Handball - Kiel und Flensburg gewinnen - Gummersbach mit \
Handball-Bundesliga: THW Kiel erzwingt Meister-Showdown nach Sieg
(sid). Aufgeben? Keine Option. Druck machen? Bis zur letzten Sekunde. Im Handball-Krimi um den Titel setzt der THW Kiel auf seine eigene Serie und hofft im Fernduell mit der SG Flensburg/Handewitt auf einen Patzer des Nordrivalen kurz vor Schluss.

"Normalerweise können wir nicht mehr mit der Meisterschaft rechnen, dafür spielt Flensburg zu stabil", sagte Kiels Trainer Alfred Gislason bei Sky, bevor sich der Kampf um die deutsche Meisterschaft an diesem Mittwoch zuspitzt: "Was wir aber tun können – unsere eigenen Spiele gewinnen und bis zuletzt Druck ausüben."

Flensburg auf Titelkurs, aber Kiel bleibt dran

Spiele gewinnen und Druck ausüben, das macht der Rekordmeister aus Kiel Woche für Woche. Seit Mitte September kassierten die Zebras von Gislason nur eine Pleite in der Liga – und dennoch sind sie im Finale der Meisterschaft nur der Jäger. Von der Tabellenspitze grüßt seit Monaten Flensburg, entsprechend selbstbewusst präsentiert sich der Titelverteidiger vor den noch ausstehenden und alles entscheidenden 120 Minuten der Saison. "Wir gehen gestärkt und mit geradem Rücken in die letzten Partien", sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

Die SG ging gegen die Füchse von Beginn an konzentriert zu Werke. Dem Druck der Mannschaft von Trainer Maik Machulla hatten die Berliner wenig entgegenzusetzen. Der Sechs-Tore-Vorsprung nach 30 Minuten war verdient. Auch nach dem Seitenwechsel hielt die SG das Tempo hoch. Die Fans der Flensburger frohlockten bereits und skandierten: “Die Nummer eins im Land sind wir.” Und ihr Team spielte auch meisterlich. Acht Minuten vor dem Ende war die SG auf sieben Tore enteilt (23:16) – die Vorentscheidung.

Handball-Bundesliga – noch jede Menge Spannung

Zwei Punkte liegt Kiel hinter Flensburg, hat aber das deutlich bessere Torverhältnis. "So ein kleiner Funke Hoffnung ist im Kopf noch drin", sagte Kiels Rune Dahmke, Europameister von 2016, dem NDR. Am Mittwoch müssen Gislason und Co. nun beim Tabellenzehnten TBV Lemgo Lippe ran, Flensburg hat parallel mit dem Europapokalanwärter Füchse Berlin (beide 18.30 Uhr/Sky) die deutlich kniffligere Aufgabe. In der eigenen Halle ließ die Mannschaft von Trainer Maik Machulla bisher aber nicht einen einzigen Punkt liegen.

"Natürlich hat jeder von uns die Hoffnung, dass Flensburg noch irgendwo Punkte lässt, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen", sagte THW-Torwart Andreas Wolff, der auf keinen Fall will, dass für Kiel im Kampf um den Titel schon in Lemgo alles vorbei ist und auf ein Herzschlag-Finale am letzten Spieltag hofft.

Am 9. Juni gastiert Flensburg dann beim Bergischen HC, Kiel spielt zu Hause gegen die TSV Hannover-Burgdorf. "Wenn wir jetzt jede Begegnung gewinnen und Flensburg verliert ein Spiel, dann sind wir mit dem Torverhältnis deutscher Meister", sagte Wolff. Aufgeben gilt für die Kieler nicht.

Update Die Entscheidung in der HBL fällt erst am letzten Spieltag. Kiel und Flensburg erledigen ihre Aufgaben über weite Strecken souverän.

