Kasseler Regierungspräsident starb durch Kopfschuss - FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kassel: CDU-Politiker Walter Lübcke erschossen – keine Hinweise auf Suizid
Walter Lübcke wurde auf seinem Grundstück in Wolfhagen-Istha bei Kassel erschossen. Bild: Reuters

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wird tot aufgefunden. Nun ist klar: Er wurde erschossen. Die Ermittler suchen mit Hochdruck nach Motiv und Täter. Noch haben sie keine heiße Spur.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ist mit einem Schuss in den Kopf getötet worden – die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus. Der Schuss auf den 65-Jährigen sei nach bisherigen Erkenntnissen aus nächster Nähe abgefeuert worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Streiff am frühen Montagabend auf einer Pressekonferenz in Kassel. Es hätten sich keine Hinweise auf einen Suizid ergeben. Eine heiße Spur gab es zunächst nicht. LKA-Chefin Sabine Thurau sagte: Wir haben noch keine Hinweise auf Täter und vor allem noch nichts zum Motiv.

Lübcke war unter anderem gelernter Bankkaufmann und Direktor einer Jugendbildungsstätte. Der Christdemokrat hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Söhne. Er war seit 33 Jahren Mitglied der CDU und hatte diverse Parteiämter inne. So führte er bis 2009 den Kreisverband Kassel-Land und engagierte sich 20 Jahre lang im Stadtrat seiner Gemeinde. Zudem saß er von 1999 bis 2009 als Abgeordneter im hessischen Landtag. Seine Schwerpunkte waren Verkehrspolitik, Migration und Kultur.

Die Tatwaffe war den Ermittlungen zufolge vermutlich eine sogenannte Kurzwaffe, also beispielsweise eine Pistole oder ein Revolver. Die Staatsanwaltschaft Kassel leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Tötung ein. Ermittelt werde mit Hochdruck in alle Richtungen, hieß es. Oberstaatsanwalt Streiff sagte auf die Frage, ob die Tat in Zusammenhang mit früheren Morddrohungen gegen Lübcke während der Flüchtlingskrise stehen könnte, zu einem solchen Motiv gebe es noch keine Erkenntnisse.

Der plötzliche Tod des Politikers erschüttert Wegbegleiter und Bekannte. Lübcke wird übereinstimmend als sympathischer und kollegialer Macher beschrieben, der zu seinem Wort stand. Martin Roth, Kreisgeschäftsführer der CDU-Kassel-Land, sagte gegenüber FOCUS Online: Er war ein liebenswürdiger und netter Kerl. Er erklärte seine Entscheidungen transparent, ging zu fast allen Bürgerversammlungen, war offen für jeden.

Lübcke hatte als politische Spitzenbeamter zehn Jahre lang das Regierungspräsidium Kassel geleitet, eine Verwaltungsbehörde auf mittlerer Ebene zwischen dem Land Hessen und seinen Gemeinden.

Der Oberstaatsanwalt berichtete, der Regierungspräsident sei in der Nacht zum Montag gegen 0.30 Uhr von einem Angehörigen auf der Terrasse seines Wohnhauses im Landkreis Kassel entdeckt worden. Sofort eingeleitete Reanimationsversuche seien erfolglos geblieben, Lübckes Tod sei dann gegen 2.30 Uhr in einem Krankenhaus festgestellt worden. Die Leiche sei noch am Sonntag rechtsmedizinisch untersucht worden. Todesursache sei die Schussverletzung gewesen.

Nicht ohne Grund hatte der Kreisverband ihn 2009 direkt nach seinem Rückzug aus Landtag und Kreisvorstand zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Neben dem zeitintensiven Job als Regierungspräsident nahm er zusätzlich, so oft es ging, an Vorstandssitzungen und Veranstaltungen des Kreisverbands teil, berichtet Roth weiter.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke starb an einem Schuss in den Kopf. Das bestätigte die zuständige Staatsanwaltschaft. (Quelle: t-online.de)

Hermann-Josef Klüber war seit 2017 als Regierungsvizepräsident der engste Mitarbeiter Lübckes. Über seinen Chef sagte er zu FOCUS Online: Walter Lübcke hat sein Amt geliebt, hat dafür gebrannt. Er hat immer von seiner Heimat Hessen geschwärmt, war ein lebensbejahender Mensch.

Tod von Walter Lüpcke: Das ist der Tatort, das sagen die Ermittler über die Einzelheiten und Drohungen, die der CDU-Politiker erhalten hatte. (Quelle: t-online.de)

Der Verwaltungschef habe stets die Nähe zu Menschen geschätzt und sei ein Netzwerker gewesen. Als leidenschaftlicher Raucher habe er die Zigarettenpausen immer mit seinen Mitarbeitern verbracht, bedankte sich stets großzügig. Wertschätzung sei ihm sehr wichtig gewesen.

