LKA ermittelt nach Tod des Kasseler Regierungspräsidenten - FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Schusswunde am Kopf: Kassels Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (65) tot
Ermittlung: Unter welchen Umständen starb der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke? Bild: dpa

Der Kasseler Regierungspräsident ist tot – und in der hessischen CDU herrscht Bestürzung. Der Mann, den Ministerpräsident Volker Bouffier als Brückenbauer bezeichnet, starb unter unklaren Umständen.

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler (Titel der Doktorarbeit: Die frühen wirtschaftlichen Planungsversuche in der Sowjetunion: 1924–1928; Sozialismus zwischen Utopie und Pragmatismus), gesellige Jäger und Nebenerwerbs-Landwirt kam auf seinem Anwesen in Wolfshagen-Istha ums Leben.

Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) ist im Alter von 65 Jahren in der Nacht zu Sonntag unerwartet gestorben. Das teilte ein Sprecher der hessischen CDU unter Berufung auf Lübckes Familie mit. Da die Todesumstände unklar seien, werde in dem Fall ermittelt, erklärte das hessische Landeskriminalamt in Wiesbaden.

Sein Regierungspräsidium äußert derweil Fassungslosigkeit und Erschütterung über den Tod des beliebten und außerordentlich nahbaren Chefs. Ministerpräsident Volker Bouffier (67, CDU) und CDU-Landtagsfraktions-Chef Michael Boddenberg (59): Wir sind tief erschüttert.

Mehrere Medien berichteten, Lübcke sei keines natürlichen Todes gestorben, er sei mit einer Schusswunde am Kopf aufgefunden worden. Ein Sprecher des Landeskriminalamts wollte die Berichte am Sonntagabend nicht kommentieren und verwies auf die Staatsanwaltschaft Kassel.

Kassel – Dieser Tod erschüttert Hessen: Sonntagfrüh starb Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (65). BILD erfuhr: Der über Parteigrenzen hinaus beliebte Politiker kam durch einen Kopfschuss ums Leben. Mordkommission und LKA ermitteln.

Auch am Montag waren noch Polizeibeamte am Haus des früheren CDU-Politikers. Die Todesumstände waren am Vormittag allerdings weiter unklar. Die Chefin des hessischen Landeskriminalamts, Sabine Thurau, will nach Angaben eines LKA-Sprechers zusammen mit den Ermittlern noch am selben Tag in Kassel über den aktuellen Stand in dem Fall informieren.

Zuerst rückt die Mordkommission des Polizeipräsidiums Nordhessen an. Doch in den nächsten Stunden wird der Fall immer undurchsichtiger. Vor allem, weil am Tatort keine Waffe zu finden ist. Wie erlitt Dr. Lübcke den tödlichen Kopfschuss?

In der CDU-Erklärung hieß es, als Regierungspräsident habe Lübcke nie das klare Wort gescheut. Er war ein Brückenbauer, wie er besser nicht sein könnte. In diesen schweren Stunden seien die Gedanken und Gebete vor allem bei Lübckes Frau, den beiden Söhnen und dem im vergangenen Jahr geborenen Enkelsohn, erklärten Bouffier und Boddenberg. In einer Mitteilung des Regierungspräsidiums hieß es, in der Behörde herrschten Fassungslosigkeit und Erschütterung über den Tod des beliebten und außerordentlich nahbaren Chefs.

Mit Walter Lübcke verliere ich einen liebenswerten Weggefährten, einen bürgernahen und sehr engagierten Kollegen, der sich für ,sein Nordhessen und Regierungspräsidium stark gemacht hat, teilte der Gießener Regierungspräsident Christoph Ullrich mit. Lübcke habe stets zu seinem Wort gestanden – ohne Wenn und Aber.

Lübcke wurde im nordhessischen Bad Wildungen geboren. Vor seiner Amtszeit als Regierungspräsident saß Lübcke von 1999 bis 2009 für die CDU im hessischen Landtag.

Der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke ist tot. Das Landeskriminalamt ermittelt die Todesursache, da der Politiker offenbar keines natürlichen Todes erlegen ist.

Ein Sprecher der hessischen CDU hatte unter Berufung auf Lübckes Familie mitgeteilt, der Regierungspräsident sei in der Nacht zu Sonntag im Alter von 65 Jahren unerwartet gestorben. Hessens Europastaatssekretär Mark Weinmeister habe mit den Angehörigen telefoniert. “Wir sind tief bestürzt über den plötzlichen Tod unseres Freundes Walter Lübcke”, erklärten der CDU-Landesvorsitzende, Ministerpräsident Volker Bouffier, und der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Bodenberg.

