Holstein Kiel: Fabian Wohlgemuth kündigt Erhöhung des Spieler-Etats an - Sportbuzzer
VfB Stuttgart holt Atakan Karazor von Holstein Kiel
Holstein Kiel muss den nächsten Abgang hinnehmen und verliert Atakan Karazor an den VfB Stuttgart – den Klub, zu dem es auch Trainer Tim Walter zieht. Das bestätigten beide Vereine gestern Mittag.

Der 22-Jährige unterschreibt bei den Schwaben einen Vertrag bis 2023. Wir hätten ihn gerne hier in Kiel gehalten, allerdings greift bei ihm eine Klausel, die uns wenig Raum für weitere Bemühungen ließ, sagte Fabian Wohlgemuth, Sportdirektor beim Fußball-Zweitligisten.

Das Interessante an dieser Verpflichtung: Karazors Trainer und Förderer bei Holstein Kiel heißt Tim Walter. Der Transfer seines Schützlings ließe sich nun als finalen Beweis für den bevorstehenden Wechsel des 43-jährigen Fußballlehrers an den Neckar werten. Noch wollen die beiden Clubs die Personalie nicht bekannt geben. Am Mittwoch hieß es aus Kiel, dass sich beide Parteien bei einer Ablösesumme von rund einer Million einig geworden seien.

Die Stuttgarter, die in der Relegation noch um den Bundesliga-Klassenerhalt zittern müssen, ziehen damit die Ausstiegsklausel in Karazors Vertrag, der noch bis 2020 Gültigkeit besaß. Sie liegt bei etwas über einer Million Euro. Frisches Geld für den Neuaufbau, der damit immer dramatischere Züge annimmt: Es ist der achte feststehende Abgang nach Kapitän David Kinsombi (Hamburger SV), Kingsley Schindler (1. FC Köln), Kenneth Kronholm (Chicago Fire/USA) sowie den Leihspielern Lászlo Bénes, Aaron Seydel, Mathias Honsak und Masaya Okugawa.

Walter könnte neben Atakan Karazor sogar noch einen weiteren Kieler mit nach Stuttgart bringen. Denn es hält sich weiter das Gerücht, dass sich auch Rechtsverteidiger Jannik Dehm der Kieler Wanderungsbewegung Richtung Süden anschließen könnte. Der 23-Jährige passt ebenso ins Profil von Hitzlsperger/Mislintat, mit jungen entwicklungsfähigen Spielern den Umbruch beim VfB­ ­einzuleiten.

Das letzte Jahr lief für mich hier in Kiel richtig gut. Ich habe im Team das Vertrauen gespürt und konnte mich dadurch in allen Belangen – sowohl fußballerisch als auch menschlich – weiterentwickeln, sagte Karazor im Rückblick auf seine nun endende Zeit bei den Störchen. VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger erklärte: Wir haben ihn über einen längeren Zeitraum beobachtet und sind von seinen Qualitäten und von seiner Perspektive überzeugt.

Karazor war 2017 von Borussia Dortmund II an die Förde gewechselt und erlebte unter Walter in dieser Saison seinen Durchbruch. 21 Spiele, zwei Tore, zwei Vorlagen, vor allem aber als Organisator und Stabilisator im zentralen Mittelfeld teils herausragend. Mit ihm geht ein Spieler, der zuletzt eine tragende Rolle übernommen hatte.

Während die Verpflichtung Karazors als Signal dafür gilt, dass die Verträge von Christian Gentner und Dennis Aogo nicht verlängert werden, könnte der offensivstarke Jannik Dehm den Neuaufbau auf der rechten Abwehrseite einleiten. Das Kapitel Pablo Maffeo wird im Sommer zu Ende gehen – und Andreas Beck gilt nicht als 1-A-Lösung auf dieser Position.

