champions-League-Teilnahme in der nächsten Saison nicht mehr zu nehmen.

Lemgo. Während der THW Kiel bis zum 34. Spieltag um die deutsche Meisterschaft kämpft, hat sich der TBV Lemgo Lippe am Mittwochaabend bereits einen anderen inoffiziellen Titel gesichert: Meister der Unverdrossenheit. Mit einer beherzten kämpferischen Leistung boten die Kehrmann-Schützlinge dem Rekordmeister beim 26:34 (11:17) lange Zeit die Stirn.

Auch Patrick Zieker (5), Tim Hornke (4/2) und Robin Hübscher, der mit zwei Pfostentreffern Pech hatte, werden beim begeistert mitgehenden Lemgoer Publikum in Erinnerung bleiben. „Ich bin sehr zufrieden mit der kämpferischen Einstellung. Es war teilweise toller Angriffshandball gegen eine der besten Abwehrreihen Deutschlands”, zeigte sich TBV-Trainer Florian Kehrmann stolz.