CDU-Politiker Walter Lübcke ist erschossen worden. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Kassels Regierungspräsident hatte bereits 2015 Drohungen erhalten und stand damals unter Polizeischutz.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde leblos in seinem Garten gefunden. Weggefährten äußern sich fassungslos über den Tod des beliebten Behördenleiters. Die Polizei ermittelt wegen eines Tötungsdelikts – tappt sonst aber im Dunklen.

Der Kasseler CDU-Regierungspräsident Walter Lübcke ist erschossen worden. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten am Montagabend Medienberichte, der 65-Jährige sei aus nächster Nähe vor seinem Wohnhaus in Wolfhagen-Istha getötet worden. Eine 20-köpfige Sonderkommission ermittelt demnach in alle Richtungen gegen Unbekannt. Eine offensichtliche Motivlage gebe es bislang nicht. Ein Hinweistelefon ist eingerichtet.

Lübcke sei in der Nacht zu Sonntag gegen 0.35 Uhr auf der Terrasse von einem Angehörigen gefunden worden. Reanimationsversuche seien gescheitert, Lübcke gegen 2.35 Uhr im Krankenhaus verstorben. Laut Obduktion habe eine Schussverletzung am Kopf zum Tod geführt. Es sei das Projektil einer Kurzwaffe gefunden worden, die Tatwaffe selbst bislang nicht. Für Suizid gebe es keinerlei Anhaltspunkte.

Ein Sprecher der hessischen CDU hatte zuvor unter Berufung auf Lübckes Familie mitgeteilt, der Regierungspräsident sei in der Nacht zu Sonntag im Alter von 65 Jahren unerwartet gestorben. “Wir sind tief bestürzt über den plötzlichen Tod unseres Freundes Walter Lübcke”, erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier und der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Bodenberg.

Die genauen Todesumstände waren bis zur Pressekonferenz der Ermittler am Montagabend unklar gewesen. Mehrere Medien hatten aber über eine mögliche Schusswunde am Kopf des Leichnams berichtet. Die Polizei habe das Gelände weiträumig abgesperrt und mit Spürhunden abgesucht. Die Tatwaffe sei aber nicht gefunden worden. 

Tatort in Hessen: Eine Mordkommission ermittelt zum Tod von Walter Lübcke. (Quelle: Swen Pförtner/dpa)

Lübcke hatte zehn Jahre lang das Regierungspräsidium Kassel geleitet, das eine Verwaltungsbehörde auf mittlerer Ebene zwischen dem Land Hessen und seinen Gemeinden ist. Dabei hatte er mit seiner Unterstützung für Geflüchtete 2015 auch bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, indem er Nächstenliebe und christliche Werte als fundamental für das Zusammenleben in Deutschland betonte.

“Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen”, sagte Lübcke damals in einer Bürgerversammlung an die Adresse von Rechtsextremen, die die Veranstaltung störten. Im Nachgang seiner Aussage hatte Lübcke dann zahlreiche Drohungen erhalten – auch Morddrohungen. Er erstattete Anzeige und erhielt Polizeischutz. Bislang gebe es aber keine Hinweise auf einen Zusammenhang, hieß es am Montagabend seitens der Ermittler.

In einer Mitteilung des Regierungspräsidiums hieß es, in der Behörde herrschten “Fassungslosigkeit und Erschütterung über den Tod des beliebten und außerordentlich nahbaren” Chefs. In seiner Amtszeit habe Lübcke das Haus durch große Veränderungen geleitet, in der seine Bodenständigkeit und sein offener, verbindlicher Umgang ihm wie auch den Beschäftigten vieles erleichtert hätten.

In der CDU-Erklärung hieß es, als Regierungspräsident habe Lübcke “nie das klare Wort” gescheut. “Er war ein Brückenbauer, wie er besser nicht sein könnte.” In diesen schweren Stunden seien die Gedanken und Gebete vor allem bei Lübckes Frau, den beiden Söhnen und dem im vergangenen Jahr geborenen Enkelsohn, erklärten Bouffier und Boddenberg.

Blumen, Kerzen und eine Nachricht: Trauerbekundung am Regierungspräsidium. (Quelle: Swen Pförtner/dpa)

“Als Walter Lübcke vor knapp zwei Wochen sein zehnjähriges Dienstjubiläum feierte, verwies er noch auf seinen auf Monate hinaus übervollen Terminkalender”, teilte die CDU Hessen mit. 

Lübcke wurde im nordhessischen Bad Wildungen geboren. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann arbeitete er nach Angaben seiner Partei in der Pressestelle der Kunstausstellung documenta 7. Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Kassel schloss er 1991 mit einer Promotion ab. Vor seiner Amtszeit als Regierungspräsident saß Lübcke von 1999 bis 2009 für die CDU im hessischen Landtag.

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