Kiel - Flensburg: Wer hat die besseren Nerven? - NDR.de
Handball, DKB HBL: THW Kiel besiegt Wetzlar, Bietigheim gewinnt gegen Hannover
Einige Spieler duschen gerade, andere sind schon auf dem Heimweg, während sich Kapitän Tobias Karlsson in die Hände der Physiotherapeutin begibt – beim Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt ist eine Trainingseinheit zu Ende gegangen, die einen ganz normalen Charakter zu haben scheint. Nichts deutet darauf hin, dass am Sonntag um 14.30 Uhr das 99. Landesderby ansteht. Das absolute Spitzenspiel beim THW Kiel, das für den weiteren Verlauf im Kampf um die Meisterschaft richtungsweisend ist. “Es ist gut, dass sich meine Jungs eine gewisse Lockerheit bewahren und nicht verkrampfen”, sagt SG-Trainer Maik Machulla. “Für den THW ist es ein unheimlich wichtiges Spiel, dass er gewinnen muss, um noch eine Chance in der Meisterschaft zu haben. Wir hingegen können befreit auftreten, denn wir bleiben so oder so vorne.”

Das 99. Landesderby in der Handball-Bundesliga zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg Handewitt hat vorentscheidenden Charakter. Nur mit einem Sieg können die “Zebras” das Meisterrennen offen halten. Die Teams im direkten Vergleich Mann gegen Mann.

Tor – Niklas Landin: Wird es sein Jahr? Im Januar, bei der Weltmeisterschaft Dänemarks, war der 30-jährige Schlussmann der überragende Rückhalt. Beim Pokal-Triumph mit dem THW Kiel im April wählten ihn die Experten zum besten Keeper des Turniers. Ihn müssen die Flensburger Schützen erst einmal überwinden.

Benjamin Buric: Der 28-jährige Bosnier hat oft ein Lächeln im Gesicht – und wenn er einen Ball pariert, verwandelt es sich in ein Strahlen. Der Gute-Laune-Garant überrascht bisweilen mit unglaublich guten Aktionen gegen frei durchbrechende Angreifer und erweist sich als typischer Torwart vom Balkan, der in dieser Saison mehr Spielanteile sammelte, als der vier Jahre jüngere Norweger Torbjörn Bergerud. Wertung: Vorteil THW, 1:0

Linksaußen – Magnus Landin: Der 23-Jährige misst 1,97 Meter, für einen Linksaußen eine stolze Größe. Er kann deshalb auch als Halbverteidiger fungieren. Anpassungsprobleme an die Bundesliga hatte er nicht und lief Lokalmatador Rune Dahmke den Rang ab. Der Däne ist der jüngere Bruder des Torhüters, mit dem er erstmals zusammen in einem Verein spielt.

Der TSV GWD Minden kam zu einem 31:30 (15:14)-Sieg beim TVB 1898 Stuttgart. Frisch Auf Göppingen kann nach dem 25:23 (11:8) über den HC Erlangen noch von einer EHF-Pokal-Teilnahme in der kommenden Saison träumen.

Magnus Jöndal: Der 31-jährige Norweger ist abseits des Spielfeldes von sehr ruhiger Natur und auch in einer Handball-Partie oft unauffällig. Überragend ist aber seine Effizienz. SG-Trainer Maik Machulla hat die Qual der Wahl, da er genausogut auch auf den 25-jährigen Schweden Hampus Wanne zurückgreifen könnte. Wertung: Vorteil SG, 1:1

Rückraum links – Lukas Nilsson: In den beiden vergangenen Spielzeiten hat sich der 22-jährige Schwede in der Bundesliga akklimatisiert. Nun startet das große Talent, das durch Wurfkraft und gutes Auge gleichermaßen besticht, so richtig durch. THW-Trainer Alfred Gislason hat derzeit die große Auswahl, denn auch Nikola Bilyk spielt stark.