Er ist technisch und taktisch gereift, hat nach dem Ausfall von David Kinsombi auf der zentralen Position Verantwortung übernommen und damit auf sich aufmerksam gemacht, sagte Wohlgemuth, der jetzt als Baumeister einer in großen Teilen neuen Mannschaft gefragt ist. Der Umbruch ist real. Und wird sich wohl noch ausweiten. Interessenten für weitere Leistungsträger gibt es offenbar genug.

Karazors Kurzvita: Geboren und aufgewachsen in Essen, beginnt er in seiner Heimatstadt beim ETB Schwarz-Weiß mit dem Fußballspielen. Über den VfL Bochum landet Karazor im Nachwuchsbereich von Borussia Dortmund, wo er Bekanntschaft mit dem neuen VfB-Kaderplaner Sven Mislintat macht. 2017 dann der Wechsel zu Holstein Kiel.

Es ist unser Dilemma, dass wir im Falle herausragender Entwicklungen immer auch in die Position des Steigbügelhalters geraten, beschreibt Wohlgemuth die herausfordernde Situation, in der er sich derzeit befindet. Solange wir nicht selbst in der ersten Preisklasse kämpfen, werden wir Qualität irgendwann immer nach oben abgeben müssen.

Qualität, die Karazor in den vergangenen Monaten nachgewiesen hat. Diese wird der KSV jetzt fehlen. Neuzugänge mit Potenzial müssen her – eine nicht ganz leichte Aufgabe, ist doch noch nicht klar, wer zur neuen Saison auf der Trainerbank sitzen wird. Mit Blick auf die Personalplanung, insbesondere auf den sich anbahnenden Umfang an Neuverpflichtungen, hat die Trainerentscheidung natürlich Priorität. Sie ist wesentlich, sagt Wohlgemuth.

Stuttgart – Der VfB Stuttgart treibt die Planungen für die kommende Saison weiter voran. Unabhängig vom Ausgang der Relegationsspiele gegen den SC Paderborn oder Union Berlin am 23. und 27. Mai und der Frage, ob der Tabellen-16. auch in der kommenden Saison in der Fußball-Bundesliga spielen wird.

Der Sportdirektor der Störche jedenfalls ist gewillt, das Niveau der Mannschaft den Abgängen zum Trotz weiter anzuheben. Wir wollen nicht nur ersetzen, sondern den Kader mit Qualität anreichern – wo immer dies ökonomisch darstellbar ist, sagt er. Und um dazu wirtschaftlich in der Lage zu sein, braucht es: Geld. Deshalb kündigt Wohlgemuth an: Wir werden, um den nächsten notwendigen Schritt machen zu können, auch ganz grundsätzlich nicht um eine Anhebung des Personaletats kommen. Die kommenden Wochen, so viel ist sicher, werden spannend.

Setzt nun eine Wanderungsbewegung von Kiel nach Stuttgart ein? Der VfB verpflichtet den Holstein-Profi Atakan Karazor, der Wechsel von Trainer Tim Walter ist nur noch Formsache und ein weiterer Spieler wird heiß gehandelt.

Der Wechsel von Tim Walter (43) von Holstein Kiel zum VfB Stuttgart steht unmittelbar bevor und dürfte in den kommenden Tagen verkündet werden.

Für Stuttgart geht es Samstag in Schalke um nichts mehr – außer der Aufgabe, die Spannung vor der Relegation hoch zu halten.

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Mit Mittelfeldspieler Atakan Karazor (22) bringt Walter seinen verlängerten Arm auf dem Platz gleich mit – unabhängig davon, in welcher Liga der VfB kommende Saison spielt.

Der Deutsch-Türke macht Gebrauch von einer Ausstiegsklausel, die in seinem bis 2020 datierten Vertrag verankert ist. Sie soll bei rund 1 Mio Euro liegen. Karazor unterschreibt einen Vierjahres-Vertrag bis 2023. Das bestätigten die Schwaben am Mittwoch.

Der 1,90-Meter-Mann war zuletzt einer DER Schlüsselspieler Walters und kommt in der laufenden Saison auf zwei Tore in 21 Spielen.