Tore SG Flensburg-Handewitt: Wanne 7/4, Röd 6, Svan 4, Gottfridsson 3, Lauge Schmidt 3, Golla 1, Johannessen 1, Zachariassen 1Füchse Berlin: Drux 5, Elisson 4, Zachrisson 3, Marsenic 2, Holm 1, Lindberg 1, Reissky 1, E. Schmidt 1Zuschauer: 6.300

Der deutsche Handball-Rekordchampion THW Kiel hat die vorzeitige Meisterschaft des Titelverteidigers SG Flensburg-Handewitt verhindert.(Tabelle der Handball-Bundesliga)

“Wir versuchen, einfach unsere Spiele zu gewinnen und schauen dann, was am Ende passiert. Normalerweise können wir nicht mit dem Meisterschaftstitel rechnen, denn Flensburg spielt eine sehr stabile Saison”, sagt Gislason. Der THW muss im Liga-Endspurt  zunächst in Lemgo antreten und dann gegen Hannover-Burgdorf ran. “Natürlich hat jeder von uns die Hoffnung, dass Flensburg noch irgendwo Punkte lässt. Wenn wir jetzt jede Begegnung gewinnen und Flensburg verliert ein Spiel, dann sind wir mit dem Torverhältnis deutscher Meister”, rechnet Torwart Andreas Wolf vor.

Das Team von Trainer Alfred Gislason gewann 34:26 (17:11) beim TBV Lemgo Lippe und hat vor dem letzten Spieltag mit 60:6 Zählern weiterhin zwei Punkte Rückstand auf den Tabellenführer. Bester Werfer der Kieler war Niclas Ekberg mit acht Treffern.

Die Flensburger gaben sich ihrerseits ebenfalls keine Blöße und besiegten die Füchse Berlin vor eigenem Publikum 26:18 (14:8). Das Team von Trainer Maik Machulla braucht nun beim Saisonabschluss am 9. Juni beim Bergischen HC einen Punkt, um die dritte Meisterschaft aus eigener Kraft perfekt zu machen. Kiel empfängt am letzten Spieltag die TSV Hannover-Burgdorf.

Hinter dem Tabellenfünften aus Berlin lauern die punktgleichen Melsunger und nur zwei Punkte dahinter der Bergische HC. Melsungen muss noch nach Erlangen und spielt dann gegen Lemgo und hat damit das vermeintlich leichteste Restprogramm. Der Bergische HC reist vor dem Heimspiel gegen Flensburg nach Minden. Göppingen hat als Achter bei vier Punkten Rückstand nur noch theoretische Chancen. Die Plätze zwei bis sechs berechtigen zum Start im EHF-Pokal. Fix dabei sind bisher nur Flensburg oder Kiel sowie Magdeburg und die Rhein-Neckar-Löwen.

“Wir freuen uns auf das nächste Spiel. Es ist ein Finale, so gehen wir es an. Wir sind immer die Mannschaft gewesen, die gejagt wurde”, sagte Machulla bei Sky: “Die Mannschaft zeigt mental eine unglaubliche Leistung.”

Spannung pur auch im Tabellenkeller. Der Drittletzte aus Gummersbach (gegen Göppingen) und der Vorletzte aus Bietigheim (in Magdeburg) liefern sich am vorletzten Spieltag ein Fernduell um den letzten freien Ligaplatz, bevor sie dann zum Showdown im direkten Duell in Bietigheim aufeinandertreffen. In Sachen Torverhältnis liegt Gummersbach 20 Tore vorne. Vor allem für den VfL wäre der Abstieg ein Desaster. Der VfL ist seit der Bundesligagründung 1967 noch nie abgestiegen.

Am Tabellenende kommt es am letzten Spieltag zu einem “Abstiegsendspiel” zwischen “Altmeister” VfL Gummersbach und der SG BBM Bietigheim.

Gummersbach verlor gegen FA Göppingen 22:26 (13:14), Bietigheim unterlag trotz Halbzeitführung dem Tabellendritten SC Magdeburg 19:23 (13:9). Beide Teams haben vor dem Duell in Bietigheim 13:53 Punkte, Gummersbach allerdings die bessere Tordifferenz.