Rasmus Lauge: Für den 27-jährigen Dänen, der zwischen 2013 bis 2015 für den THW auflief, ist es zumindest vorerst das letzte Bundesliga-Derby. Er wird in wenigen Wochen zum ungarischen Rekordmeister Veszprém wechseln. In den letzten Wochen zeigte das Rückraumass, wie wichtig es für die Flensburger ist. Wertung: Vorteil SG, 1:2

Rückraum Mitte – Domagoj Duvnjak: Der 30-jährige Kroate ist seit Jahren einer der ganz Großen im Welthandball. Nach einigen Verletzungen ist er in den letzten Monaten wieder auf Touren gekommen. Überhaupt hat der THW Kiel im zentralen Rückraum eine große Breite. Neben dem flinken Miha Zarabec könnten hier auch Linkshänder Steffen Weinhold oder einer der Halblinken auftauchen.

Jim Gottfridsson: In dieser Saison hat sich der 26-jährige Schwede zum wichtigen Faktor im Rückraum der Flensburger gemausert. Bei der letzten Auswärtsreise in Veszprém fehlte der Vize-Kapitän allerdings, weil er bei seiner hochschwangeren Frau geblieben war. Inzwischen ist er glücklicher Vater eines Sohnes geworden. Wertung: Vorteil THW, 2:2

Rückraum rechts – Steffen Weinhold: Der gebürtige Franke hat eine Vergangenheit beim Landesrivalen und gewann 2014 mit der SG die Champions League. Mit seinen 32 Jahren ist Steffen Weinhold aufgrund seiner Erfahrung, seiner Spielintelligenz und seinen Defensivqualitäten eine wichtige Säule im THW-Konzept. Alternativ steht der Norweger Harald Reinkind zur Verfügung.

Magnus Röd Der 21-jährige Norweger ist der große Aufsteiger der letzten Monate. Bei der Weltmeisterschaft zählte er zu den effektivsten Linkshändern, im Verein lief er dem Routinier Holger Glandorf den Rang ab. Nun hofft der Hobby-Angler auf einen großen Fang mit der SG. Wertung: unentschieden, 2,5:2,5

Rechtsaußen – Niclas Ekberg: Der 30-jährige Schwede ist der Kieler Siebenmeter-Kandidat Nummer eins und manövrierte sich so einmal mehr unter die Top 10 der besten Bundesliga-Schützen. Abseits des Spielfeldes mag es der Linkshänder etwas ruhiger: Er gilt als der beste Golfer im Team.

Lasse Svan: Wie die Zeit vergeht! Als er 2008 nach Flensburg kam, hatte er seine beste Zeit als Handballer noch vor sich. Nun ist der 35-Jährige der dienstälteste Spieler der Flensburger. Mit seiner Erfahrung, seiner Konstanz und seiner Schnelligkeit ist er noch immer ein ganz wertvoller Akteur des amtierenden deutschen Meisters. Wertung: unentschieden, 3:3

Kreis – Hendrik Pekeler: Der gebürtige Holsteiner erlebte vor einer Dekade ein kurzes und wenig ruhmreiches Kapitel beim THW. Längst ist der Europameister und zweifache deutsche Meister gereift und mauserte sich seit Sommer zu einem wichtigen Faktor in der THW-Deckung und am Kreis.

Anders Zachariassen: Auf der Insel Alsen, nur einen Steinwurf hinter der Grenze, ist der 27-Jährige aufgewachsen. Der quirlige Däne sorgt am Kreis und in der Abwehr für eine andere taktische Ausrichtung als die beiden neuen Zwei-Meter-Kolosse Johannes Golla und Simon Hald. Für wen wird sich Maik Machulla entscheiden? Wertung: Vorteil THW, 4:3

Fazit: 4:3 – der Mann-gegen-Mann-Vergleich ergibt eine knappe Favoritenstellung für den THW Kiel. Doch das war bei den letzten Derbys nicht anders, und die Flensburger siegten sowohl im Mai wie auch im September. Spannend ist auch die Frage, wie die “Zebras” den kräftezehrenden Sieg in Wetzlar am Donnerstag wegstecken.