Aktualisiert am 3. Juni um 11.55 Uhr - Er wurde am frühen Sonntagmorgen in seinem Garten in Wolfhagen-Istha tot aufgefunden. Nach sicheren HNA-Informationen wies Lübcke am Kopf eine Schusswunde auf. Eine Waffe wurde nicht gefunden. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

Die Kasseler Staatsanwaltschaft erklärte am Nachmittag lediglich, die Todesumstände seien unklar. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Andreas Thöne, erklärte weiter, das Hessische Landeskriminalamt habe die Ermittlungen aufgenommen. Am Abend kündigte die Staatsanwaltschaft Kassel an, dass man am Montag mit näheren Informationen an die Öffentlichkeit gehen werde.

Nach Informationen unserer Zeitung hielt sich Thöne am späten Nachmittag am Haus des Verstorbenen auf. Dort kreiste auch fast den ganzen Tag ein Polizeihubschrauber und Einwohner Isthas wurden von Kasseler Kripobeamten befragt. Das Gebiet um das Haus von Walter Lübcke wurde weiträumig abgesperrt. Die Beamten wollten von den Anwohner unter anderem wissen, ob sie etwas Verdächtiges bemerkt hätten. Die Befragung und der Einsatz des Hubschraubers wurden von der Polizei bestätigt. Ansonsten sagte man offiziell nichts zu dem Einsatz.

In einer Mitteilung des Regierungspräsidiums hieß es nun, in der Behörde herrschten “Fassungslosigkeit und Erschütterung über den Tod des beliebten und außerordentlich nahbaren” Chefs. In seiner Amtszeit habe Lübcke das Haus durch große Veränderungen geleitet, in der seine Bodenständigkeit und sein offener, verbindlicher Umgang ihm wie auch den Beschäftigten vieles erleichtert hätten.

Eine Rolle könnte nach HNA-Informationen auch ein Mann spielen, den Walter Lübcke womöglich im Umfeld der derzeitigen Kirmes unweit seines Wohnhauses in Istha getroffen haben soll. Das Landeskriminalamt in Wiesbaden wollte am Sonntag zu den Ermittlungen keine Auskünfte geben. Auch die federführende Kasseler Staatsanwaltschaft schwieg.

Lübcke wurde im nordhessischen Bad Wildungen geboren. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann arbeitete er nach Angaben seiner Partei in der Pressestelle der Kunstausstellung documenta 7. Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Kassel schloss er 1991 mit einer Promotion ab. Vor seiner Amtszeit als Regierungspräsident saß Lübcke von 1999 bis 2009 für die CDU im hessischen Landtag.

Dr. Walter Lübcke wurde 65 Jahre alt. Seit zehn Jahren stand der Christdemokrat an der Spitze des Kasseler Regierungspräsidiums. Offiziell hatte seine Dienstzeit am 31. März geendet. Doch auf Wunsch des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier hatte er verlängert. Walter Lübcke war promovierter Wirtschaftswissenschaftler. Er galt als bodenständiger Macher und Mann des klaren Wortes.

Lübcke hatte zehn Jahre lang das Regierungspräsidium Kassel geleitet, das eine Verwaltungsbehörde auf mittlerer Ebene zwischen dem Land Hessen und seinen Gemeinden ist. Dabei hatte er mit seiner Unterstützung für Geflüchtete 2015 auch bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, indem er Nächstenliebe und christliche Werte als fundamental für das Zusammenleben in Deutschland betonte.

Er selbst sagte einmal über sich, er sei „Generalist“. Seine Mitarbeiter hätten es ihm leicht gemacht. Er wisse, dass er sich auf sie verlassen könne. Seine Bilanz als Regierungspräsident lautete: „Es waren zehn gute Jahre. Dr. Walter Lübcke hinterlässt Ehefrau und zwei erwachsene Söhne.

Einen ausführlichen Nachruf zum Tod von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke lesen Sie hier.

Auch im mittelhessischen Gießen hat der plötzliche Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Bestürzung ausgelöst. „Mit Walter Lübcke verliere ich einen liebenswerten Weggefährten, einen bürgernahen und sehr engagierten Kollegen, der sich für ,sein‘ Nordhessen und Regierungspräsidium stark gemacht hat“, sagt der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich in einer ersten Reaktion und drückt der Familie sein Mitgefühl aus. Vor allem für seine klaren Worte habe er Walter Lübcke geschätzt und dafür, „dass bei ihm ein Wort ein Wort war – ohne Wenn und Aber.“

Der Vorsitzende der Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag, René Rock, hat sich erschüttert vom Tode des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gezeigt. „Mit Walter Lübcke verlieren wir einen bodenständigen und dem Leben zugewandten Menschen, der Herzen zu gewinnen verstand. Er war ein herausragender Anwalt nordhessischer Interessen, kluger Politiker und exzellenter Verwaltungsfachmann. Sein Tod bedeutet einen Verlust für ganz Hessen. Die Umstände seines Todes bestürzen mich. Sie bedürfen einer genauen Aufklärung durch die zuständigen Behörden. Unser Mitgefühl gehört der Familie Walter Lübckes.“

Geboren 1985. 2011 als Volontärin zur HNA gekommen, seit 2015 Redakteurin in der Stadtredaktion Kassel.

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