Der Landesrivale hatte in dieser Woche ein ganz anderes Pensum abzuspulen. Am Donnerstagabend mussten die “Zebras” bei der HSG Wetzlar antreten. Die beiden Male davor hatten sie dort verloren, diesmal wankten sie wieder, vergaben viele Chancen, setzten sich dann aber doch mit 27:23 durch. “Wenn wir in Wetzlar nicht gewonnen hätten, wäre das Derby gegen Flensburg nur noch etwas für das Renommee und die Statistik-Fans gewesen”, erklärte THW-Linksaußen Magnus Landin. Nun liegt Kiel weiterhin nur vier Zähler hinter der SG. Die verbleibende Zeit bis zum Saison-Höhepunkt fällt aber kurz aus. Ein Vorteil für die Flensburger? “Es ist schön, dass wir vor so einem Spiel eine richtige Vorbereitung mit Video und Taktik haben”, sagte SG-Rückraumass Rasmus Lauge. “Kiel weiß aber, wie man mit englischen Wochen umgeht, und hat einen breiten Kader, der gerade in der ersten Saisonhälfte nicht einer solchen Belastung ausgesetzt war wie wir.”

Eines ist beiden schleswig-holsteinischen Spitzenclubs gemein: Sie spielen eine überragende Saison. Die Kieler haben überhaupt nur drei Partien verloren. Zwei Mal gegen Magdeburg und im September mit 25:26 bei den Flensburgern. Gerade wegen dieser knappen Niederlage befindet sich der Rekordmeister im Hintertreffen und ist am Sonntag gefordert. “Wir müssen unsere Sache machen und können dann nur hoffen”, meinte THW-Trainer Alfred Gislason. “Allerdings haben die Flensburger ein relativ gemütliches Programm.” Eine Sache der Betrachtung: neben der Auswärtspartie in Stuttgart muss die SG gegen Melsungen, gegen Berlin und beim Bergischen HC antreten – allesamt Teams, die im Bereich der Plätze fünf bis sieben noch um die Qualifikation für den EHF-Cup kämpfen.

Der THW Kiel scheint bestens gerüstet für das Derby gegen Flensburg. “Wir haben viel Selbstvertrauen”, erklärte Steffen Weinhold nach dem Sieg in Wetzlar.

“In einer solchen Phase der Saison herrscht in der Mannschaft schon eine andere Art der Anspannung”, verriet THW-Nationalspieler Steffen Weinhold – das. “Man kann nicht immer so heiß sein wie auf das Spiel gegen Flensburg, sonst macht man sich mental kaputt.” Womöglich hat Kiel einen mentalen Vorsprung, denn er hat schon einen Titel in der Tasche: Der Anhang des THW besang vor wenigen Wochen den elften Triumph im DHB-Pokal. “Wir haben noch etwas vor, der Pokal war nur unser erstes kleines Ziel”, stellte Torwart Niklas Landin klar.

Die Flensburger halten mit den Erinnerungen an die Ereignisse vor zwölf Monaten dagegen. Es war der 10. Mai 2018, als sich die Nordlichter mit einem 29:25 in der Landeshauptstadt nach dem Champions-League-Desaster von Montpellier zurückmeldeten und damit zur erfolgreichen Jagd auf den damaligen Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen bliesen. Ein erneuter Derby-Sieg wäre weit mehr als die halbe Miete auf dem Weg zur Titelverteidigung – auch wenn es im SG-Lager niemand so bestätigen möchte. “Wenn wir gewinnen, was ich hoffe, ist noch keine Entscheidung gefallen”, sagte Routinier Holger Glandorf. “Wir wissen ja am Beispiel der Löwen nur zu gut, wie schnell man einen großen Vorsprung verspielen kann.”

Das Aufgebot des schleswig-holsteinischen Handball-Bundesligisten für die Spielzeit 2018/2019. Bildergalerie

Das Aufgebot des schleswig-holsteinischen Handball-Bundesligisten für die Spielzeit 2018/2019. Bildergalerie

In der DKB HBL entscheidet der THW Kiel ein Nachholspiel bei der HSG Wetzlar für sich. Bietigheim feiert einen wichtigen Sieg im Kampf gegen den Abstieg.

Der THW Kiel hat den Rückstand zum deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt drei Tage vor dem womöglich entscheidenden Duell der Nordklubs um den Titel wieder verkürzt.

Nach einem 27:23 (15:12) bei der HSG Wetzlar steht der Pokalsieger jetzt bei 54:6 Punkten, Spitzenreiter Flensburg (56:2) hat weiter ein kleines Polster auf den Verfolger. (SERVICE: Tabelle der DKB HBL)

Die Kieler konnten sich auf dem Weg zu ihrem 15. Pflichtspielsieg in Folge schnell bis auf fünf Tore absetzen (7:2/13. Minute), ließen den Angstgegner nach der Pause aber wieder herankommen. Der THW, der in den vorherigen vier Spielen dreimal gegen Wetzlar den Kürzeren gezogen hatte, musste Mitte der zweiten Hälfte den Ausgleich hinnehmen (20:20/47.). 

Erst in der Schlussphase zogen die Kieler mit vier aufeinanderfolgenden Toren wieder davon (27:23/57.), die HSG war geschlagen. Rune Dahmke und Steffen Weinhold kamen beim THW als beste Werfer auf jeweils fünf Tore.

Der Rekordmeister erwartet Flensburg am Sonntag (ab 14.30 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) zum Nordderby. Nur mit einem Sieg hat die Mannschaft des scheidenden Trainers Alfred Gislason noch realistische Chancen auf den Titel. (SERVICE: Spielplan der DKB HBL)

Der Tabellenvorletzte SG BBM Bietigheim schlug die TSG Hannover-Burgdorf in eigener Halle nach einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang mit 29:27 (13:16) und darf weiter auf den Klassenerhalt hoffen. Bietigheim (11:49) liegt dicht hinter Altmeister VfL Gummersbach (11:47).

TVB Stuttgart – TSV GWD Minden 30:31 (14:15)Tore: Häfner (6), Schmidt (6), Schagen (6/5), Von Deschwanden (3), Späth (3), Weiß (2), Baumgarten (2), Schimmelbauer (1), Maier (1) für Stuttgart – Michalczik (7), Zvizej (5/3), Staar (4), Rambo (4), Gullerud (3), Savvas (2), Padshyvalau (2), Cederholm (2), Pusica (1), Doder (1) für MindenZuschauer: 2050

FA Göppingen – HC Erlangen 25:23 (11:8)Tore: Schiller (9/3), Zelenovic (6), Kneule (5), Kozina (3/1), Peric (2) für Göppingen – von Gruchalla (6/2), Büdel (5), Overby (3), Theilinger (2), Haaß (2), Bissl (2), Thümmler (1), Mappes (1), Kellner (1) für ErlangenZuschauer: 4000

SG BBM Bietigheim – TSV Hannover-Burgdorf 29:27 (13:16)Tore: Rentschler (8), Asmuth (6), Schäfer (5/1), Emanuel (4), Kraus (3), Link (3) für Bietigheim – Kastening (9/2), Ugalde (6), Böhm (3), Häfner (3), Mavers (2), Pewnow (2/1), Brozovic (1), Lesjak (1) für HannoverZuschauer: 2509

HSG Wetzlar – THW Kiel 23:27 (12:15)Tore: Cavor (5), Forsell Schefvert (3), Rubin (3), Frend Öfors (3), Torbrügge (3), Holst (3/3), Björnsen (2), Mirkulovski (1) für Wetzlar – Weinhold (5), Dahmke (5), Ekberg (4/3), Pekeler (3), Reinkind (3), Bilyk (2), Duvnjak (2), Wiencek (2) Rahmel (1) für KielZuschauer: 4421